Saisontipps

Frau fährt im Wald Fahrrad

Rad fahren und MS

Fahrrad fahren für jedermann

02.05.2011

An sonnigen Tagen tauschen auch viele Menschen mit MS ihr Auto gerne gegen das Fahrrad. Ob für den Ausflug oder als zweckmäßiges Transportmittel, Rad fahren ist gut für Körper und Seele, umweltfreundlich und günstig. Mittlerweile gibt es Modelle, die das Radfahren auch für MS-Betroffene mit körperlichen Einschränkungen möglich machen. Um Spaß und Sicherheit zu garantieren, sollte je nach Einschränkung das Fahrrad angepasst oder gegebenenfalls neu angeschafft werden.

Aus therapeutischer Sicht ist Rad fahren für MS-Betroffene besonders geeignet. Bei der richtigen, leicht nach vorne gebeugten Sitzhaltung, wird die Rückenmuskulatur sanft angespannt. Der Rumpf wird so stabilisiert. Die Beinbewegungen kräftigen die Bein- und Wirbelsäulenmuskulatur. Die allgemeine Beweglichkeit und Koordination werden verbessert. Anders als Walken oder Joggen schont Rad fahren die Gelenke. Das Körpergewicht wird vom Sattel, den Pedalen und dem Lenker aufgefangen.


Welches Fahrradmodell ist das Richtige?

Das Rad sollte an die Bedürfnisse und körperlichen Voraussetzungen des Fahrers angepasst sein. Gerade für Menschen mit MS ist die Modellauswahl entscheidend, um Überforderung zu vermeiden. Rennräder oder die angesagten Cruisers sind aufgrund ihres meist sehr hohen Durchstieges nicht empfehlenswert. Cityräder sind hier von Vorteil. Es gibt sie auch mit einem besonders tiefen Durchstieg, was ein schnelles und sicheres Auf- und Absteigen ermöglicht. Eine gute Gangschaltung mit ausreichend vielen Gängen sollte außerdem vorhanden sein.


Der neue Trend: Pedelecs und E-Bikes

Fahrräder mit Elektromotor, sogenannte Pedelecs (Pedal Electric Cycle) und E-Bikes, sind auf dem Vormarsch. Beinahe jeden Fahrradtypus, vom Mountainbike bis hin zum Reiserad, gibt es jetzt mit dem eingebauten Rückenwind. Die Vorteile liegen auf der Hand. Das Elektrorad ist im Gegensatz zum Auto umweltfreundlicher und kostengünstiger. Wie mit einem normalen Fahrrad, umfährt man leicht den stressigen Berufsverkehr, kommt aber nie verschwitzt ans Ziel.

Bei den Elektrorädern wird zwischen verschiedenen Kategorien unterschieden, die dann führerscheinrechtliche Konsequenzen haben. Beim Pedelec springt der Elektromotor nur beim Antreten an. Der Motor läuft unterstützend bis 25 km/h und schaltet sich dann ab. E-Bikes werden nur durch Motorleistung betrieben, können aber auch im Mischbetrieb als Tretunterstützung oder nur mit Motorantrieb genutzt werden. Diese sind dann versicherungs- und mofaführerscheinpflichtig.

Für MS-Betroffene mag die Anschaffung eines Elektrorades verführerisch klingen, gerade wenn man unter Symptomen wie Fatigue leidet. Ein erheblicher Nachteil ist allerdings der hohe Anschaffungspreis. Ein gutes Rad fängt preislich bei 1000- 1500 Euro an. Des Weiteren ist zu bedenken, dass ein Elektrorad einiges mehr wiegt.


Das Dreirad – eine sichere Alternative
Früher hatten Dreiräder zumeist eine eher klobige Form. Moderne Dreiräder sind sportlich gestaltet und vor allem praktisch. Dank der Gesamtkonstruktion ist ein Umkippen beinahe unmöglich geworden. MS-Betroffene, die Gleichgewichtsstörungen haben, fühlen sich auf einem Dreirad wieder sicher. Diese Räder zeichnen sich außerdem durch einen besonders tiefen und breiten Durchstieg aus. Aufgrund der zwei Räder hinten verfügen Dreiräder meist über Platz für einen sehr großen Einkaufskorb. Die Kosten für ein gutes Dreirad fangen bei circa 350 Euro an.

Dreiräder gibt es auch mit zwei Rädern vorne. Dies ist etwas gewöhnungsbedürftig, doch hat es den Vorteil, dass man nicht in die Verlegenheit kommt, zu vergessen, dass das Rad hinten breiter ist, und Kantsteinen ungewollt zu nahe kommt. Eine weitere praktische Variante ist das Klappdreirad. Zusammengeklappt lässt es sich im Kofferraum oder platzsparend im Haus verstauen.


Das Dreirad als Therapierad
Dreiräder gibt es mit oder ohne Elektroantrieb. Da sie verhältnismäßig teuer sind, lohnt es sich, bei der Krankenkasse einen Antrag zu stellen, damit diese für das Therapierad aufkommt. Hierfür ist allerdings Voraussetzung, dass der behandelnde Arzt das Rad als Ergänzung der Krankenbehandlung verordnet hat.


Gut und sicher unterwegs auf dem Fahrrad

In Deutschland besteht keine Helmpflicht, doch es ist zu empfehlen, gerade im Straßenverkehr immer einen Helm zu tragen.
Egal, ob Sie eine lange Radtour planen oder nur kurz Brötchen holen, Sie befinden sich auf der Straße und unterliegen der Straßenverkehrsordnung. Auf der Internetseite des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. (http://www.adfc.de/Verkehr--Recht/Uebersicht-Verkehr--Recht) können Sie ihr Wissen bei Bedarf auffrischen.


Radtour mit MS
Für die Planung einer längeren Radtour sollten MS-Betroffene einige Dinge beachten:

  • Überschätzen Sie sich nicht. Wählen Sie eine Route, die Sie auch bewältigen können und planen Sie Pausen ein. Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie ausgepowert und verschwitzt ans Ziel kommen.
  • Wenn Sie ein Dreirad fahren, sollten Sie bei der Routenplanung sicherstellen, dass alle Wege befahrbar sind und nicht bspw. Poller den Weg unpassierbar machen.
  • Denken Sie daran, ausreichend zu trinken.
  • Wenn Sie in einer Gruppe fahren, weisen Sie die anderen vorab darauf hin, dass Sie möglicherweise häufiger Pausen brauchen oder ein langsameres Tempo wählen.
  • Tragen Sie die richtige, dem Wetter entsprechende Kleidung. Nehmen Sie bei warmem Wetter Kleidung zum Wechseln mit. Denken Sie außerdem an Sonnenschutz.
  • Das Tragen einer Sportbrille ist empfehlenswert. Sie schützt nicht nur vor Strahlung, sondern auch vor Wind, Schmutz und Insekten. Gerade im Sommer kommt es vor, dass kleine Fliegen in Kopfhöhe fliegen. Kommt ein Tier ins Auge, ist es nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich werden.
  • Nehmen Sie nicht zu viel Gepäck mit. Es ist nicht nur anstrengender, sondern kann auch Ihre Beweglichkeit einschränken. Wenn möglich, verteilen Sie es auf Ihre Mitfahrer.


Mobil und unabhängig bleiben
Auf andere nicht angewiesen zu sein und so lange wie möglich unabhängig zu bleiben, ist für MS-Betroffene besonders wichtig. Das richtige Fahrrad ist hier nicht nur aus therapeutischer Sicht ein guter Partner. Wenn Sie zu Anfang unsicher sind, können Sie sich an Ihren Krankengymnasten wenden, damit er mit Ihnen den richtigen Umgang mit Ihrem neuen Fahrrad übt. Wenn Sie nicht direkt in ein neues Rad investieren möchten, gibt es Möglichkeiten, ein vorhandenes Fahrrad umzurüsten. Mit Hilfe spezieller Lenkhilfen, Griffe, Sättel und Fixierungen für den Oberkörper und Füße kann das Fahrrad Ihren Bedürfnissen angepasst werden.

Weitere Tipps finden Sie hier:
www.aktiv-mit-ms.de/aktiv-leben/leben-mit-ms/reisen/mobilitaet-und-reisen-umweltfreundlich-mobil/

Weitere Informationen:
www.pedelec-portal.net



Quellen:

 

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