Wissen zum Thema MS
Symptomtherapie
Eine wichtige Säule bei der Behandlung MS-Betroffener ist die Therapie der Krankheitszeichen, die so genannte symptomatische Therapie. Diese Rubrik erklärt die wichtigsten Maßnahmen gegen typische Symptome und gibt Hilfestellungen.
Hippotherapie bei MS
Nicht nur für Freunde des Pferdesports
Eine ganz besondere Form der Symptomtherapie ist die Hippotherapie. Für aktive Anhänger des Pferdesports, aber auch für Neulinge bietet diese Therapieoption eine ganze Reihe positiver Effekte auf den körperlichen und psychischen Allgemeinzustand. Das Pferd übt seit Jahrtausenden einen unbestreitbaren Zauber auf den Menschen aus. Es ist Kamerad, Freund, williger Untergebener und leiht uns seine Beine. Wie viel wertvoller werden diese Eigenschaften, wenn man selbst in der Bewegung eingeschränkt ist? Dieser Umgang mit dem Pferd als Freund und Partner ist ein wertvoller Gewinn für die Betroffenen und hat positive Effekte sowohl auf die Psyche als auch auf die körperliche Verfassung. Viele Menschen mit MS haben sich im Laufe einer Therapie zu begeisterten Reitern entwickelt.
Hobby für Geist und Körper
Ein Großteil der Menschen mit MS kommt über das heilpädagogische Reiten und die Hippotherapie zum Behindertensport. Dabei ist es nur ein logischer Schritt, dass man das, was Geist und Körper positiv beeinflusst, auf lange Zeit zum Hobby ausbaut.
Die Grundvoraussetzungen für den Reitsport sind die geistige und körperliche Fähigkeit, auf dem Pferd dauerhaft selbstständig das Gleichgewicht zu halten und bewusst zu verlagern. Alles Weitere kann im Reitunterricht gelernt werden. Je nach Grad und Art der Behinderung des Reiters muss das Pferd vorher eine Spezialausbildung durchlaufen haben, um auf die Anordnungen des Reiters richtig reagieren zu können. Des Weiteren kann ein speziell angefertigter Sattel mit Anschnallgurten notwendig sein.
Positive Effekte bei MS
Durch die spezielle Haltung und Bewegung wird die Beweglichkeit des Torsos, des Beckens sowie der Hüften erhalten oder auch gefördert. Diese ist bei MS-Betroffenen häufig durch Symptome wie zum Beispiel die Spastik eingeschränkt.
Zudem werden mit Hilfe der Hippotherapie auch eine mögliche Schwäche in den Beinen sowie der Koordinations- und Gleichgewichtssinn behandelt. Die Therapie erzielt eine ausgeprägte sensomotorische Stimulation über Einübung von Basisfunktionen: Raumlagebewusstsein, Bewegungsplanung, taktile Wahrnehmung, Reaktionsfähigkeit, Geschicklichkeit und Körperbewusstsein.
Wann hilft eine Hippotherapie bei MS?
Bei Betroffenen, die ohne Hilfe nicht mehr sitzen können, wird die Hippo-
therapie nicht angewandt. Falls sich MS-Symptome während der Therapie verschlimmern, sollte diese zunächst beendet werden. Dies gilt auch während eines akuten Schubs. Nach dem Schub hingegen ist die Hippotherapie als Rehabilitationsmaßnahme empfehlens-
wert, da diese sich positiv auf den Wiederherstellungsprozess auswirken kann.
Entspannung nach der Hippotherapie
Nach der Therapie ist der MS-Betroffene, der infolge der Multiplen Sklerose generell schnell müde wird, oft erschöpft, ohne dass ihm dies bewusst ist. Daher sollte im direkten Anschluss an die Therapiestunde das Gehen oder Autofahren vermieden werden. 10 bis 20 Minuten Sitzenbleiben und Entspannung sind ein wichtiger Teil der Therapie. Bitte darauf achten, bei kälterem Wetter eine Decke umzulegen.
Die Hippotherapie in der Praxis: Wie läuft sie ab?
Nach der ärztlichen Verschreibung geht es auf den Pferdehof. Dort wird in der Reithalle zunächst Bekanntschaft mit den zwei- und vierbeinigen Therapeuten geschlossen. Die Halle verfügt über eine spezielle Rampe, um dem Behinderten das Aufsteigen aufs Pferd zu erleichtern. Zur Sicherung ist der Sattel mit Anschnallgurten und Haltegriffen ausgestattet.
Sitzt der MS-Betroffene fest im Sattel, geht es los. Der speziell geschulte Physiotherapeut geht neben dem Pferd her, gibt Hilfestellungen und bestimmt, welche Übungen durchgeführt werden. Hat der Reiter Probleme, sich selbst im Sattel zu halten, geht zur Sicherung eine weitere Person auf der anderen Pferdeseite mit. Ein Pferdeführer, der hinter dem Pferd geht, lenkt das Reittier auf genaue Anweisung des Physiotherapeuten per Langzügel. Die Therapie dauert etwa 20-30 Minuten. Eine Weiterführung der Therapie 1- bis 2 Mal die Woche kann dazu beitragen, das Erlernte zu festigen oder weiter auszubauen.
Kosten der Hippotherapie
Die Hippotherapie wird vom Arzt verschrieben. Da sie jedoch nicht im Heilmittelkatalog aufgenommen ist, übernimmt die Krankenkasse nur einen Anteil der Kosten. Die Kosten einer Therapiestunde von 30 Minuten liegen durchschnittlich bei 25 Euro. Leider gibt es noch sehr wenige Sponsoren, die Behinderten diesen Sport finanziell ermöglichen. Sind Pferd und Reiter einmal zum eingespielten Team geworden, stehen je nach Ehrgeiz, Talent, Fähigkeiten und Förderung des Duos alle Möglichkeiten vom gemütlichen Ausritt bis zu den Paralympics offen. Seit 1996 gibt es dort die Disziplin Dressurreiten für Behinderte. Dabei wird in vier Klassen entsprechend der jeweiligen Körper- oder Sinnesbehinderung gestartet. Bei diesen Wettbewerben geht es verstärkt um die Harmonie zwischen Pferd und Reiter.
Wie wirkt sich Reiten physiotherapeutisch aus?
Der Bewegungsapparat des Menschen ist auf aufrechtes Gehen ausgelegt. Beim Gehen wird eine dreidimensionale Kipp- und Drehbewegung des Beckens ausgeführt. Um den dabei entwickelten Schwung auszubalancieren, wird eine gegengleiche Bewegung nötig, die den größten Teil des Körpers mit einbezieht. Geht der linke Fuß nach vorn, schwingen automatisch rechte Schulter und der Arm mit. Schwingt der rechte Arm zurück, animiert er umgekehrt den linken Arm und das rechte Bein zur Vorwärtsbewegung. Der Bewegungsablauf des Pferdes im Schritttempo versorgt das Becken des Reiters mit den gleichen dreidimensionalen Schwingungsimpulsen, die auch beim menschlichen Gehen entstehen. In der Hippotherapie benutzt man diesen Effekt, um den menschlichen Körper vom Becken aufwärts an seine motorischen Funktionen während des Gehens zu gewöhnen oder zu erinnern. Mit der Beeinflussung der Sensomotorik kommt es unter anderem zu einer Lockerung der Muskulatur, und die Stütz-, Haltungs- und Gleichgewichtsreaktionen werden trainiert. Fortschritte sind an flüssigeren Bewegungsabläufen und einer besseren Kontrolle über die Gliedmaßen erkennbar.
Hippotherapie: besonders geeignet bei MS
Keine andere Methode kann einem behinderten Menschen eine solche Bewegungserfahrung vermitteln. Geeignet ist diese Therapie hauptsächlich bei neurologischen Erkrankungen. Dazu gehören Kinder mit Folgen frühkindlicher Hirnschädigung, Menschen mit MS und Betroffene nach Schädel-Hirn-Trauma sowie Schlaganfällen.
Weitere Informationen zur Hippotherapie erhalten Sie beim
Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten e. V.
Unter www.dkthr.de finden Sie umfangreiche Informationen.
Die Hippotherapie hilft bei der Koordination von Körperbewegungen und beim Trainieren des Gleichgewichts. Die Bewegungen des Pferdes beeinflussen die Sensomotorik des Reiters mit MS und es kommt zu einer Lockerung der Muskulatur.
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