Wissen zum Thema MS
MS-Therapie
Ein wichtiges Thema für alle MS-Betroffenen ist die Langzeittherapie. Hier spielt vor allem die Verträglichkeit sowie wirkungsvolle Behandlung von akuten Schüben eine große Rolle.
Schubtherapie bei MS
Kortison "Multitalent" unter den Medikamenten
Kortison wird zur akuten Schubtherapie bei MS eingesetzt. Hier haben wir für Sie die wichtigsten Daten und Fakten rund um dieses "Multitalent" unter den Medikamenten zusammengetragen.
Was ist Kortison?
Kortikoide zählen zu den lebenswichtigen körpereigenen Hormonen, diese werden in der Nebenniere gebildet. Unter dem Begriff "Kortikoide" fasst man verschiedene chemisch ähnliche Substanzen aus dieser Hormongruppe zusammen. Man unterscheidet Glukokortikoide, deren Name sich von ihrem Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel (Glukosestoffwechsel) ableitet, und Mineralokortikoide, die den Mineralhaushalt (Elektrolythaushalt) regulieren.
Das wichtigste körpereigene Glukokortikoid ist das Kortisol (Hydrokortison), eine aktivierte Form des Kortisons. Seine Ausschüttung unterliegt einem deutlichen Tagesrhythmus. Die höchsten Spiegel finden sich in den frühen Morgenstunden (6 – 8 Uhr). Eine erhöhte Kortisonausschüttung wird in Stresssituationen beobachtet: Während die normale Kortisolproduktion 15 – 60 mg/Tag beträgt, können unter Stressbedingungen bis zu 240 mg ausgeschüttet werden.
Kortison ist also ein so genanntes "Stresshormon" – es dient dazu, dem Körper in einer Belastungssituation vermehrt Energie zur Verfügung zu stellen (z. B. Zucker) und unter Vermittlung anderer Wirkstoffe die Leistungsfähigkeit der Muskulatur für Kampf- oder Fluchtreaktionen zu verbessern.
Wirkung von Kortison
Kaum ein Medikament hat so vielfältige Anwendungsgebiete wie das Kortison.
Es hilft bei akuten und chronischen entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen. Außer beim akuten MS-Schub wird es auch in vielen anderen Situationen mit Erfolg eingesetzt, z. B. bei rheumatischen Erkrankungen, chronischen Darmerkrankungen, bei allergischen Reaktionen und Asthma, bei einem erhöhten Hirndruck und vielen anderen Erkrankungen. Es ist ein hocheffektives Medikament, das akute Symptome lindert, die Lebensqualität vieler Betroffenen verbessert und manchmal sogar Leben retten kann.
Dies liegt an dem vielfältigen Wirkspektrum dieses körpereigenen "Multitalents". Die Einnahme als Medikament bedingt durch die Vielfältigkeit der Wirkungen aber auch eine mehr oder weniger deutliche Ausprägung unerwünschter Nebenwirkungen.
Nebenwirkungen von Kortison
Magenschleimhaut kann empfindlicher werden
Die entzündungshemmende Wirkung des Kortisons beruht auf der Hemmung verschiedener Enzyme und Substanzen, die im Entzündungsgeschehen eine Rolle spielen, so z. B. der Prostaglandine. Prostaglandine dienen aber auch dem Schutz der Magenschleimhaut, indem sie u. a. die Säureproduktion herabsetzen. Durch ihre Hemmung durch Kortison erklärt sich die gesteigerte Empfindlich-
keit der Magenschleimhaut unter Kortisonbehandlung. Der Gefahr des Auftretens eines Magengeschwürs sollte also durch entsprechende Begleitmedikamente entgegengewirkt werden.
Infektabwehr wird geschwächt
Neben der unspezifischen Entzündungsreaktion wird auch die Infektabwehr unterdrückt: Die Anzahl der Lymphozyten nimmt ab, die Produktion von Antikörpern und Mediatorstoffen wie Histamin und Interleukinen wird blockiert. Diesen Mechanismus macht man sich bei immunologischen Erkrankungen zu Nutze, andererseits verursacht er eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen durch Keime. Menschen, die dauerhaft Kortison einnehmen, können deshalb an Bakterien- oder Pilzinfektionen erkranken, mit denen Ihr Körper sonst problemlos fertig werden würde.
Vorsicht bei Diabetes
Die Stoffwechselwirkungen des Kortisons sind zahlreich. Kortison dient hauptsächlich dazu, dem Körper in Stresssituationen rasch Zucker zur Verfügung zu stellen. In der Leber wird daher vermehrt Zucker gebildet, während das Kortison gleichzeitig die zuckersenkende Wirkung von Insulin verringert. Während der Kortisontherapie besteht also das Risiko eines Steroid-Diabetes, einer kortisonbedingten Erhöhung des Blutzuckerspiegels, weshalb regelmäßige Blutzuckerkontrollen unter Kortisontherapie zu empfehlen sind. Dies gilt natürlich ganz besonders für Diabetiker, deren Zuckerstoffwechsel durch ihre Grunderkrankung bereits krankhaft beeinträchtig ist. Bei ihnen muss wegen dieser Grunderkrankung unter Umständen sogar ganz auf eine Kortisongabe verzichtet werden.
Veränderter Fettstoffwechsel
Die Wirkungen des Kortisons auf den Fettstoffwechsel führen zu einer Umverteilung des Körperfettes mit einer Zunahme des Bauchumfanges und einem runden Gesicht. In Folge eines vermehrten Eiweißabbaus kommt es bei längerfristiger Anwendung zur Abnahme von Muskelmasse. Dies erklärt das typische Aussehen von Betroffenen, die längerfristig Kortison einnehmen, mit kräftigem Stamm und Gesicht bei gleichzeitig eher schmächtigen Extremitäten (sog. Cushing-Syndrom).
Bei Bluthochdruck und zur Osteoporosevorbeugung:
Auf Kalium bzw. Kalzium achten
Alle Glukokortikoide besitzen in geringerem Maße auch Auswirkungen auf den Mineralhaushalt, d. h. eine so genannte mineralokortikoide Komponente. Dadurch kann der Elektrolythaushalt im Blut durcheinandergeraten. Typischerweise kommt es zu einem Kaliummangel und einer verminderten Salzausscheidung, in deren Rahmen sich ein bestehender Bluthochdruck verschlechtern kann. Dies ist auch wichtig bei Menschen, die gleichzeitig bestimmte herzwirksame Medikamente einnehmen müssen, da diese ein intaktes Mineralgleichgewicht im Blut erfordern. Da Kortison u. a. auch die Kalziumaufnahme im Darm hemmt und die Kalziumausscheidung beschleunigt, ist eine ausreichende Zufuhr von Kalzium notwendig, um einer Osteoporose vorzubeugen.
Viele Nebenwirkungen bei MS-Stoßtherapie eher selten
Kortison kann darüber hinaus auch psychische Effekte haben. Im Allgemeinen wird dabei eher eine gehobene Stimmung beobachtet. Es kann aber auch zu Schlaflosigkeit oder einer depressiven Verstimmung kommen. Die meisten Glukokortikoide wirken zudem appetitsteigernd. Auch Hautveränderungen wie Akne oder eine pergamentartige Verdünnung der Haut können vorkommen, dies aber nur bei längerer Anwendung – in der Stoßtherapie während eines MS-Schubs sind derartige Veränderungen extrem selten. Außerdem können einige seltenere Nebenwirkungen vorkommen, wie Thrombosen, Hautblutungen, ein erhöhter Hirn- oder Augendruck und Linsentrübungen (Katarakt).
Die Nebenwirkungshäufigkeit hängt außer von der Dosis des Kortisons auch von der Verabreichungsform (z. B. Infusion oder Tabletten) und der Behandlungsdauer ab.
Kortison wird bei vielen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt. Bei der MS-Schubtherapie ist es ein effektives Mittel, um auftretenden Symptomen entgegenzuwirken. Allerdings können auch Nebenwirkungen auftreten, vor allem bei längerfristiger Anwendung.
Quellen:
www.dmsg.de
www.planet-wissen.de
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