Wissen zum Thema MS
Symptome
Krankheitszeichen können bei jedem Betroffenen sehr unterschiedlich auftreten, von Sehstörungen über Gangunsicherheiten bis hin zu Gefühlsmissempfindungen. Wir erklären die häufigsten Symptome.
Gefühlsstörungen und Schmerzen bei MS
Zwei Symptome mit unterschiedlicher Ursache
Gefühls- oder Sensibilitätsstörungen und Schmerzen treten bei Menschen mit Multipler Sklerose sehr häufig auf. Während Gefühls- oder Sensibilitäts-
störungen ein typisches Symptom der MS sind und durch diese entstehen, verursacht die Multiple Sklerose selbst keine Schmerzen. Diese entstehen oft als Folge anderer Symptome der MS.
Als Gefühls- oder Sensibilitätsstörungen bezeichnet man alle Arten von Empfindungs- bzw. Gefühlswahrnehmungsstörungen. Neben dem motorischen System gibt es ein Funktionssystem, das wichtige Informationen von allen Stellen unseres Körpers in Richtung Gehirn weiterleitet und damit das Gehirn z. B. über die Temperatur oder den Schmerz in einem bestimmten Körperteil informiert. Es gibt Sensibilitätsstörungen, bei denen bestimmte Empfindungen wie z. B. Berührungs- oder Temperaturempfinden vermindert sind oder auch völlig fehlen können. Des Weiteren gibt es Störungen, bei denen ein Reiz wie z. B. Kälte auf eine andere Art (z. B. als Schmerz) wahrgenommen wird.
Unterschiedliche Gefühlsstörungen
Sensibilitätsstörungen können bei MS sehr vielfältig sein und werden von den Betroffenen folgendermaßen geschildert: Taubheit/Pelzigkeit an Händen oder Fußsohlen, zuweilen mit dem Gefühl, auf Watte zu gehen; Kribbeln oder „Ameisenlaufen" auf der Haut bis hin zu Stechen oder einer dumpf brennenden Schmerzwahrnehmung. Auftreten können solche Missempfindungen in den verschiedensten Körperregionen.
Sensibilität und Koordination gestört
Andere Sensibilitätsstörungen äußern sich u. a. als Schnür- oder Bandagengefühl, auf ein Gelenk bezogen auch als die Empfindung einer Schwellung (Ballongefühl). Zudem können hierbei die Vibrationsempfindung und die zumeist unbewusste Wahrnehmung der Lage von Gliedmaßen und der Stellung von Gelenken im Raum beeinträchtigt sein, was zu Problemen bei der Koordination des Gehens und des Treppenlaufens führen kann. Sind hiervon die Hände betroffen, kann dies zusammen mit einer eventuellen Minderung des Tastsinns so alltägliche Verrichtungen wie Schreiben oder Knöpfen erschweren oder gar unmöglich machen.
Häufiges Symptom, aber keine Ursache
Multiple Sklerose verursacht keine Schmerzen – diese Meinung wird häufig vertreten. Richtig ist zwar, dass die Entzündungen im Gehirn und Rückenmark meistens nicht zu Schmerzen führen. Dennoch gehören Schmerzen zu den häufigen Symptomen, die bei Multipler Sklerose auftreten können.
Was ist Schmerz?
Schmerz ist ein Gefahrensignal für den Körper, das stets über Nervenbahnen geleitet, im Gehirn verschaltet und wahrgenommen wird. So ziehen wir beispielsweise bei Verbrennungen schnell unsere Hand zurück, um schlimmere Verletzungen zu vermeiden. Bei einem gebrochenen Bein oder einem Bänderriss vermittelt uns der Schmerz, dass wir die verletzte Stelle nicht belasten sollen, so dass diese heilen kann. Unser Schmerzempfinden übernimmt somit eine wichtige Funktion für unser Leben und Überleben.
Welche Ursachen haben Schmerzen?
Generelle Ursachen für Schmerzen können Entzündungen, Verletzungen sowie Schädigungen oder Störungen der Nerven sein. Auch durch Fehlfunktionen innerer Organe können Schmerzen ausgelöst werden. In unserem Körper gibt es eine Vielzahl von Nerven, die ein Schmerzsignal aufnehmen und dann über das Rückenmark an das Gehirn weiterleiten.
Wie empfinden wir Schmerzen?
Schmerzen können einen subjektiven Charakter haben. Es ist uns möglich, Schmerzen mit unseren Gedanken zu beeinflussen. Folglich empfinden wir Schmerzen als weniger schlimm, wenn wir an etwas Schönes denken. Dagegen wird unser Schmerzempfinden bei Ärger, einem Stimmungstief oder Trauer verstärkt. Schmerzen zu unterdrücken kann zu einem chronischen Schmerzzustand führen, dessen Ursache nur noch schwer zu lokalisieren ist und der die Behandlung erschwert. Es entsteht ein Teufelskreis aus Schmerz, Stress und depressiver Stimmung, der nur noch schwer zu durchbrechen ist.
Unterschiedliche Schmerztypen bei MS
Schmerzen bei MS können unterschiedlich ausgeprägt sein: Sie können akut (z. B. Blasenentzündungen, schmerzhaft einschießende Spastiken etc.) und/oder anfallsweise als sog. Schmerzattacken von kurzer Dauer (z. B. Trigeminusneuralgie = Schmerzen im Gesicht, bei etwa 12 % der Betroffenen) auftreten. Andere Schmerzformen entwickeln sich langsamer und können sogar chronisch werden (z. B. Muskelschmerzen oder Rückenschmerzen als Folge von Gang- und Gleichgewichtsstörungen, die zu knöchernen Veränderungen der Wirbelsäule und zu Bandscheibenschäden führen können.). Häufig sind Schmerzen auch die indirekten Folgen von z. B. lähmungs- oder spastikbedingten körperlichen Fehlhaltungen.
Wie erleben Menschen mit MS Schmerzen?
MS-Betroffene erleiden Schmerzen u. a. als
- plötzlich einschießenden, stechenden Gesichtsschmerz, die Trigeminusneuralgie
- ein elektrisierendes Gefühl beim Beugen des Nackens, das sich bis in die Arme und Beine ausbreiten kann ( Lhermite-Zeichen).
- Folge von Muskelspastik (diese Spastik tritt meist krampfartig nachts in den Beinen auf)
- Schmerzen in Rücken, Nacken und Kopf. Sie werden häufig durch Fehlhaltungen hervorgerufen, mit denen versucht wird, Gleichgewichts- oder Gangstörungen auszugleichen. Diese Schmerzen können häufig in einen chronischen Verlauf übergehen.
- chronischer neurogener Schmerz. Dieser Schmerz wird als brennend, kribbelnd oder stechend beschrieben. Die Haut erscheint sehr sensibel, so dass bereits ein zartes Streicheln als sehr unangenehm empfunden wird. Einige Betroffene beschreiben das Gefühl so, dass eine enge Bandage um Beine oder den Rumpf geschlungen zu sein scheint.
- Augenschmerzen, die bei Augenbewegungen auftreten und die Folge einer Sehnerventzündung sein können.
- Schmerzen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der MS stehen, können z. B. Druckschmerzen sein, die durch zu langes Liegen oder falsch eingestellte Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Gehilfe hervorgerufen werden.
Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Sie an Gefühls- oder Sensibilitätsstörungen und Schmerzen leiden.
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