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Sanfte Hirnstimulation

Studie

Sanfte Hirnstimulation gegen schwere Erkrankungen

30.11.2011

WIESBADEN (Biermann) –
Mit Magnetfeldern und Gleichstrom lässt sich die Aktivität des Gehirns von außen gezielt beeinflussen. Entsprechend laufen in Deutschland zahlreiche Versuche zur Therapie von Schmerzerkrankungen, Migräne, Tinnitus und Multipler Sklerose.
Dies berichtete die Deutsche Gesellschaft für Neurologie im Rahmen ihres diesjährigen Kongresses.

In mehr als 250 klinischen Studien erkunden Wissenschaftler derzeit die Möglichkeiten der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) und der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS). Einzeln oder in Kombination angewandt, erlauben es die beiden Techniken ohne Operation, Nervenzellen durch die Schädeldecke hindurch zu aktivieren oder zu hemmen.

"Schon jetzt gibt es zahlreiche Erfolgsmeldungen, dabei ist das Spektrum der möglichen Stimulationstechniken längst nicht ausgeschöpft", erklärte Prof. Walter Paulus, Direktor der Abteilung Klinische Neurophysiologie der Universitätsklinik Göttingen auf einer Pressekonferenz.

"Die Erfolgsaussichten der sanften Hirnstimulation sind umso besser, je mehr plastische Reserven die betroffene Hirnregion besitzt und je weniger strukturelle Schäden vorliegen", betonte der Neurophysiologe. Fehlende Nervenbahnen ließen sich zwar nicht ersetzen, aber bei Teillähmungen – etwa nach einem Schlaganfall – können die verbleibenden Verbindungen durch die Stimulation gestärkt werden, erklärte Paulus.

"Die transkranielle Stimulation hat deshalb ein hohes Potenzial für die Neurorehabilitation, aber auch für chronisch therapieresistente Schmerzen und zur Linderung von Symptomen wie Fatigue und Spastik bei der Multiplen Sklerose."

Problematisch ist nach Angaben der Fachgesellschaft der derzeit noch hohe Personalaufwand. Insbesondere die rTMS erfordert eine tägliche Stimulation in spezialisierten Zentren. Die tDCS wäre dagegen prinzipiell auch mit einer Anwendung zu Hause vereinbar, sagte Paulus.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), 30. September 2011



 

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