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Voller Tatendrang durch den Alltag

Ulrich Hanel
Geschäftsführer der familieneigenen Natursteinmanufaktur, Sportler, Vater und Opa – Ulrich Hanels Alltag ist prall gefüllt. Wie der gelernte Steinmetz allen Aufgaben gerecht wird und warum der 71-Jährige seinen Beruf auch nach vielen Jahren noch liebt, hat er uns in einem Interview erzählt.

Seit wann haben Sie die Diagnose und wie war es für Sie, als die Diagnose gestellt wurde? 

Das war vor ungefähr 17 Jahren. Jetzt bin ich 71 Jahre alt. Sie müssen wissen: Ich bin Sportler durch und durch. Irgendwann habe ich damals gemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmt. Ich war eigentlich topfit, habe in einer Volleyball-Mannschaft gespielt. Aber dann ließ meine Reaktionsfähigkeit plötzlich nach. Im Krankenhaus haben die Ärzte eine Rückenmarkpunktion gemacht und schließlich festgestellt, dass ich MS habe. Das war im ersten Moment natürlich niederschmetternd für mich.

Hat sich Ihr Alltag durch die MS verändert? Falls ja, inwiefern?  

Ich kann natürlich körperlich manche Sachen nicht mehr machen und ich werde schneller müde. Aber das schiebe ich manchmal auch auf das Alter. Ich sage immer: Ich bin nicht an MS erkrankt, ich habe MS bekommen. Das sehe ich eher positiv. Durch die MS nehme ich die Dinge intensiver und bewusster wahr. In den letzten 17 Jahren habe ich mich viel informiert und dadurch wunderbare Menschen kennengelernt.

Welche Rolle spielt die Therapie in Ihrem Alltag? 

Früher musste ich mich täglich spritzen. Heute spritze ich mich dreimal pro Woche. Das kommt mir sehr entgegen, denn ich kann mir die Spritzen nicht in den Oberschenkel oder die Arme geben – hier habe ich zu viele Muskeln. Dadurch habe ich weniger Injektionsstellen zur Verfügung und muss mich öfters in dieselbe Stelle spritzen. Dass ich diese Stellen dann nur dreimal pro Woche brauche, ist natürlich gut. Ansonsten versuche ich, die MS nicht meinen Alltag bestimmen zu lassen. Die Therapie gehört dazu, das mache ich eben. Aber sie steht nicht im Vordergrund. 

Sie arbeiten mit 71 Jahren immer noch als Steinmetz. Wie können wir uns das vorstellen? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? 

Ich bin seit 30 Jahren selbstständig. In der Frühe um sieben stehe ich auf und dann habe ich einen Zwölf- bis Sechszehnstundentag. Das ist nicht immer schön, manchmal muss ein Selbstständiger auch am Samstag oder Sonntag arbeiten. Körperlich arbeite ich nicht mehr, sondern bin nur noch Geschäftsführer. Morgens teile ich zuerst meine Leute ein – zehn Mitarbeiter haben wir. Dann kümmere ich mich um die Auftragsabwicklung, mache Kalkulationen und so weiter. Gegen 18 Uhr lege ich für anderthalb Stunden die Füße hoch und danach muss ich meistens noch einmal rüber. Ich wohne nämlich gleich neben der Firma. Ein Vor- oder Nachteil – wie man es sieht. 

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders viel Spaß? 

Ich liebe meinen Beruf heiß und innig – und das schon immer. Mich fasziniert Naturstein einfach. Und wir machen da so tolle Sachen. Nicht nur Treppen oder Fensterbänke. Auch ganze Wellness-Anlagen. Mit einer von uns gestifteten Steinmetzarbeit haben wir sogar beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche geholfen. Da bin ich sehr stolz drauf. Momentan nimmt in unserem Betrieb die Büroarbeit zu – Ablage, Auftragsabwicklungen und so weiter. Das behagt mir eigentlich nicht so, ich bin schließlich Handwerker. Aber das hole ich dann in meiner Freizeit nach – ziehe die Gummistiefel an, gehe raus und baue Schatzkisten oder so etwas. Die Natursteinwelt ist unglaublich vielfältig. Da wird immer etwas Neues entdeckt! 

Sie haben eine große Familie mit 4 Kindern und sind bereits mehrfach Opa. Wie bekommen Sie Arbeit und Familie unter einen Hut? 

Ich bin schon sehr im Betrieb eingespannt. Da bleibt wenig Zeit. Ich kann oft nicht so viel zurückgeben wie ich eigentlich gerne möchte. Aber meine Kinder wissen, dass ich das auch alles für die Familie mache. Wir haben trotzdem ein sehr gutes und inniges Verhältnis zueinander. Und wenn ich im Alltag nicht so viel Zeit habe, dann verschenke ich eben meinen Urlaub. Früher bin ich mit meinem jüngsten Sohn verreist. Seit fünf Jahren mache ich jetzt mit dem ältesten Enkel Urlaub. Die Zeit genießt er dann auch, wenn wir gemeinsam wandern oder spazieren gehen. 

Was ist Ihnen in Ihrem Leben besonders wichtig? 

Mein Betrieb und meine Familie liegen mir sehr am Herzen. Und ich hoffe, dass ich irgendwann die Firma meinem Junior so übergeben kann, dass er eine schöne Basis hat. Das ist so mein Lebensziel. Ansonsten habe ich ein wunderschönes Leben und bin dafür dankbar und zufrieden. 

Haben Sie einen Tipp, den Sie anderen MS-Betroffenen mit auf den Weg geben möchten? 

Ich kann eigentlich niemandem einen speziellen Tipp geben. MS ist ja bei jedem anders und jeder Mensch ist anders. Aber ich empfehle, manche Dinge aus dem Bauch heraus und mit Gefühl zu entscheiden anstatt so zu viel darüber nachzudenken.


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