Thema des Monats
Kognition und MS
Keine Schonzeit für graue Zellen im Herbst
Sonne, Licht und Wärme – das sind Treibstofflieferanten für jeden Organismus. Doch nach jedem Sommer folgen bekanntlich auch Herbst und Winter mit entsprechend gedrosselter natürlicher Energiezufuhr. Kein Grund jedoch, um bis zum nächsten Frühling in eine Trübe-Laune-Starre zu verfallen, auch wenn der Körper weniger durch Aktivitäten im Freien beansprucht wird. Es gilt, die kleinen grauen Zellen fit zu halten.
Das Gedächtnis – Datenspeicher des Lebens
Etwa die Hälfte der Menschen mit MS muss sich mit Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen auseinandersetzen. Aufmerksamkeit und Wahrnehmung fallen zum Beispiel unter diesen Begriff, ebenso das Gedächtnis. Grundsätzlich unterscheidet die Wissenschaft zwischen Ultrakurzzeitgedächtnis, Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis sowie Langzeitgedächtnis:
Im Kurzzeitgedächtnis werden Informationen maximal eine Minute gespeichert. Wenn bereits die Aufmerksamkeit beeinträchtigt ist, so dass eine Information gar nicht erst „hängen“ bleibt, bekommt schon das Kurzzeitgedächtnis keine Chance.
In Verbindung mit MS kommt es am häufigsten zu Störungen des Langzeitgedächtnisses. Hier lagert quasi das gesamte Leben, mit all dem gelernten Wissen, den gesammelten Erfahrungen und Erlebnissen.
Ein Netz aus Milliarden Nervenzellen
Für das Gedächtnis hat die Natur im menschlichen Gehirn keinen speziellen Platz vorgesehen, wie zum Beispiel für ein Organ. Es verteilt sich über mehrere Bereiche im Großhirn, funktioniert über ein neuronales Netz, bestehend aus circa 100 Milliarden Nervenzellen, die wiederum miteinander durch 100 Billionen Synapsen verbunden sind. Genug Angriffspunkte also, um über die eine oder andere Störung das System aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Trainieren Sie Ihr Gehirn
Beugen Sie dem vor! Arbeiten Sie mit (dem) Köpfchen. Je mehr Sie üben, desto leistungsfähiger wird das Gehirn. Regelmäßiges Trainieren fördert das Zusammenspiel von Kurz- und Langzeitgedächtnis. Wenn Sie damit aufhören, entwickelt sich die angelernte Hirnfähigkeit wieder zurück. Allerdings bringt es dauerhaft wenig, zum Beispiel nur Zahlenrätsel zu lösen.
Eine Stunde tägliches Üben reicht schon
Nutzen Sie das breite Angebot im Internet für computergestützte Übungen wie zum Beispiel:
Denksport für den Alltag
Schreiben Sie abends einen Einkaufszettel für den nächsten Tag. Er sollte mindestens fünf Produkte aufweisen, aber zu Beginn nicht mehr als zehn. Entscheiden Sie, wie viel Sie meinen, sich merken zu können. Vor dem Schlafengehen lesen Sie ihn noch einmal durch, ebenso am kommenden Morgen. Ab jetzt bleibt der Zettel in der Tasche und auf geht es in den Supermarkt. Die Waren in den Einkaufskorb und kurz vor der Kasse dann Zettelkontrolle. Alles eingepackt? Prima. Falls nicht, müssen Sie eben noch einmal zurück.
Kleine Steigerung gefällig?
- Nehmen Sie sich zu Hause Ihren Einkaufszettel noch einmal vor. Ordnen Sie jetzt die Produkte so, wie Sie sie vom Betreten des Geschäfts bis zur Kasse wie an einem roten Faden nacheinander in den Korb packen würden. Zurückgehen gilt nicht!
Vielleicht gestalten Sie Ihren Einkauf anhand eines Backrezeptes, das Sie immer schon einmal ausprobieren wollten. Belohnen Sie sich anschließend mit einem leckeren Kuchen.
Weitere Tipps – so halten Sie Ihre grauen Zellen auf Trab
Sie mögen Musik und Literatur?
Lernen Sie Texte auswendig, damit Sie Ihre Lieblingslieder laut mitsingen oder einfach nur ein passendes Zitat zur rechten Zeit anbringen können.
Bauen Sie Ihre Übungen möglichst zu einem festen Termin in Ihren Tagesablauf ein.
Gehen Sie dabei möglichst an die frische Luft, denn auch das Hirn (zumindest ein kleiner Teile des Hypothalamus) braucht Licht zum Arbeiten.
- Seien Sie kreativ! Überlegen Sie sich Aufgaben.
- Setzen Sie sich dabei erreichbare Ziele.
- Spannen Sie Ihre Mitmenschen ein.
- Gönnen Sie sich eine Belohnung.
- Entwickeln Sie Neugier. Hinterfragen Sie alles, was Sie schon immer genauer wissen wollten. So gefundene Antworten stärken das Selbstbewusstsein und das Hirn belohnt Sie mit einer verstärkten Ausschüttung von Glückshormonen.
Quellen:
Herbert König: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis & Co
www.dmsg.de
Prof. Dr. Ernst Pöppel „Je älter desto besser“ – Verlag Gräfe & Unzer





