Thema des Monats
Sport und MS
"Man muss lernen, in sich hineinzuhören."
Tanja Merget war immer schon sehr aktiv. Auch durch die MS lässt sie sich ihre größte Leidenschaft nicht nehmen – den Sport.
Im aktuellen Video ist sie bei ihren Lieblingssportarten Klettern und Kajak fahren zu sehen.
Sie sind ein sehr aktiver Mensch – was hat sich nach Ihrer MS-Diagnose verändert?
Ich lebe intensiver und etwas bewusster. Ich habe gelernt, nein zu sagen zu Dingen, die ich nicht mehr machen will oder wenn ich mich einfach überfordert fühle. Ich habe außerdem gelernt umzukehren und nicht für jemand anderen etwas Waghalsiges zu riskieren. Dinge, die ich mache, mache ich für mich. Ich bin positiver geworden, obwohl ich vor der Diagnose auch schon ein positiver Mensch war.
Was hat sich verändert in Bezug auf Sport und Ihre Aktivität?
Ich habe früher Leistungssport betrieben, bin in meiner Jugendzeit Radrennen gefahren und habe danach immer viel Sport getrieben. Seit der Diagnose treibe ich immer noch sehr umfangreich Sport, aber ich höre mehr in mich hinein und auf meinen Körper. Ich weiß genau, wann ich Auszeiten brauche oder dass ich nach extremen sportlichen Aktivitäten auch eine entsprechend lange Ruhepause brauche, um mich wieder zu erholen.
Im Video sieht man Sie beim Klettern und Kajak fahren – was bedeutet Sport für Ihr Leben?
Ich habe das Klettern und Kajak fahren erst nach meiner Diagnose begonnen, ich war früher – wie gesagt – Radsportlerin. Das sind für mich zwei völlig neue Sportarten gewesen, die mich aber nicht nur körperlich fordern, sondern auch mental. Und was mich mental stärkt, bringt mich auch in Bezug auf meine Diagnose weiter: Nicht aufzugeben, motiviert zu sein, einfach etwas zu tun und sich nicht hängen zu lassen. Ich denke, dass Sport bei Krankheit in einem gewissen Umfang grundsätzlich eher förderlich ist. Gerade MS-Betroffene haben ja häufig Angst sich zu verausgaben, aber ich denke, man muss aktiv bleiben, um nicht mental in ein Loch zu fallen.
Welche Sportarten würden Sie gerne einmal ausprobieren?
Grundsätzlich bin ich neugierig auf alles, ich probiere gerne aus. Eines der verrücktesten Dinge, die ich gern noch mal machen würde, wäre ein Fallschirmtandem-Sprung. Ich habe vor ein paar Jahren einen Paraglide -Tandemsprung gemacht und letztes Jahr in Neuseeland noch einmal. Das ist ein tolles Gefühl in der Luft zu fliegen – die Steigerung wäre der Fallschirm-Tandemsprung.
Wie wirkt sich die körperliche Aktivität auf die MS aus?
Ich glaube, dass ich durch den Sport körperlich und auch muskulär entsprechend fit und beweglich bin, das kann sicher über gewisse Defizite hinweghelfen. Ich hatte in den ersten Jahren nach meiner Diagnose ziemlich viele Schübe, bei denen es auch zu seitenbezogenen Ausfällen kam. An schlechten Tagen merke ich davon noch etwas, aber ich kann das durch meine körperliche Fitness viel leichter kompensieren als jemand der keinen Sport macht. Ich denke, dass gerade der Sport und die Beweglichkeit des Körpers schon ein unglaublich wichtiger Ausgleich sind.
Viele MS-Betroffene sind unsicher, ob sie Sport treiben sollten, aus Angst sich zu übernehmen. Was würden Sie diesen raten?
Grundsätzlich: einfach mal ausprobieren, es wagen. Man muss lernen, in sich hineinzuhören, wann Sport zur Überforderung wird und wann es einem noch gut tut. Ich habe mir angewöhnt, bei keinem Sport mehr an die Leistungsgrenze zu gehen, sondern mich in einem Leistungsbereich zwischen 70-80 Prozent zu bewegen. So habe ich immer noch diesen letzten Puffer, wenn es brenzlige Situation gibt und provoziere keinen Schub. Aber ich finde es auch wichtig, mal Dinge auszuprobieren und nicht von vornherein zu sagen, ich bin krank und jetzt kann ich nicht mehr. Ich möchte mit meinem Video zeigen, dass man nicht aufgeben sollte und auch mit der MS gut leben kann. Man darf nicht den Mut verlieren und nicht an alten Dingen festhalten, sondern einfach Neues ausprobieren!
Haben Sie einen Lebenstraum, den Sie noch verwirklichen möchten?
Ich möchte gerne noch viel sehen auf der Welt. Ich bin einerseits zwar ein sehr bodenständiger Mensch, der gerne zuhause ist, aber ich lerne auch gerne andere Kulturen kennen. Ich habe inzwischen schon viel gesehen, aber es gibt immer noch viele weiße Flecken auf der Weltkarte, die mich noch neugierig machen.
Neuester Kommentar zu diesem Artikel
Zu diesem Artikel gibt es noch keine Kommentare.





