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wisch

Persönlichkeitsveränderung bei MS?

12 posts in this topic

hallo,

ich hätte eine frage an euch! ich bin verheiratet und mein mann bekam die diagnose MS vor ca 2 jahren. er war wie ich ihn vor 4 jahren kennengelernt habe, ein liebenswürdiger mensch, er las mir die wünsche von den lippen ab. doch er hat sich verändert. er ist streitsüchtig, dickköpfig und auch nicht mehr zu verstehen. kommt sein verhalten durch seine krankheit oder hab ich mir zu beginn eine rosarote brille aufsetzen lassen. ich liebe meinen mann aber es ist oft nicht leicht mit ihm zu leben und an eine weitere zukunft mit ihm zu denken.

vielleicht hat jemand von euch ähnliche probleme...

glg wisch

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Guten Abend wisch,

da macht Ihr, Du und Dein Mann wohl eine sehr schwere Zeit durch. Ich weiß natürlich nicht, wie das bei Euch ist, wieviel Dein Mann von sich und seinen Ängsten redet.

Es ist gar nicht so leicht, mit der Diagnose MS fertig zuwerden. Es ängstigt, verstört, der Mensch ist traurig und zornig und wütend,dass vieles nicht mehr so geht, wie in gesunden Tagen. Und vielleicht will Dich Dein Mann nicht belasten mit seinen Ängsten und meint, er müsse "stark" sein und schafft es natürlich nicht und das macht dann wieder wütend.

Es muss nicht so sein, kann aber.

Psychologische Hilfe kannst Du, kann Dein Mann in Anspruch nehmen. Jeder verständnisvolle Arzt kann Dir, ihm, Euch eine Überweisung geben. Und Gespräche mit einem/einer Psychologe/Psychogin können wirklich hilfreich sein, ist auch wichtig. Warte nicht zu lange damit.

In der Rückschau meine ich manchmal, dass meine Beziehung den Bach runter ging hat ganz viel damit zu tun gehabt, dass ich über die MS nicht geredet habe. Mein Partner wußte nix von meinen RIESENängsten und anderen Schwierigkeiten, die ich hatte, wie sollte er dann verändertes Verhalten verstehen.

So, glaube, dass war jetzt etwas durcheinander. Du kommst hoffentlich trotdem klar damit und verstehst, was ich meine.

Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Liebe

Momoken

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Hallo Wisch!

Darf ich fragen welche Medikation dein Mann hat? Deine Beschreibung kommt mir bekannt vor, bin von Avonex selbst 11/2 Jahre wie in Zombie gewesen (müde, aggresiv, launisch und zu nix zu gebrauchen). Vielleicht sollte er mit seinem Neurologen reden.

LG Sabi

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hallo momoken,

vielen dank für deine zeilen...hab mich sehr gefreut gleich antwort im forum zu bekommen.

da bei meinem mann noch keine ms nach aussen zu erkennen ist, schubladiert er und auch ich vielleicht manchmal seine krankheit. mir kommt es auch so vor, es wäre sein verändertes verhalten auch schubweise.....

ich danke dir jedenfalls für deine zeilen

glg wisch

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hallo sabi,

er nimmt sein jänner 2010 copaxone.... er hatte vor zwei jahren seinen wahrscheinlich ersten schub. zumindest wurde es vor 2 jahren diagnostiziert...danach mal ein jahr nichts und seit 10 monaten nun copaxone.

vielen dank und glg wisch

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Hallo Wisch!

Dein Beitrag vom 27.10. erinnert mich sehr an mich selbst. Meine Frau machte mit mir wegen meiner Launen auch eine schwere Zeit durch - und damit auch unsere Ehe.

Ich stimme momoken16 im Beitrag vom 27.10. voll und ganz zu. Nur: Es kann auch total anders sein - so wie bei mir:

Ich wurde plötzlich sehr launisch, impulsiv, ungeduldig, hatte auf nix mehr Lust, war gestreßt. Hin und wieder knallten auch mal die Türen, ich wurde laut...

Außerdem belastete mich der Streß in der Arbeit immer mehr. Ich konnte nachts nicht mehr schlafen. Als sich das auch in einem 3-wöchigen Urlaub nicht änderte und ich einfach "nicht mehr konnte" ging ich notgedrungen zu einem Neurologen/Psychiater, den ich wegen meines (ehemaligen) Berufs gut kannte. Der stellte fest, daß ich eine ausgewachsene Depression habe. Und schickte mich zu einem superguten Psychiater, der mir echt weiterhalf. Um den ersten Termin kümmerte sich gleich der Neuro selbst. Es war wohl wirklich sehr eilig...

Erwähnen sollte ich hier erst mal, daß ich mit der Diagnose "MS" psychisch gut zurechtkomme, dadurch keine bzw. keine wesentlichen psychischen Beeinträchtigungen bei mir auftraten. Ich kannte die Diagnose ja auch schon seit einigen Jahren und die MS verläuft be mir recht friedlich. Die ersten Symptome hate ich wohl schon vor über 20 Jahren, trotzdem bin ich körperlich noch recht fit. Bis 45 Minuten Laufen geht - abhängig von der Außentemperatur - ganz gut, 2 mal die Woche gehe ich ins Fitneßcenter, um mich in Bewegung zu halten. Die MS muß mit mir leben und sich nach mir richten, nicht umgekehrt!

Der Psychiater hatte aber den richtigen Riecher: Er verordnete mir versuchsweise einen Serotoninwiederaufnahmehämmer. Und schon die erste Tablete schlug ein wie eine Bombe: ICH WAR ÜBER NACHT EIN NEUER MENSCH - bzw. fast wieder der Mensch, der ich vor der Depression war!!!! Ich konnte mich gar nicht mehr aufregen, laut werden usw. Natürlich begleitete mich der Psychiyster über gut 3 Jahre. Die Gespräche halfen mir zusätzlich.

Der Streß und die Belastung in der Arbeit führten aber dann letztendlich doch dazu, daß ich seit 2009 auf Dauer dienstunfähig bin. Die Anforderungen, die ich in der Arbeit selbst an mich stellte, machten mich fertig. Ich schlief zwar Dank der Tablette wieder gut, kam aber total geschafft von der Arbeit heim, der Tag war für mich gelaufen. Auf Dauer ist das nix.

Was ich damit sagen will: Bei mir ist davon auszugehen, daß meine Depression durch MS-BEDINGTE VERÄNDERUNGEN IM GEHIRN ausgelöst ist, nämlich durch eine Störung der Serotoninaufnahme (oder des Abbaus?). Zwischenzeitlich ist die psychiatrische Behandlung beendet, ich nehme morgens eine sehr niedrige Dosis des Serotoninwiederaufnahmehämmers (konkret: CIPRALEX) und es geht mir psychisch gut.

Nach meiner Meinung sollte Dein Mann unbedingt eine entsprechende Abklärung vornehmen lassen! Nicht, daß es ihm so geht wie mir: Erst nach dem totalen Zusammenbruch ging ich zum Arzt um heute zu sagen: 10 Jahre meines Lebens hab ich nicht gelebt (so lange war ich rückschauend ca. depressiv).

GlG

MILES

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Hallo!

MS ist für beide Partner sehr belastend, wie auch ich feststellen musste. Ich war total am Ende, als ich mit der BT begonnen habe, da ich so starke Schmerzen hatte. Mir wurde einfach alles zu viel und vor allem Abends vor und nach der Injektion war ich wohl auch ziemlich unausstehlich. :-( Gesten Abend hatte ich auch wieder so besch.. Laune auf Grund der Schmerzen.

Anfangs war mein Mann wirklich super. Er hat mir über die Diagnose hinweggeholfen und war trotz meiner Launen immer für mich da. Aber irgendwann ist es ihm zu viel geworden. Er könnte mein "Gejammer" nicht mehr ertragen und wusste nicht, wie er mir helfen sollte. Ich glaube, er hat sich selbst ziemlich hilflos gefühlt. Leider hat er nicht darüber gesprochen, um mich nicht zu belasten.

Tja, dann gab es einen großen Krach und mir wurde bewusst, dass es nicht nur mir so dreckig geht.

Mittlerweile gehe ich zu einer Selbsthilfegruppe um mit Leuten zu sprechen, die meine Probleme verstehen können und meinen Mann nicht übermäßig damit zu belasten. Und er lernt gerade, dass mir seine "Knuddeltherapie" noch am besten hilft. :-)

Ich glaube, für Männer ist es noch schwerer über ihre Ängste zu reden.

@wisch: Weiß dein Mann, dass er sich verändert? Kannst du es ihm erklären, ohne dass er beleidigt ist? Das ist meiner Meinung nach der erste und schwierigste Schritt.

Irgendwie müsst ihr euch beide aufeinander zu bewegen, denke ich. Zeig ihm, dass du immer für ihn da bist "In guten wie in schlechten Zeiten".

Ich persönlich habe zwar die Nummer einer Therapeutin auf dem Tisch liegen, habe aber noch nicht angerufen und habe es auch erstmal nicht vor. Aber wenn wir wieder größere Probleme bekommen, werde ich es tun.

Kopf hoch und sprich mit deinem Mann über eure Gefühle.

Viel Erfolg!

snupi

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danke snupi und auch danke an dich miles. es ist toll, dass ich einfach mal hier nachfragen kann und mit betroffenen darüber reden kann... man weiß halt nie, ist es jetzt die krankheit oder entwickelt man sich einfach in verschiedene richtungen...ja, es ist schwer damit umzugehen und es ist auch schwer es richtig einzuschätzen, aber ich liebe meinen mann und möchte zu ihm stehen... danke an euch alle für eure ehrlichen und offenen zeilen.

glg wisch

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Hallo Wisch,

als betroffener Ehemann, ich habe die MS, kann ich Dir vielleicht die folgenden Dinge für Dein Verständnis sagen.

Meine Frau hatte es in den ersten 2 Jahren nach der Diagnose auch schwehr mit mir. Ich war beim besten Willen noch nicht fertig mit meiner Diagnose und wie mein Leben nun weiter gehen soll.

Gleichzeitig machte mich diese verständnisvolle Betroffenheit und auch gleichzeitige Hilflosigeit ihrerseits wahnsinnig und agressiv. Wie sollte Sie wissen, erfassen können, was in mir vorgeht?! Sie hat das ja nicht, sie hat ja keine Ahnung!

Zwei Dinge, denke ich, haben alles wieder normalisiert:

1. Als sie anfing laut zu werden und ich mich mit Ihr streiten musste und ich anfing all' meine Ängste heraus zu brüllen, fing sie wohl an, zu verstehen.

2. Als ich nach 2 Jahren lernte, mit der MS gelassener um zu gehen. Ich habe Ihr jetzt auch einen Namen gegeben und , sorry das klingt jetzt bescheuert, und spreche ab und zu mit Ihr. Besonders wenn sie mir mitteilt, "es ist genug, tritt heute mal kürzer".

Die MS hat mich allerdings auch härter und stärker gemacht. Viele Probleme oder Widrigkeiten fechten mich nicht mehr an. Ich weiß nicht wieviel Zeit ich noch habe für ein Leben ohne Einschränkungen, also halte ich mich mit diesen Dingen nicht mehr auf.

Das mag nach Außen hin, wie Klatschnäutzigkeit und magelnde Teilname wirken, ist aber nur eine Prioritätenverschiebung.

Also, Kopf hoch und vielleicht mal so richtig streiten.

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Hallo Jan!

Dein Schreiben finde ich richtig gut. Es spricht mir etwas aus der Seele. "Probleme und Widrigkeiten sprechen mich nicht mehr an"

Man muß lernen sich selbst zu schützen. Ich denke jetzt öfter mal an mich. Ich muß das machen, was mir gut tut. Andere nennen es dann gleich Persönlichkeitsveränderung. Ich möchte aber mein eigenes Leben leben, wenn es geht lange ohne Einschränkungen und ich glaube manche verstehen das einfach nicht. Die neiden einem z. Bsp. den heiß ersehnten Urlaub. Und auf solche Leute kann ich gut verzichten. Diese Prioritätenverschiebung, mit der kommen viele nicht klar. Ich möchte mich aber auch nicht immer entschuldigen müssen.

Schwieriges Thema!

LG Mares

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hallo jan!

bin hier ganz neu und am stöbern, habe mir heute meinen 1. schuß gesetzt. vertrage es ganz gut und hoffe, dass sich in meinem leben nicht allzuviel ändern wird. über eine pers.-veränderung, die man ja selber auch nicht so mitkriegt, weiß meine frau auch zu klagen. aber wenn man nicht weiß, woran es liegt, launisch... jetzt habe ich endlich eine ursache und kann das kind beim namen nennen. und ich weiß es wird weitergehen, weil ich eine sehr verständnissvolle maus erwischt habe, die zu mir steht und auch mal 'ne träne wegküsst ( hab ich jetzt träne gesagt-heeh ich bin doch ein starker mann!) NAJA SICHER WISST IHR WIE ICH ES MEINE!

lg. frank

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Guest

Prioritätenverschiebung

Ich glaub das triffts richtig gut. Ich hab in meinem Leben auch einige Prioritäten verschoben. Für manche Kinkerlitzchen mit denen ich mich früher rumgeschlagen hab, hab ich jetzt einfach nicht mehr die nötigen Nerven (im wahrsten Sinne des Wortes.

Sobald ich merk, dass mir etwas oder jemand nicht gut tut, versuch ich diesen Umstand/Person aus meinem Leben zu verbannen. Und ich muss sagen, dass klappt erstaunlich gut!

Natürlich fällt das auch dritten auf. Aber wer will den beurteilen, ob diese Veränderungen schlecht sind - für mich sind sie gut - und das allein zählt!

Lieber Gruß,

Judith

@Jan

Glückwunsch zu deiner verständnisvollen Maus! Weiter so!

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