Leben mit MS

Psyche

Die Diagnose Multiple Sklerose löst bei den meisten Betroffenen fast immer ein Durcheinander an Gefühlen aus: Angst und Panik, Schock und Traurigkeit. Aber auch bei einer Depression gibt es Mittel und Wege, die Erleichterung verschaffen, so dass die Zukunft bald wieder rosiger aussieht.


 

Junge Damen lachen

Humor als Therapie

Lachen ist gesund!

Gerade für Menschen mit Multipler Sklerose ist es oft nicht leicht, ihren Humor und eine positive Lebenseinstellung zu behalten. Depressionen sind häufige Begleiterscheinungen chronischer Erkrankungen – so auch der MS.


Nicht umsonst heißt es im Volksmund jedoch: "Lachen ist gesund". Schon der antike Philosoph Demokrit propagierte nicht nur das seelische Gleichgewicht, sondern auch die Gemütsruhe als Ziel aller Erkenntnis und Lebensweisheit. Und hier waren für ihn vor allem die Fröhlichkeit und das Lachen wichtig, galt er doch als "lachender Philosoph".

Lachen in der Evolution

Aus der Sicht des Evolutionsbiologen ist das Lachen die Weiterentwicklung einer Drohgebärde, nämlich des Zähnefletschens. Kein Wunder also, dass heftiges Lachen richtige körperliche Arbeit ist, bei der fast sämtliche Muskeln im Körper beansprucht werden: Der Puls steigt, die Atmung ist beschleunigt und die Muskulatur wird stärker durchblutet. Nach der starken Anspannung setzt umgekehrt eine genauso tiefe Entspannung ein, durch die möglicherweise Stresshormone abgebaut werden. Der Effekt wird oft mit körperlichem Training verglichen, bei dem Glückshormone vom Körper ausgeschüttet werden.

Aber zunächst einmal zurück zu den Wurzeln der modernen lachenden Wissenschaft. Nachdem schon Anfang des 20. Jahrhunderts Wissenschaftler gezielt der Frage nachgingen, welchen Einfluss psychische Faktoren auf unseren Körper haben, beschrieb der kanadische Endokrinologe Hans Hugo Bruno Selye 1946 die Effekte von Stress auf das Nervensystem, die Hormonausschüttung und auf die lymphatischen Organe (vereinfacht Immunorgane). 1975 kreierten zwei britische Wissenschaftler dann den Begriff "Psychoneuroimmunologie". In den folgenden Jahrzehnten fanden Wissenschaftler verschiedene direkte oder indirekte Effekte psychologischer Faktoren – auch des Lachens – auf unseren Hormonhaushalt und speziell auch auf unser Immunsystem. Andererseits ist bis heute nicht klar, wie das Lachen genau funktioniert und welche Teile des Gehirns dafür entscheidend sind.

Humor als Therapieform?

Es wurden bereits einige Studien zur Rolle des Humors bei verschiedenen schweren Erkrankungen wie Krebs oder bei Depression durchgeführt. So scheint zumindest für viele Betroffene einer schweren Erkrankung der Humor ein wichtiger Teil ihres Umgangs mit der Erkrankung zu sein. Depressionen konnten nach bisherigen Untersuchungen ebenfalls positiv beeinflusst werden. Allerdings bleibt die medizinische Humorforschung allein schon deshalb schwierig, weil es interkulturell kaum möglich ist, Humor überhaupt zu definieren.


Die kognitive Ebene im GehirnAber wie sieht es denn mit dem Lachen aus? Es sind immerhin sehr viele Effekte auf unseren Organismus bekannt. Interessant war hier zunächst das Ergebnis einer Studie, die zeigen konnte, dass Humor unser Nervensystem ähnlich wie Stress stimulieren kann, allerdings ohne solch negative Effekte wie den Anstieg des Blutdrucks zu bewirken. Diese Einsicht führt zu einem mittlerweile recht verbreiteten Begriff des "Positivstress". Er scheint durchaus gerechtfertigt, da die grundlegenden Effekte von Humor sich tatsächlich höchstwahrscheinlich im Kopf abspielen, nämlich auf kognitiver Ebene.

Erforschung von Humor

Sie fragen sich jetzt sicher, wie man denn wohl Humor in einer Studie "anwendet". Genau hier gehen die Meinungen auch deutlich auseinander. Eine oft genutzte Methode ist es, die Reaktion von Versuchspersonen auf einen komischen Film gegenüber einem neutralen oder gar einem stressenden Horror-Film zu untersuchen. Bei diesem Ansatz fand man auch, dass die körpereigene Kortisonausschüttung beim Lachen zurückgeht. MS-Betroffene kennen den immunsuppressiven Effekt von Kortison gut und fragen sich – wie auch die Forscher –,ob das Lachen dann wohl das Immunsystem stärken könnte.

Betrachtet man aber die Komplexität unseres Immunsystems und die wenigen gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, so wäre diese Folgerung sicher weit übertrieben. Zumindest aber hat eine aktuelle Untersuchung bei Diabetikern in einer japanischen Klinik gezeigt, dass 14 Gene, die die Aktivität von Immunzellen mitsteuern, möglicherweise durch Lachen aktiviert werden.

Der humorvolle Leser fragt sich spätestens jetzt, ob es denn wirklich unbedingt sein muss, dass man alle noch so komplizierten Vorgänge im Körper versteht, bevor man einfach einmal laut loslacht.


Versuchen Sie daher, positiv zu denken, und nutzen Sie jede Gelegenheit für ein herzhaftes Lachen!



Quellen:

  • Bennett MP, Lengacher C. Humor and Laughter May Influence Health: III. Laughter and Health Outcomes. Evid Based Complement Alternat Med. 2008; 5:37–40.
  • Bennett MP, Lengacher C. Humor and Laughter May Influence Health: II. Complementary Therapies and Humor in a Clinical Population. Evid Based Complement Alternat Med. 3: 187–190.
  • Bennett MP, Lengacher CA. Humor and laughter may influence health. I. History and background. Evid Based Complement Alternat Med. 3: 61–63.
  • Hayashi T, Tsujii S, Iburi T, Tamanaha T, Yamagami K, Ishibashi R, Hori M, Sakamoto S, Ishii H, Murakami K. Laughter up-regulates the genes related to NK cell activity in diabetes. Biomed Res. 2008 28: 281–285.


 

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