Forumregeln
Saja

Das Gefühl zu verblöden

9 posts in this topic

Hallo miteinander,

Kennt ihr das Gefühl?

Ständig vergesse ich was,vor allem Namen!! Will was erzählen und vergesse gleich wieder was. Verliere beim Gespräch den "roten Faden"....

Kann mir nichts mehr merken! Komme mir selber schon doof vor. Was sollen nur andere von mir denken?!

Ich bin 41Jahre alt. Habe viele Herde und black holes im Gehirn, ansehen würde ein fremder mir nichts.

Kommt das von der MS? Kann man irgendwas dagegen tun? Nach einen Kontroll MRT vor einem Jahr sagte mein Neurologe, das Gehirn schrumpft.

Ich habe noch lachend gesagt, jetzt verblöde ich. Er lachte und schüttelte den Kopf. Nein,nein! Lach. Und jetzt glaube ich wohl! Kennt ihr das?

Hoffe auf viele Antworten

LG Sandra

Share this post


Link to post
Share on other sites

Hallo Sandra,

ja, vor allem, wenn man viel um die Ohren hat kann schon was "durchflutschen"  :blink:

Die anderen? Welche anderen? ;) Machs wie Dorie ("Findet Dorie"), die leidet auch unter Vergesserlichkeit und lebt fröhlich vor sich hin...

Noch verschlafene Grüße :) KarU

Share this post


Link to post
Share on other sites

Hallo Sandra,

ja, das ist echt nicht zum Lachen. Glaub mir, ich kenne das.

Ich meine dann auch, ich verblöde und bin entsetzt, dass ich mir vieles nicht mehr merken kann.

Das sind doch eindeutig die kognitiven Probleme bei der MS.

Ich gebe KarU recht. Das was die anderen denken, das soll dir egal sein. Die verstehen es ja eh nicht...

Die Aussage "Das Gehirn schrumpft" finde ich übrigens etwas seltsam. Das macht einem ja Angst oder?

Liebe Grüße

Diana

Share this post


Link to post
Share on other sites

Hallo Sandra,

 

bei mir ist es ähnlich. Körperlich sieht man mir die MS nicht an, aber Kognitiv habe ich seit Jahren Schwierigkeiten.. Eine Ergotherapie brachte das beruhigende Ergebnis, dass ich bei den Übungen immer noch über dem Durchschnitt liege - bis auf Kopfrechnen. Aber es nervt mich, weil ich mich von meinem eigenen Level verabschieden musste, ohne schon in dem Alter zu sein, wo es „normal“ ist. Was ich dagegen mache: Die Übungen, die hier angeboten werden und Rechnen nach dem Buch Dr. Kawashima – Gehirnjogging- ISBN 978 3 8289 5290 4. Laut Dr. Kawashima braucht man nur zu Rechnen, um geistig fit zu bleiben. Probiere es selbst aus.

 

Zur Zeit mache ich einen Online-Kurs über „Mit Trauma leben“ von Dami Charf. Es geht nicht um Schocktraumata sondern um Entwicklungstraumata die nicht nur in der Kindheit sich entwickeln konnten, sondern auch z.B. durch Operationen und evtl. auch durch schlechte Nachrichten (unsere Diagnose gehört garantiert dazu). In einem Modul geht es auch um Konzentration. Hier hatte ich sogenannte AHA-Effekte. Bei einem Traumata ist man unbewusst auf die Umgebung konzentriert, um zu scannen ob „Gefahr“ lauert – in der Steinzeit war diese Fähigkeit Überlebenswichtig. Dies zieht viel Energie ab, so dass man sich weniger/kürzer auf eine Aufgabe oder Gespräch konzentrieren kann.

Durch die dort erklärten Übungen gelingt es mir jetzt schon immer häufiger mich besser zu konzentrieren und auch schwierigere Texte flüssiger zu lesen. Ich bin erst in der Mitte vom Kurs, mehr kann ich noch nicht sagen. Schau mal neugierig auf die Seite „traumaheilung.de“, vielleicht findest Du dort Hilfreiches für Dich – Dami Charf bietet auch andere Kurse zur Weiterentwicklung an. Anders als in anderen Therapien oder Selbsthilfegruppen sprichst Du nicht über Deine traumatischen Erlebnisse. Das empfinde ich als sehr wohltuend.

Liebe Grüße,

Heike

Share this post


Link to post
Share on other sites

Hallo Sandra,

das was Du da beschreibst, kennen viele von uns sicher sehr genau. Ding zu vergessen, Namen zu vergessen oder Wortfindungs-Störungen können echt die Pest sein. Das Gefühl einem Gespräch nicht mehr folgen zu können, stellt sich bei mir in der Regel ein, wenn mehr als vier Leute gleichzeitig beteiligt sind. Ab fünf habe ich nur noch ein unverständliches Rauschen im Kopf und in den Ohren und ich klinke mich aus. Das ist nach meiner Erfahrung einer der vielen krankheitsbedingten Umstände, die wir letztendlich nur hinnehmen können und müssen.

Was sicher keine Lösung sein kann ist es, sich solchen Situationen nicht mehr auszusetzen. Ich für meinen Teil, versuche die Umstände so zu steuern, dass sie mir entgegenkommen und ich habe mir auch angewöhnt, mit Sprache zu spielen, mehr und andere Worte zu finden und zu umschreiben, was ich eigentlich sagen will.

Und auch wenn es sehr schwer ist, versuche deine "Schamgrenze" nach oben zu verschieben. Durch meine Arbeit als Ergotherapeut ist es auch immer wieder nötig in größeren Runden von Kollegen (Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Pfleger/innen, Lehrer und Ergotherapeuten) frei zu sprechen. Das dauert dann bei mir auch schon mal was länger und ist mir oft auch peinlich - aber es geht nicht anders. Trotzdem mache ich meistens gute Erfahrungen! 

Was auf jeden Fall hilft, ist aus seiner Erkrankung kein Geheimnis zu machen sondern offen mit ihr umzugehen. Das nimmt dem Gegenüber den Wind aus den Segeln.

Ganz lieben Gruß- Volker

Share this post


Link to post
Share on other sites

Hallo Sandra,

als ich deine Überschrift las, dachte ich gleich: genau DAS denk und sage ich manchmal auch! B)

OK. Und nun, seidem ich meine Diagnose habe und nachdem ich hier die Komentare gelesen habe weiß ich: ich bin mit diesem Gefühl nicht allein.

Das tut gut.

Gleichzeitig denke ich dann auch: Verdammt. Auch damit musst du dann wohl oder übel leben... :unsure: -seufz-

Wenn ich überlege dass ich mal als Schriftführerin bei Sitzungen Protokoll führen musste und konnte und heutzutage schon den Überblick verliere und schließlich auch schnell unbewusst abschalte, wenn mehr als 1 Person mir gegenüber sitzt, stimmt mich das echt traurig. Aber für mich selbst kann ich dann schnell auch wieder einfach darüber die Schultern zucken und es akzeptieren. Muss ich mir halt ständig Notizen machen, wenn ich was erledigen oder besorgen muss oder wenn ich irgendwen unbedingt was ganz wichtiges Fragen muss (nicht nur bei den Ärzte ;) ). Vor allem Telefonate muss ich mittlerweile in Stichpunkten vorher schriftlich vorbereiten und wärend des Gesprächs alles mögliche Aufschreiben. Denn meist, sobald ich auflege, ist alles wieder wie gelöscht im Hirn oder ich überlege plötzlich: hat der jetzt 8 Uhr oder 9 Uhr gesagt, oder...? Ja. Das nervt, ist lästig und nagt am Ego :angry: Manchmal werde ich dann zickig und stinkig weil ich mich selbst über mein blödes, faules Hirn ärger. Aber seit der Diagnose kann ich wenigstens: "blöde MS!" statt: "blödes Hirn" sagen. ;) :D

Ich betitel diese Tage, an denen es besonders schlimm ist, gerne als: "Hä?-Tage." Klingt für mich einfach sympatische als mir selbst zu sagen: "Heute verblöde ich aber wieder extrem."

Ich bin noch dabei mir abzugewöhnen, darüber nachzudenken, was mein Gegenüber denkt, wenn ich dann wieder mal anfange unverständliche Wörter von mir zu geben oder mich genervt zurück ziehe. Meine Familie und Bekannten wissen ja nun, dass ich dann halt einen schlechten Tag habe. Sie verstehen es bestimmt nicht wirklich aber i.d.R. lassen sie mich dann in Ruhe wenn ich verkünde: "ich kann heute wieder nicht denken," oder "Kopf und Zunge arbeiten bei mir heute mal wieder nicht zusammen."

Bei den Ärzten habe ich dieses "Symptom" auch öfters mit: "Ich hab das Gefühl, ich verblöde langsam." beschrieben. Und auch ich habe jedes Mal dieses Lachen einstecken dürfen. OK. Es klingt aber auch "komisch". Für Betroffene ist es das aber nunmal nicht.

Seit ich mir diesen Satz abgewöhnt habe und stattdessen die einzelnen Symptome benenne (Unkonzentriertheit, Ausdrucksschwierigkeiten, Rauschen auf den Ohren,...), läuft es wesentlich besser.

Klar. Wer das Gefühl nicht kennt, kann mit diesem Satz auch nichts anfangen und meint dann schnell, dass wir ein Späßchen über unsere Krankheit machen wollen... Früher hätte ich wohl auch gelacht oder mit einem freundlichen Seitenhieb gekontert ;) , wenn Jemand diesen Satz losgelassen hätte :D

Wenigstens verstehen wir "Insider", was damit gemeint ist. Das ist ja auch schon viel Wert. ;)

Ich versuche nun auch mit den kognitiven Übungen dagegen anzuarbeiten (allerdings bekomme ich da, dank meiner Sehprobleme, eher Kopfschmerzen von) und mich immer wieder gezielt Situationen mit Geprächen in Gruppen auszusetzen um das Zuhören und produktive Reden nicht ganz zu verlernen. Wenn das alles nicht immer so verdamt anstrengend wäre und so viel Kraft kosten würde...

Aber leicht kann ja Jeder ;)

@ Heike: Diese Traumaseite werde ich mir mal anschauen. Vielleicht finde ich ja was Interessantes oder hilfreiches. Danke für den Tipp!

Share this post


Link to post
Share on other sites

Guten Abend -

Ein besonders tolles Gefühl ist es dann auch noch, wenn der Chef, der über die Krankheit informiert wurde, immer wieder sagt, "das habe ich Ihnen doch gesagt" und ich behaupte innerlich für mich - aber 100 % hat er mir das nicht gesagt, ich bin doch nicht bekloppt oder will dieser Typ mich in den Wahnsinn bringen? Das hat mich letzte Woche zur Verzweiflung gebracht. Und dann wieder sind da die Zeiten, in denen ich 20 mal schneller etwas verstehe, als der Rest der Kollegen, weil es einfach total klar ist. Vor vier Jahren in der Reha war das noch nicht vorhanden, da haben sie mich überhaupt nicht an den kognitiven Übungen teilnehmen lassen, weil ich viel zu fit sei - mal gucken, wie das mit der anstehenden nächsten Reha sein wird.

Und als Highlight darf dann dieses angebliche Dilemma noch in die jährliche Bewertung am Arbeitsplatz einfließen.

Ich habe dabei auch das Problem, dass ich ganz einfach nicht mehr höre und verstehe, was eine Kollegin zu mir sagt, die 3 Meter von mir weg sitzt, nicht weil sie zu leise spricht, sondern, weil meine Leitung im Hirn das nicht so schnell mehr umsetzt - mit Ausnahme der Schnellschnaller-Zeiten. Ich bitte dann immer um Wiederholung, weil ich es akustisch nicht verstanden habe.

Es gibt halt Höhen und Tiefen, die mehr oder weniger seelisch belasten.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Hallo Sandra,

viele haben Dir ja schon geantwortet. Auch ich kenne auch das Problem mit den Wortfindungsstörungen und Namen konnte ich mir noch nie gut merken.

Lustigerweise hatte mir ein Arzt im Krankenhaus nach der Diagnose gesagt, dass ich auch nur eine Verbindung zwischen der linken und rechten Hirnhälfte habe - sehr beruhigend... :-/ Die kognitiven Übungen hier sind schon ganz gut. Im Internet gibt es ja noch viel mehr Gehirntrainings. Ganz gut finde ich z. B. Lumosity. Aber auch fern von den elektronischen Medien kann man Einiges tun. Kreutzworträtsel, Sudoku und auch Kinderspiele wie ich packe meinen Koffer etc.halten geistig fit. Nicht nur für uns MS'ler ist das wichtig. Oder versucht mal im Kopf zwei Zahlen (unter 10) zu addieren und dann die Summe mit der letzten Zahl widerum zu addieren usw. (z. B. 1+3 =4, dann 4+3 = 7, dann 7+3 = 10, dann 10+3 = 13, usw.) Hört sich im ersten Moment leicht an, aber ist schon eine Herausforderung & Konzentrationsübung.

LG Cindy

Share this post


Link to post
Share on other sites

Hallo Sandra,

wie gut ich das kenne. Und es belastet. mich. Und wie peinlich mir oft Situationen sind, in denen andere meine Vergesslichkeit oder mangelnde Merkfähigkeit bemerken. Manche reagieren ungehalten darauf, manche nachsichtig, beides verletzt mich. 

Natürlich habe ich auch schon versucht mir ein dickeres Fell zuzulegen, die wenigste Nachsicht habe ich selbst mit mir. Früher konnte ich 3 Dinge gleichzeitig erledigen, heute ist es schon schwierig mich auf eine Aufgabe zu konzentrieren oder Gesprächen zu folgen. Und wenn ich müde bin oder aufgeregt ist das Ergebnis noch schlimmer. 

Im November habe ich einen Termin bei einer Neuropsychologin. Vielleicht bringt mir das mehr Klarheit.

LG ulrikej

Share this post


Link to post
Share on other sites

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!


Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.


Sign In Now