Wissen zum Thema MS
MS-Therapie
Ein wichtiges Thema für alle MS-Betroffenen ist die Langzeittherapie. Hier spielt vor allem die Verträglichkeit sowie wirkungsvolle Behandlung von akuten Schüben eine große Rolle.
Kortison bei MS
Fluch oder Segen?
Wer mit der (Verdachts-) Diagnose MS zu tun hat, macht meist auch sehr schnell Bekanntschaft mit einem der wichtigsten Medikamente in der akuten Behandlung der MS: dem Kortison. Denn die in der Regel 3- bis 5-tägige, so genannte "Stoßtherapie" mit einem hochdosierten Kortisonpräparat stellt heute die wichtigste und eine gut etablierte Behandlung des akuten MS-Schubes dar. Zusammen mit den verschiedenen Möglichkeiten der immunmodulierenden Langzeittherapie, die die Schubhäufigkeit- und -schwere vermindert und dadurch den langfristigen Verlauf der Erkrankung positiv beeinflusst, bildet sie die Grundlage einer effektiven Behandlung der dualen Erkrankung Multiple Sklerose.
Dieses "duale" Konzept aus der Behandlung des akuten Entzündungsgeschehens und langfristiger Therapie kann heute dazu beitragen, dass auch mit MS ein aktives und erfülltes Leben mit guter Lebensqualität möglich ist.
Im Jahr 1937 gelang es Forschern, die Substanz nachzuweisen, die wir heute Kortison nennen. Die erste bahnbrechende Behandlung mit einer abgewandelten Form des im Körper vorkommenden Kortisols gelang 1948: In der amerikanischen Mayo-Klinik konnte eine von schwerem Gelenkrheumatismus geplagte Patientin, die sich kaum mehr bewegen konnte, nach der Therapie mit Kortisol wieder laufen. Kurz darauf gelang es dem Biochemiker Edward Kendall, die Substanz chemisch herzustellen, wofür er einen Nobelpreis erhielt.
In den akuten Krankheitsphasen der MS werden Kortikoide etwa seit 35 Jahren eingesetzt. Dieser Einsatz bei einem MS-Schub hemmt die Entzündungsaktivität und setzt die Blut-Hirn-Schranke wieder instand, damit T-Lymphozyten nicht das Zentrale Nervensystem erreichen. Die Schubdauer wird verkürzt, so können die neurologischen Ausfälle in Dauer und Ausmaß begrenzt und rascher zurückgebildet werden. Anfangs wurden ACTH-Präparate eingesetzt. ACTH stimuliert die körpereigene Kortison-Produktion in der Nebennierenrinde. Die mit ACTH behandelten Schübe waren gegenüber den unbehandelten deutlich kürzer. Die Gabe erfolgte hauptsächlich intravenös über drei Wochen.
Seit der Einführung von Kortison in den fünfziger Jahren wurde sehr viel getan, um die gewünschte entzündungshemmende Wirkung zu verstärken und die Nebenwirkungsrate zu senken. Heute wird in der Regel mit hochdosierten, intravenös verabreichten Glukokortikoiden behandelt, da diese unter anderem weniger Nebenwirkungen und eine verlässlichere, schnellere Wirkung haben. Die am häufigsten verwendeten Kortikoide sind Prednisolon und Methylprednisolon, deren entzündungshemmende Wirkung in etwa gleich stark ist. Sie werden in der Regel über drei bis fünf Tage in voller Dosis verabreicht, und im Anschluss entweder sofort oder schrittweise abgesetzt. Die Gabe erfolgt bevorzugt morgens, um den normalen körpereigenen Schwankungen möglichst nahe zu kommen.
Ganz wichtig ist dabei für Sie als MS-Erkrankten zu wissen: Bei der hochdosierten Stoßtherapie beim MS-Schub ist nicht dauerhaft mit den vielen unerwünschten Wirkungen zu rechen, es überwiegen die positiven Wirkungen! Die oft zitierten vielfältigen Kortisonnebenwirkungen stellen sich in der Regel erst nach längerer Einnahme/Anwendung ein, die bei einem akuten Schub der MS nicht erforderlich ist! Daher sollte auf einen erforderlichen Kortisonstoß im akuten Schub nicht wegen unberechtigter Sorgen um mögliche Kortison-Nebenwirkungen verzichtet werden! Denn wie bei der immunmodulatorischen Langzeittherapie, so gilt auch beim akuten Schub: Je früher die akute Entzündung angemessen behandelt wird, desto größer ist die Chance, dass sie sich vollständig und ohne bleibende Schäden zurückbildet!
Und auch Folgendes ist in diesem Zusammenhang ganz wichtig: Durch die konsequente Anwendung Ihrer immunmodulatorischen Langzeittherapie können Sie auch Ihren Teil dazu beitragen, dass möglichst selten Schübe auftreten und eine Kortison-Stoßtherapie überhaupt erforderlich wird! Denn die immunmodulatorischen Basismedikamente können heute nachweislich die Schubhäufigkeit reduzieren!
Bedenken Sie: Die MS ist eine duale Erkrankung, die insbesondere bei ungenügender Langzeittherapie mit akuten Entzündungsprozessen und einem Verlust der isolierenden Myelinschicht der Nervenfasern einhergeht.
Quelle:
www.dmsg.de
Neuester Kommentar zu diesem Artikel
Zu diesem Artikel gibt es noch keine Kommentare.



