Leben mit MS
Freizeit
Viele wissenschaftliche Untersuchungen konnten nachweisen, dass ein enger Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und seelischer Stimmungslage besteht. Nicht nur aus diesem Grund ist eine aktive Freizeitgestaltung für Betroffene wichtig. Wir geben Tipps und Vorschläge.
Wie Servicehunde das Leben mit MS erleichtern können
"Dora hilft mir."
Eva Heinrichs ist von Multipler Sklerose betroffen. Die 47-Jährige hat einen Servicehund an ihrer Seite, der sie im Alltag unterstützt. Zudem zeigt sie anderen körperlich eingeschränkten Menschen, wie sie ihren Hund zum Servicehund ausbilden können. Eva Heinrichs ist seit fast 30 Jahren von Multipler Sklerose betroffen, davon 20 Jahre unerkannt. Die Folgen der spät entdeckten und behandelten Multiplen Sklerose sowie zusätzliche rheumatische Erkrankungen schränken ihr Leben stark ein. Nicht nur ihren Beruf als Dreherin, auch Hobbys wie Radfahren und Joggen musste die aktive und lebenslustige Frau aufgeben. Doch nicht nur die MS begleitete Eva Heinrichs durch den Großteil ihres Lebens, auch Hunde waren immer an der Seite der heute 47-Jährigen.
Ausbildung zum Servicehund
So kam Eva Heinrichs auch irgendwann auf die Idee, die vielen Fähigkeiten ihres geliebten Vierbeiners zu nutzen, um sich das Leben zu erleichtern. Sie bildete ihre damals sechsjährige Rottweiler-Hündin Gunda zum Servicehund aus. Den heruntergefallenen Kochlöffel aufheben, das Telefon aus dem Nebenzimmer holen oder die Socken ausziehen: Solche Anstrengungen gehören nun für die mehrfach behinderte Hundefreundin der Vergangenheit an.
Trainerin für Mensch und Hund
Eva Heinrichs beschloss, ihre guten Erfahrungen an andere Menschen mit Multipler Sklerose weiterzugeben. Sie absolvierte umfangreiche Ausbildungen und Seminare und unterstützt nun andere körperlich eingeschränkte Menschen bei der Ausbildung ihres Servicehundes. Als "Trainerin für Mensch mit Hund" hat sie sich einen Traum erfüllt. Schon als Kind lieh sie sich die Nachbarshunde aus und wollte Tierärztin werden.
Servicehund oder Behindertenbegleithund?
Für Hunde, die Menschen mit körperlichen Einschränkungen praktische Hilfe leisten, gibt es viele verschiedene Bezeichnungen: Servicehund, Behindertenbegleithund (BBH), Assistenzhund oder LpF-(lebenspraktische Fertigkeiten-) Hund. Doch die Anforderungen, die an die Hunde gestellt werden, sind so individuell, dass keiner der Begriffe exakt zutrifft. Zudem gibt es andere Situationen, in denen Hunde eingeschränkten Menschen ebenfalls gute Dienste leisten, beispielsweise als Therapiehund oder um vor drohenden Epilepsieanfällen und Unterzuckerungen zu warnen.
Wir sprachen mit Frau Heinrichs über Servicehunde
Für wen sind Servicehunde geeignet?
Servicehunde eignen sich grundsätzlich für jeden, der gerne sein Leben mit einem Hund teilt. Ein Servicehund ist ein gut erzogener Familienhund, der ein paar "Tricks" mehr zu bieten hat. Menschen mit körperlichen Einschränkungen brauchen sich in der Regel keine Sorgen machen, dass sie dem Hund nicht gerecht werden. Die Spazierrunde können sie schließlich auch im Rollstuhl drehen, und wer sich mit anderen Hundehaltern verabredet, bietet dem Hund auch ausreichend Spielmöglichkeiten. Wenn der Hund schon als Welpe ins Haus kommt, ist jedoch tatkräftige Unterstützung durch die Familie nötig. Genauso wie bei Tierarztbesuchen.
Wobei können Servicehunde Menschen mit Multipler Sklerose helfen?
Das hängt natürlich ganz von den persönlichen Einschränkungen ab. Wenn sich ein MS-Betroffener beispielsweise nicht bücken kann, kann der Hund Gegenstände für ihn aufheben. Wenn ein Mensch mit Multipler Sklerose nicht laufen kann, wird er ihm die Gegenstände bringen. Hat jemand Probleme mit den Händen, dann trägt der Hund den Einkaufskorb. Meine Dora hilft mir beispielsweise auch, die Strümpfe oder die Jacke auszuziehen. Andere Hunde öffnen Türen oder schalten das Licht ein. Die Bandbreite ist enorm. Letztendlich erhält jeder Hund eine ganz individuelle Ausbildung, die den Bedürfnissen seines menschlichen Partners entspricht.
Zudem leistet so ein vierbeiniger Freund vieles, was weit über die praktische Hilfe hinausgeht. Ganz wichtig ist seine Rolle als Vermittler von Kontakten. Gesunden fällt es leichter, Hemmungen zu überwinden, weil es immer ein Gesprächsthema gibt. Menschen, die sich zurückgezogen haben, gehen wieder vor die Tür. Viele werden viel selbstständiger und selbstbewusster. Hunde wirken sich ja auch positiv auf die Seele aus. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes Weggefährte, Ansprechpartner und Zuhörer, sie bieten körperliche Nähe und wirken beruhigend.
Mein Hund hilft mir manchmal, über mich hinauszuwachsen. Wenn ich mit ihm trainiere und mich ganz auf ihn konzentriere, mache ich oft unwillkürlich Bewegungen, die ich mir sonst gar nicht zutraue – aus lauter Angst vor Schmerzen. Das steigert natürlich wiederum meine Mobilität.
Gibt es Hunde, die besonders geeignet sind?
Oft werden Labrador oder Golden Retriever zu Servicehunden ausgebildet, weil sie so gerne und gut apportieren. Grundsätzlich sind jedoch fast alle Rassen geeignet, wenn der Charakter des einzelnen Hundes passt. Für Allergiker ist vielleicht ein Königspudel der Richtige, für sehr aktive Menschen vielleicht sogar ein Border Collie. Wer besonderen Wert auf die beruhigende Wirkung seines Begleiters legt, schätzt vielleicht den Collie. Auch Hunde, die bereits in der Familie leben, können zum Servicehund ausgebildet werden. Das ist auch keine Frage des Alters. Grundsätzlich kommt es auf den Charakter des einzelnen Hundes und die Bedürfnisse des Besitzers an. Wenn der Hund Türen öffnen soll, muss er beispielsweise eine gewisse Größe haben.
Wie sieht die Ausbildung zum Servicehund aus?
Die Ausbildung zum Servicehund erfolgt sehr individuell. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten. Wenn Sie einen fertig ausgebildeten Hund haben möchten, können Sie sich an verschiedene Vereine wenden (Empfehlungen siehe unten). Oder aber Sie bilden Ihren Hund selbst aus.
Auch wenn Sie über die Anschaffung eines Welpen nachdenken, sollten Sie vorher unbedingt einen seriösen Hundetrainer gefunden haben. Denn dieser kann klar erkennen, welcher Hund aus einem Wurf für die Ausbildung geeignet ist. Beispielsweise sind ein starker Spieltrieb und die Hinwendung zum Menschen von Bedeutung. Ein guter Trainer kann schon mit Welpen aussagekräftige Tests durchführen.
Die Ausbildung des Hundes dauert acht Monate bis eineinhalb Jahre. Wenn Sie sich für einen Welpen entscheiden, dauert es etwa zwei Jahre bis sich aus dem Fellknäuel ein Servicehund entwickelt hat.
Wie finde ich einen geeigneten Hundetrainer?
Bei der Suche nach einem Trainer empfehle ich zur ersten Orientierung das Internet. In jedem Fall sollten Sie den Trainer sorgfältig auswählen. Welche Qualifikationen besitzt er? Kann er Ihnen Beispiele zeigen? Können Sie bei einer Trainingsstunde zuschauen? Bietet er Einschulungen und Nachschulungen an? Gerade die spätere Betreuung ist wichtig. Deshalb sollte der Trainer nicht zu weit weg wohnen. Achten Sie unbedingt auch auf Ihr Gefühl. Sie müssen sich mit dem Trainer und seinen Methoden wohlfühlen.
Bezahlt die Krankenkasse den Servicehund?
Ein Servicehund kostet zwischen 5.000 und 65.000 Euro, die die Krankenkassen in Deutschland bisher nicht übernehmen. Ich gehe davon aus, dass sich in Zukunft etwas ändern wird, da sich viele Vereine und Organisationen hier sehr engagieren. Diese gemeinnützigen Vereine (siehe Web-Links) unterstützen Menschen mit körperlichen Einschränkungen – und damit auch Menschen mit MS – auch finanziell bei der Anschaffung eines Servicehundes. Allerdings haben sie lange Wartelisten.
Eva Heinrichs steht Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite:
Eva Heinrichs
Alte Peiner Heerstraße 91
30659 Hannover-Lahe
Telefon: 05 11/61 33 67
Mobil: 0170/86 85 200
info@partner-kalteschnauze.de
Weitere Informationen finden Sie auch hier:
- www.kynos-stiftung.de
- www.prima-partner.de
- www.apporte-assistenzhunde.de
- www.hundefuerhandicaps.de
- www.canida-hilfe.de
- www.partner-kalteschnauze.de
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