Leben mit MS
Psyche
Die Diagnose Multiple Sklerose löst bei den meisten Betroffenen fast immer ein Durcheinander an Gefühlen aus: Angst und Panik, Schock und Traurigkeit. Aber auch bei einer Depression gibt es Mittel und Wege, die Erleichterung verschaffen, so dass die Zukunft bald wieder rosiger aussieht.
Depression bei MS
Holen Sie sich Hilfe!
Menschen mit MS haben ein höheres Risiko, von einer Depression betroffen zu sein als Andere. Das liegt zum einen an der psychischen Belastung, die eine solche chronische Erkrankung mit sich bringt. Zum anderen kann die MS selbst durch neuropsychologische Vorgänge eine Depression auslösen. Depressive Menschen neigen dazu, sich zurückzuziehen. Ihre Lebensqualität wird dadurch erheblich gemindert. Der Betroffene befindet sich in einem Teufelskreis, aus dem er nicht mehr alleine ausbrechen kann. Während depressive Verstimmungen meist durch Unterstützung von Familie und Freunden aufgefangen werden können, sollten Depressionen unbedingt ärztlich behandelt werden.
Depression oder depressive Verstimmung?
Eine "depressive Verstimmung" äußert sich meist durch Betrübtheit und Traurigkeit. Sie verschwindet jedoch wieder, sobald etwas Positives passiert bzw. der Betroffene aktiv gegen seinen negativen Gemütszustand vorgeht. Depressionen hingegen sind unkontrollierbar und können nicht mit eigener Willenskraft verhindert werden.
Depressionen sind in unserer Gesellschaft immer noch stark tabuisiert. Doch Depressionen sind keine Charakterfrage, sondern eine ernsthafte Erkrankung, die professioneller Behandlung bedarf. Scheuen Sie sich daher nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn ein Stimmungstief länger andauert. Depressionen können durch Psychotherapie oder auch Antidepressiva effektiv behandelt werden.
Verschiedene Arten der Depression
Die Diagnose Multiple Sklerose hat einen gravierenden Einfluss auf das Leben des Betroffenen. Die psychische Belastung einer chronischen Erkrankung, die sich verschlechtern und bleibende Behinderungen mit sich bringen kann, kann durchaus eine Depression auslösen. Es wird in diesem Fall von einer reaktiven Depression gesprochen, da sie durch äußere Umstände verursacht wird. Eine andere Art der Depression ist die Erschöpfungsdepression, die sich nach einer lange andauernden psychischen Belastung bemerkbar machen kann.
Depressionen können jedoch auch durch die MS selbst verursacht werden (organische Depression). Bei der dualen Erkrankung werden das Myelin und die Nervenfasern im Gehirn durch entzündliche Prozesse geschädigt und langfristig abgebaut. Eine Schädigung der Bereiche des Gehirns, von denen die Emotionen gesteuert oder beeinflusst werden, kann eine Vielfalt von psychischen Symptomen, so auch Depressionen, zur Folge haben. Depressionen können auch als Nebenwirkung verschiedener Medikamente wie beispielsweise Kortison auftreten.
Wie gehe ich am besten mit einer Depression um?
- Ziehen Sie sich trotz der Diagnose MS nicht zurück. Suchen Sie den Kontakt zu anderen Menschen!
- Halten Sie Ihren behandelnden Arzt über Ihre Stimmungslage auf dem Laufenden.
- Suchen Sie sich ein Vorbild, das gelernt hat, mit der MS selbstbewusst umzugehen. Vorbilder helfen vielen Menschen mit seelischen Krisen. Dies kann z. B. jemand aus der Selbsthilfegruppe oder Ihrem Bekanntenkreis sein, der selbst an einer chronischen Krankheit leidet und seinen Lebensstil mit seiner MS gefunden hat.
- Bleiben Sie selbstbewusst! So sollten Sie über Reaktionen Ihrer Mitmenschen wie Ungeduld, wenn Sie langsamer sind, oder auch Bösartigkeit, wenn Sie schwanken wie ein Betrunkener, hinwegsehen.
- Versuchen Sie, nicht ins Grübeln zu kommen. Gedanken wie: "Warum gerade ich" oder sonstige Ursachenforschung bringen Sie nicht weiter. Versuchen Sie eher herauszufinden, was außer der Multiplen Sklerose noch in Ihnen steckt. Vielleicht schlummert in Ihnen ein Talent, von dem Sie noch gar nichts wussten, und das von der MS nicht beeinflusst wird.
- Stecken Sie sich Ihre Ziele nicht zu hoch! Selbstverständlich ist es wichtig, sich Ziele zu setzen. Doch wenn diese zu hoch gegriffen sind, setzen Sie sich damit unter einen starken Leistungsdruck. Wenn Sie Ihr Ziel dann nicht erreichen, ist die Enttäuschung sehr groß.
- Nicht zu viel auf "Wunder" geben! Man hört immer wieder, dass jemand, der jahrelang im Rollstuhl saß, nach der Einnahme eines Mittels plötzlich wieder laufen konnte. Solche Einzelberichte schüren große Hoffnung, und die Enttäuschung ist umso größer, wenn dieses Mittel bei einem selbst nicht hilft.
Depressionen sind immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Menschen mit Multipler Sklerose sollten ihre depressive Verstimmungen und Depressionen offen ansprechen, um geeignete Hilfestellungen zu erhalten.
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