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Partnerschaft und MS
„Immer im Gespräch bleiben!“
Ulrike Behl ist Krankenschwester und Leiterin des COPAKTIV Service-Teams. Sie berät täglich MS-Betroffene in vielen Lebensaspekten. Ein häufiges Thema bei diesen Gesprächen sind Probleme in der Partnerschaft.
Mit welchen Problemen in der Partnerschaft haben MS-Betroffene zu kämpfen?
Viele MS-Betroffene plagen – gerade kurz nach der Diagnose – Verlassensängste. Die große Angst ist, dass sich der Partner trennen wird, wenn möglicherweise die körperliche Attraktivität abnimmt und körperliche Einschränkungen zunehmen. Auch die Sorge, durch Erwerbsunfähigkeit vom Partner finanziell abhängig zu werden, ängstigt viele. Gerade wenn für das eigene Selbstbild der Erfolg im Beruf sehr wichtig ist.
Vor allen Dingen Frauen haben oftmals Probleme, Hilfe vom Partner anzunehmen. Auch das „Fünfe-gerade-sein-lassen“, wenn der Mann die Spülmaschine „nicht richtig“ einräumt und die Kids die „falsche“ Butter einkaufen, fällt Frauen besonders schwer.
Was sind die Sorgen und Ängste von Menschen, deren Partner an MS erkrankt ist?
Viele fragen sich, neben der Sorge um den geliebten Partner: Was heißt das für mich? Darf ich jetzt selbst noch Schwächen zeigen oder gar krank sein? Außerdem sehen viele die gemeinsame Lebensplanung gefährdet, inwieweit nun die MS das gemeinsame Leben bestimmen wird. Viele machen sich auch Gedanken über den Umgang in der Partnerschaft: Wenn Stress einen Schub provozieren kann, muss dann künftig jeder Streit möglichst vermieden werden?
Kommt es Ihrer Erfahrung nach häufiger zu Trennungen als in Beziehungen, in denen beide Partner gesund sind?
Die Frage ist schwer zu beantworten. Grundsätzlich hängt es vermutlich davon ab, wie lange und wie stabil die Partnerschaft war, bevor die MS auftrat. Die Bandbreite ist sehr groß. Relativ junge MS-Erkrankte zeigen manchmal die Einstellung, dem gesunden Partner nicht „das Leben verbauen zu wollen“, sodass eine Trennung herbeigeführt wird. Wobei mit dieser Geisteshaltung auch häufig gesunde junge Partner die Beziehung beenden.
Langjährige Partnerschaften haben hier oft mehr „Durchhaltevermögen“, sind durch vorherige Belastungsproben kampferprobter und können sich ihrer gemeinsamen Ressourcen sicher sein.
Es kann aber auch anders sein: Junge Paare sind oft viel geübter in der Kommunikation miteinander und sprechen ihre Ängste, Sorgen und Hoffnungen deutlich aus, sodass hier auch oft ein starker Zusammenhalt beobachtet werden kann. Bei den „älteren Generationen“ funktioniert der Austausch über Wünsche, Bedürfnisse und Ängste manchmal weniger gut.
Was raten Sie MS-Betroffenen in Bezug auf den Umgang mit der Krankheit in ihrer Partnerschaft?
So offen zu sein, wie es das eigene Befinden, der eigene Stand in Sachen Krankheitsbewältigung und –akzeptanz gerade zulässt! Nichts erzwingen, weder Gespräche über die MS, ihre Ursachen und Konsequenzen, noch dass der Partner mit zum Neurologen geht oder dass er das Spritzen übernimmt.
Betroffene sollten auch für die Sorgen, Ängste und das Verhalten des Partners und der Kinder Verständnis aufbringen. Zum Beispiel akzeptieren, dass auch der „starke“ Ehemann mal Ängste äußert.
Manchmal kann es helfen, dem Partner seine Gedanken und Gefühle, Hoffnungen und Ängste in Bezug auf die MS in anderer Form mitzuteilen, als im Gespräch: Das kann ein Brief, ein selbstgemaltes Bild sein oder auch Auszüge aus dem Tagebuch, die der Partner zum Lesen erhält. Wenn es Probleme gibt, überhaupt über die MS miteinander zu reden, ist es manchmal hilfreich, ein Gespräch mit einem Dritten zu führen. Das kann die beste Freundin sein, der Pfarrer oder ein Psychotherapeut.



