Geschichte, Lexikon & FAQ
MS-Lexikon
In unserem MS-Lexikon gibt es Erklärungen wichtiger Fachbegriffe im Zusammenhang mit Multipler Sklerose.
Akustisch evozierte Potentiale (AEP)
Überprüfung der Reizverarbeitung in der zentralen Hörbahn durch Messung der Reaktion auf rasch aufeinander folgende Klicklaute. Dabei wird die Zeitspanne zwischen dem akustischen Reiz sowie der Ableitung der elektrischen Impulse von einer Elektrode an der Schläfenregion gemessen.
Anamnese
Krankengeschichte mit Angaben zu Art, Beginn und Verlauf der aktuellen Beschwerden sowie mit Informationen zu früheren Erkrankungen und anderen wichtigen Zusatzinformationen (z. B. Familie, soziales Umfeld etc.). Die Anamnese wird von jedem Arzt zu Beginn einer Untersuchung erhoben. Sie dient der Einschätzung des Patienten und seiner Vorerkrankungen.
Antigen
Ein Antigen ist ein Eiweiß (Protein) oder auch ein synthetischer Stoff. Es handelt sich dabei um einen Bestandteil der Oberfläche von Bakterien, Viren oder sonstigem Material, das vom Körper als „fremd“ erkannt wird. Ein Antigen ist die Voraussetzung dafür, dass der Körper fremdes Material erkennen und entfernen kann.
Antigenpräsentierende Zellen
Antigenpräsentierende Zellen des Immunsystems nehmen Antigene (körperfremde Strukturen) auf und zerstören diese. Anschließend präsentieren sie Bruchstücke der Antigene an ihrer Zelloberfläche. Dadurch werden unterschiedliche Abwehrmechanismen des Immunsystems aktiviert.
Antikörper
Antikörper werden von so genannten B-Lymphozyten gebildet. Sie bilden mit einem Antigen, für das sie spezifisch sind, einen so genannten Antigen-Antikörper-Komplex. Durch diese Komplexierung werden verschiedene Abwehrmechanismen aktiviert.
Astrozyten
Astrozyten sind sternförmige Zellen des zentralen Nervensystems, die für den Transport von Nährstoffen und Abbauprodukten zwischen den Neuronen und dem Blut zuständig sind und eine generelle strukturgebende Stützfunktion haben. Außerdem sind sie entscheidend an der Bildung der Blut-Hirn-Schranke beteiligt.
Ataxie
Als Ataxie wird eine Störung der Koordination von Bewegungsabläufen bezeichnet, die infolge einer gestörten Abstimmung der entsprechenden Muskelgruppen auftritt.
Autogenes Training
Methode zur Selbstentspannung.
Autoimmunerkrankung
Eine Autoimmunerkrankung ist ein Prozess, bei dem sich Immunzellen gegen körpereigene Strukturen richten und diese zerstören. Neben der Multiplen Sklerose zählt auch die Rheumatoide Arthritis zu derartigen Autoimmunerkrankungen.
Autonomes / vegetatives Nervensystem
Das autonome Nervensystem arbeitet unabhängig vom Bewusstsein. Es kontrolliert die Atmung, den Herzschlag, die Verdauung, die Körpertemperatur sowie weitere unwillkürliche Körperfunktionen. All diese Funktionen laufen auch vollautomatisch im Schlaf ab. Das autonome Nervensystem besteht aus einem parasympathischen ("Parasympathikus") und einem sympathischen ("Sympathikus") Anteil, die gegensätzliche Aufgaben haben.
Autoreaktive Zellen
Autoreaktive Zellen sind Körperzellen, die körpereigenes Gewebe angreifen. Sie sind daher für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen mitverantwortlich.
Axon
Axone sind Fortsätze von Nervenzellen. Sie stellen die Verbindung zwischen den Nervenzellen und den ihnen nachgeschalteten Erfolgszellen, z.B. Muskelzellen, her und dienen der Kommunikation im Nervensystem. Axone werden von Hüllzellen umgeben. Diese bilden Myelin und überziehen die Axone mit einer weißlichen Myelinscheide (Markscheide). Die Myelinscheide schützt die Axone und beschleunigt die Leitung der Nervenimpulse.
B-Lymphozyten / B-Zellen
B-Lymphozyten gehören zu den weißen Blutzellen und werden durch Kontakt mit einem Antigen aktiviert. Durch verschiedene Umwandlungen sind die B-Zellen in der Lage, spezifische Antikörper gegen ein Antigen zu bilden.
Blasendruckmessung
Messung des Harnblaseninnendruckes mittels eines Zystomanometers.
Blut-Hirn-Schranke
Die Blut-Hirn-Schranke ist eine selektiv durchlässige Barriere zwischen dem Blutgefäßsystem und dem Zentralen Nervensystem durch die der Stoffaustausch kontrolliert wird. Diese "Schranke" soll das Gehirn vor toxischen (giftigen) Substanzen schützen. Der wesentliche Bestandteil dieser Schranke oder Barriere sind Endothelzellen, die die kapillaren Blutgefäße im Gehirn auskleiden.
Bobath
Die Krankengymnastik nach Bobath ist eine spezielle Behandlungsmethode auf neurophysiologischer Grundlage. Dabei sollen der Muskeltonus reguliert und normale Haltungs- und Bewegungsabläufe gefördert werden.
Charcot-Trias
Als Charcot-Trias bezeichnet man die Kombination der drei Symptome Nystagmus (rhythmisches Augenzucken), Intentionstremor (bei Annäherung an das Bewegungsziel erfolgendes Zittern der Hände) sowie skandierende (abgehackte) Sprache. Diese häufig bei einer MS vorhandene Kombination wurde nach dem großen französischen Neurologen Jean-Martin Charcot benannt, der die MS erstmals beschrieb.
Computertomographie
Die Computertomographie ist ein Bild gebendes Verfahren, bei dem der Körper mit Röntgenstrahlen durchstrahlt wird. Die Bildergebnisse werden mittels eines Computers analysiert und können in Schichten oder räumlich dargestellt werden. Da das Gerät mit einer schnell rotierenden Röntgenröhre, bei der die Messwinkel veränderbar sind, arbeitet, kann aus der Summe der Einzelbilder ein Gesamtbild zusammengefügt werden.
Cortex
Rindenbereich, d. h. äußerste Schicht des Groß- und Kleinhirns, in der sich die Nervenzellen befinden.
Demyelinisierung
Unter Demyelinisierung versteht man die Schädigung sowie den Verlust von Myelin (= Substanz, die Axone und Nervenzellkörper schützt und isoliert).
Dendrit
Ein Dendrit ist ein Ausläufer einer Nervenzelle. Er dient der Kommunikation der Nervenzelle mit benachbarten Zellen
Diagnosekriterien
Aspekte, deren Vorhandensein für eine Diagnose gefordert werden. Derzeit werden für die Diagnosestellung der MS die so genannten McDonald-Kriterien herangezogen. Die Poser-Kriterien aus den 80er Jahren sind mittlerweile nicht mehr gebräuchlich.
Dual
Doppelt, zweifach, aus zwei Teilen bestehend. Die Multiple Sklerose wird aufgrund ihrer zwei Krankheitsmechanismen - Entzündung und Axonverlust - auch als duale Erkrankung bezeichnet.
EDSS
Die EDSS (Expanded Disability Status Scale), auch als Kurtzke-Skala bekannt, ist eine Skala zur Erfassung von neurologischen Ausfällen. Dabei werden die Stufen 0-10 unterschieden: Die Stufe 0 entspricht keiner Behinderung.
Es werden insbesondere die Gehfähigkeit sowie acht weitere Funktionssysteme bewertet, z.B. bedeutet EDSS 2.0 leichte Behinderung in einem funktionellen System, EDSS 4.0 gehfähig ohne Hilfe und Ruhepause für mindestens 500m und während 12 Stunden aktiv trotz relativ schwerer Behinderung. EDSS 6.0 bedeutet gefähig für etwa 100m mit einseitiger oder zeitweiliger Unterstützung (Gehhilfe).
Auf Stufe 9 ist der Betroffene hingegen vollständig pflegebedürftig. 10 bedeutet Tod durch MS. Eine detaillierte Übersicht zum EDSS finden Sie auf der Seite der DMSG.
Elektroenzephalographie (EEG)
Das EEG ist eine Methode zur Erfassung der Hirnströme. Dabei werden elektrische Potentiale gemessen, die Aufschluss über die Hirnfunktionen geben können.
Elektromyogramm (EMG)
Beim Elektromyogramm werden die elektrischen Potentiale, die der Muskel erzeugt, beobachtet. Auf diese Weise können Erkrankungen des Muskels selber oder seiner nervalen Versorgung diagnostiziert werden.
Encephalomyelitis disseminata
Andere Bezeichnung für Multiple Sklerose.
Enzyme
Enzyme sind Moleküle, die in Körperzellen biochemische Vorgänge beschleunigen und diese in einer gewünschten Richtung ablaufen lassen.
Enzymkaskade
Eine Enzymkaskade ist ein Reaktionsablauf, an dem mehrere Enzyme beteiligt sind.
Epileptischer Anfall
Krampfanfall durch abnorme Steigerung der elektrischen Aktivität im Gehirn.
Eskalationstherapie
Therapieerweiterung nach mangelnder Wirksamkeit oder schwerem Verlauf der MS der immunmodulatorischen Basistherapie.
Evozierte Potentiale
Als evozierte Potentiale versteht man Potentialänderungen am Gehirn, die durch Reizung eines Sinnesorgans oder seiner Nerven ausgelöst werden. Durch Messungen dieser Potentiale an der Hirnoberfläche kann die intakte Funktion des Organs bzw. der Nervenleitung überprüft werden.
Experimentelle allergische Encephalomyelitis (EAE)
Die Experimentelle Allergische Enzephalomyelitis (EAE) stellt das Tiermodell einer MS dar. Durch Injektion von basischem Myelinprotein konnte bei Tieren ein immunologisch bedingter Demyelinisierungsprozess vergleichbar der MS ausgelöst werden.
Extrapyramidalmotorische Bahnen
Das Extrapyramidalmotorische System ist ein neuroanatomisches und physisches Konzept. Es steuert vornehmlich die gröber erscheinenden Bewegungsabläufe vor allem der Rumpf- und proximalen Extremitätenmuskulatur. Es beeinflusst stark den Muskeltonus und sorgt zudem für die Harmonie der Bewegungen sowie Korrektur der Körperhaltung.
Fatigue
Typisches MS-Symptom: Es zeichnet sich durch sehr schnelle Ermüdbarkeit sowie körperliche und geistige Erschöpfbarkeit des Betroffenen aus.
Fibrillen
Mikroskopisch kleine Muskelfasern, die eine Muskelkontraktion (Anspannung) bewirken.
Glatirameracetat
Substanz, die zur immunmodulierenden Dauertherapie bei Multipler Sklerose eingesetzt wird und Ähnlichkeit mit einem Bestandteil der Myelinscheide hat.
Gliazellen
Das Zentrale Nervensystem setzt sich aus Neuronen und Glia zusammen. Gliazellen bilden neben den eigentlichen Nervenzellen ein Zellgewebe des Nervensystems, das verschiedene andere wichtige Funktionen ausübt. Folgende Zelltypen werden zu den Gliazellen gezählt: Astrozyten (Transport von Nährstoffen, Stützfunktion), Mikroglia (Entsorgung von Abbauprodukten), Oligodendrozyten (Bildung der Myelinscheide) und Ependymzellen (Auskleidung der Liquorräume).
Graue Substanz
Als graue Substanz wird die Ansammlung von Nervenzellkörpern im ZNS bezeichnet.
Hippotherapie
Physiotherapie mit Pferden. Unter Anleitung von speziell geschulten Physiotherapeuten werden durch die besondere Haltung und Bewegung auf dem Rücken der Pferde Symptome wie Spastizität, Koordinationsmängel, Bewegungsschwächen oder auch der Gleichgewichtssinn therapiert. Der intensive Kontakt mit den Pferden kann zudem eine Steigerung des seelischen Wohlbefindens bewirken.
Hitzeempfindlichkeit
siehe Uthoff-Phänomen
HLA-Klasse I
Diese Proteine sind auf fast allen Körperzellen vorhanden und präsentieren zelleigenes Material.
HLA-Klasse II
Diese Proteine kommen nur auf bestimmten Zellen des Immunsystems vor und präsentieren zelleigenes oder körperfremdes Material. Damit geben sie die entsprechenden Zellen zur Zerstörung frei.
HLA-System
HLA steht für humane Lymphozytenantigene. Sie werden auch als MHC-Proteine (Major Histocompatibility Complex) bezeichnet. Sie stellen erblich festgelegte Oberflächeneiweiße der Körperzellen dar und übernehmen eine wichtige Funktion in der Antigenpräsentation. Im HLA-System werden diese Oberflächenstrukturen in verschiedene Klassen unterteilt. Bestimmte HLA-Merkmale sind gehäuft mit bestimmten Erkrankungen verbunden.
Humorale Abwehr
Die humorale Abwehr bezeichnet die Bildung von Antikörpern sowie die damit einhergehende Zerstörung von körperfremdem Material. Humoral (aus dem lat.: über Flüssigkeiten erfolgend) bezieht sich auf die Bildung von Antikörpern und deren Transport/Aussendung im Blut.
Immunisierung
Unter Immunisierung versteht man das Herbeiführen einer erhöhten Reaktionsbereitschaft des Körpers gegen Bakterien und Viren. Der Körper ist durch die Bildung von Antikörpern gegen diese Erreger geschützt und kann sich im Falle eines "Angriffs" durch die vorhandenen Antikörper schnell und effektiv verteidigen. Das Prinzip der Impfung beruht auf einer Immunisierung.
Immunologie
Immunologie bezeichnet die Wissenschaft vom Abwehrsystem der Lebewesen gegen fremde Substanzen und Krankheitserreger.
Immunsystem
Das Immunsystem ist ein komplexes System von Zellen und Zellfunktionen in einem Lebewesen. Es dient der Abwehr von fremden Substanzen und Krankheitserregern.
Immuntherapie
Eine Immuntherapie ist die Behandlung von Krankheiten durch die Beeinflussung des Immunsystems. Durch die Stärkung von bestimmten körpereigenen Zellen oder das Ausschalten von Immunvorgängen können einige Krankheiten positiv beeinflusst werden. Auch Impfungen zählen zur Immuntherapie, da der Körper durch eigene Leistung (Bildung von Abwehrzellen) bzw. durch fremde Antikörper vor Infektionen geschützt wird.
Impfung
Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung einer Erkrankung. Bei Impfungen werden aktive und passive Impfungen unterschieden. Bei passiven Impfungen werden lediglich Antikörper injiziert, die gegen den Erreger gerichtet sind und diesen im Falle einer Infektion unschädlich machen. Die aktive Impfung basiert auf der Einbringung einer geringen Menge an abgetöteten Keimen bzw. Erregern in den Körper. Das Immunsystem entwickelt gegen diese Erreger eine Immunantwort. Bei einer Infektion zerstört das derart programmierte Immunsystem den Erreger.
Innervation
Versorgung eines Körpergebietes oder eines Organs durch einen Nerven.
Intentionstremor
Zittern der Hände, das bei Annäherung an ein bestimmtes Ziel beginnt oder zunimmt.
Interferone
Interferone sind Botenstoffe, die von körpereigenen Zellen gebildet werden und in die Regulation von Abwehrvorgängen eingreifen. Bei der Multiplen Sklerose werden gentechnisch hergestellte Interferone als sogenannte Immunmodulatoren eingesetzt.
Inzidenz
Als Inzidenz bezeichnet man die Anzahl der Neuerkrankungen einer Erkrankung in einem bestimmten Zeitraum.
Kernspintomographie
Die Kernspintomographie (= Magnetresonanztomographie, MRT) ist ein Bild gebendes Diagnoseverfahren, das durch die Einbringung des Betroffenen in Magnetfelder verschiedene Strukturen des Körpers sehr konstrastintensiv und differenziert darstellen kann. Die Methode macht sich den unterschiedlichen Wassergehalt der verschiedenen Gewebe zu Nutze. Durch die MRT ist der Betroffene keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.
Kortison (auch Kortikoide, Cortison, Glukokortikoide)
Kortison ist ein körpereigenes Hormon, das vielfältige Funktionen im Körper erfüllt. Insbesondere in Stresssituationen setzt Kortison wichtige Energie- und Leistungsreserven frei. Als Medikament wird es bei zahlreichen Krankheitsbildern zur Entzündungshemmung eingesetzt. Auch zur Behandlung von Allergien wird Kortison verwandt. Die Nebenwirkungen sind – je nach Dosierung – vielfältig, so dass bei notwendiger Dauertherapie eine möglichst niedrigdosierte Gabe angestrebt wird. Im Rahmen einer sog. Kortison-Stoßtherapie, die zur Behandlung eines akuten MS-Schubes durchgeführt wird, werden hohe Dosen für nur wenige Tage verabreicht, evtl. gefolgt von kurzzeitiger Tablettengabe ("Ausschleichen"). Dann ist nicht mit den typischen gefürchteten Nebenwirkungen zu rechnen.
Kurtzke-Skala
siehe EDSS
Leukozyten
Leukozyten sind weiße Blutkörperchen. Sie übernehmen vielfältige Funktionen in der Abwehr von körperfremdem Material (Viren und Bakterien) sowie bei der Entstehung von Allergien.
Lhermitte-Zeichen
Als Lhermitte-Zeichen wird ein elektrisierendes Gefühl entlang der Wirbelsäule bezeichnet, das bei Beugung des Kopfes nach vorne auftritt (= Symptom der MS).
Lipide
Sammelbezeichnung für Fette und fettähnliche Stoffe.
Liquor
"Nervenwasser", Flüssigkeit im Zentralnervensystem, die Gehirn und Rückenmark umspült. Sie schützt das Zentralnervensystem vor mechanischer Verformung und spielt eine Rolle im Stoffwechsel sowie möglicherweise der Informationsvermittlung im Gehirn.
Liquoruntersuchung
Zur Bestimmung von Veränderungen des Liquors wird eine Probe aus dem Liquorraum entnommen. Veränderungen von Eiweißbestandteilen, Zuckergehalt, Antikörpern oder Zellen können dann mikroskopisch oder laborchemisch bestimmt werden und Hinweise auf verschiedene Erkrankungen geben.
Lumbalpunktion
Entnahme von Liquor. Mittels einer Spezialkanüle wird in Höhe der mittleren Lendenwirbelsäule (unterhalb des Rückenmarkendes) eingestochen und eine geringe Menge Liquor aus dem Liquorraum rund um das Rückenmark entnommen. Eine Verletzung des Rückenmarkes ist fast ausgeschlossen, da dieses deutlich oberhalb der Einstichstelle endet.
Makrophagen
Makrophagen sind so genannte Fresszellen, die vielfältige Aufgaben in der Abwehr von Viren und Bakterien sowie körpereigenen Zelltrümmern übernehmen. Eine Hauptaufgabe besteht in der Zerstörung von körperfremdem Material.
MHC
Major Histocompatibility Complex, s. HLA-System.
Miktionsstörungen
Probleme beim Wasserlassen (Miktion).
Mitoxantron
Substanz, die im Rahmen einer Eskalationstherapie bei mangelnder Wirksamkeit der immunmodulatorischen Basistherapie eingesetzt werden kann.
Mortalitätsrate
Sterberate
Motorik
Als Motorik werden die vom Gehirn gesteuerten Bewegungsvorgänge bezeichnet. Bewegungsmuster werden im Kortex (Großhirn) entworfen und werden über das Rückenmark sowie die peripheren Nerven zum Muskel weitergeleitet.
Motorische Neurone
Nervenzellen, die nur für die Innervation von Muskeln zuständig sind.
Myelin
Als Myelin bezeichnet man die Hüll- und Isoliersubstanz der Nervenfasern, die aus Lipiden und Proteinen besteht. Sie umgibt Nervenzellkörper und Axone und fördert die schnellere Weiterleitung einer Information. Im Zentralen Nervensystem wird es von Oligodendrozyten, im peripheren Nervensystem von den Schwann-Zellen gebildet.
Myelinscheide
Nervenfaserhülle, die das Axon umgibt und aus Myelin gebildet wird.
Nephron
Nephronen sind funktionelle Einheiten der Nieren, in denen das Blut gefiltert und der Harn gebildet wird.
Nervus opticus
Sehnerv
Neuromuskuläre Endplatte
Übergang zwischen Nerv und Muskel. Hier findet die Erregungsüberleitung statt, d.h. die Informationen werden vom Nerven an den Muskel weitergegeben. Die Erregungsübertragung findet mittels chemischer Substanzen ("Transmitter") statt.
Neuron
Nervenzelle bestehend aus Nervenzellkörper, Axon und Dendrit.
Neurotransmitter
Als Neurotransmitter wird der Botenstoff zwischen Nerven oder Nerven und Muskeln bezeichnet. Über Neurotransmitter werden Informationen/Erregungen weitergeleitet. Durch die Ausschüttung von Neurotransmittern am Übergang zwischen Nerv und Muskel erhält beispielsweise der Muskel die Information, sich anzuspannen.
Nystagmus
Augenzittern
Oligodendrozyten
Gliazellen im ZNS, die Myelin im zentralen Nervensystem bilden.
Optikusneuritis ("Retrobulbärneuritis")
Entzündung des Sehnervs. Oft ein Frühsymptom der MS.
Parasympathikus
Als Parasympathikus wird der "Gegenspieler" des Sympathikus im autonomen Nervensystem bezeichnet. Die parasympathischen Anteile üben einen eher dämpfenden, beruhigenden Einfluss auf die autonomen Körperfunktionen wie Herzschlag, Blutdruck, Verdauung etc. aus, sie arbeiten vor allem nachts und in Ruhephasen des Körpers.
Parästhesie
Missempfindung
Parese
Lähmung
Peripheres Nervensystem (PNS)
Abkürzung für Peripheres Nervensystem. Zu diesem zählen alle Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark verlaufen.
Periventrikulär
Als periventrikulär bezeichnet man das an die Hirnkammern ("Ventrikel") angrenzende Hirngewebe ("peri" = griech. "um…herum").
Prävalenz
Die Prävalenz einer Krankheit bezeichnet die Anzahl der erkrankten Personen in einer bestimmten Bevölkerung(-sgruppe) zu einem gegebenen Zeitpunkt. Davon zu unterscheiden ist die Inzidenz – die Anzahl der Neuerkrankungen in einem bestimmten Zeitraum.
Primärharn
In der Niere werden jeden Tag 150-180l Primärharn produziert. Es handelt sich dabei um das erste Filtrationsprodukt aus dem Blut, das durch mehrfache Konzentrationsvorgänge in den endgültigen Harn (täglich ca. 500-2000 ml) umgewandelt wird.
Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
Entspannungsverfahren: Ein Ziel der "Progressiven Muskelentspannung" besteht darin, Spannungszustände in der Muskulatur zu lokalisieren und diese eigenständig durch bewusstes Entspannen zu beheben. Dazu werden die Muskeln des Körpers in bestimmter Reihenfolge angespannt und wieder entspannt. So erlernt der Betroffene, einen angenehmen Ruhezustand bewusst herbeizuführen.
Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF)
Spezielle krankengymnastische Behandlungsmethode. Ziel der propriozeptiven, neuromuskulären Fazilitation, auch Kabat-Methode genannt, ist es, durch spezifische Reizung der Propriozeptoren – diese reagieren auf Reize wie Dehnung, Druck und Zug sowie Muskelkontraktion – das Zusammenspiel von Muskel und Nervensystem zu fördern. Bewegungen können dadurch wiedererlernt werden.
Proteine
Eiweiße
Pupillenreflex
Der Pupillenreflex wird durch Beleuchtung eines Auges ausgelöst. Es kommt normalerweise zu einer Verengung der beleuchteten und auch der Pupille des anderen Auges. Das Verhalten der Pupillen bei Lichteinfall gibt Hinweise auf verschiedene Störungen.
Pyramidenbahn
Die Pyramidenbahn leitet die willkürlichen Bewegungsimpulse für die Körpermuskulatur und wirkt hemmend auf die Regulation des Muskeltonus (Muskelspannung) und auf das Zustandekommen der Muskeleigenreflexe.
Ranviersche Schnürringe
Ranviersche Schnürringe sind marklose Einschnürungen, die die Markscheide peripherer Nerven in regelmäßigen Abständen unterbrechen. Die Erregung springt von einem Ring zum nächsten. Auf diese Weise wird die Erregung schnell fortgeleitet. Diese Form der Erregungsleitung wird auch saltatorische Erregungsleitung genannt.
Rechte und linke Hemisphäre
Rechte und linke Gehirnhälfte.
Reflexe
Als Reflex wird die unwillkürliche, regelhaft ablaufende Reaktion des Körpers auf einen geeigneten Reiz bezeichnet. Bekannt ist vor allem der Kniesehnenreflex (Patellarsehnenreflex): Wird auf die Sehne kurz unter der Kniescheibe mit dem Reflexhammer geschlagen, zieht sich die Oberschenkelmuskulatur zusammen und das Bein wird gestreckt.
Remission
Vorübergehendes oder dauerhaftes Nachlassen bzw. Rückbildung von chronischen Krankheitszeichen.
Remyelinisierung
Wiederaufbau von Myelin um das Axon bzw. um die Nerven.
Saltatorische Erregungsleitung
Erregungsausbreitung entlang einer peripheren Nervenfaser. Die Erregung "springt" von einem Ranvierschen Schnürring zum nächsten.
Schübe
Ein Schub bei MS bedeutet, dass neue Symptome oder Beschwerden auftreten oder sich schon bestehende Krankheitszeichen verschlimmern. Dies ist Ausdruck einer erneuten Entzündungsaktivität im Gehirn.
Schwannsche Zellen
Die Schwannschen Zellen bilden das Myelin rund um die peripheren Nerven. Sie haben somit dieselbe Aufgabe wie die Oligodendrozyten im Zentralen Nervensystem.
Sensibilitätsstörungen
Empfindungsstörungen
Sensible Neurone
Nervenzellen, die Informationen über Empfindungen (Schmerz, Temperatur, Lagesinn, Vibration) weiterleiten und verarbeiten.
Somatosensorisch evozierte Potentiale
Potentialänderungen am Gehirn, die durch Reizung der Haut (z.B. durch leichte Stromstöße auf Arme und Beine) ausgelöst werden.
Spastik
Unwillkürlich und "federnd" erhöhte Muskelspannung, die bei rascher aktiver oder passiver Bewegung zunimmt, entsteht bei zentralen Lähmungen.
Sympathikus
Als Sympathikus bezeichnet man den "Gegenspieler" des Parasympathikus im autonomen Nervensystem. Die sympathischen Anteile des autonomen Nervensystems sind vor allem bei körperlicher Aktivität und Leistung aktiv. Insbesondere bei Stress und Aufregung sind ihre Wirkungen deutlich spürbar: Schweißausbrüche, schneller Herzschlag, Unruhe, schneller Atem.
Synapsen
Synapsen sind Kontaktstellen zwischen zwei Nerven oder zwischen einem Nerv und einem Muskel. Die ankommenden Informationen bzw. Erregungen werden mittels Neurotransmittern (Botenstoffe) über den synaptischen Spalt hinweg weitergegeben.
Synaptischer Spalt
Zwischen zwei Nerven oder zwischen einem Nerv und einem Muskel befindet sich ein mikroskopisch kleiner Raum, der so genannte synaptische Spalt. Die ankommenden Informationen/Erregungen werden mittels Neurotransmittern (Botenstoffe) durch den synaptischen Spalt von einer Seite auf die andere vermittelt.
T-Lymphozyten
Weiße Blutkörperchen, die eine wichtige Funktion in der Erkennung und Zerstörung von körperfremdem Material haben.
T1-T2-Wichtung
Als Wichtungen bezeichnet man technisch unterschiedliche Entstehungsweisen und Analysen der Untersuchungsergebnisse der MRT, die je nach interessierender Fragestellung zu einer größeren Aussagekraft des MRT-Bildes führen.
Traditionelle chinesische Medizin, TCM
Traditionelle chinesische Medizin (u. a. Akupunktur, Qi-Gong).
Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
Anwendung elektrischer Impulse. Diese wirken durch die Haut auf die Nerven ein, um Schmerzen zu vermeiden oder zu lindern.
Tremor
Zittern von Körperteilen, insbesondere der Hände/Finger.
Triamcinolonacetonid (TCA)
Abkürzung für Triamcinolonacetonid, ein Kortisonpräparat. Dies kann bei chronischen MS-Verläufen mit Beteiligung des Rückenmarks in den Liquor injiziert werden, was in vielen Fällen zu einer zeitlich begrenzten, jedoch wiederholbaren Verbesserung der Symptome führt.
Trigeminusneuralgie
Schmerzattacken im Gesichtsbereich, die fast immer einseitig auftreten und etwa 0,5–1 Minuten andauern. Sie sind auf den Versorgungsbereich des Trigeminusnerven begrenzt, der für die Sensibilität im Gesicht zuständig ist.
Ultraschalluntersuchung
Untersuchungsverfahren zur bildlichen Darstellung von Körperstrukturen mittels Ultraschall. Je nach Beschaffenheit des Gewebes können verschiedene Organe gut oder schlecht beurteilt werden.
Uthoff-Zeichen
Vorübergehende Zunahme von MS-Symptomen bei äußerer Wärmeeinwirkung bzw. bei Zunahme der Körpertemperatur.
Visuell evozierte Potentiale
Potentialänderungen am Gehirn, die durch Reizung des Auges ausgelöst werden. Durch Messen der Potentiale an der Hirnoberfläche kann die intakte Funktion des Auges bzw. der Nervenleitung zum Gehirn gemessen werden.
Weiße Substanz
Die weiße Substanz wird aus der Masse der Fortsätze der Neuronen (Axone und Dendriten) sowie der Gliazellen gebildet.
Yoga
Der indischen Entspannungstechnik liegt der enge Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele zugrunde. Bestimmte Körperstellungen (Asanas), Atemübungen (Pranayamas) sowie Konzentrations- und Entspannungsübungen verbessern das Körperbewusstsein sowie die Wahrnehmung innerer Prozesse. Yoga soll bei regelmäßiger Anwendung stressbedingten Störungen wie Bluthochdruck, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen entgegenwirken. Yoga fördert zudem die Konzentrationsfähigkeit und sorgt für innere Ausgeglichenheit.
Zelluläre Abwehr
In Abgrenzung zur humoralen Abwehr durch lösliche Blutbestandteile (Antikörper) bezeichnet man als zelluläre Abwehr jene Abwehrmechanismen, die von Zellen des Immunsystems vermittelt werden.
ZNS
Zentralnervensystem





