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Chr

MS und Partnersuche

3 posts in this topic

Liebe Leute,

ich hätte mal eine Erfahrungsfrage an euch - ich vermute mal, sie ist hier schon öfter gestellt worden:

Ich (34m) bin single und hatte seit meiner MS-Diagnose nur eine kurze Beziehung. Dabei habe ich die MS nicht angesprochen, und es haben sich recht schnell andere ich nenns mal Unterschiede gezeigt, die die Beziehung dann am Ende recht kurz sein haben lassen. Darüber, wie ich die MS anspreche, hatte ich jedoch natürlich recht viel nachgedacht. Nachdem wir uns zuvor schon länger kannten, gab es einfach kein großes "Kennenlernen" am Beginn, im Zuge dessen ich die MS wohl noch eher angesprochen hätte.

Wann erwähnt ihr die MS? Unmittelbar beim ersten Treffen, bei den darauf folgenden, oder gar erst später? Es ist ja recht klar ein Dilemma, irgendwo. Man will niemanden verschrecken, aber gleichzeitig sollte man auch ehrlich sein, bevor sich eine Bekanntschaft hin zu einer Beziehung entwickelt; das ist ja auch unehrlich und könnte sich für das Gegenüber anfühlen als hätte man es hintergangen.

Ich habe seit mittlerweile einigen Jahren MS, es hat sich gezeigt, dass ich sehr milde "verlaufe"; ich bin bei einzelnen Spots quasi stehengeblieben. Meine Prognose ist recht gut, ich lebe eigentlich beschwerdefrei, nehme nach einem Neurologenwechsel nun doch Copaxone als BT, aber vor allem prophylaktisch ("Pensionsversicherung"). Stichwort Pension, mein Neurologe meinte, dass auf Basis meines Verlaufs davon ausgegangen werden kann, dass ich ein aktives, einschränkungsarmes, vielleicht so gar einschränkungsfreies Leben führen kann, mindestens bis zur Pension. 

Und doch fällt es mir total schwer mir auch nur auszumalen, wie ich das anspreche. "Ach übrigens"? "Ich muss dir was sagen"? Ich würde echt gerne eine Familie gründen, merke einen doch recht deutlichen Kinderwunsch, nachdem die Karriere jetzt langsam gut Form annimmt. Mir wäre im Leben total fad ohne Partnerin und Kinder. Ich male mir das alles recht düster aus (damit meine ich nicht meinen MS-Verlauf, ich freu mich eigentlich darüber, dass soweit alles gut läuft und hinterfrage es nicht weiter) - die Dating-Welt ist so oberflächlich. Gleichzeitig verstehe ich auch Menschen, die die Vorstellung, sich bewusst einen Partner auszusuchen, der eine klar risikobehaftete Prognose für das (höhere) Alter hat, falsch finden. Gleichzeitig denke ich mir, jeder von uns kann morgen vom Auto niedergefahren werden oder Krebs kriegen. Aber es ist in der Partnerwahl halt auch irgendwo irrational, das ist halt eine Entscheidung wo man sich "den/die Richtige/n aussuchen will" und dabei kann einem ein solches Risiko, bzw. das Bauchgefühl rund herum, wohl schnell einflüstern, das sein zu lassen mit mir. Ich muss auch ehrlicherweise sagen, dass ich umgekehrt sicherlich genauso abwägen würde - es wäre einfach gelogen, wenn ich sagen würde, dass solche Dinge in meiner Partnerwahl sicher keine Rolle spielen würden, generell oder sogar weil ich MS habe - wiewohl die MS definitiv meinen Horizont erweitert hat. 

Danke für eure Erfahrungen und sonstige Kommentare!

LG,

Christian

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Hallo Christian,

ich behaupte jetzt mal so ganz frech, dass ich glaube zwischen deinen Zeilen herauslesen zu können, dass Du mit dir selbst noch nicht so richtig im Reinen bist und es von deinem Gegenüber schon sehr viel erwartet ist, dich "einfach" nur mit offenem Herzen und offenen Armen anzunehmen, wie immer der weitere Verlauf des Kennenlernens sich auch gestalten mag. Du must ja nicht gleich jeden oder jede die Du triffst ehelichen und bis zum Ende aller Tage mit ihr/ihm zusammen bleiben. Grundsätzlich würde ich es für eine gute Idee halten, wenn Du dich bei allen Gelegenheiten zu denen Du neue Menschen kennen lernst, mit dir und deinem "Päckchen" das Du zu stemmen hast, erprobst. Du kannst ja bei vielen Gelegenheiten Erfahrungen sammeln und schauen wie es wirkt wenn Du mit deiner/unserer Diagnose von Vornherein offen/siv umgehst oder dein Gegenüber auf dem zweiten Bildungsweg hinter den Vorhang schauen lässt.

Einer meiner ersten Gedanken war es sogar, dass es fast schade ist, dass Du nur einen "leichten" Verlauf hast, denn so sind die Aussichten in absehbarer Zeit eine Reha machen zu können erfahrungsgemäß eher gering. Im Rahmen einer Reha könntest Du zum einen ganz viele Menschen kennen lernen, denen es eher wurscht ist, was Du für eine Erkrankung hast, weil dort alle eine haben und es nicht wichtig ist (die reine Erholung!!!) und zum Anderen könnte es Dir passieren, dass Du genau dort deinen Menschen triffst.

Lieber Christian ich wünsche Dir viel Erfolg und halte bitte die Ohren gerade - Volker

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Hallo Christian,

ich habe vor 5Jahren in etwa die gleiche Frage im Forum gestellt und die Antwort darauf in den letzten Jahren bekommen. Es ist sicherlich anders einen Partner mit MS zu finden. Vor 4 Jahren habe ich einen tollen Mann kennengelernt, dem ich beim zweiten Treffen erzählte dass ich MS habe. Mein Verlauf ist ebenfalls milde, man sieht mir die Krankheit nicht an. Nach einem halben Jahr riet mein Neurologe mir mal wieder eine Reha zu machen und einen Antrag auf Erhöhung des GdB`s zu stellen. Da mich mein Vollzeitjob immer mehr ermüdete, haben wir auch über eine Teilerwerbsminderungsrente  gesprochen. Als ich dann am Wochenende bei meinem Freund  saß und die Anträge für die Reha und die Erhöhung vor mir hatte und ich sogar von Teilrente sprach ist ihm wohl erst bewusst geworden dass ich nicht so fit bin wie ich aussah. Und nach ein paar Wochen hat er von einem Tag auf den anderen Schluss gemacht...

Ich sage mir auch immer dass es jeden von uns, egal wie fit und / oder gesund, jeden Tag erwischen kann, durch Krankheit oder Unfall ist man nicht mehr dergleiche wie gestern. Aber einige sehen das anders, sehen nur den Moment. Aber dann trifft man plötzlich den einen Menschen der nicht nur auf das Heute guckt sondern dich will, mit allen wenn`s und aber`s! 

Ich habe diesen einen Menschen tatsächlich vor zwei Jahren getroffen, wenn auch über eine Kontaktanzeige in der örtlichen Zeitung. Die Annonce haben eine Freundin und ich bei einem Treffen aus einer Sektlaune heraus geschrieben. Es war ein Mann unten den ganzen Antworten der beim 2. Treffen, als ich ihm von meiner MS erzählte, mich einfach in den Arm nahm und ich wusste dass es ihn nicht stört. Seit fast drei Jahren bin ich in Teilrente, mir geht es besser seitdem und mein Freund unterstützt mich nach wie vor bei allen Dingen. 

Es gibt Menschen die nichts hinterfragen und andere, die nur überlegen was, wenn...

Ich würde die Diagnose nicht beim ersten Treffen erzählen, aber früh genug bevor sich echte Gefühle einstellen und eine Enttäuschung wehtut. Geht tanzen, macht irgendeine Aktivität damit die Person sieht dass es dir gutgeht. 

Und auch wenn Jörg geschrieben hat dass eine Reha bei einem milden Verlauf schwer genehmigt wird, ich habe nach der Diagnose  im gleichen Jahr eine Reha bekommen, bei dem Antrag vor ca. 4 1/2 Jahren ebenfalls und war im Februar diesen Jahres erneut zur Reha. Diese konnte ich gerade noch beenden bevor der Corona-Ausbruch bei uns losging.  Der Arzt in der Reha erzählte mir auch dass man als MS-Erkrankter alle zwei Jahre eine Reha machen könnte. Versuch es also, vielleicht triffst du dort wirklich deinen Lieblingsmenschen. Wer weiss....

Ich wünsche dir jedenfalls dass du die Hoffnung nicht aufgibst, auch wenn es Enttäuschungen dazwischen gibt. Du weisst bestimmt;

Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist , dann ist es noch nicht das Ende !!

Bleib gesund, alles Liebe und Gute,

Astrid

 

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