Thema des Monats
Josef van Bracht
Ein Fisch, der zurück ins Wasser findet
Gran Canaria, 2009. Entspannt treibt ein Mann im Swimmingpool auf einem aufblasbaren Gummiring und genießt seinen Urlaub. Glücklich und unbeschwert beginnt er langsam zu schwimmen. Nichts weist drauf hin, dass dieser Mann vor fast 40 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose erhielt und seit langer Zeit nicht mehr schwimmen konnte.
Aktiv im Behindertensport
Josef van Bracht, damals 28 Jahre alt und Leistungsschwimmer, bemerkt 1972 nach einem Schwimmwettkampf die ersten Symptome der MS. In der Klinik erfährt er, dass sein zentrales Nervensystem entzündet sei und es „in Watte gepackt werden müsse“. Für Josef van Bracht bricht eine Welt zusammen, denn Sport und vor allem das Schwimmen waren ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Erst einige Jahre später, nachdem sich die Anzahl der Schübe verringert und sich sein Allgemeinwohl verbessert hat, kommt van Bracht zurück zum Sport. Er leitet nicht nur verschiedene Sportkurse, sondern kann auch als Leistungsschwimmer beim Behindertensport große Erfolge im Wasser erzielen, darunter sogar mehrere deutsche Meisterschaften.
Weitere Einschränkungen durch einen Schlaganfall
2005 jedoch ändert sich all dies, als er einen lebensverändernden Schlaganfall erleidet. Seither ist er linksseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Er ist auf die ständige Hilfe seiner Frau und Freunde angewiesen.
Der erste Anlauf scheitert
Urlaube auf den Kanarischen Inseln hatten sich bereits früher positiv auf seine körperliche und seelische Gesundheit ausgewirkt. Daher fährt Josef van Bracht 2008 mit seiner Frau nach Fuerteventura. In der Sonne am Schwimmbecken packt ihn die Sehnsucht nach dem Schwimmsport. „Ich wollte es wieder ausprobieren. Ich dachte, das Schwimmen kann man doch nicht verlernen“, erzählt van Bracht. Doch durch den Schlaganfall ist van Bracht nicht mehr in der Lage, seine Bewegungen zu koordinieren. Nicht einmal die Treppe zum Pool kann er allein bewältigen. „Er war so enttäuscht, weil er fast ertrunken wäre und selbst mit Rettungsring nicht mehr schwimmen konnte“, berichtet sein Freund Hans-Werner Schäpers.
Ein neuer Plan entsteht
Doch so schnell wird nicht aufgegeben! Gemeinsam mit Freunden entsteht im Januar 2009 die Idee, zusammen nach Gran Canaria zu fahren. Dass dies ein guter Plan ist, zeigt sich direkt am Swimmingpool.
„Ein wunderbares Gefühl“
Josef van Bracht steht aus seinem Rollstuhl auf. Zwei seiner Freunde müssen ihm ins Wasser helfen, denn die Stufen zum Schwimmbecken haben kein Geländer. Im kühlen Nass ist Josef van Bracht auf sich allein gestellt, lediglich ein Schwimmring gibt ihm Halt. Doch er hält sich aus eigener Kraft über Wasser. „Es war ein wunderbares Gefühl, plötzlich wieder schwimmen zu können“, sagt er. Zwar funktionieren die Schwimmbewegungen aufgrund der Lähmung nicht so gut wie früher, doch er kann zum Teil sogar seine alten Schwimmübungen machen. Mit einer Schwimmhilfe kann Josef van Bracht mittlerweile sogar längere Zeit im Wasser verbringen.
Gemeinsam stark
Die achtköpfige Gruppe erlebt entspannte Tage auf Gran Canaria. Alle freuen sich über den Erfolg ihres Freundes. „Für uns war es außerdem erstaunlich, wie sich die ganze Wärme und Luftfeuchtigkeit positiv auf seinen Gesundheitszustand ausgewirkt haben“, sagt Schäpers.
Weil es so schön war, will die Gruppe dieses Jahr noch einmal zurück auf die Insel. „Beim letzten Mal habe ich mich darauf konzentriert, wie schön es ist, wieder einiges zu können. Diesmal will ich mir auch noch die Insel anschauen“, so van Bracht.



