Wissen zum Thema MS
Symptome
Krankheitszeichen können bei jedem Betroffenen sehr unterschiedlich auftreten, von Sehstörungen über Gangunsicherheiten bis hin zu Gefühlsmissempfindungen. Wir erklären die häufigsten Symptome.
Fatigue bei MS
Experteninterview mit Dr. med. Stefan Schumacher
Fatigue ist ein häufiges Symptom bei MS. Wir haben einen Neurologen zu Ursachen, Symptomen, Therapieoptionen und Möglichkeiten der Selbsthilfe befragt.
Herr Dr. Schumacher, welche Ursachen der Fatigue bei Multipler Sklerose sind bekannt? Ist das Fatigue-Syndrom auf Entzündungen im ZNS zurückzuführen, oder handelt es sich um eine Begleiterscheinung?
Dr. Schumacher: Bisher weiß man noch nicht genau, welche organischen Ursachen dem Fatigue-Syndrom zugrunde liegen. Es gibt auch noch keine objektiven Tests, die als Marker dienen können. So kommt es häufig zu Missinterpretationen. Das Fatigue-Syndrom könnte zusammenhängen mit einer Funktionseinschränkung der Nebennierenrinde, die für die körperliche Leistungsbereitschaft zuständig ist. Chronische Entzündungen führen immer zu einer gewissen Schwäche der Nebennierenrinde, die daher auch bei MS-Betroffenen früher oder später im Verlauf der Multiplen Sklerose festgestellt werden kann.
Wie diagnostizieren Sie eine MS-spezifische Fatigue?
Dr. Schumacher: Wenn der MS-Betroffene über Abgeschlagenheit und Mattigkeit klagt, schnell ermüdet und sensibel auf Hitze und Wärme reagiert, kann von einer MS-spezifischen Fatigue ausgegangen werden. Eine MS-bedingte Fatigue unterscheidet sich übrigens durch ihr schnelles, plötzliches Auftreten von dem Fatigue-Syndrom, das auch bei nicht erkrankten Menschen auftreten kann. Bei MS-Betroffenen kann die Fatigue trotz einer erholsamen Nacht morgens auftreten. Sie kann durch Hitze oder Schwüle hervorgerufen bzw. verstärkt werden. Eine MS-spezifische Fatigue ist normalerweise schwerwiegender als eine normale Fatigue und wirkt sich auf den Tagesablauf aus.
Welche medikamentösen Therapiemöglichkeiten gibt es bei Fatigue?
Dr. Schumacher: Bei Fatigue hilft häufig Amantadin, ein Mittel, das gegen die Verlangsamung der Bewegungen bei der Parkinsonkrankheit verwendet wird. Modafinil ist ein Mittel, das besonders gut gegen die Tagesmüdigkeit wirkt. Zudem verursacht es keine Schlafstörungen, obwohl es das Gehirn anregt. Aktivierende Antidepressiva helfen gegen die körperliche und geistige Erschöpfbarkeit, vor allem wenn zugleich eine leichte Depression mit morgendlicher Antriebsschwäche vorliegt.
Wie sollte der MS-Betroffene selbst mit seiner Fatigue umgehen?
Dr. Schumacher: Die wichtigste Maßnahme, die man selbst ergreifen kann, ist eine Änderung in der täglichen Routine. Der Alltag sollte an die Umstände, die durch die Multiple Sklerose hervorgerufen werden, angepasst werden: häufige Ruhe- und Entspannungsphasen in den Alltag einbauen, Prioritäten setzen, sinnvolle Tagesplanung vornehmen, auf eine gesunde, kalorienreduzierte Ernährung achten, täglich leichte sportliche Übungen durchführen (diese können auch stimmungsaufhellend wirken) heiße Bäder und hohe Temperaturen vermeiden, bei Hitze ab und zu kaltes Wasser über Arme und Beine laufen lassen.
Wie sollte sich der Betroffene bei Fatigue im Umgang mit seiner Umwelt verhalten?
Dr. Schumacher: Wichtig ist, dass der Betroffene offen und ehrlich mit seinen Mitmenschen über seine MS sowie seine Fatigue spricht. Kollegen, Familie, Partner und Freunde können sich dann darauf einstellen und werden Verständnis haben, wenn der Betroffene z. B. ganz plötzlich eine Party absagt oder von einer Minute auf die andere sehr zurückhaltend und müde werden sollte. Zudem sollte der behandelnde Arzt, Physiotherapeut und die MS-Schwester immer bei Fragen zur Fatigue zu Rate gezogen werden.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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