Thema des Monats
Spaß im Schnee auch mit MS
Dr. Rafael-Michael Löbbert über MS und Wintersport
Wintersport erfreut sich zunehmend großer Beliebtheit. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Anzahl ganzjährig geöffneter Skihallen, dem Interesse an Skilanglauf-Weltcupveranstaltungen auf Kunstschnee in Großstädten und an Biathlon-Wettkämpfen in Fußballstadien. Auch viele Menschen mit MS möchten auf ihren gewohnten Winterurlaub nicht mehr verzichten. Dank zunehmend ausgebauter Skigebiete mit der Möglichkeit einer Kunstschneebeschneiung und einer hohen Kapazität moderner Liftanlagen steigt die Zahl der aktiv Wintersport Treibenden stetig an.
Menschen mit MS profitieren vom Wintersport
Neben der Bewegung im Freien und dem damit verbundenen Naturerlebnis, können MS-Betroffene ihre allgemeine Fitness, Herz-Kreislauf-System, Ausdauer, Kraft, Koordination und Gleichgewicht trainieren. Die kalte Witterung kommt vielen, die im Sommer häufig unter einer vorübergehenden wärmebedingten Verschlechterung ihrer Beschwerden leiden, entgegen.
Grundvoraussetzung für alle Wintersportler ist eine Vorbereitung mit regelmäßiger körperlicher Aktivität, Gymnastik und gezielter Skigymnastik. Dadurch wird nicht nur Unfällen und Verletzungen vorgebeugt. Auch lässt sich das Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Problemen, insbesondere in den ersten Urlaubstagen, reduzieren. Ursächlich hierfür wird ein ungenügender Trainingszustand in Verbindung mit den Auswirkungen der Höhenlage und den kalten Temperaturen angenommen.
Die populärsten Wintersportarten
Zu den beliebtesten Wintersportaktivitäten zählen Skilanglauf, Ski Alpin und Eislaufen. Skilanglauf ist die Sportart mit dem höchsten Ausdauereffekt und Kalorienverbrauch. Die harmonische, gleichmäßige Bewegung stellt ein gelenkschonendes Ganzkörpertraining dar. Gleichgewicht und Koordination werden geschult. Bestehende Unsicherheiten können mit den Skistöcken ausgeglichen werden. Trainiert werden insbesondere die Schulter-Nacken- Rumpf-, Oberarm- und Oberschenkelmuskulatur. Das Immunsystem wird gestärkt, Stoffwechselvorgänge gefördert.
Im Gegensatz zum Skilanglauf kommt es beim Alpinskifahren zu wiederholten kürzeren, dafür intensiven Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems und Anforderungen an Muskulatur, Koordination, Flexibilität sowie Aufmerksamkeit und Konzentration. Daran schließen sich, bedingt durch die Bergfahrt, Erholungsphasen an.
Eislaufen fördert verschiedene Funktionen wie Ausdauer, Balance, Flexibilität, Koordination und Schnelligkeit. Trainiert werden besonders die untere Rumpf- sowie die Oberschenkelmuskulatur. Die Eislauftechnik ist relativ einfach zu erlernen. Das Lauftempo kann individuell variiert werden.
Wie die Verletzungsgefahr reduziert werden kann
Verschiedene Faktoren wie schnellere Ski, harte Pisten/Loipen (vor allem durch Kunstschnee), Selbstüberschätzung, Ermüdung und Nachlassen der Konzentration, aber auch die größere Zahl an Wintersportlern erhöhen die Unfallgefahr. Protektoren senken das Risiko schwerwiegender Verletzungen deutlich. So hat sich das Tragen eines Helms mittlerweile weitestgehend durchgesetzt. Die Zahl der Wintersportler, die Rückenprotektoren anlegen, nimmt zu. Bei Sturzneigung ist auch das Tragen spezieller Schulter-, Ellenbogen-, Hüft- und Knieprotektoren zu empfehlen. Skistöcke mit Sicherheitsgriffen und ohne Schlaufen bieten besseren Halt und Komfort.
Moderne Sportkleidung erhöht nicht nur den Tagekomfort und sorgt für eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, sondern sie verhindert auch ein Auskühlen sowie eine Überwärmung des Körpers.
Ein geeigneter Sport für Menschen mit MS
Wintersport stellt für Menschen mit MS eine geeignete Form der Bewegung und des Trainings dar. Bestehende Handicaps können auf diese Weise ausgeglichen werden. Wichtig ist jedoch, entsprechende Ausrüstung, Protektoren und Kleidung zu tragen. Achten Sie außerdem auf die Einhaltung von Pausen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
Bewegung und Sport sollen Spaß machen! Durch vernünftiges Verhalten lassen sich Überlastungsschäden und Unfälle vermeiden. Jeder sollte die eigenen Grenzen kennen und respektieren!
Dr. Rafael-Michael Löbbert, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Sportmedizin und Verkehrsmedizin
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