Wissen zum Thema MS

MS-Therapie

Ein wichtiges Thema für alle MS-Betroffenen ist die Langzeittherapie. Hier spielt vor allem die Verträglichkeit sowie wirkungsvolle Behandlung von akuten Schüben eine große Rolle.


 

Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Tjalf Ziemssen

Multiple Sklerose und Tabletten

"Die Frage wird sein, welche Therapie ist für welchen Patienten geeignet"

Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Tjalf Ziemssen ist Leiter des MS-Zentrums am Universitätsklinikum Dresden. Im Interview erklärt er, wo er die neuen Medikamente in der MS-Therapie einordnet.

In den letzten Tagen und Monaten häufen sich die Meldungen zu neuen Therapien bei MS in den Medien. Wie sehen Sie das – wird sich die Therapie jetzt für alle Patienten grundlegend ändern?
Es wird neue Therapien geben, das ist gut so. Man muss das aber differenziert sehen. Gerade bezüglich der Langzeitsicherheit hat man bei den etablierten immunmodulatorischen Basistherapien mittlerweile einen Erfahrungsschatz von mehr als 20 Jahren. Patienten, die unter dieser Therapie stabil sind, sollte bzw. darf man nicht umstellen, auch wenn eine orale Behandlung für einige Betroffene den Alltag vereinfachen würde.

Warum nicht, was spricht dagegen?
Aufgrund der noch nicht ausreichenden Langzeiterfahrung mit neuen Therapien, sehe ich diese zunächst für Patienten als sinnvoll an, die mit den etablierten Basistherapien nicht ausreichend therapiert werden können. Ein genereller Einsatz von Tabletten ist definitiv nicht möglich. Die einzig zugelassene orale Therapie ist zunächst als sogenannte secondline Therapie zugelassen, also für Patienten, bei denen unter der immunmodulatorischen Basistherapie noch Schübe vorkommen.

Was raten Sie MS-Betroffenen, was die neuen Therapieoptionen angeht?
Generell sind diese Fragen sehr individuell zu handhaben und sollten mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden. Das hängt unter anderem mit der individuellen Krankheitsaktivität zusammen, die sich in der Anzahl an Krankheitsschüben und Veränderungen im Kernspintomogramm zeigt. Im Einzelfall muss entschieden werden, ob es Sinn macht, einen Patienten auf eine neue Therapieoption umzustellen. Grundsätzlich spricht der Zulassungstext gegen eine Umstellung von MS-Betroffenen, die unter einer immunmodulatorischen Basistherapie klinisch stabil sind.

Was kommt nach den neuen oralen Medikamenten?
Auf welchen Gebieten wird zurzeit geforscht?

Es wird weitere neue Therapien geben, ob es nun andere Tabletten oder auch monoklonale Antikörper sind. Damit wird die richtige Wahl des richtigen Therapeutikums im individuellen Fall immer schwieriger. Die große Frage wird sein, welche Therapie ist für welchen Patienten geeignet. Neben der Zulassung neuer Therapieoptionen ist es daher wichtig zu erforschen, welcher Patient genau von welcher Therapie profitiert. Die Entwicklung neuer Therapien muss begleitet werden von einem größeren Verständnis für diese Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind.




 

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