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Was sind die Symptome?

Vielen Menschen ist Multiple Sklerose als die „Krankheit der 1000 Gesichter“ bekannt. Dieses Bild greift vor allem die zahlreichen unterschiedlichen Symptome und Verlaufsformen auf. Hier finden Sie einen ersten Überblick über MS-typische Symptome.

Je nachdem welche Nerven betroffen sind, kann die MS Auswirkungen auf körperliche und geistige Fähigkeiten haben. 

Das wohl am weitesten verbreitete Symptom der MS ist die FatigueTypisches MS-Symptom: Es zeichnet sich durch sehr schnelle Ermüdbarkeit sowie körperliche und geistige Erschöpfbarkeit des Betroffenen aus.. Dieser Ausdruck beschreibt eine rasche Ermüdbarkeit beziehungsweise Energielosigkeit der Betroffenen. Selbst längere Ruhephasen bringen ihnen keine Erholung und sie fühlen sich abgeschlagen. Eine Fatigue kann unter anderem Schlafstörungen begünstigen.

Als Gefühls- oder SensibilitätsstörungenEmpfindungsstörungen bezeichnet man alle Arten von Empfindungs- bzw. Gefühlswahrnehmungsstörungen. Sie sind ein typisches Symptom der Multiplen Sklerose und bewirken zum Beispiel, dass Reize anders wahrgenommen werden. So empfindet ein MS-Betroffener Kälte möglicherweise als Schmerz oder kann Temperaturunterschiede nur schlecht wahrnehmen.

Durch Schäden an den Sehnerven kommt es in vielen Fällen zu Sehstörungen, die den Sehnerv oder die Sehmuskulatur betreffen. Die meisten Beeinträchtigungen des Sehvermögens aufgrund von Multipler Sklerose sind jedoch nicht von Dauer.

Etwa die Hälfte der Menschen mit Multipler Sklerose muss sich mit Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen auseinandersetzen. Am häufigsten betroffen ist das Langzeitgedächtnis. Gedächtnistrainings wie das kognitive Training auf www.aktiv-mit-ms.de sind deshalb enorm wichtig.  

Eine MS kann neben den körperlichen Beeinträchtigungen auch psychisch belasten. Vor allem Blasenprobleme und sexuelle Störungen, die durch die MS hervorgerufen werden, verstärken diese Belastung. Beide Symptome sind jedoch gut therapierbar. 

Bei Hitze und an schwülen Tagen sind viele Menschen mit MS von einer Verschlechterung ihrer Symptome betroffen. Dieser Umstand ist mittlerweile als Uhthoff-Phänomen bekannt. Man geht davon aus, dass durch die erhöhten Temperaturen die Reizweiterleitung im Körper verlangsamt wird und dadurch MS-Symptome wieder spürbar werden oder sich gar verschlimmern.

Die Begriffe Dysarthrie und Dysphagie beschreiben Sprach- und Schluckstörungen. Durch Schäden am Hirnstamm kann die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt sein. Ein erstes Anzeichen für Schluckbeschwerden ist ein häufig auftretender Husten nach dem Trinken. Bei beiden Symptomen hilft eine logopädische Behandlung.

Im Rahmen einer MS kommt es oft zu Verkrampfungen der Muskulatur (SpastikUnwillkürlich und "federnd" erhöhte Muskelspannung, die bei rascher aktiver oder passiver Bewegung zunimmt, entsteht bei zentralen Lähmungen.) und Lähmungserscheinungen. Die Auswirkungen reichen von einer schnelleren Ermüdung der Muskulatur bis hin zur Lähmung. Der Grund hierfür ist, dass jene Nervenfasern in Mitleidenschaft gezogen werden, über die in Gehirn und Rückenmark die Muskeln gesteuert werden. Mit geeigneten Behandlungen lassen sich diese Symptome jedoch kontrollieren. MS-Betroffene haben darüber hinaus ein erhöhtes Risiko einen epileptischen Anfall zu erleiden. Hier sollten vorbeugende Maßnahmen getroffen werden.

Eine Spastik kann weitere Symptome der MS begünstigen. Zum Beispiel gehen Rückenschmerzen möglicherweise auf eine Spastik zurück. Oftmals sind sie aber auch die Folge falscher Haltungs- und Bewegungsmuster. Betroffene versuchen beispielsweise Schwäche in einem Bein oder Gleichgewichtsstörungen zu kompensieren. Ist das Gleichgewichtssystem beeinträchtigt, tritt häufig Schwindel bei den Betroffenen auf. Hier helfen sogenannte Fixationsübungen, um das Symptom zu lindern.


Fatigue und MS: Müde und ohne Energie

Eines der verbreitetsten Symptome bei Multipler Sklerose ist die rasche Ermüdbarkeit beziehungsweise Energielosigkeit. Der Fachausdruck für diese Form der Erschöpfung ist "Fatigue-Syndrom". Etwa 80 Prozent der Menschen mit MS sind hiervon betroffen. Betroffene, die unter einer Fatigue leiden, können auch durch längere Ruhephasen keine neue Energie tanken.

Durch eine geschickte Arbeitseinteilung und strukturierte Tagesplanung können Beeinträchtigungen vermieden werden. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf und Verzicht auf Alkohol und Nikotin unterstützt dieses Ziel.

Die Ursachen der Fatigue sind nicht abschließend geklärt. Mediziner unterscheiden zwei Formen:  die primäre und die sekundäre Fatigue:

  • Primäre Fatigue
    Ursache ist die Multiple Sklerose selbst. Die Schädigungen des Zentralen Nervensystems führen zu langsameren Reaktionen und dies zu extremer Müdigkeit.

  • Sekundäre Fatigue
    Die Ursache ist nicht direkt auf die MS zurückzuführen und kann aufgrund anderer Faktoren auftreten, wie beispielsweise Schlaflosigkeit, Infektionen oder körperliche Überanstrengung.

Wie äußert sich Fatigue bei MS?

Das Fatigue-Syndrom äußert sich beim Betroffenen durch starke Abgeschlagenheit und Mattigkeit. Die Symptome treten ohne Grund, überfallsartig und hemmend auf. Selbst nach langem Ausschlafen tritt die Müdigkeit unter Umständen bereits morgens auf. Kleinste Handgriffe werden zur Anstrengung. Hinzu kommt die schnelle Ermüdbarkeit, wenn bestimmte Muskelgruppen für kurze Zeit beansprucht wurden. Die Symptome können sich im Laufe des Tages steigern. Verstärkt wird diese Energielosigkeit oft noch bei warmem oder schwülem Wetter.

Ist das Fatigue-Syndrom immer ein MS-Symptom?

Das Fatigue-Syndrom kann auch aufgrund anderer Faktoren auftreten, die nicht direkt mit Multiple Sklerose zusammenhängen:

  • Schlaflosigkeit: entsteht zum Beispiel durch klassische „Schlafräuber“ wie häufigen Harndrang, Spastik, Schmerzen, Depressionen oder Angst.

  • Infektionen: Entzündungen und Ansteckungskrankheiten ziehen den gesamten Organismus erschöpfend in Mitleidenschaft und können Fatigue hervorrufen.

  • Anstrengung: Starke körperliche Betätigung, insbesondere wenn Koordination gefragt ist, kann ein Auslöser des Fatigue-Syndroms sein.

  • Medikamente: Viele Medikamente haben Müdigkeit oder Benommenheit als Nebenwirkung. Depression: Fatigue ist ein typisches Symptom von

  • Depressionen. Eine Depression kann als eigenständige Erkrankung des Gehirns oder infolge der emotionalen Auswirkung einer chronischen Erkrankung wie der Multiplen Sklerose ausgelöst werden.

  • Das natürliche Umfeld: Auch Faktoren wie die richtige Raumtemperatur oder die Beleuchtung sind wichtig. Die Augen werden durch eine unzureichende Lichtquelle überanstrengt und ermüden schneller. Überhitzte Räume können Mattigkeit fördern.

Was unterscheidet ein Fatigue-Syndrom bei MS?

Eine MS bedingte Fatigue unterscheidet sich von einem Fatigue-Syndrom anderer Ursache dadurch, dass:

  • es schnell und plötzlich auftritt

  • meist jeden Tag vorkommt

  • trotz einer erholsamen Nacht morgens vorkommen kann

  • durch Hitze oder Schwüle hervorgerufen oder erschwert wird

  • normalerweise schwerwiegender als eine normale Fatigue ist und sich auf den Tagesablauf auswirkt.

Besprechen Sie mögliche Therapieansätze mit Ihrem behandelnden Arzt, der Ihre gesundheitliche Gesamtsituation am besten beurteilen und die richtige Behandlung abwägen und mit Ihnen vereinbaren kann.

Fatigue heißt nicht Depression

Es kann gelegentlich schwierig sein, die Fatigue von den Folgen trauriger Verstimmtheit (Depression) abzugrenzen. Denn auch wenn die Auswirkungen der Erschöpfung teilweise an eine Depression erinnern, handelt es sich um zwei verschiedene Symptome, die auftreten können.

Damit es nicht zu einer Depression kommt, ist es wichtig, dass zu Beginn der Erkrankung beziehungsweise nach der Diagnose über Ängste und Sorgen gesprochen wird. Dies kann in Form von Gesprächen mit Freunden und Angehörigen, in einer Selbsthilfegruppe oder im Rahmen gesprächstherapeutischer Angebote erfolgen. Unterstützend gibt es verschiedene Formen psychotherapeutischer Behandlung, die dazu beitragen können, emotionale Stabilität und Zuversicht zurückzugewinnen.

Tipps für den Alltag mit Fatigue bei MS

Betroffene mit Fatigue-Symptomen sollten gezielt Ruhe- und Entspannungspausen in den Tagesablauf integrieren. Entsprechend der individuellen Leistungsfähigkeit muss das "richtige Mittelmaß" zwischen täglichen Pausen gesucht werden.

Die Grenzen der Belastbarkeit herauszufinden, ist ein langsamer und manchmal ebenso mühsamer wie auch mutiger Prozess. Mutig insofern, als vor allem der Betroffene selbst seinen Mitmenschen im privaten wie beruflichen Umfeld gegenüber offen über die Erschöpfbarkeit sprechen sollte. So beugen MS-Betroffene Missverständnissen vor und geben ihrem sozialen Umfeld die Möglichkeit, rücksichtsvoll auf die Fatigue zu reagieren.

Selbsthilfe – was kann ich gegen Fatigue tun?

Wichtig ist, offen und ehrlich mit den Mitmenschen über die Fatigue zu reden. Dann können sich Kollegen, Familie, Partner und Freunde darauf einstellen und werden Verständnis haben, wenn ganz plötzlich aufgrund der Erschöpfung geplante Unternehmungen abgesagt werden. Zudem sollte der behandelnde Arzt, Physiotherapeut und der/die MS-Fachberater/in zu Rate gezogen werden.  

Zu den wichtigsten Maßnahmen, die selbst ergriffen werden können, gehören Änderungen der täglichen Routine sowie eine Anpassung an die MS-bedingten Umstände im Alltag.

  • Ruhe und Entspannung: Wenn die Müdigkeit immer etwa zur gleichen Zeit auftritt, sollte man sich auszuruhen, bevor sie am schlimmsten ist.

  • Prioritäten setzen: Machen Sie sich eine Liste mit allen wichtigen Dingen, die täglich anfallen. Sie werden erkennen, dass manche Sachen wirklich wichtig, manche jedoch an andere abgegeben, gemeinsam erledigt oder ganz weggelassen werden können.

  • Tagesplanung: Die täglichen Aufgaben erfordern sowohl Kraft als auch Konzentration. Lernen Sie, nicht einfach loszulegen, um die Sachen schnell zu erledigen. Koordinieren Sie die Aufgaben. Am besten planen Sie den Ablauf so, dass Sie mit der schwersten Aufgabe beginnen und zwischendurch regelmäßig Pausen einlegen. Beim Hausputz beispielsweise mit den Räumen beginnen, die am aufwendigsten sind und nach jedem erledigten Raum eine Pause machen. Bei der Arbeit die unliebsamen Aufgaben, die einem nicht so leicht von der Hand gehen und eventuell hohe Konzentration erfordern, zuerst erledigen.

  • Organisation: Richten Sie Ihre Umgebung nach Ihren Bedürfnissen ein. Häufig verwendete Dinge sollten stets in Ihrer Nähe und gut erreichbar sein. Dies lässt sich besonders gut auf Bereiche wie Küche, Arbeitsplatz und Wohnbereich anwenden. So sollte der Drucker eher bei Ihnen auf dem Tisch oder direkt neben Ihnen stehen, um unnötiges Aufstehen zu vermeiden. Ein „Headset“ erleichtert das Telefonieren. In der Küche ist eine Sitzgelegenheit von Vorteil, damit Sie beim Vorbereiten des Essens nicht stehen müssen. Getränke – zumindest der Tagesvorrat – sollten hier gelagert werden und nicht im Keller.

  • Ernährung: Achten Sie auf eine gesunde, kalorienreduzierte Ernährung. Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholgenuss und schwere Mahlzeiten.

  • Regelmäßiges Training: Leichte Übungen stärken die Muskelkraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Zudem wirkt sportliche Betätigung stimmungsaufhellend.

  • Vermeiden Sie heiße Bäder und hohe Temperaturen. Bei Hitze ab und zu kaltes Wasser über Beine und Arme laufen lassen. 

 

Gefühlsstörungen und Schmerzen bei MS

Als Gefühls- oder Sensibilitätsstörungen bezeichnet man alle Arten von Empfindungs- bzw. Gefühlswahrnehmungsstörungen. Sie sind ein typisches Symptom der Multiplen Sklerose. Neben dem motorischen System gibt es ein Funktionssystem, das wichtige Informationen von allen Stellen unseres Körpers in Richtung Gehirn weiterleitet und damit das Gehirn zum Beispiel über die Temperatur oder Schmerz in einem bestimmten Körperteil informiert. Es gibt Sensibilitätsstörungen, bei denen bestimmte Empfindungen wie das Berührungs- oder Temperaturempfinden vermindert sind oder auch völlig fehlen. Des Weiteren gibt es Störungen, bei denen ein Reiz wie Kälte auf eine andere Art, beispielsweise als Schmerz, wahrgenommen wird. Nicht alle Schmerzen entstehen jedoch aufgrund der Multiplen Sklerose selbst. Oftmals sind sie die Folge von anderen MS-Symptomen.

Unterschiedliche Sensibilitätsstörungen bei MS

Sensibilitätsstörungen bei Multipler Sklerose können sehr vielfältig sein und werden von den Betroffenen folgendermaßen beschrieben: Gefühl von Taubheit oder "Pelzigkeit" an Händen oder Fußsohlen, zuweilen verbunden mit dem Gefühl, auf Watte zu gehen – ein  Kribbeln (Ameisenlaufen) auf der Haut, ein Stechen oder dumpf brennender Schmerz. Solche Sensibilitätsstörungen können bei Menschen mit MS in den verschiedensten Körperregionen auftreten.

Andere Sensibilitätsstörungen äußern sich unter anderem als Schnür- oder Bandagengefühl. An den Gelenken wird die Störung von Betroffenen auch als Schwellung empfunden (Ballongefühl). Zudem können durch die Sensibilitätsstörungen die Vibrationsempfindung und die unbewusste Wahrnehmung der Lage und Stellung von Gliedmaßen im Raum beeinträchtigt sein. Dies führt zu Problemen bei der Koordination des Gehens und des Treppenlaufens. Sind die Hände betroffen, werden alltägliche Verrichtungen wie das Schreiben oder Knöpfen erschwert.

Schmerzen

Schmerz ist ein Gefahrensignal für den Körper, das über Nervenbahnen geleitet, im Gehirn verschaltet und wahrgenommen wird. So ziehen wir beispielsweise bei Verbrennungen schnell unsere Hand zurück, um schlimmere Verletzungen zu vermeiden. Bei einem gebrochenen Bein oder einem Bänderriss vermittelt uns der Schmerz, dass wir die verletzte Stelle nicht belasten sollen, damit diese heilen kann. Unser Schmerzempfinden übernimmt somit eine wichtige Funktion für unser Leben und Überleben.

Bei Multipler Sklerose können Schmerzen unterschiedlich ausgeprägt sein: Sie können akut (z. B. bei Blasenentzündungen, schmerzhaft einschießenden Spastiken) und/oder anfallsweise, als Schmerzattacken von kurzer Dauer auftreten (z. B. TrigeminusneuralgieSchmerzattacken im Gesichtsbereich, die fast immer einseitig auftreten und etwa 1 Minuten andauern. Sie sind auf den Versorgungsbereich des Trigeminusnerven begrenzt, der für die Sensibilität im Gesicht zuständig ist. = Schmerzen im Gesicht, bei etwa zwölf Prozent der Betroffenen). Andere Schmerzformen entwickeln sich langsamer und können sogar chronisch werden (z. B. Muskelschmerzen oder Rückenschmerzen als Folge von Gang- und Gleichgewichtsstörungen). Häufig sind Schmerzen bei MS auch die indirekten Folgen von körperlichen Fehlhaltungen etwa aufgrund einer Lähmung oder Spastik.

Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn im Rahmen Ihrer Multiple Sklerose Gefühls- oder Sensibilitätsstörungen und Schmerzen auftreten. 

 

Kognition und MS: Beeinträchtigung der grauen Zellen

Kognitive Störungen bei Multipler Sklerose können das logische Denken, das Erinnerungsvermögen, die Konzentration, die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung oder das Planen betreffen. Mit regelmäßigem Training lassen sich diese Symptome allerdings verbessern.

Das Gedächtnis – Datenspeicher des Lebens

Etwa die Hälfte der Menschen mit Multipler Sklerose muss sich mit Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen auseinandersetzen. Grundsätzlich unterscheidet die Wissenschaft zwischen Ultrakurzzeitgedächtnis, Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis sowie Langzeitgedächtnis:

Das Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis hilft dabei, einen Satz zu verstehen, indem es sich am Ende des Satzes noch an dessen Anfang erinnert. Die Informationen werden für maximal eine Minute gespeichert. Wenn jedoch die Aufmerksamkeit beeinträchtigt ist, sodass eine Information gar nicht erst "hängen" bleibt, bekommt das Kurzzeitgedächtnis auch keine Chance seine Arbeit aufzunehmen.

In Verbindung mit Multipler Sklerose kommt es am häufigsten zu Störungen des Langzeitgedächtnisses. Dieses speichert alle erlernten Fähigkeiten, Erfahrungen und Erlebnisse. Für das Gedächtnis hat die Natur im menschlichen Gehirn keinen speziellen Platz vorgesehen, wie zum Beispiel für ein Organ. Es verteilt sich über mehrere Bereiche im Großhirn und funktioniert über ein neuronales Netz. Dieses besteht aus circa 100 Milliarden Nervenzellen, die wiederum untereinander durch 100 Billionen SynapsenSynapsen sind Kontaktstellen zwischen zwei Nerven oder zwischen einem Nerv und einem Muskel. Die ankommenden Informationen bzw. Erregungen werden mittels Neurotransmittern (Botenstoffe) über den synaptischen Spalt hinweg weitergegeben. verbunden sind, was das Gedächtnis äußerst anfällig macht.

Gedächtnistraining bei MS

Menschen mit Multipler Sklerose sollten kognitiven Störungen vorbeugen und mit (dem) Köpfchen arbeiten. Regelmäßiges Gedächtnistraining fördert das Zusammenspiel von Kurz- und Langzeitgedächtnis. Hierzu eignen sich Lesen, Schreiben und verschiedene Gedächtnisspiele wie z. B. Sudoku, Kartenmerkspiele oder Gehirn-Leistungstrainings. Probieren Sie auch  das kognitive Training auf www.aktiv-mit-ms.de.

Tipps für den Alltag

Mit einigen Tipps fördern Sie außerdem die Kognition im Alltag:

  • Schreiben Sie Listen für Dinge, die zu erledigen sind, wie Einkaufslisten usw.

  • Vermeiden Sie Stress und Ermüdung, da diese Konzentrations- und Gedächtnisschwächen nach sich ziehen.

  • Notieren Sie sich Termine im Kalender.

  • Gespräche sollten an ruhigen Orten stattfinden, um Ablenkungen zu vermeiden. Auch bei der Arbeit ist eine ruhige Atmosphäre für Menschen mit MS sinnvoll.

  • Wiederholen Sie Informationen und schreiben Sie wichtige Punkte auf.

Die Mehrheit der Menschen mit Multipler Sklerose ist von kognitiven Störungen betroffen. Mit Gedächtnistraining können Sie Ihre kognitive Leistungsfähigkeit jedoch gezielt trainieren und diese MS-Symptome eingrenzen.

 

Blasenfunktionsstörungen bei MS – Individuelle Therapie

Blasenfunktionsstörungen können mit einer Multiplen Sklerose verbunden sein. 50 bis 80 Prozent der Menschen mit MS sind davon betroffen. Blasenfunktionsstörungen entwickeln sich fast immer schleichend und sind für die Betroffenen oft unangenehm und belastend. Welche Form der Funktionsstörung vorliegt, kann ein Facharzt diagnostizieren. Ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Arzt hilft, sachgerecht zu therapieren und die Störungen bedeutend zu lindern.

Anders als bei der normalen Inkontinenz, bei der ein Urinverlust stattfindet, weil der Blasenschließmuskel nicht richtig dicht hält, liegt bei MS eine neurologische Störung der fein aufeinander abgestimmten Blasenfunktionsmechanismen vor. Im Wesentlichen lassen sich drei Formen unterscheiden:

  • Hyperaktive Blase
    Häufig kommt es zu einer Überaktivität der Blasenmuskulatur: Sie beginnt schon bei geringen Urinmengen, sich zusammenzuziehen. Dies äußert sich durch starken Harndrang bei noch nicht gefüllter Blase. In Folge kann es zu ungewolltem Urinabgang (imperativer Harndrang) kommen. Deshalb nennt man diese Form einer Blasenfunktionsstörung auch Drang- oder (englisch) Urge-Inkontinenz.

  • Komplexgestörte Blase
    Bei einer komplexgestörten Blase ist das Zusammenspiel der beteiligten Muskelgruppen für Blasenentleerung und Blasenverschluss gestört. Bei dieser Form der Harninkontinenz kommt es daher auch häufig zu Restharnbildung. Diese stellt ein großes Risiko für Harnwegsinfekte dar und bleibt bei MS-Betroffenen wegen gleichzeitiger Sensibilitätsstörung oft unbemerkt.

  • inaktive Blase
    Bei der dritten Form der Harninkontinenz ist eine Schwäche bis hin zur Lähmung des Schließmuskelsystems der Blase die Ursache für die Inkontinenz.

Für alle Störungsformen gibt es unterschiedliche therapeutische Optionen:

  • Inkontinenz: Legen eines Dauerkatheters, Slip mit Spezialeinlage, Medikamente, bei Männern Urinalkondom (auch: Kondomurinal)

  • Restharnbildung: Blasentraining, diverse Medikamente, evtl. Selbstkatheterisierung

  • Imperativer Harndrang: Häufig lässt sich dieses Problem durch regelmäßigen Toilettengang vermeiden. Medikamentös lässt sich die Überaktivität der Blase z. B. mit Oxybutinin hemmen.

Einfache Diagnostik bei Inkontinenz

Urologische Spezialuntersuchungen helfen, die unterschiedlichen Formen der Inkontinenz, die auch kombiniert vorliegen können, zu unterscheiden und eine entsprechende Behandlung zu wählen. Dies können zum Beispiel UltraschalluntersuchungUntersuchungsverfahren zur bildlichen Darstellung von Körperstrukturen mittels Ultraschall. Je nach Beschaffenheit des Gewebes können verschiedene Organe gut oder schlecht beurteilt werden., BlasendruckmessungMessung des Harnblaseninnendruckes mittels eines Zystomanometers. und Elektromyogramm der Beckenbodenmuskulatur sein. Zur Diagnostik gehört auch eine Urinuntersuchung, um Entzündungen oder andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Diagnostik und Therapie von Blasenfunktionsstörungen sind wichtig, weil es sonst unbemerkt zu Entzündungen der Blase kommen kann. Diese greifen dann leicht auf die Nieren über (aufsteigende Infektionen) und führen schlimmstenfalls zu Blutvergiftung (Urosepsis) und Nierenversagen.

Tipps bei Blasenstörungen

MS-Betroffene neigen dazu, weniger zu trinken, um nicht so oft zur Toilette zu müssen. Wer seinem Körper zu wenig Flüssigkeit zuführt, riskiert womöglich verminderte Leistungsfähigkeit, verlangsamtes Denken und Konzentrationsverlust. Auch Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Harnwegsinfektionen, Nierenprobleme und Verstopfung können auftreten.

Da der Körper erst dann das Durstsignal sendet, wenn der Wassergehalt im Blut bereits stark gesunken ist, ist präventives Trinken wichtig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser zu sich zu nehmen.

Eine zu geringe Trinkmenge verstärkt die Anfälligkeit der Blase. Wird diese immer nur tröpfchenweise gefüllt, verlernt sie, sich zu entfalten, ihr Volumen wird immer kleiner und die Infektionsgefahr steigt. Denn eigentlich werden durch den Urin Bakterien ausgeschwemmt, die sich in der Blase befinden. Wer wenig trinkt, begünstigt die Vermehrung von Bakterien und somit Infektionen. Darüber hinaus kann es zur Bildung von Nierensteinen oder chronischen Nierenschädigungen kommen.

Die folgenden Tipps helfen Ihnen bei der Kontrolle von Blasenproblemen:

  • Gehen Sie, bevor Sie das Haus verlassen, noch einmal auf die Toilette. Bewegung treibt die Blase an und Sie verspüren den Harndrang sonst in unpassenden Momenten.

  • Stellen Sie Ihre Tagesmenge an Flüssigkeit schon morgens gut sichtbar bereit, zum Beispiel an Ihrem Arbeitsplatz. So können Sie besser kalkulieren, wie es um Ihr Pensum steht.

  • Trinken Sie Ihre Tagesration rechtzeitig, z. B. bis in die Nachmittagsstunden, damit Sie in der Nacht nicht durch einen häufigen Harndrang oder durch Kontinenz-Probleme geweckt werden.

  • Verzichten Sie auf Kaffee, schwarzen Tee oder Cola, da sie harntreibend wirken.

  • Bedenken Sie, dass sich der Flüssigkeitsbedarf bei Hitze erhöht.

Hygiene und Körperpflege

Gelangt Urin auf die Haut, sollte er möglichst schnell abgewaschen werden, um Hautreizungen vorzubeugen. Bei minimaler Inkontinenz reicht die Verwendung einer normalen Slipeinlage. Es gibt aber auch spezielle Einlagen, die den Urin geruchsneutral auffangen. Hier einige Tipps:

  • Verwenden Sie zum Waschen möglichst pH-neutrale Produkte.

  • Trocknen Sie die Haut gut ab. Hat Ihr Arzt eine Blasenstörung diagnostiziert, fragen Sie ihn nach einem Rezept für Einlagen. Das schont den Geldbeutel.

  • Für Männer sind eventuell Kondomurinale geeignet.

Beckenbodenrehabilitation

Eine gute Beckenbodenmuskulatur unterstützt die normale Funktion der Blase und ist für die Erhaltung der Kontinenz wichtig. Die richtigen Übungen für den Beckenboden lernt man am besten beim Physiotherapeuten. Für einen dauerhaften Erfolg ist es jedoch wichtig, auch zu Hause regelmäßig zu trainieren. Das sollten Sie bedenken:

  • Die Beckenbodenmuskulatur kann durch Übergewicht oder verstärkten Druck bei der Entleerung des Darms geschwächt werden.

  • Eine trainierte Beckenbodenmuskulatur ist auch hilfreich bei sexuellen oder Darmproblemen.

  • Viele Übungen lassen sich problemlos und einfach im Büro oder unterwegs durchführen.

Ein Training der Beckenbodenmuskulatur auch ist zur Vorbeugung von Stuhlinkontinenz hilfreich. Darüber hinaus sollten verdauungsanregende Lebensmittel vermieden werden. Medikamentös können Sie Stuhlinkontinenz mit Hilfe von Durchfallmitteln wie Loperamid behandeln.

Blasenstörungen und Stuhlinkontinenz sind tabubelastet und für den Betroffenen oft unangenehm. Sie sind jedoch gut behandelbar. Zögern Sie nicht, Ihren Neurologen auf mögliche Therapien anzusprechen.

 

Spastik bei MS

Verkrampfungen der Muskulatur (Spastik) und Lähmungserscheinungen sind typische Symptome bei Multipler Sklerose. Sie entstehen durch Schäden an den Nervenfasern, die die Muskeln steuern. Mit geeigneten Behandlungsformen lassen sich diese Symptome jedoch gut kontrollieren.

Grundsätzlich können zwei Arten von MS-Symptomen auftreten:

  • Beeinträchtigungen der Willkürmotorik, also der aktiv gesteuerten Bewegungen, s.u.

  • Funktionsstörungen von unbewusst arbeitenden Muskeln bzw. Muskelsystemen, wie die von Blase oder Mastdarm. 

  •  

Je nach Ausprägung und Lokalisation eines MS-Herdes im Zentralen Nervensystem (ZNSZentralnervensystem) können sich Störungen der willkürlichen Muskelfunktionen unterschiedlich stark auswirken. Dies kann von einer verstärkten Ermüdbarkeit bestimmter Muskeln bis zur Bewegungsunfähigkeit der jeweiligen Muskeln reichen.

Muskelschwäche und Spastik bei MS

Die Beeinträchtigung der Beinmuskulatur kann zur Gangschwierigkeiten des Betroffenen führen. Werden die Muskeln nicht mehr vom Zentralen Nervensystem angesteuert, tritt möglicherweise eine gesteigerte Muskelaktivität, die so genannte Spastik, auf. Mehr als 30 Prozent der Menschen mit MS sind von einer Spastik betroffen und haben verkrampfte Muskeln.

Therapiemöglichkeiten

Motorische Störungen können neben den Muskeln der Arme und Beine auch andere Muskelgruppen, etwa die Rachen- oder Gesichtsmuskeln, betreffen. Dadurch werden weitere Funktionen wie das Sprechen, Schlucken oder die Mimik beeinträchtigt. Wie bei allen anderen MS-Symptomen ist auch hier eine Rückbildung ganz oder teilweise möglich. Bleiben die Symptome bestehen, können insbesondere spastische Beschwerden gezielt und mit guter Aussicht auf Erfolg medikamentös und/oder mit Krankengymnastik therapeutisch beeinflusst werden. Gymnastische Übungen tragen dazu bei, die Muskeln weich und geschmeidig zu halten. Zudem sind die HippotherapiePhysiotherapie mit Pferden. Unter Anleitung von speziell geschulten Physiotherapeuten werden durch die besondere Haltung und Bewegung auf dem Rücken der Pferde Symptome wie Spastizität, Koordinationsmängel, Bewegungsschwächen oder auch der Gleichgewichtssinn therapiert. Der intensive Kontakt mit den Pferden kann zudem eine Steigerung des seelischen Wohlbefindens bewirken. (Therapeutisches Reiten) und die progressive Muskelentspannung gute Möglichkeiten, einer Lähmung oder Spastik bei Multiple Sklerose entgegenzuwirken. 

 

Epilepsie bei MS

Jede Art von Gehirnerkrankung kann epileptische Krampfanfälle hervorrufen – so auch die Multiple Sklerose. Epileptische Anfälle entstehen, wenn sich rhythmisch und gleichzeitig eine größere Gruppe von Nervenzellen im Gehirn entlädt. Dies kann sich äußerlich zeigen durch entsprechende Krampfzeichen, wie beispielsweise Zucken der Arme und Beine. Die Krampfanfälle können Ausdruck eines akuten Schubes oder des zurückbleibenden Vernarbungszustandes des Hirngewebes sein. Manchmal treten sie auch nur als einziges Symptom auf. Vorbeugende Maßnahmen und eine medikamentöse Therapie helfen, die Epilepsie zu kontrollieren.

Vorbeugende Maßnahmen bei Epilepsie

Menschen mit MS, die epileptische Anfälle haben, sollten darauf achten, ausreichend zu schlafen. Hierbei ist es wichtig, zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett zu gehen und zu einer bestimmten Uhrzeit wieder aufzustehen. Außerdem sollten Betroffene Flackerlicht (z.B. in Diskotheken), schnelles Atmen (beispielsweise nach sportlicher Betätigung) und Alkohol vermeiden.

MS-Betroffene mit epileptischen Anfällen können so genannte Antiepileptika (Antikonvulsiva) einnehmen. Eine konsequente und vom Neurologen kontrollierte Einnahme der Medikamente ist wichtig, um die Epilepsie bei Multiple Sklerose zu kontrollieren.

 

 

Stand: 22.09.2016

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