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Symptomtherapie
Alternative Methoden zur Symptomtherapie bei MS: „Ergänzung: Ja – Ersatz: Nein“
Dr. Jürgen Koehler ist Chefarzt der Neurologie am Asklepios Klinikum Nord in Hamburg und Mitglied im COPAKTIV-Expertenrat. Wir haben mit ihm über alternative Methoden zur Symptomtherapie gesprochen.
Was versteht man unter alternativen Methoden zur Symptomtherapie bei MS?
Die komplementäre und alternative Medizin umfasst verschiedene medizinische und auf die Gesundheit ausgerichtete Methoden, Praktiken und Produkte. Diese werden gewöhnlich nicht der Schulmedizin zugeordnet. Experten unterscheiden fünf Kategorien:
- Geist-Körper-Therapie: Hierunter fallen soziale, psychologische, spirituelle und verhaltensorientierte Ansätze wie z. B. Yoga oder Meditation.
- Biologisch basierte Therapie: Diese Form umfasst natürliche und biologische Produkte und Praktiken, z. B. Nahrungsergänzung und spezielle Diäten.
- Manipulative und körperbasierte Therapie: Hierzu gehören z. B. Massage oder die Feldenkrais-Methode.
- Energie-Therapie: Bei diesen Therapien werden kleine Energiefelder im und um den Körper genutzt, z. B. therapeutisches Berühren.
- Alternative Medizin: Dieser Bereich verbindet homöopathische Ansätze und die traditionelle chinesische Medizin.
Welche alternativen Methoden eignen sich zur Symptomtherapie bei MS?
Diese Frage ist schwer zu beantworten, da die Wirkung der alternativen Methoden in der Regel nicht in wissenschaftlichen Studien untersucht wurde. Ihre Anwendung basiert meist auf Erfahrungswerten. Wichtig ist, dass ausgeschlossen wird, dass alternative Therapien den Patienten schaden. So wird vor bestimmten Anwendungen aufgrund gefährlicher Nebenwirkungen gewarnt wie z. B. Schweinehirnimplantationen, Gabe von EDTA (Ethylendiamin Tetraacetat) oder dem Einsatz von Schlangengift.
Gibt es Studien zur Wirksamkeit der alternativen Methoden in der Symptomtherapie?
In den letzten Jahren gab es mehrere Publikationen, die sich mit der Studienlage zu komplementären und alternativen Therapien bei MS beschäftigen. So konnte beispielsweise ein Effekt von Cannabinoiden auf Schmerzen nachgewiesen werden, während deren Effektivität hinsichtlich Spastik noch nicht eindeutig geklärt ist. Zu Ernährungstherapien gibt es keine einheitliche Datenlage. Es wird angestrebt, alternative Therapien nach objektivierbaren Größen auszuwerten. Dies wird jedoch bisher noch nicht standardisiert durchgeführt.
Wie erkennt ein MS-Betroffener einen seriösen Heilpraktiker?
Generell gilt, dass ein seriöser Therapeut keine Wunderheilungen verspricht oder mit dramatischen Erfolgen einer alternativen Therapiemaßnahme wirbt. Zudem rät er nicht dazu, die bisherige Therapie abzusetzen, wenn er selbst die Behandlung beginnt. Ich halte es für hilfreich, die empfohlenen Behandlungsmaßnahmen des Heilpraktikers mit dem behandelnden Neurologen sachlich zu besprechen, um als Betroffener eine zweite Meinung zur eigenen Entscheidungshilfe zu hören. Generell sind alternative komplementäre Behandlungen als Ergänzung zu etablierten Behandlungsstrategien zu sehen und nicht als Ersatztherapie.
So beurteilt Herr Dr. Koehler den Stellenwert einzelner alternativer Methoden zur Symptomtherapie bei MS:
Die Feldenkrais-Methode soll dazu dienen, falsche Bewegungsmuster durch physiologische Muster zu ersetzen. Durch positive Selbstwahrnehmung kann diese Methode bei seriöser Anwendung den Umgang mit körperlichen Einschränkungen verbessern.
Die Fußreflexzonentherapie hat einen entspannenden Effekt. Er hält in aller Regel jedoch nur begrenzt an. Ein Einfluss auf die jeweiligen körperlichen Regionen, die sich nach dem Konzept der Fußreflexzonentherapie im Bereich des Fußes wiederfinden, konnte allerdings bislang nicht objektiviert werden.
Der Einsatz von Kühlung bei Patienten mit MS konnte positive Effekte auf Spastik und auf Sensibilitätsstörungen zeigen, sodass hier eine Anwendung bei temperaturempfindlichen Patienten sinnvoll erscheint. Kältekühlwesten für MS-Betroffene können an heißen Tagen Gangstörungen oder Missempfindungen lindern. Leider sind auch hier keine Langzeiteffekte zu erwarten.
Die Hippotherapie empfinden einige Patienten mit Koordinationsstörungen und Gangstörungen als positiv. Für die Therapie ist allerdings ein stabiler Krankheitszustand notwendig, sodass bei akuter Verschlechterung diese Behandlung nicht in Frage kommt.
Es gibt unterschiedliche Ansatzpunkte für Diäten oder Nahrungsergänzungen bei MS, die sich teilweise in ihrer Zusammenstellung widersprechen. So konnte z. B. eine pektin- und fruktosearme Diät keinen positiven Effekt erzielen. Auch sind die Hypothesen zur Krankheitsentstehung nicht bewiesen, auf denen die Eversdiät basiert. Ein Wirksamkeitsnachweis fehlt ebenso bei der entzündungshemmenden Diät nach Adams. Hier bildet allerdings ein gewisser Bezug zu wissenschaftlich belegbaren Entzündungsmechanismen die Grundlage, welche möglicherweise auch bei der MS einen Einfluss haben könnten.
Die traditionelle chinesische Medizin inklusive der Akupunktur kann insbesondere bei Schmerzsymptomen eine Hilfe sein, wohingegen Koordinationsstörungen, Spastik oder Sehstörungen nicht beeinflussbar erscheinen.
Der in Weihrauch enthaltenen Boswelliasäure wird zwar eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben, allerdings findet sich bisher kein Nachweis einer erfolgreichen Behandlung von MS-Symptomen.





