Wissen zum Thema MS

Symptomtherapie

Eine wichtige Säule bei der Behandlung MS-Betroffener ist die Therapie der Krankheitszeichen, die so genannte symptomatische Therapie. Diese Rubrik erklärt die wichtigsten Maßnahmen gegen typische Symptome und gibt Hilfestellungen.


 

Toiletten-Hinweisschilder

Blasenfunktionsstörungen bei MS

Individuelle Therapie

Blasenstörungen sind ein häufiges Symptom bei Menschen mit MS.
Es gibt verschiedene Formen von Blasenstörungen, die durch eine neuro-urologische Untersuchung abgeklärt werden sollten. Sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrem Arzt über das Problem, für viele der Blasenfunktionsstörungen gibt es effektive Hilfen!

Therapieoptionen

Generell unterscheidet man die Restharnbildung (dauerhaft erhöhtes Urinvolumen, das in der Blase verbleibt), die Inkontinenz (Unvermögen, Harn zu halten), die Reizblase (häufiger Harndrang) sowie den imperativen Harndrang (Unfähigkeit, den Harn nach Auftreten des Harndrangs länger zurückzuhalten).

Für alle Störungsformen gibt es auch unterschiedliche therapeutische Optionen:

  • Inkontinenz: Legen eines Dauerkatheters, Slip mit Spezialeinlage, Medikamente, bei Männern Urinalkondom (auch: Kondomurinal)
  • Restharnbildung: Blasentraining, diverse Medikamente, evtl. Selbstkatheterisierung
  • Imperativer Harndrang: Häufig lässt sich dieses Problem durch regelmäßigen Toilettengang vermeiden. Medikamentös lässt sich die Überaktivität der Blase z. B. mit Oxybutinin hemmen.
  • Bei einer Reizblase, die als eigenständiges Krankheitsbild gilt, ist folgende therapeutische Option zu empfehlen: Gabe von Anticholinergika (Detrusitol). Diese führen teilweise zu einer erhöhten Restharnbildung, es müssen demzufolge regelmäßig Ultraschallkontrollen durchgeführt werden.

Tipps bei Blasenstörungen

Wenn Sie unter einem der beschriebenen Probleme leiden, kann es vorkommen, dass Sie aus Angst vor unwillkürlichem Harnabgang die Flüssigkeitszufuhr einschränken.Vermeiden Sie dies unbedingt! Der Körper benötigt circa zwei Liter Flüssigkeit pro Tag. Nehmen Sie weniger zu sich, um so Ihrem Problem zu entgehen, kann dies der Blase eher schaden. Denn Bakterien, die sich in der Blase befinden, werden durch den Urin ständig ausgeschwemmt. Wer wenig trinkt, begünstigt die Vermehrung von Bakterien und leistet somit Infektionen Vorschub. Zudem wird die Blasenmuskulatur nicht mehr trainiert, wenn die Blase nicht regelmäßig gefüllt wird. Dann reduziert sich das Fassungsvermögen, und die Blase meldet sich immer häufiger. Darüber hinaus kann es zur Bildung von Nierensteinen oder chronischen Nierenschädigungen kommen!

Die bei Vorliegen einer depressiven Störung oder gelegentlich auch bei chronischen Schmerzzuständen eingesetzten Antidepressiva, besonders die sogenannten trizyklischen Antidepressiva, können die Neigung zur Restharnbildung bei Betroffenen mit Blasenstörungen noch verstärken. Daher sollten Sie Folgendes beachten:

  • Gehen Sie, bevor Sie das Haus verlassen, noch einmal auf die Toilette. Bewegung treibt die Blase an, und Sie verspüren den Harndrang sonst in unpassenden Momenten.
  • Stellen Sie Ihre Tagesmenge an Flüssigkeit schon morgens gut sichtbar bereit, zum Beispiel an Ihrem Arbeitsplatz. So können Sie besser kalkulieren, wie es um Ihr Pensum steht.
  • Trinken Sie Ihre Tagesration rechtzeitig, z. B. bis in die Nachmittagsstunden, damit Sie in der Nacht nicht durch einen häufigen Harndrang oder durch Kontinenzprobleme geweckt werden.
  • Verzichten Sie auf Kaffee, schwarzen Tee oder Cola, da sie harntreibend wirken.
  • Bedenken Sie, dass sich der Flüssigkeitsbedarf bei Hitze erhöht.


Hygiene und Körperpflege

Gelangt Urin auf die Haut, sollte er möglichst schnell abgewaschen werden, um Hautreizungen vorzubeugen. Bei minimaler Inkontinenz reicht die Verwendung einer normalen Slipeinlage. Es gibt aber auch spezielle Einlagen, die den Urin geruchsneutral auffangen. Hier einige Tipps:

  • Verwenden Sie zum Waschen möglichst pH-neutrale Produkte.
  • Trocknen Sie die Haut gut ab.
  • Hat Ihr Arzt eine Blasenstörung diagnostiziert, fragen Sie ihn nach einem Rezept für Einlagen. Das schont den Geldbeutel.
  • Für Männer sind evtl. Kondomurinale geeignet.


Beckenbodenrehabilitation

Das gezielte Training der Beckenbodenmuskulatur ist eine hilfreiche Therapieform bei Blasenstörungen. Eine gute Beckenbodenmuskulatur ist für die Erhaltung der Kontinenz wichtig, da sie bei einer normalen Funktion die Blase unterstützt, geschlossen zu bleiben. Die Therapie wird mit Hilfe eines Physiotherapeuten durchgeführt. Für einen dauerhaften Erfolg ist jedoch auch das regelmäßige selbstständige Training zu Hause erforderlich. Das sollten Sie bedenken:

  • Die Beckenbodenmuskulatur kann durch Übergewicht oder verstärkten Druck bei der Entleerung des Darms geschwächt werden.
  • Eine trainierte Beckenbodenmuskulatur ist auch hilfreich bei sexuellen oder Darmproblemen.
  • Viele Übungen, die selbstständig durchgeführt werden, können auch im Büro oder unterwegs gemacht werden.

Blasenstörungen sind tabubelastet und für den Betroffenen oft unangenehm. Blasen- und Darmprobleme sind jedoch gut behandelbar. Zögern Sie nicht, Ihren Neurologen auf mögliche Therapien anzusprechen.

Hilfreiche Informationen finden Sie auch in der Broschüre "Inkontinenz bei Multipler Sklerose – Ein Ratgeber bei Blasen- und Darmstörungen", Autorin: Doris Friedrich.




 

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