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Pingu89

Symptome ungeklärter Ursache / Emotionale Krise?

4 posts in this topic

Hallo,

ich muss mir mal was von der Seele reden...

Seit meiner Diagnose Anfang März  nach einem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt nach dem ersten Schub bin ich Zuhause, um mich vom Schub und den Nebenwirkungen (Hexenschuss, Liquorunterdrucksyndrom, starke Nacken- und Rückenschmerzen) zu erholen. Diese Woche wollte ich gern mit der beruflichen Wiedereingliederung starten, worauf ich mich wirklich wahnsinnig gefreut habe.

Seit Ostern habe ich verstärkt wieder Schmerzen bemerkt, vor allem in Kopf-, Nacken- und LWS-Bereich. Seit knapp einer Woche hab ich nun starke Ausstrahlungen in die Arme, Hände und Finger (zuerst Kribbeln, jetzt nur noch teils stichartige (Nerven-)Schmerzen). Kein bisher ausprobiertes Schmerzmittel hilft - schmerztechnisch bin ich am Limit. Am Freitag war ich notfallmäßig im MRT zum Ausschluss eines Bandscheibenvorfalls im HWS-Bereich. Gleichzeitig wurde geschaut, ob neue Läsionen im HWS-Bereich da sind.  Befund: Bandscheibenvorfall ja, aber ich dürfte keine Schmerzen haben, da das Rückenmark nicht betroffen ist. Neue Läsionen waren nicht erkennbar. Also: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Gleichzeitig merke ich seit ebenfalls ca Ostern, dass die Emotionen so langsam mal nachziehen und ich gerade bedingt durch die ungeklärten Symptome, starken Schmerzen und generell die neue Diagnose doch in einer großen psychischen Krise bin mit depressiver und ängstlicher Symptomatik.

Meine Ärztin meinte, dass die Schmerzen auch daher kommen können - ich bin mir da nicht so sicher, da ich bis vor einigen Jahren viel mit der Psyche zu kämpfen hatte und nie mit Schmerzen reagiert habe. Ich hab gerade das Gefühl, nicht richtig ernstgenommen zu werden. Mein Orthopäde hat mich gestern weggeschickt, weil "es jetzt nicht mehr seine Verantwortung ist", wo die Bandscheibe zwar raus, aber nicht ursächlich für die Schmerzen ist. Mein Neurologe scheint das alles eher zu belächeln und denkt wahrscheinlich, ich sei ein Hypochonder. :( Und ich hätte gern einfach die Hilfe, die ich benötige, damit es mir besser geht...

Ich hab das Gefühl, meinen Körper gar nicht mehr zu kennen und einschätzen zu können, alles ist anders und fremd. Und auch das sonst doch sehr positive Denken in Bezug auf die Zukunft ist mir gerade ganz schön flöten gegangen... Das ärgert mich und macht mich traurig - genauso wie die Tatsache, dass die Wiedereingliederung gerade unmöglich ist.

Hat jemand eine Idee, wen man in Bezug auf Symptomatik noch hinzuziehen könnte?

Ich bin morgen nochmal beim Neurologen... spontan einen Psychotherapeuten zu bekommen ist hier leider unmöglich, das habe ich bereits probiert.

Vielen lieben Dank fürs Lesen.

Pingu

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Also deine Schmerzbeschreibung kommt mir sehr bekannt vor.... Sind deine Schübe oder zumindest der Schub der zur Diagnose führte im Rückenmark gewesen ?

Meine Schübe waren bisher alle im Rückenmark gewesen , hauptsächlich BWS , aber auch schon einige HWS und seit dem ersten Schub habe ich mit Schmerzen im Rücken zu kämpfen,hauptsächlich bei mir rund um das rechte Schulterblatt, der Schmerzpunkt ansich ist genau in dem Bereich wo auch der erste große Schub war und von da aus strahlt es hoch Richtung Nacken/Kopf und in den rechten Arm. Zugegeben,  ich habe darüber noch nie mit meinem Neuro gesprochen,  da ich oft las, MS macht keine Schmerzen und ich wollte nicht in die Psycho oder Hypochonder-Ecke geschoben werden . Aber ich bekam mit meinem ersten Schub direkt auch Physio verordnet,  ausserhalb des Regelfalls,  seit nun mehr fast 6 Jahren, zweimal die Woche. Meine Physio erklärte mir das die Schmerzen vom Schub kommen könnten, da wurden Nervenzellen zerstört,  Verbindungen unterbrochen und das umliegende Gewebe kann da schon anfangen zu motzen und auch die Ansteuerung von Regionen/Muskeln/kleine Nervenstränge  werden u.U.auch nicht mehr so angesteuert wie vorher und reagieren dann auch mit z.B.Verkrampfungen, 

Ob das fachlich alles so korrekt ist, wie sie mir das sagte, kann ich nicht beurteilen,  aber so wie sie es mir erklärte war es für mich logisch und vor allem helfen die regelmäßigen Anwendungen. Vielleicht einfach mal bei deinem Neuro nach Physio fragen, schaden kann es nicht. 

Lg und viel Glück

 

 

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Hallo Pingu,

ich habe mir soeben mal die Mühe gemacht und habe alle Deine Beiträge hier überflogen. Mein lieben Mann, wer nach dieser recht dichten Ereignisfolge auf wirklich höchstem Niveau, keine Schmerzen hat, die sich auf mannigfaltige Verkrampfungen zurückführen lassen, der ist ja gar nicht "gesund".

Und wenn ich Dich richtig verstehe, dann hast Du auch große Hoffnung darauf gesetzt, über die berufliche Wiedereingliederung in das sichere und vertraute Fahrwasser deiner Arbeitsstelle zu gelangen und wenigsten einen Arbeitstag lang zu wissen was dich erwartet um Dich von all dem Neuen was Dir/Euch gerade um die Ohren fliegt zu erholen oder wenigstens zu schützen.

Ob ich die Schmerzen, die Du momentan durchleidest, wirklich kenne, vermag ich nicht zu sagen, aber darauf zu hoffen, dass einer Deiner Ärzte dazu willens oder in der Lage ist, scheint ja eher müßig zu sein.

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mir unter Anderem einen Bannscheibenvorfall in der HWS zugezogen, was auch dazu geführt hat, das ich Schmerzen hatte die bis in die Daumen zogen und meine Rückenmuskulatur in eine massive Muskelmasse verkrampfen ließen. Ein MRT musste ich erstmals in meiner fast 30-jährigen MS-Laufbahn abbrechen, weil ich in der Röhre vor Schmerzen nicht mehr liegen konnte, obwohl ich an gleicher Stelle auch schon eingeschlafen bin.

Neurologen und Orthopäden zeigten sich eher ratlos, und über meine Hausärztin bin ich dann an Akkupunktur und anschließend eher zufällig an Chiropraktik gekommen. Akkupunktur war erst mal eine wirklich große Entlastung um mal wieder einen klaren Gedanken fassen zu können, aber Chiropraktik war eine Offenbarung (ich hatte mein erstes religiöses Erweckungserlebnis - nee Blödsinn). In die Praxis rein bin ich noch wie ein Greis von 70+ (gut, ich bin auch schon Mitte 50) und beim verlassen hatte ich das Gefühl Schreiten zu können wie ein junger Gott. 

Ich könnte mir vorstellen, dass es sich auch für Dich lohnen wird, die Euros aus der eigenen Tasche in die Hand zu nehmen und sich einen Chiropraktiker zu suchen. Die Behandlung war für mich auch erst mal sehr ungewohnt und ich musste den Therapeuten mit einem beachtlichen Vertrauensvorschuss (es kracht mitunter ganz fürchterlich) ausstatten, aber es hat sich wirklich gelohnt.

Lieber Pingu halte bitte noch 'ne Weile di Ohren gerade und wenn Du Fragen hast, dann melde Dich - Volker

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Liebe Sarah,

danke für deine Nachricht. :) Oha, das klingt auch echt nicht schön, wenn du da wirklich durch den Schub bedingt dauerhaft die Schmerzen hast an der entsprechenden Stelle... hm, schwierig. Und ja, mein Neurologe sagt auch immer, eine MS macht keine Schmerzen - aber bei meinem ersten Schub im Februar diesen Jahres hatte ich mit echt fiesen Kopfschmerzen zu kämpfen zusätzlich zu den anderen Symptomen. Also diese Einschätzung teile ich auch nicht zu 100% - ich denke schon, dass es da auch Abweichungen geben kann. Gerade wenn wie bei dir da entsprechend viele Nervenzellen bei einem großen Schub zerstört wurden. Meine Läsionen waren allerdings im Gehirn und nicht in der HWS, insofern kommt das vermutlich als Ursache nicht in Frage. Aber danke für die Idee! :)

Ich hab auch echt Angst, dass er mich so ein bisschen als Nervensäge, übervorsichtig und Hypochonder sieht... das bin ich im Regelfall echt nicht und ich kann eigentlich viel an Schmerzen und Co aushalten.

 

Liebe Öcher Jong,

danke für deine Nachricht. Oha, Chiropraktiker... da gruselt es mich ehrlich gesagt jetzt schon etwas...dass du da einen gehörigen Vertrauensvorschuss für ihn gebraucht hast, kann ich sofort nachvollziehen... dieses Knacken ist wahrscheinlich echt richtig erschreckend. Umso besser, wenn es dafür so gut geholfen hat nach einer langen Leidensstrecke! Ich hab darüber auch schon nachgedacht und auch daran, z.B. mal Osteopathie auszuprobieren, weil das ja doch noch etwas weniger invasiv ist... Und ja, es war doch recht viel in kurzer Zeit bei mir, das lässt sich wohl leider nicht anders sagen. Darüber dass dei berufliche Wiedereingliederung nicht startet heute, bin ich in der Tat sehr enttäuscht. Ich arbeite als Heilpädagogin in einer Kita und vermisse die Mäuse wirklich. Ich bin jetzt auch schon seit knapp 10 Wochen raus... das frustriert schon und nimmt - wie du schon sagst - die Chance auf ein bisschen Alltag und sicheres Fahrwasser und Normalität.

 

Ich war gestern nochmal beim Neurologen, weil die Schmerzen immer schlimmer und schlimmer wurden und ich quasi heulend vor Schmerzen zuhause saß und meine Frau auch sagte, dass das so nicht geht. Er hat noch nen kurzen Neuro-Check-up gemacht und Blut abgenommen. So erstmal alles in Ordnung vom neurologischen, nach den Laborwerten frage ich heute nochmal...

Es sind wohl wirklich starke neuropathische Schmerzen und er vermutet ein schon chronisches, bzw. sich chronifizierendes Schmerzsyndrom ohne klare Ursache. Ich habe jetzt ein Antiepileptikum verschrieben bekommen, dass u.A. gegen diese neuropathischen Schmerzen helfen soll. Zudem soll ich mal überlegen, ob ich entweder an einer Schmerzstudie (ambulant mit festem Schmerztherapeuten) teilnehmen will oder einen teilstationären Aufenthalt über 4 Wochen zur Schmerztherapie machen möchte. Eins von beidem werde ich machen - vermutlich das, was schneller geht. Zur Sicherheit habe ich am nächsten Donnerstag nochmal eine VEP,  Ende des Monats ein MRT vom Kopf und Mitte März ein SEP, um abzuklären, ob das wirklich nix mit der MS zu tun hat. Er scheint mich seit gestern endlich ernst zu nehmen. Ich hab aber auch klar gesagt, dass ich schmerztechnisch und psychisch gerade echt am absoluten Limit bin. Ich hoffe, dass das neue Medikament jetzt etwas bringt. Zusätzlich werde ich mir am Montag aber auch nochmal eine orthopädische Zweitmeinung einholen - nur zur Sicherheit.

Mein Neuro meinte auch, dass es ganz eventuell auch mit der Covid-Impfung vor knapp drei Wochen (Biontech) zusammenhängen könnte - er hat eine andere Patientin mit genau der gleichen Symptomatik nach der Impfung.

Vielen Dank auf jeden Fall für euren Zuspruch. :)

Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Ganz liebe Grüße,

eure Pingu

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