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Nico2020

Freundin hat MS

14 posts in this topic

Hallo, 

ich bin neu hier und möchte mich gerne mit Leuten vor allem Angehörigen austauschen, weil ich gerade echt mit meinem Latein am Ende bin. Hier zu unserer Geschichte:

Meine Freundin und ich haben uns vor einem Jahr kennengelernt. Kurz darauf kam die Diagnose MS. Natürlich ein absoluter Schock.
Sie hatte noch keine großartigen Symptome und die MS wurde eigentlich auch nur durch „Zufall“ entdeckt. 

In der nächsten Zeit war ich viel für sie da, bin immer zu ihr gefahren (200km), habe mich viel über die Krankheit informiert, hab sie in Ruhe gelassen, wenn sie diese brauchte und viel mit ihr geredet, wenn sie dies denn wollte. 
Ein befreundeter Oberarzt von mir hat gleich einen Termin für eine gute Neurologin für sie gemacht. 
Der Termin rückte näher und an dem Morgen fuhr ich zu ihr, um sie abzuholen. Sie meinte sie fühlt sich nicht so und könnte den Termin nicht wahrnehmen. Schlaf auf Schlag kamen noch andere Symptome dazu: Schwindel, antriebslos, Magen Darm Beschwerden usw. und das mindestens eine Woche lang, alle zwei Wochen. Sie wollte nicht mehr raus und die einzige Beschäftigungen waren nur: Rauchen und tv schauen und sorry wenn ich das jetzt so sage „sich selbst bemitleiden“. 
jedes Mal wenn wir telefonierten hörte ich nur: ich konnte schon wieder nicht schlafen, mir ist schwindelig usw. Ich versuchte sie davon zu überzeugen, das die Ernährung sehr wichtig sei und sie vielleicht aufhören sollte zu rauchen UND, dass sie bitte das nächste mal den Termin bei der Neurologin wahrnehmen sollte. Das tat sie dann auch. Die Neurologin meinte dann zu ihr, dass dass die Entzündung noch nicht weit fortgeschritten sei und ihre körperlichen Symptome eher einer Depression ähneln. Sie empfand das als eine „Frechheit“. Dann ist meine Ma schwer an Krebs erkrankt und ich musste mich nun um sie kümmern. Meiner Freundin war das garnicht recht. Sie meinte dann zu mir „Der Krebs ist vielleicht noch heilbar, ich habe MS, das ist viel schlimmer“. Da ist mir die Hutschnur geplatzt. Seitdem habe ich ein anderes Bild von ihr. 
Wenn wir telefonieren geht es nur um sie. Sie fragt nicht nach meiner Ma, nicht wie es mir geht. 
Ist dieses Verhalten normal? Ich habe das Gefühl, dass alles was ich schon für sie getan habe, immer noch nicht genug ist und langsam lässt mich das auch an meinen Gefühlen zu ihr zweifeln. 
vielleicht kann mir jemand helfen, sie besser zu verstehen oder hat ähnliche Erfahrungen gemacht. 
lg 

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Hallo Nico, 

die Diagnose MS ist erst einmal ein Schock und muss erst einmal verarbeitet werden. 

Aber, das Verhalten  deiner Freundin kann ich nicht ganz nachvollziehen. 

Es klingt zwar so, dass sie depressiv ist, aber wenn man keine Hilfe will kann man nichts machen. 

Besonders den Vergleich mit den Krebs deiner Mutter geht gar nicht. 

Denn Krebs ist meiner Meinung nach schlimmer als MS. 

Ich finde du tust viel für deine Freundin. 

Du solltest auch auf dich achten! Denn du steckst selbst in einer sehr schwierigen Situation. 

Was du machen sollst kann ich dir aber nicht sagen. 

Plum 

 

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Danke Plum, dass du das auch so siehst. 
hast du selbst auch MS? 

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Ja, ich habe selbst MS. Nach einem schlechten Start habe ich jetzt seit fast 5  Jahren Ruhe und nur einen neuen Herd.

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Vielleicht kannst du mir ja was zu den Symptomen sagen. Ich weiß, dass es bei jedem anders ablaufen kann, aber vielleicht bekomme ich dann etwas Klarheit. Meine Freundin meint, sie leidet unter fatique. Aber kann das denn sein? Seit fast einem Jahr jeden Tag? Seitdem arbeitet sie auch nicht mehr, weil sie sich dazu nicht mehr in der Lage fühlt. Kommt fatique bei einem Schub oder kann es wirklich sein, dass sie darunter ununterbrochen leidet und dass es wirklich keine Depressionen sind? 

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Es ist so, dass die Fatique wirklich nicht nur kurz auftritt, sondern lange. 

Es wäre gut, wenn deine Freundin sich Hilfe holen würde. Es kann nur Fatique sein und/oder eine Depression. 

Genaueres kann nur ein Arzt sagen, der sie untersucht bzw.  mit ihr gesprochen hat. 

Über Fatique kannst du unter anderem hier was lesen:

https://www.leben-mit-ms.de/artikel/2018-05-03/fatigue-das-unsichtbare-symptom?

Für mehr Infos einfach googlen. 

 

 

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Danke dafür. 
Nach einem Gespräch mit einem anderen MS Patienten, bin ich zu dem Resultat gekommen, dass meine Freundin sich ziemlich stark selbst bemitleidet und darin quasi versinkt. 
ihrer Meinung nach gibt es nichts schlimmeres und das ist ja beim besten Willen nicht wahr. 
ich denke Mittlerweile nicht mehr, dass diese Beziehung in Zukunft halten wird. 

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Hallo Nico,

hm was soll man dir raten?! Du hast viel durch. Deine Freundin hat dolle Probleme. Und oft zeigt sich dann, ob man gemeinsam alles schafft.

Was deine Freundin hat, ist eine ausgewachsene Depression. Das ist ein Symptom der MS. Fatique ist eigentlich keine Antriebslosigkeit (meiner Erfahrung nach) sondern eine Müdigkeit. Man könnte nur schlafen und kann sich auf nichts konzentrieren und alles schafft einen. Aber deswegen ist man nicht antriebslos, man will Dinge tun, hat nur keine Kraft dafür. Wenn man antriebslos ist, also nicht vom Bett oder Sofa hochkommt, aber auch garnicht das Gefühl hat, etwas tun zu müssen oder zu wollen, dann ist es eher eine Depression. Dagegen helfen Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamente. Aber dazu muss man sich das auch selbst eingestehen.

Der Vergleich mit dem Krebs deiner Mutter finde ich, gelinde gesagt, bekloppt. Bei Krankheiten gibt es kein schlimmer oder besser. Dennoch kann ich verstehen, dass man das am Anfang so sieht und mir persönlich geht es auch manchmal durch den Kopf, dass ich lieber nen schönen Krebs oder so hätte. Weil da kann man endweder was gegen tun oder man stirbt. Bei MS stirbt man nicht, aber manchmal geht es eben dann doch bergab.

Wichtig ist, dass du für dich Grenzen setzt. Da sein ja, aber auch DU bist wichtig. Und manchmal muss man dann eben auch eine Beziehung aufgeben, wenn der Partner aus diesem Loch nicht rauskommen kann oder will.

Liebe Grüße

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Hallo Famous, danke für deine Nachricht. 
Ich kenne deine Symptome nicht, weiß nicht was du schon durchmachen musstest. 
Ich gehe jetzt erstmal von meiner Freundin aus, die fast keinerlei Symptome hat, außer ihre Depression und die ähnliches zu mir gesagt hat, wie du oben geschrieben hast, nämlich, dass sie auch lieber Krebs hätte. Das soll hier jetzt keine Diskussion über Krebs hervorrufen, weil es auch, denke ich, die falsche Seite dafür ist, ABER ich glaube, dass Menschen, die so etwas denken oder sagen, noch nie einen Krebspatienten richtig leiden gesehen haben. Meine Mutter, Anfang 50, an Darmkrebs erkrankt, erbrach gestern Kot, weil ihr Stoma nicht funktioniert. Sie hat Schmerzen ohne Ende, hat Metastasen in den Knochen und sagt zu mir „es gibt schlimmeres auf dieser Welt“ 
ebenso kenne ich einen 40 jährigen MS Patienten, der bereits im Rollstuhl sitzt, immer fröhlich ist und nie jammert.

ich denke einfach, dass es mit dem Charakter des Menschen zusammen hängt und was er aus der Krankheit macht. Man sollte vorsichtig sein, mit dem was man sich wünscht und ich glaube nicht, dass du eher einen langen, elendigen Todeskampf vor dir haben möchtest, als dass du dich mit der Krankheit arrangierst und dein Leben lebst!? 
Tut mir leid, dass musste jetzt mal raus. 
ich weiß, ich hab leicht reden, ich bin nicht krank und weiß nicht wie es ist, aber dennoch verletzen mich solche Gedanken anderer Menschen. 
Lg 

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Hallo Nico,

Ehrlichkeit ist etwas schönes, wenn man denn ehrlich ist. Du brauchst dich nicht für eine Nachricht bedanken, die dich offensichtlich verletzt oder gar beleidigt hat. Ich habe auch für dich Verständnis, denn ich meine beurteilen zu können, wie schlimm es sein muss, seine Mutter so leiden zu sehen.

Du hast Recht die Diskussion gehört hier nicht her, daher werde ich dir eine private Nachricht dazu schicken.

Liebe Grüße

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Hallo @Nico2020,

raten kann Dir keiner was- fakt ist, Du bist in einer kraftzehrenden Situation.

Du könntest gerade auch Unterstützung gebrauchen und Deine Freundin ist diese gerade nicht.

Hmm, warum? Viele Menschen mit MS haben eine Depression, sehr große Ängste, Fatique, NW der Medikamente (könnte dies zutreffen?) - oder es passt einfach nicht.

 

Krebs- ich bin 38 und habe 2017 die MS Diagnose bekommen. Ich habe neben dem Schub als NW vom Kortison eine heftige Depression bekommen, die hielt etwa 8-10 Wochen, habe mit dem Schub und Laufproblemen gekämpft. Ich habe aber vor allem nach wie vor Ängste vor dem was kommen kann. Und zwischendurch trauer ich auch meiner Belastbarkeit und verloren gegangenen Fähigkeiten nach. Nachdem sich alles eingependelt hatte, habe ich 2019 eine Krebsdiagnose bekommen. Da keine Lymphknoten befallen waren, bin ich "nur" operiert, ABER ich habe natürlich auch hier jede Menge Angst vor einem Rezidiv, Schläferzellen etc. Auch die Zeit, bis der Pathologe letztendlich sagt, was die Fakten sind, war der HORROR.

Es ist so, dass bei einigen MS Foren die Verbitterung spürbar ist (das finde ich hier jedoch eher nicht), aber auch Unsicherheiten... bei den Krebsforen geht es eher um Stabilisierung und den Umgang mit Ängsten und Leid. Vielleicht gehört beides zum jeweiligen Krankheitsbild?

Für mich ist es mit beiden Diagnosen so, dass sie mir Angst machen. Krebs bzgl. Leid und Tod und MS bzgl. des immer mehr Verlieren des eigenen Körpers und Verstandes, Lebensqualität und Selbständigkeit. Beides absolut erschreckend, nur Krebs bringt Todesangst!, aber keiner will das Eine oder Andere und man muss auf Milde hoffen.

 

Ich möchte zum Schluss noch Schreiben, dass es sehr gute Fachärzte für Psychotherapie (als Unterstüzzung, zum Reden) gibt. Und noch was anderes:  Falls Deine Mutter sowas mag- das fsh Selbsthilfeforum für Frauen ist ein sehr nettes Forum.

LG

Mia

 

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Hallo Nico, 

wie du schon schreibst, ist die Diagnose für euch beide erstmal ein Schock gewesen. 
Das ist erstmal normal und man muss versuchen sich damit irgendwie auseinander zu setzen. 
Bei dem einen geht es fix und andere brauchen dafür etwas länger. Es gibt aber auch diejenigen, die sich nicht damit abfinden können und sich in der Krankheit verlieren. 
 

So wie ich das rausgelesen habe, ist die Diagnose deiner Freundin etwa 1 Jahr her!? 
Nimmt sie denn schon irgendwas an Medikamenten ein? 
Nach einem Jahr ist es schon an der Zeit die Arschbäckchen zusammen zu kneifen und sich Hilfe zu holen, ob es nun an der MS oder an den Depressionen liegt. Wenn sie das nicht tut, aus welchen Gründen auch immer, soll das nicht zu deinem Problem werden. Hat sie denn Hilfe und Unterstützung in der Familie? 
 

Tja, was soll ich zu der Sache mit dem Krebs sagen. Manchmal, an schlechten Tagen, kommen vielleicht manchmal Sachen aus dem Mund, die man nicht so meint. Trotzdem würde ich zeitnah eine ehrlich gemeinte Entschuldigung ihrerseits erwarten. 
Ich nehme mal an, dass sie über die Schwere der Erkrankung deiner Mutter im Bilde ist? 
Und warum sollte es ihr nicht recht sein, dass du dich jetzt um deine Mutter kümmerst? 
Das hat ja gerade nunmal oberste Priorität. 

Fragen über Fragen 😁

Ich selbst bin allein erziehende Mama und vielleicht deswegen so gepolt, weil ich als erstes an das Wohl meiner Tochter denke. 
Auch ich hatte mehrere Hürden zu bewältigen. Das war beim besten Willen nicht immer einfach, vor allem weil ich nicht mehr so mobil wie früher bin.  
Mit Selbstmitleid kann ich allerdings nichts anfangen aber leider ließt es sich ein bisschen so. 

Menschen mit Selbstmitleid sehen leider nur noch sich selbst und merken nicht, dass sie sich so zum größten Egoisten verwandeln. Das kann sich auf das gesamte Umfeld übertragen. Wenn es schlecht läuft, stehen sie irgendwann alleine da und wundern sich. 

Kümmere dich um dich selbst und vor allem um deine Mutter. 
 

Ich wünsche dir, dass sich alles zum Guten wendet. 
 

lg

Claudi 


 

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Hallo Claudi,

nur eine kurze Anmerkung zu deinen Worten, auch Depression ist eine Krankheit, die ein Symptom der MS sein kann. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, auch wenn es einem manchmal so vor kommt. Es ist schade, dass Menschen mit MS oft Verständnis erwarten, aber selbst nicht bereit sind Verständnis zu geben.

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@Famous

da hast du vollkommen recht. Das habe ich nie infrage gestellt.
Dennoch ließt es sich für mich nicht danach. Auch Menschen mit Depressionen haben eine gewisse Empathie anderen Menschen gegenüber. 
Schön wäre zu wissen, wie sie vor der Diagnose war, ob sie da schon „nur das eigene ich im Mittelpunkt“ gesehen hat. 
So kann man nur Mutmaßungen anstellen. 
 

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