Schwangerschaft und Multiple Sklerose

Kein Unterschied zu gesunden Frauen

Eine schwangere Frau hält ein Schild mit einem Fragezeichen.

Ein Kind zu haben ist eine große Verantwortung, die ein Leben lang bestehen bleibt. Mit der MS wächst die Verantwortung um ein Weiteres. Vor diesem Hintergrund ist es für MS-betroffene Frauen sehr wichtig, schon während der Schwangerschaft mit ihrem Partner und ihrer Familie alle Konsequenzen zu besprechen. Auch der behandelnde Arzt und enge Freunde sollten mit ins Vertrauen gezogen werden.

Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Fragen beantworten, die Ihnen bei der Entscheidung für ein Kind und während der Schwangerschaft helfen können. Denn trotz MS können Sie aktiv Ihre Zukunft gestalten.

Kann ich als MS-Betroffene schwanger werden?

Aus medizinischer Sicht ist die Multiple Sklerose kein Hindernis, ein Kind zu bekommen. Die Fruchtbarkeit bei MS-Betroffenen ist nicht reduziert. Frauen mit MS benötigen keine spezielle gynäkologische Versorgung während einer Schwangerschaft.

Wird mein Kind auch eine MS entwickeln?

Die MS ist nicht erblich. Dennoch geht man von einer gewissen Neigung zur Entwicklung der MS aus. Das Risiko, dass auch die Kinder MS bekommen, ist jedoch mit 1–5 % sehr gering. Sind beide Eltern von MS betroffen, steigt das Risiko geringfügig an. Allgemein ist das Risiko, dass auch das Kind MS bekommt, so gering, dass es die Familienplanung nicht beeinflussen sollte.

Gibt es Risiken, die auf die MS zurückzuführen sind?

Fehlgeburten oder angeborene Geburtsfehler werden nicht mit der MS in Zusammenhang gebracht. Schwangerschaft, Wehen und Geburt an sich verlaufen meist nicht anders als bei gesunden Frauen.

Welche Probleme können während der Schwangerschaft speziell bei MS-Betroffenen auftreten?

Fast alle schwangeren Frauen leiden unter Blasenschwäche – insbesondere kurz vor der Geburt. Das Baby drückt auf die Blase. Es können daher nur kleinste Mengen an Urin gehalten werden. Zudem wird der Beckenboden durch das Gewicht des Kindes stark belastet. Da einige MS-Betroffene schon aufgrund der MS an Blasenschwäche leiden, ist es nach der Geburt sehr wichtig, den Beckenboden wieder zu trainieren.

Der dicke Bauch ...

Gegen Ende der Schwangerschaft wiegt eine Frau etwa 12 Kilo mehr. Frauen mit MS, die unter Gleichgewichtsstörungen leiden, sollten daher zu diesem Zeitpunkt besonders vorsichtig sein. Der dicke Bauch nimmt z. B. beim Herabsteigen von Treppen die Sicht. In diesem Stadium ist es daher ratsam, sich besonders gut am Treppengeländer festzuhalten. Freie Treppen sollten lieber vermieden oder nur mit Hilfe bewältigt werden.

Kann ich meine Medikamente weiterhin nehmen?

Während der Schwangerschaft sollten Medikamente nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt genommen werden. Immunmodulatorischer Medikamente für die Langzeittherapie von MS sollten frühzeitig vor einer Schwangerschaft abgesetzt werden.

Auch beim Stillen sollte auf immunmodulierende Medikamente verzichtet werden. Kortison sollte in der Schwangerschaft nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt genommen werden.

Ist das Schubrisiko erhöht?

Noch vor einigen Jahren nahm man an, dass eine Schwangerschaft die MS verschlimmert. Dementsprechend wurde Frauen geraten, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Heutzutage weiß man, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Schwangerschaft scheint eine schützende Wirkung zu haben. Die Zahl der Schübe geht zurück, häufig bleiben die Schübe sogar ganz aus.

Mediziner gehen davon aus, dass das Schubrisiko in der Schwangerschaft von dem Verlaufstyp abhängt. Je kürzer die Intervalle zwischen den Schüben vorher waren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Schubes in der Schwangerschaft. Das Schubrisiko nimmt allerdings nach dem dritten Monat ab. Der Grund: Natürliche, immunsupressive Faktoren im Blut der Schwangeren werden wirksam, und das körpereigene Kortison steigt an.

Nach der Geburt ist das Schubrisiko etwas erhöht. Dies ist vermutlich auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen.

Aus medizinischer Sicht besteht kein Grund, auf eine Schwangerschaft zu verzichten. Die Einnahme von Medikamenten sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen.



Quelle:
Schmidt/Hoffmann (Hrsg.). Multiple Sklerose. 4. Auflage, Urban & Fischer bei Elsevier.


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