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  1. #1
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    Wie lernt man damit umzugehen?

    Hallo,

    mein Name ist Sophie und ich bin 19 Jahre alt. Ich wende mich hier an euch im Forum, da ich nicht weiß, mit wem ich sonst darüber sprechen soll und die Anonymität hier macht es mir auch etwas einfacher, darüber zu schreiben.
    Ich habe folgendes Problem:
    Mein Freund (23 Jahre) hat seit ca. 5 Monaten die Diagnose MS und seit ca. Anfang Juli spritzt er sich auch jeden Tag Copaxone...
    Nun ist die Sache, dass es für ihn noch sehr schwer ist mit der Diagnose umzugehen. Es fällt ihm vor allem schwer, mit mir darüber zu reden. Das besonders schwierige an seinen Schüben, die er im Moment noch hat ist, dass er nach ganz kurzer Anstrengung (z.B. ein kurzer Weg zu nem Freund und zurück, ca. 200 Meter) so extrem erschöpft ist, dass er zuhause zusammensackt und nicht mehr laufen kann, seine Beine sind dann wie tot.

    Außerdem hat er leider auch im Laufe der Zeit große Probleme beim Geschlechtsverkehr bekommen, er beschreibt es als "totes Gefühl an der Eichel", ich schließe daraus eine Desensibilisierung (hab mich ein klein wenig belesen^^) und dadurch fällt es ihm schwer, dass sein "Teil" überhaupt die ganze Zeit standfest bleibt, und wenn er das irgendwie geschafft hat, muss er sich zum Kommen quasi zwingen. Auf "normalem" wege während des sex funktioniert es garnicht mehr. das belastet ihn natürlich sehr, und er kann sich einfach nicht vorstellen, dass das für mich garkein problem ist, da ich ihn als person liebe und nicht nur den sex mit ihm.

    wir sind auch schon seit 5 jahren zusammen, und haben von den anfangssymptomen bis jetzt alles zusammen durchgestanden. jedoch kommt es nun immer häufiger vor, dass wir uns streiten weil er seine probleme immer nur abtut mit "das verstehst du nicht. 1. hast du keine MS und 2. bist du kein mann"...ich würde ihm aber so gerne helfen, nur er hängt im moment so sehr durch, dass es ihm sogar psychisch so schwer fällt, sich aufzurappeln und zum arzt zu gehen, dass er erst an dem tag, wo er die letzte spritze aus der packung nimmt, zum arzt geht und sich das rezept holt.

    ich habe jetzt natürlich angst, dass er total abstumpft und irgendwann niemanden mehr an sich ranlässt...

    habt ihr vielleicht irgendwelche vorschläge, was ich tun kann, oder wie ich ihm helfen kann?...
    Geändert von bruce133 (12.09.2011 um 14:25 Uhr)

  2. #2
    Erfahrener Benutzer Avatar von Bambus
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    Hallo Sophie,

    muß Dir erstmal ein Lob aussprechen, für Deine Offenheit und das Du Deinem Freund, trotz allem, beistehst!
    Und natürlich ein herzliches Willkommen.
    Viele müssen erstmal mit der Diagnose zurecht kommen. Bei Deinem Freund kommt nun das "männliche" Problem noch dazu. Das belastet Männer mehr, als wir uns das wahrscheinlich vorstellen können. Sie fühlen sich dann, im wahrsten Sinne des Wortes, als Schlappschwanz. Aber das sind sie nicht für uns, nur wollen sie das nicht akzeptieren. Du hast ja auch geschrieben, dass Du ihn liebst als Mensch und nicht wegen dem Sex mit ihm. Das fand ich ganz toll!
    So wie Du schreibst, ist es sehr schwer zur Zeit an ihn ran zu kommen. Versuche trotzdem mit ihm zu reden. Er müßte mit seinem Neuro darüber sprechen oder am besten gleich mit einem Urologen. Es gibt Mittel und Wege, bei dem Problem Abhilfe zu schaffen. Mach ihm doch mal den Vorschlag, mit ihm zusammen zum Neuro zu gehen und mit in die Sprechstunde zu gehen. Du willst ihm ja nicht in den Rücken damit fallen, sondern vieles verstehen und ihm vorallem HELFEN.
    Sei weiterhin für ihn da, unterstütze ihn, soweit es Dir möglich ist, sprich mit ihm, aber "nerve" ihn nicht mit Gesprächen, sondern versuche einfühlsam an das Thema mit ihm ran zu kommen.
    Ich drücke Dir ganz fest die Daumen und ich bin mir sicher, dass Eure Liebe so stark ist, dass ihr auch das schafft!

    LG Bambus

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Avatar von niknak
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    hallo sophie!
    erstmal ein herzliches willkommen hier!
    als ich damals die diagnose bekam, da war ich 19. ich dachte ich falle in ein rieeesen loch aus dem ich niiie wieder rauskommen würde.... ich habe, wie auch dein freund, keinen an mich ranlassen wollen... ich dachte immer: mich versteht doch eh keiner!!! fuck- natürlich haben sie mich verstanden!!! meine familie war für mich da, egal ob es mir gut oder nicht gut ging. allerdings habe ich vieles abgeblockt, wie auch dein freund z.zt.
    was du ihm wirklich geben musst ist zeit! zeit heilt alle wunden, heißt es doch so schön... und ja- da ist wirklich wat dran! sei weiterhin so für ihn da, wie du es schon bist. nur gib ihm zeit... und dränge ihn nicht, denn ich habe wiedermal dichtgemacht, wenn ich gedrängt wurde....
    es ist eine verfickte zeit, die er jetzt durchmacht. aber er kann sich glücklich schätzen das er dich hat!
    ach- vielleicht noch was für dich, zum aufbauen: ich habe meine damaligen freund, der mich am anfang begleitet hat übrigends geheiratet. und dat is jetzt 17 jahre her!!!
    also- vergiss niemals- dein freund macht JETZT ne doofe zeit durch... aber nicht sein leben lang!!!!
    ihr werdet noch eine super schöne zukunft aufbauen können!!!
    glg niknak

  4. #4
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    Hallo Sophie!
    Wenn dein Freund nur zum Rezept hole zum Arzt geht, brauchst Du dir dabei nichts zu denken. Das mache ich auch. Ich rufe an, das ich wieder meine Spritzen brauche. Zum Arzt schaue ich auch nicht rein, ich schnapp mir nue mein Rezept und tschüss. Alle Vierteljahre mal zum Neuro mehr nicht.
    Ich schliesse mich auch meinen Vorschreibern an, mit ihren Aussagen. Es ist auch gut, das Du es verstehst, wenn er im Moment nicht der wilde Liebhaber im Bett ist. Es ist auch eine Kopfsache, wenn sein Penis nicht immer Kampf bereit ist. Wenn er sich mit der MS abgefunden hat, dann wird es bestimmt besser. Weil er für den Sex wieder den Kopf frei hat.
    LG Longracer

  5. #5
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    Hallo Bruce133
    ich kann mich meinen beiden Mitredenern nur anschließen. Es ist wirklich eine verdammt harte Zeit. Ich habe meine Diagnose mit 38 bekommen und dachteas wars...
    mein Mann mit dem ich jetzt 23 Jahre zusammen bin und davon 14 Jahre verheiratet bin, hat es bestimmt net leicht mit mir gehabt und hat es auch immer noch nicht.
    Am Anfang habe ich nur geheult und immer nur gedacht warum ich? Ich war sogar auf die Leute eifersüchtig die ganz "normal" an mir vorbeigelaufen sind.
    Echt blöd von mir...
    Und bei meinem mann habe ich total dicht gemacht. Sex... ja der war und ist bis heute ne Katastrophe.
    Ich habe einfach keinen Bock.
    Dann habe ich mich ihm geöffnet - als ICH merkte, ey der sieht mich und nicht nur ein Sexobjekt.
    Meine damalige Angst war halt das er mich wegen einer gesunden verläßt.
    Wenn man so lange zusammen ist und die Partnerschaft voher schon total harmonisch war-schafft man das.
    Laß ihm Zeit
    Vielleicht hat dein Freund auch die Gedanken und hält dich auf Abstand.
    Ich wünsche Dir und deinem Freund das ihr es schafft und genauso harmonisch miteinander umgeht und die Krankheit MS nur ein doofer mitläufer ist.
    LG bellamafia

  6. #6
    Erfahrener Benutzer Avatar von W E R ?
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    Hallo Sophie,

    meinen Vor-Schreibern kann ich nur Recht geben. Sie treffen genau die richtige Situation

    Lass Deinem Freund Zeit, viel Zeit. Er selbst muss sich erst einmal mit der Diagnose auseinander setzen um sie annehmen zu können. Erst dann ist er so weit, auch richtig damit umzugehen. 5 Monate sind für viele einfach noch keine Zeit.

    Ich war bereits 45 Jahre als die Diagnose im Krankenhaus gestellt wurde.
    Für mich brach nicht nur eine Welt auseinander, für mich ging die Welt gleich ganz unter.
    Außer meinem Mann wusste jahrelang, ja Du liest richtig, jahrelang keiner von der Diagnose. Auch meine Kinder, meine Mutter oder Schwester, auch enge Freunde erfuhren davon erst nach Jahren, erst als langsam sichtbar wurde, dass das gehen schlechter wurde.
    Ich konnte einfach nicht darüber reden, ich war nicht soweit und musste es für mich ganz alleine verarbeiten und damit fertig werden.



    Ich war eben nicht bereit, der Krankheit Raum einzuräumen, in welcher Weise auch immer. Ich bin meinem Mann in dieser Phase dankbar gewesen, dass er mich nie bedrängt hat zu reden, wo ich nicht wollte, aber da war, wenn ich ihn brauchte.
    Heute gehe ich offen mit dieser Sch…Krankheit um und denke, für mich war das der richtige Weg.

    Auch Dein Freund wird, wenn er dann soweit ist und sich mit der Diagnose auseinandergesetzt hat, offen über alles reden können.

    Ich wünsche Euch, dass ihr diese schwere Zeit gut durchsteht und wünsche Euch alles Gute.
    viele Grüße W E R ?

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