Wissen zum Thema MS

MS-Therapie

Ein wichtiges Thema für alle MS-Betroffenen ist die Langzeittherapie. Hier spielt vor allem die Verträglichkeit sowie wirkungsvolle Behandlung von akuten Schüben eine große Rolle.


 

Injektion mit Autoject

Basistherapie bei MS

Langzeittherapie sichert Lebensqualität

Eine Basistherapie mit Glatirameracetat oder einem Interferon kann langfristig die Schubrate senken und die Lebensqualität erhöhen. Gegenwärtig sind Medikamente aus zwei verschiedenen immun-
modulierenden Substanzklassen in Deutschland für die Basistherapie von Multiple Sklerose zugelassen.

Zwei Substanzklassen

Glatirameracetat geht als eigenständige immunmodulierende Substanz auf die Erforschung grundlegender Immunmechanismen zurück. Interferon beta (IFN-ß 1a und IFN-ß 1b) ist ein Botenstoff des Immunsystems. Es wird von verschiedenen Zellen des Körpers im Rahmen von Abwehrprozessen, insbesondere bei Virusinfektionen, gebildet. Glatirameracetat ist eine immunmodulierende Substanz, deren Entwicklung unmittelbar mit der Erforschung der Grundlagen der Multiplen Sklerose in Zusammenhang steht. Glatirameracetat wird synthetisch aus den natürlichen Aminosäuren Alanin, Glutaminsäure, Lysin und Tyrosin gewonnen, die bei der Herstellung zu Molekülen unterschiedlicher Länge verknüpft werden. Die Struktur dieser Moleküle ist dem in Gehirn und Rückenmark vorkommenden Eiweiß Myelin-Basisches-Protein (MBP), das eng mit der Multiplen Sklerose verknüpft ist, sehr ähnlich.

Glatirameracetat – ein intelligentes Wirkprinzip

Der Wirkmechanismus von Glatirameracetat ist bisher nicht vollständig geklärt, allerdings ist klar, dass es das Immunsystem "umprogrammiert". Die Multiple Sklerose ist eine duale Erkrankung. Einerseits treten im Gehirn plötzlich Entzündungen auf, andererseits gehen durch bisher nur teilweise verstandene Prozesse Nervenzellen zugrunde. Glatirameracetat verändert die T-Zellen des Immunsystems so, dass diese die Entzündungsreaktion bremsen, anstatt diese zu beschleunigen. Da diese T-Zellen sehr viele Prozesse steuern, haben sie eine zentrale Bedeutung bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose oder Rheumatoider Arthritis. Gleichzeitig werden bestimmte Zellen des Immunsystems dazu gebracht, ihre gegen das Myelin und somit gegen das Nervengewebe gerichteten Abwehrreaktionen herunterzufahren und sogar schützende Immunmechanismen zu aktivieren.

Reduzierung von Schüben

Glatirameracetat führte in Studien an MS-Betroffenen zu einer deutlichen Eindämmung der MS-typischen Prozesse. Im Vergleich zur Behandlung mit einem Scheinmedikament (Placebo), verringerte die tägliche Gabe von Glatirameracetat die Anzahl der MS-Schübe deutlich. Durchschnittlich lag somit ein wesentlich größerer Zeitraum zwischen dem Auftreten zweier Schübe. Mittlerweile dürften mehr als 120.000 Menschen mit MS weltweit mit Glatirameracetat behandelt worden sein, positive Langzeiterfahrungen mit Behandlungsverläufen liegen vor. Informationen zu Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der Gebrauchsinformation (Beipackzettel).

Interferone bei MS

Die Interferone sind Proteine (Eiweiße), die von unterschiedlichen Zellen des Körpers unspezifisch, also auf verschiedenste Reize hin, freigesetzt werden. Sie können – je nach Interferonklasse – entweder eine Verstärkung oder eine Hemmung diverser Immunreaktionen bewirken. Da Interferone antivirale, also gegen Viren gerichtete Aktivitäten entfalten und man früher von Viren als wichtiger Ursache von MS ausging, testete man verschiedene Interferone auf ihre Wirksamkeit bei MS. Während Interferon gamma als eher immunstimulierende Klasse eine Zunahme von MS-Schüben verursachte, erwiesen sich Interferone der Gruppe beta als geeignet, um bei MS die Entzündungsaktivität zu hemmen, die Anzahl der Schübe zu mindern und so das Fortschreiten der MS zu verlangsamen.

Man unterscheidet in Bakterien (IFN-b 1b) bzw. in Säugetierzellen (IFN-b 1a) gentechnisch hergestelltes Interferon beta. Beide zur MS-Behandlung zugelassenen Interferone können die jährliche Schubrate gegenüber dem natürlichen Verlauf der MS deutlich senken. Günstig zu beeinflussen sind auch die Schwere des einzelnen Schubes sowie die Zahl der durch Magnet-
resonanztomographie nachweisbaren Defekte in der weißen Substanz.
Informationen zu Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte den Gebrauchsinformationen (Beipackzettel).

In Deutschland wird MS in der Basistherapie mit Medikamenten aus zwei Substanzklassen behandelt: Glatirameracetat und Interferone. Beide können helfen, das Auftreten von Schüben zu verringern.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre "Multiple Sklerose – Informationen zu Krankheitsbild, zur Diagnose & Therapie".



Quellen:
Schmidt/Hoffmann (Hrsg.). Multiple Sklerose. 4. Auflage, Urban & Fischer bei Elsevier




 

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