Wissen zum Thema MS

Symptomtherapie

Eine wichtige Säule bei der Behandlung MS-Betroffener ist die Therapie der Krankheitszeichen, die so genannte symptomatische Therapie. Diese Rubrik erklärt die wichtigsten Maßnahmen gegen typische Symptome und gibt Hilfestellungen.


 

Menschen verschwommen in Bewegung

Therapie von Schwindel und Gangstörungen

Physiotherapeutisches Training kann helfen

Bei einem akuten Schub ist ein häufiger vorkommendes und sehr unangenehmes Symptom der Schwindel. Ein akuter Schub bei Multipler Sklerose mit Schwindel kann sehr gut mit einer Kortisonstoßtherapie behandelt werden. Anschließend sollte ein intensives physiotherapeutisches Gleichgewichtstraining erfolgen.

Mit Fixationsübungen das Gleichgewicht wieder herstellen

Mit sogenannten Fixationsübungen wird das Gehirn bei der Wiederherstellung der Gleichgewichtsfunktion unterstützt: Der Betroffene fixiert beispielsweise einen Gegenstand mit den Augen und dreht dabei den Kopf. Diese Übung wird intensiviert, indem er dabei stehen und gehen muss.

Das Gleichgewichtssystem kann zudem durch gezielte Reizsetzung, wie das Laufen auf unebenem Boden oder auch durch Übungen mit Rumpfverlagerung, trainiert werden. Folgende kleine Übungen können Sie auch ohne fachliche Anleitung zu Hause durchführen:

  • Gehen Sie auf einer geraden Linie vor- und rückwärts, die Sie z. B. mit Kreppband markiert haben. Halten Sie den Kopf gerade und ruhig und fixieren Sie dabei einen Punkt.
  • Heben Sie abwechselnd jeweils ein Bein und versuchen Sie in dieser Position zu verharren. Achten Sie darauf, dass Sie eine Abstützmöglichkeit in der Nähe haben.
  • Bewegen Sie den Zeigefinger waagerecht und senkrecht vor Ihren Augen langsam hin und her. Halten Sie den Kopf dabei ruhig.
  • Stellen Sie sich mit leicht gegrätschten Beinen hin und verlagern Sie Ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Um die Übung zu erschweren, können Sie dabei die Augen schließen.


Schwindelzustände, die durch eine Schädigung der Gleichgewichtszentren zustandekommen, können oft durch Mittel gegen Seekrankheit gebessert werden, vor allem wenn zugleich eine Neigung zu bewegungsabhängiger Übelkeit besteht.

Therapie von Gangstörungen

Um Gangstörungen zu verbessern, ist es wichtig, deren Ursache zu finden. Bei einer Schwäche in den Beinen erhalten die für das Gehen verantwortlichen Muskeln keine Informationen mehr von den Nerven. Häufig versuchen Betroffene, durch übertriebenes Körpertraining gegen diese Schwäche anzukämpfen. Die Folge kann dann jedoch erhöhte Müdigkeit (Fatigue) sein. Und die Muskelschwäche kann sogar verstärkt werden. Daher ist die fachliche Betreuung durch einen Physiotherapeuten sehr wichtig. Eine Muskelschwäche in den Beinen tritt meist einseitig auf. So kann es leicht zu Fehlhaltungen kommen, die schmerzhafte Folgen, wie etwa einen Bandscheibenvorfall, haben können. Ein Physiotherapeut wird sich insbesondere darum bemühen, dass die Muskelkraft erhalten und die Wirbelsäule stabilisiert wird.

Taubheit in den Beinen ist häufig das Resultat von Beeinträchtigungen der Informationsleitung zwischen den Beinen und dem Gehirn. Die Betroffenen wollen gerne den Fuß heben, doch dieser "gehorcht" nicht. Treppen hinab- oder hinaufzusteigen wird oft zu einer schweren Aufgabe. Beim Hinaufsteigen kann man mit dem Fuß hängen bleiben und verletzt sich nicht selten. Beim Hinabsteigen vertritt man sich leicht.

Eine Hilfe bietet neben verschiedenen Gehgestellen z. B. eine Unterarmgehstütze. Sie hat den Vorteil, dass durch die Verbindung zum Arm dessen Bewegung mitgetragen werden kann. Zudem erleichtert die Gehstütze auch das Treppensteigen.

Sonstiger "Umgang" mit Schwindel und Gangstörungen

Schwindel und Gangstörungen können die Betroffenen in manch unangenehme Situation bringen. So stößt man im Lokal unabsichtlich gegen Nachbarn, oder die Mitmenschen werfen einem sogar Trunkenheit vor. Die Folge ist häufig, dass Betroffene die Öffentlichkeit meiden, um solchen Situationen aus dem Weg zu gehen. Da sie zudem in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, meiden sie lange Wege, enge Lokalitäten sowie Orte, die nur durch Stufen zu erreichen sind.

Eine Gehhilfe, ob Stock, Gehgestell oder Rollstuhl, in Anspruch zu nehmen, kostet oft große Überwindung. Hierbei darf man jedoch nicht vergessen, dass Gehhilfen wieder ein Stück Unabhängigkeit und Sicherheit bieten und auch die Umwelt bei deren Verwendung keine falschen Schlüsse mehr zieht. Zudem sind Gehstörungen gerade zu Beginn der MS zeitlich begrenzt. Deshalb sollte man sie nur als temporären Begleiter ansehen und auf jeden Fall zusätzlich Physiotherapie durchführen.


Worauf Sie selbst im Alltag achten können:

  • Ihre Wohnung sollte barrierefrei sein. Schaffen Sie alle Stolperfallen, wie hohe Türleisten oder Teppichkanten, ab.
  • Vermeiden Sie einen rutschigen Bodenbelag.
  • Bringen Sie Haltegriffe im Bad an.
  • Verzichten Sie auf zu viel Nippes und Mobiliar. Sie können sich unnötig daran stoßen oder es umstoßen.
  • Versuchen Sie Ihre Wege so zu planen, dass diese gut mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen sind.
  • Vermeiden Sie es, Besorgungen unter Zeitdruck zu machen. Wählen Sie lieber kurze Wege, und gönnen Sie sich zwischendurch Pausen.


Das Gleichgewicht gerät bei akuten Schüben häufig aus dem Takt. Bei Gangstörungen und Schwindel sollten Sie physiotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.




 

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