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Saalfelderin

meine Geschichte

185 posts in this topic

Ich schreibe unter dem Einfluss von gefühlten zwanzig Litern Appelwein. Nein, im Endeffekt waren es nur zwei oder drei Sauer-Gespritzter. Aber sie frischten den Tequilla-Zimt, von unserer neuen Mittelalterbekanntschaft auf.

Wie ich das meine? Meine Leser werden ihre Stirn runzeln und denken, nun spinnt sie mal wieder! Nee, tut sie nicht. Die Saalfelderin ist schon noch bei Trost. Sie hat nur einfach auf den Vorschlag ihres Geliebten (und zukünftigen Ehegatten) gehört und eine Kneipe in Kahl besucht. Der Besitzer, ein Türke. „Dort können wir einen leckeren Döner essen!“ Ah ja. Eine Dönerstand mit paar Sitztischen, assoziierte ich sofort. Aber als er begann von „Lammfell auf den Holzbänken“ zu erzählen, war ich mir da nicht mehr so sicher.

Eine herrlich urige Kneipe, in der mein erster Blick auf mittelalterlich gekleidete Menschen fiel. Nette Menschen, wie ich schon sehr schnell feststellte. Mit denen ich superschnell ins Gespräch kam. Die Gegend hier balzt um mich. Will mir sagen: „Hey, hier ist es fast wie in Thüringen. Hier findest du schnell Kontakt. Hier findest du viele nette Menschen und sicherlich bald auch Freunde!“ Die Gegend, die weder Bayern noch Hessen noch sonst irgendwie zugeordnet ist. Denn selbst das Wappen von Kälberau, das ich anlässlich meiner Hochzeit auf dem Hof hissen wollte, ist nicht das Wappen von Kälberau. Sondern das Wappen einer gefallen, zerschlagenen Burg, von der nicht mehr übrig blieb, als ein paar Steine, die man nicht mal mehr eine Ruine nennen kann.

Gerhard.

Ich möchte von Gerhard schreiben. Mann. Mitte fünfzig. Schmaler Schnäuzer. Aschblondes Haar. Tränensäcke. Mollig. Aber ein total offenherziges und liebes Wesen. Er kennt Stephan. Mit einem großen HALLO hieß er ihn in der Kneipe willkommen, als ich noch dabei war, die Mittelalterleute zu bestaunen. „Ihr passt zusammen“, stellte er zufrieden fest, als er meinen Liebsten und mich nebeneinander stehen sah und die ersten Worte mit mir wechselte. „Ihr passt zusammen. Sowas spüre ich!“ Und sowas LIEBE ICH. Das motiviert doch, oder?!

Wir saßen lang beieinander. Ich teilweise bei den Mittelalterleuten, mit den ich – wie gesagt – schnell ins Gespräch kam. Die mir geschichtliche Dinge um die Ohren schmetterten, zu denen ich einfach nur wissend nickte, stets in der Hoffnung, sie würden mir keine Frage dazu stellen. Oh je, gehört das, was sie erzählten, zur Allgemeinbildung? Und wenn JA, dann habe ich keine?! Oder? Mir wurde ganz schwindlig. War es der Tequilla, oder die vielen Informationen, und Angst vor Fragen, auf die ich keine Antwort wusste? Zu denen ich nur nickte und hoffte, möglichst viel mitzunehmen. Einer von ihnen sah aus, wie Wolfgang von der Lippe. Und hatte die Gruppe einen Anführer, dann war er es. Immer wieder viel, im Gespräch, sein Blick auf mich. Nein, nicht in typisch männlicher Gier, sondern wohl eher mit der Vorstellung – „wie schaut die wohl im Magdgewand aus???“. Vielleicht war er kurz davor, mich in seinen Verein einzuladen? Vielleicht wirkte mein Nicken auf ihn intelligent? Oder wenigstens interessiert? Ja, interessiert war es. Und ich dachte mehr als einmal an Gustav den Bär. Dem hätte die Runde gefallen. Oh, ohne dass ich ihn persönlich kenne – ich denke, der hätte den noch einiges erzählen können.

Hunderunde um den Tequillarausch auszuschwitzen. Mein Hundetier freute sich. Mein mp3-Player lief und schnatterte das Hörbuch „Die Anstalt“ runter. Ja, meine lieben Leser, ich habe es geschafft. Ich kann CD`s auf mp3-Format rippen und auf meinen Player ziehen. Gratulation, liebe Saalfelderin. Also ich lief und lauschte. Nicht lang, denn da lief mir ein Mann mit aufgedrehten schwarzen, kurzhaarigen, kompakten, reinrassigen Hund (dessen Rassenamen mir gerade entfallen ist) über den Weg. Der Hund verwickelte mein Tier in ein Spiel, wie sein Herrchen mich in ein Gespräch. Ja, ja, die Gegend kämpft um meine Gunst. Ich merke es schon. Aber hallo, Alzenau – es steht fest. Ab April wohne ich hier. Du musst nicht mehr werben, du hast schon gewonnen.

Ich landete verschwitzt bei Großvati, der dummerweise schon von meinem Liebsten erfahren hatte, dass ich gekündigt habe. Und das, ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben. Oh je. Die Moralpredigt, die mein Mann sich offensichtlich schon angetan hatte, zog ich mir jetzt auch rein. Ich habe so unendlich hohen Respekt vor den alten Herren, dass ich nichts entgegnen konnte. Nein, seine Worte gingen mir sogar nah. Aber er schenkte mir Appelwein ein. Appelwein und Wasser. Und im Kamin verfeuerten wir spontan und in aller Romantik den Weihnachtsbaum 2008.

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Ich habe es geschafft. Ich habe meinen Arsch endlich wieder einmal hochgebracht. Nach 101 Tagen hielt mich nicht mal mehr Regen und eisiger Sturm zurück. Ich zog meine Laufklamotten an, legte die Pulsuhr um ein Handgelenk und auf gings. Ich bin gejoggt. Gut viereinhalb Kilometer. Und ich sage – es ging. Ich kann es immer noch. Juchu!

Jetzt hocke ich hier mit dem tollen Gefühl in mir, etwas für mich getan zu haben.

Meine Klamotten sind durchgeweicht. Bevor ich anfange zu frieren, springe ich schnell unter die Dusche. Mir geht es gut. Mir geht es saugut.

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Am Nachmittag ließ mich mein Schatz an der Burg raus. Es stürmte und schneite. Meine dünne Fleecejacke war für diesen plötzlichen Wintereinbruch einfach nicht geeignet. Ich zog die Kapuze in mein Gesicht. Unter meinen Haaren lief der Thriller „Die Anstalt“ im mp3-Player in die nächste Runde. In meiner Hand der blaue Ball, auf den mein Hund fixiert war. Und ihm jedes Mal wie angestochen hinterherrannte, als ich ihn über die weiten Wiesen schmiss. Irgendwann fing sie plötzlich wieder an zu humpeln. Die verdammte Hüfte. Dennoch konnte sie es nicht lassen, mir den Ball vor die Füße zu legen. Auffordernd, ich solle doch bitte mir ihr spielen. Ich trat einige Male sanft dran, so dass sie den Ball im flachen Flug fangen konnte. Damit gab sie sich zufrieden. Der Himmel riss auf, die Sonne begann aus voller Kraft zu scheinen. Blauer Himmel. Von einer auf die nächste Minute. Ich atmete tief durch und genoss es. Das frei sein. Das in den Tag hineinleben. Das Leben. Mich spüren. Ich sein. Glücklich sein.

Bis ich bei meinem lieben, alten Herren angekommen war. Er meint es gut, wenn er mir sagt, dass das Risiko, dass ich mit meiner spontanen Kündigung eingegangen bin, viel zu hoch ist. In Zeiten der Wirtschaftskrise. Zu schnell stecke man im Strudel von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. Und käme da so schnell nimmer raus. Sofort bekam ich ein schlechtes Gewissen, wie ein Mädchen, das von ihren Eltern bei Lügen ertappt wurde. Ich habe keinen neuen Job und genieße jede Minute so, als hätte ich nichts zu verlieren. Eigentlich müßte ich doch pausenlos nach Arbeit suchen. Eigentlich müßte ich ..., und dürfte nur dafür Urlaub nehmen.

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Ich wurde für die erste Strecke, die ich nach 101 Tagen gelaufen bin, heute maximal belohnt. Kaum hatte ich meine Klamotten angezogen, meine Pulsuhr umgeschnallt, riss der Himmel auf. Blauer Himmel. Weiße Winterlandschaft. Kühl, aber nicht kalt. Ich joggte am Fluss entlang. Das Ufer verschneit, der Weg frei. An der herrlichen Altstadt von Alzenau vorbei. Gut, ich spürte meine Beine. Ja. Aber mein Puls liegt im aneroben Bereich. Selbst in meinen langen Trainingseinheiten bis Herbst letzten Jahres habe ich das kaum hinbekommen.

Mir geht es gut. Und das wirkt sich auch auf meine Laufleistung aus.

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GESTERN ABEND:

Es ist Abend geworden. Ich habe mir ein Glas Wein eingeschenkt. Nur eins, um das innere WirrWarr nicht wegzuspülen. Oder heut Abend so zu tun, als wäre es nicht da. Und am nächsten Morgen es umso derber, (gar noch verstärkt mit Schwindelgefühl oder Magenproblem) zu erleben. Ich bin etwas zur Ruhe kommen. In der Badewanne. Mit „Glennkill“ im Ohr. Ich versuche meine Gedanken auf schöne Dinge zu lenken. Und das, was mich heute aufregt, verletzt oder gar verzweifeln lässt, in seiner Macht zu entkräften. Es muss an Macht verlieren. Es muss. Sonst drehe ich noch völlig am Rad.

Was die einen in ihren intriganten Verhalten mir an Verletzung antun, schaffen andere – mir nahestehende Personen – durch erneutes, bitterliches Schweigen. Dem Grund dafür auf den Grund zu gehen, erscheint mir, wie der freie Fall in ein offenes Messer. Das spüre ich, ohne zu wissen, warum es gezückt wurde. Und so lass ich es.

Eher gieße ich Balsam auf die blauen Flecke meiner Seele. Streichle sie, in denen ich frische Erinnerungen an die vergangene Woche in meine Gedanken zurückhole. Ich sehe mich auf dem Bildstockweg. Um mich herum Schnee. Und vor mir ein großer Baum, unter dessen schweren Ästen der Schnee bereits getaut ist. Ich sehe meine Hundedame eifrig den Ball hinterher jagen. Ihn mir gehorsam in meine Hand legen, in Dankbarkeit darum, dass ich zu meiner Kraft und Energie für sie zurückgekehrt bin.

Ich fühle die wärmende Decke über meinen Körper, und den seinen ganz nah an meinem, nachdem ich von meinem Ausflug zurückkehre. Ich spüre seine Lippen, wie sie mich berühren, und höre ein Liebesschwur, von dem ich weiß, dass ich diesem vertrauen kann.

Da ist die Zukunft. Und die Zukunft flüstert mir ins Ohr: „Laß dich fall, schau nicht zurück. Deine Gegenwart ist schon fast Vergangenheit!“ Sie tut gut, die Gegenwart der Zukunft, die ihn und mich beschützend in ihre Arme nimmt.

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Ist es normal? Ist es normal, dass ich hier sitze, zufrieden mit dem Tag.

Aber plötzlich in Wehmut verfalle. Warum Wehmut? Weil ich eine Stunde mehr Tag in meiner Wohnung war, sie diesmal sogar bei Tageslicht gesehen habe. Und feststellte, dass hier in großes Stück Leben steckt. Meines Lebens. Ich werde alles von jetzt auf gleich aufgeben. Möbel, große und kleine Stücke, all die Erinnerungen. Irgendwie alles. Und selbst den Abenden des Alleinseins, die ich allzu oft verfluche, trauere ich im Augenblick hinter her. Es ist nicht die Angst, etwas falsch zu machen, oder doch? Nein, das ist sie nicht. Es ist einfach Wehmut. Die mir für den Moment leichten Schwindel und schwere Müdigkeit in meinen Körper, sowie fast auch Tränen in die Augen treibt.

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Hallo Romy

das ist vollkommen normal. Du lasst ja auch Deine Freunde und Deine Familie ein bisschen weiter hinter Dir sozusagen.

Genieße die Wehmut, dann macht das in die Zukunft schauen doppelt soviel Spaß.

Alles Gute Ihr schafft das

LG Kasmodia

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Hallo Romy

irgendwie kommt mir das was du schreibst so vor als würdest du genau das schreiben was ich fühle , das es meine Gedanken sind ich du geschrieben hast .

Ich teile sie mit dir den ich bin in der gleichen Situation wie du - ich werde hier alles aufgeben - meine Wohnung , meine Firma - ich habe hier 44 Jahre meines Lebens verbracht . Im Sommer beginnt ein neuer Lebensabschnitt für mich - nein für UNS für susa und mich und ich freue mich so sehr darauf weil ich weiß das es ein Traum ist ein wundervoller Traum der dann wahr wird - und ich weiß das es sich lohnt dafür auch das eine oder andere " opfer " zu bringen um diesen Traum auch wahr werden zu lassen .

Verstehen tut mich niemand das ich das alles mache - hier ein relativ gesicherte Existenz aufgebe - mein haus anteil den ich hier besitze - alles dinge die ich mir über die Jahre habe leisten können um dann ihn ein ungewisse Zukunft zu gehen .

Aber eins weiß ich - so eine Chance so eine wundervolle Partnerin - meine Traumfrau, die ich mit susa gefunden habe - so eine Chance bekommt man nur einmal im leben - und ich möchte sie nicht einfach so verschenken - den Glück , Liebe , Harmonie und Geborgenheit kann mann mit keinem Geld der Welt kaufen .

Und was die tränen angeht - warum soll mann sie unterdrücken - ich tue es nicht - auch wenn es nicht besonders " männlich " ist - wenn mir danach ist dann weine ich halt -

LG Seadancer

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Für Romy und Seadancer & Susa:

Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen (Konfuzius)

Die Neugier seht immer an erster Stelle, eines Problems, das gelöst werden will. (Galilei)

Nur der erste Schritt macht Schwierigkeiten. (Defand)

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Mut für eure bevorstehenden Veränderungen. Lasst die Leute reden....

Liebe Grüße und gute Nacht

Astrid

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Guest lucie

Hallo Romy, Seadancer und Susa,

ich wünsche euch ebenfalls viel Mut und Kraft für die bevorstehenden Veränderungen und drücke euch ganz fest die Daumen für eurer neues glücklichen Leben.

So viele Jahre an Erfahrungen, Erfolgen, Enttäuschungen, schönen und schlechten Zeiten lassen sich nicht einfach abschütteln- und sollen es auch nicht.Schließlich sind sie die Grundlage für euren Neustart und Trauer oder Wehmut sind doch ganz natürlich.

Ich glaube auch dass diejenigen die eure Entscheidung jetzt kritisieren oder nicht verstehen wollen früher oder später wieder zu euch stehen- wenn es echte Freunde sind denen euer Glück am herzen liegt.Sie sind warscheinlich mit der Situation etwas überfordert und brauchen Zeit sich damit abzufinden.

Ich wünsche euch ein glückliches gemeinsames(?) Wochenende

LG Lucie

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Schnee. Regen. Und alles zusammen. Natürlich. Der Wetterbericht hatte nicht gelogen. Vielleicht sollte ich in Zukunft schon ein oder zwei Tage vorher tanken gehen, um die Hiobsbotschaften nicht schon vorneweg zu erfahren. Aber, obwohl es stellenweise nur schleppend voran ging, kam es zu keinem Stau. Gefährlich erschien mir die Straße auch erst dann so richtig, als sich die Fahrspuren der vor mir fahrenden Autos in die regennasse Straße bissen, und nicht mehr in sich zusammen liefen. Da war mir klar, der Boden, auf dem ich wandle, gefriert allmählich. Ich muss vorsichtig sein.

Aber Amy. Amy Macdonald. Sie hat mir mit ihrem lockeren Gesang die Angst genommen. Gestern, nachdem ich sie auf meinen Weblog eingeladen habe, bildete ich mir ein, ich brauche das ganze Album. Es gibt auch liebe Kollegen – Snakeeyez zum Beispiel. Der hat sie mir auf die Schnelle mitgebracht. Hab sie auf meinen mp3-Player geladen, mir die Ohrstöpsel während der Fahrt in die Ohren geschoben, die Lautstärke auf LAUT gedreht und ganz laut mitgesungen. Mitsingen gegen Angst vor Glätte. Und keiner konnte mich hören, nicht mal ich selbst. Gott sei Dank. Und meine Hundedame, die selbstverständlich mitfuhr, ist schon Schlimmeres gewöhnt.

Aber nun bin ich da. Mein Schatz nahm mich zur Begrüßung fest in seine Arme. Tränen der Freude in seinen Augen.

Und nun, an dieser Stelle, breche ich mein Schreiben ab, für ihn. Ich möchte jetzt nur bei ihm sein.

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hallo Lucie

Wir , Susa und ich danken dir für die wirklich schönen und aufmunternden Worte die du in deinem Beitrag an uns geschrieben hast .

Dieses WE sind wir leider können wir zwar nicht zusammen verbringen aber dafür sehen wir uns nächste Woche und darauf freuen wir uns beide so sehr - im Moment ist es halt eine Fernbeziehung und 520 km sind halt nicht gerade mal nebenan . Die Tage bis aus der Fernbeziehung aber eine ganz " nahe " wird sind aber gezählt und dann werden wir uns täglich sehen . Bis dahin werden es noch ganz viel wunderschöne Wochenenden werden die wir miteinander verbringen.

LG Seadancer

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Ein ganz normaler Samstag. Ein paar Wege waren zu erledigen, das haben wir getan. Mit Muttern dann gut Futtern in einem tollen Gasthof, den mein Liebster und ich schon ein paar Mal aufgesucht haben. Anschließend ich mit meiner Hundedame eine große Runde über die Felder, Schneematsch und blauer Ball. Sogar kurz in den Bach ist mein Mädchen gesprungen, in ihrem Übermut. Aber auch ganz schnell wieder rausgekommen. War wohl doch noch zu kalt. Danach Besuch beim alten Herrn. Großvater ist stark erkältet. Aber dennoch gesprächig wie eh und je. Und mein Innerstes, ich kann mich nicht dagegen erwehren, hat ein Deprie befallen. Nix und niemanden mag ich hören, oder sehen. Selbst meinem Liebsten gegenüber bin ich eher etwas abweisend. Warum? Warum nun ein Deprie? Ich denke, es sind die Gedanken an das, was zu bewältigen in den nächsten Wochen ansteht.

Und dass mir im Augenblick noch jegliches Konzept fehlt.

Und dass ich mir damit allein vorkomme.

Denn wer schon soll mir helfen? WER?

Ein Schluck Rotwein, vielleicht hilft der ja, wenigstens für den Moment!

...

Hat geholfen. Der Wein, trocken und schwer, hat seine Wirkung nicht verfehlt Für die ich heute dankbar bin. Alles rocher, alles leicht. Alles wie es sein soll.

Roger? Nee – Roger haben wir heute nicht erreicht. Leider. Hatte so gehofft, dass er heute schon auftaucht, nachdem mein Liebster für mich die alte Gitarre gerichtet hatte. Ich hatte gehofft, heute die erste Stunde – Unterrichtsstunde – zu erleben. Aber, die rennt mir nicht weg. Sicher nicht.

Als ich am Freitag, auf der Fahrt nach Alzenau, Amy Macdonald hörte und ihr wahnsinnig geiles Lied „This is the live!“, da hatte ich ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen: Das Lied möchte ich auf der Gitarre spielen können. Und ich kann momentan ja noch nicht mal die Tonleiter runterklimpern.

„Blob“, mein Schatz hat sich gerade noch ein Bier geöffnet. „Klack „ spricht das Feuerzeug, mit dem er sich zugleich eine Zigarette anzündet. Er zieht seinen dicken Fleece-Pulli aus. „Na, der Hund wird doch nicht etwa ENDLICH ruhig sein“. Doch. Hundedame hat anderthalb Kilo Dosenfutter gefressen. Ihre Liebslingssorte. Also, wenn die jetzt nicht zufrieden einschläft, dann weiß ich alles.

Er legt seinen Arm um mich. Der Qualm der Zigarette riecht süßlich. Er drückt mir einen feuchten Schmatzer auf die Wange.

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Meine erste große Liebe, der erste gescheite Mann in meinem Leben, war Larsano. Larsano war auch nur acht Jahre älter als ich. Ihn lernte ich während meiner Ausbildung kennen und lieben. Mit ihm bin ich von Thüringen – ja, von Saalfeld – nach Bayern gezogen. Um genau zu sein, wir starteten unsere Zukunft fernab der Heimat in München. Für ihn, Larsano, ein absoluter Kulturschock. Er, der in einem einsamen Drei-Generationen-Haus mitten im Wald lebt, zog nun mitten in die Großstadt. Wir haben es aber gut gemeistert. Aber es wurde mir zu langweilig. Er wurde mir zu langweilig. Damals, Anfang Zwanzig, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es das gewesen sein konnte. Nebeneinander her leben, ohne Fortgehen, ohne Freunde, ohne ALLES.

Irgendwann habe ich mir den Nächstbesten gekrallt und habe Larsano verlassen. Bin mit ihm aufs Dorf gezogen, weil es in München damals keine Wohnungen mehr gab. Und sagte mir, dass mit Larsano ist gut gegangen, warum sollte eine andere Beziehung nicht funktionieren? Weil er, im Gegensatz zu Larsano, ein Mann war, der des Sprechens und selbstständigen Handels nicht mächtig war. Seine einzige Befriedigung bestand darin, wochenendenlang Playstation zu spielen und Fußball-Bundesliga zu schauen. Hatte ich mir mehr Abwechslung erhofft, im Vergleich zu dem Leben mit Larsano? Da hatte ich mich kräftig geschnitten. Als ich ihm versuchte, meinen Standpunkt zu erläutern – mal mit Engelszungen, dann auch laut, hysterisch schreiend – weckte ich die bösen Geister in ihm. Er schlug mich. Blitzeblau.. Zwei Jahre lang. Zwei Jahre lang war ich irgendwie von ihm abhängig.

…

Nasse Haare. Nackter Körper. Runzlige, wasserdurchdrängte Haut an den Fingerspitzen. Leicht fröstelt es mich, wie ich hier sitz. Aber ich bin glücklich. Verdammt glücklich. Ich habe ihn. Der mir in größter Schwäche seine letzte Kraft zur Verfügung stellt, damit WIR stark sein können. Ich bin angekommen. Bei allem was war, früher war und schon fast vergessen ist (denn ich schreibe, WIE VON EINER ANDEREN, wenn ich das schreibe, was ich schrieb!) – ich bin angekommen. Ich bin in meinem echten, wahren Leben angekommen.

Danke Stephan!

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Wie ging es damals weiter?

Ich wusste, ich musste was tun. Ich wusste, ich musste mich aus der Abhängigkeit winden. Sonst würde ich untergehen. Das Witzige eigentlich war nur, dass er damals abhängig von mir war. Unselbstständig, nicht in der Lage, auch nur einen klaren Gedanken allein zu spinnen, eine Entscheidung zu fällen, oder etwas anzupacken.

Ich kündigte in der Firma. Ich suchte mir eine neue Arbeit. In dem Verlag, in dem ich auch heute noch tätig bin. In einem der Werke, welches wir vertreiben, steht ein Satz, der mir in der damaligen Situation das Tüpfelchen aufs I setzte. „Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn ich es ändere. Ich weiß aber, dass ich es ändern muss, damit es besser werden kann.“ Diesen Satz, den schrieb ich mir sofort auf. Er wurde von da an mein Leitsatz. Für die Zeit bis zu dem Tag, an dem ich auszog.

Ich war frei. Ab diesen Tag Herr meiner Selbst. Und ich genoss es. Genoss in meiner kleinen Einraumwohnung samt meiner lieben, guten, treuen Hundedame zu leben. Für mich und ganz allein.

Nun, danach traten noch zwei gescheiterte Beziehungen in mein Leben. Der erste, mit dem zog ich ziemlich schnell, zusammen. Der Alltag funktionierte prächtig. Wirklich. Er war tatkräftiger Kerl, der mich liebte und vergötterte. Der aber nicht in der Lage war, zu vertrauen. Vertrauen, das konnte er einfach nicht. So sagte er mir nie, woher er seine zig-Tausende Euros Schulden hatte, noch wie hoch die Summe wirklich war. Er versteckte Briefe vor mir, die von Inkassobüros kamen. Und ich bekam jedes Mal einen Heidenschreck, wenn der liebe Gott mich mit einem Gerichtsvollzieher konfrontierte. Er wollte alles immer allein schaffen, mich angeblich damit nicht behelligen. Aber von Zeit zu Zeit wuchsen ihm seine Probleme über den Kopf. Dann wurde aus dem verständnisvollen, lieben Mann ein unberechenbarer. Meine Hilfe nahm er nie an. Es kam zum Streit. Er lief oft weg, manchmal für Tage. Und einmal, im Sommer 2007, da wollte ich ihn nicht gehen lassen. Immer weglaufen, das konnte nicht die Lösung sein. Und da fing ich mir abermals eine ein. Nein, nicht eine. Sondern drei. Drei kinoreife Ohrfeigen. Klatsch, klatsch, klatsch – direkt hintereinander.

Auch von ihm war ich gewissermaßen abhängig. Emotional abhängig. Ich konnte mir plötzlich nicht mehr vorstellen, alleine zu leben. Ich hatte regelrecht Angst davor. Und schob damit eine Trennung vor mir her, bis ich sie nicht mehr aufhalten konnte. Ein halbes Jahr später war es vorbei. Ich behielt die wunderschöne, helle Dreiraumwohnung, in der ich noch heute lebe. Und die ich für ein Leben mit meinem Liebsten aufgeben werde.

Mit ihm ist alles anders. Mit ihm ist vor allen Dingen ein was Entscheidendes anders. Bei ihm habe ich die Vorstellung verloren, dass es irgendwann einmal vorbei sein könnte. Bei allen anderen war mir jedes Mal von Anfang klar, dass es nicht für die Ewigkeit sein würde. Ich wollt es nie wahrhaben. Ich habe sie gern gehabt, die Männer in meinen Beziehungen. Ja, das schon. Aber ich in mir drängte das Wissen immer wieder an die Oberfläche: „Das hier geht nicht ewig!“

Und heute weiß ich: „Das hier, das geht nie vorbei!“

Klingt schnulzig? Egal.

Er hat MS. Die meisten von Euch, die das lesen, auch. Ihr wisst, dass das Leben mit MS völlig anders ist, als es früher war. Man wächst in das „Anderssein“ hinein, auch als Partner. Und das Schöne, es zählen oftmals einfach nur noch Dinge im Leben, die wirklich wichtig sind.

Ich habe mit ihm den Sinn und den Wert des Lebens entdeckt.

Ich habe in ihm mein Spiegelbild entdeckt.

ENDLICH!

***Eure Saalfelderin

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hallo Romy ,

immer wenn ich deine Beiträge lese fällt es mir auf das deine und meine geschichte sehr sehr viel gemeinsamm haben -

Auch ich hatte mehrer Beziehungen in den ich schon im Vorfeld wuste das die nie für die ewigkeit sind . Beziehungen die nicht immer schlecht waren - aber auch nie wirklich gut .

Niemals habe ich nur eine sekunde mit dem gedanken gespielt mal eine meiner partnerinen die frage aller fragen zu stellen . Die frage ob sie mich heiraten möchten -

Jetzt habe ich mit Susa meine Traumfrau gefunden , das was ich für sie empfinde ,das alles kenn ich so nicht,es ich so besonderes so einmalig so wunderbar. Ich würde sie sofort fragen ob sie nicht meine Frau werden will - am liebsten noch heute - nur leider ist das z.Z. leider noch nicht möglich , aber ich weiß der Tag wird kommen und dann werde ich sie fragen. - und ich weiß auch welche Antwort ich darauf bekommen werde .

LG Seadancer

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Oh Gott, Seadancer,

das liest sich soooo schön.

Krieg voll eine Gänsehaut.

Ich freue mich unendlich sehr für Dich und für Euch.

Bald ist alles in trockenen Tüchern, mein Lieber.

Und dann frage sie, in aller Romantik eines wundervollen, unvergeßlichen Augenblicks.

***die Saalfelderin

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Hallo Saalfelderin und Ihr anderen da Drausen...

Hab mir lange überlegt, ob ich meine Geschichte dazu erzählen soll. Denn deine ist sooooo schön. Ich hatte leider nicht so viel glück.

Durzer Umriss: Verliebt 1996 hatte gerade von meiner MS erfahren, dann 1999 zusammengezogen und verlobt, 2002 geheiratet, dann hat mein Mann gemeint er möchte jetzt doch was schlankes, gesundes und Aktiveres haben und ist Fremdgegangen... Trennung 2007, Scheidung jetzt im Januar und hab jetzt einen ganz lieben Freund der mich mit allen macken nimmt und sich auch mit meiner Krankheit auseinandersetzt.

Und jetzt gehts mir richtig gut.

Bin einigermassen fit, hab keinen Schub seit meiner Trennung und Sexuell ist auch alles super.

Ich glaub man muss einfach sein Leben in die eigene Hand nehmen.

Euch, liebe Saalfelderin, wünsche ich alles Liebe für die Zukunft. Ich hab etwas länger gebraucht um so etwas zu erleben.

Eure Currly

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Hi Currly75

Na, siehst du? Ein Hoch auf die MS. Sie filtert uns die Deppen aus unserem Leben raus. Tut weh, aber ohne MS hätte die Erkenntnis länger gedauert. Ich liebe die MS. Sie öffnet die Augen für das Bessere im Leben.

:) Markus

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Hi Markus,

find es gut dass du das auch so siehst. Weisst, meine erkenntnis hat 12 jahre gedauert. fast so lange, wie ich die MS habe. Bin aber seither so aktiv wie noch nie zu vor. Und ich mach auch nur noch dass, was ich für richtig halte.

Das Leben ist einfach zu schön, und im Forum jetzt hab ich einfach eine gute Zeit. macht richtig Spass.

Also dann bis bald, Currly

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Angekommen. Lange Fahrt. Viel Verkehr. Fast Stau. Aber ich bin gut durchgekommen. Und dass ich nach meiner Ankunft auch ja nicht müde werde, dafür sorgten zwei Freunde meines Mannes, die sich kurz vor mir zu einem unangekündigten Besuch bei ihm eintrafen. Wir reden. Und lachten. Ich ließ mich ärgern und ärgerte zurück. Ich telefonierte mit Roger, der mir jedoch absagte. Gitarrenunterricht gibt es erst ab April, wenn ich ganz und gar in Alzenau lebe. Es sei sein Job, Arbeit für ihn, bitte verstehe Saalfelderin. Und am Wochenende wolle er seine Ruhe. Er will es richtig anfangen. Richtig mir die Gitarre beibringen, nicht so nebenbei. Das verstand ich. Nein, das verstehe ich wirklich. „Ihr sucht eine Wohnung?“, seine Frage. Und seine Aussage: wir wären nicht allein. Wir

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Der Tag war herrlich. Der erste Tag an dem man den bevorstehenden Frühling schon riechen konnte. Ich fieberte darauf, mit meinen Hund hinauszugehen. Über die Wiesen zu laufen. Sie mit ihrem heißgeliebten, blauen Ball zu jagen. Sie fieberte genauso und stand bellend an der Tür, als sie merkte, dass es losgeht. Zu viel Menschen waren unterwegs. Noch mehr Radfahrer, die sich mit ihren bimmelnden Klingeln freie Bahn verschafften. Aber sie störten uns nicht wirklich. Meinen Hundedame nicht, mich nicht und auch die Sonne, die auf uns herab schien nicht. Ich sah Schneeglöckchen und erfreute mich an den winzigen Knospen erster Krokusse.

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Es war ein guter Tag. Auf Arbeit lief es entspannt. Ich sehe zu, dass ich so wenig wie möglich Zeit in meiner Abteilung verbringe. Dafür umso mehr in der EDV-Abteilung, in der ich seit über einem Jahr jeden Vormittag an einem Projekt mitarbeite. Ich weite es einfach aus, von einem halben auf einen ganzen Tag. Wer soll schon noch meckern? Wer soll mich schon noch schimpfen? Na? Und ich genieße es, den Tag mit drei unkomplizierten Männern in meinem Alter zu verbringen.

Vorgenommen hatte ich für heute (nach Feierabend) nur noch, dass ich meine Abstellkammer – die sich in der Wohnung befindet – entrümpeln werde. Den ganzen Schotter hinab in den Keller trage, der ja übermorgen für eine Summe von vierhundert Euro entleert werden soll.

Ich schwitzte wie ein Schwein und stank wie ein Hengst. Wenn man es schon mal selber riecht, dann muss schon übel sein, oder? Vor meiner Kellertür, die ich seit Monaten nicht mehr betreten hatte, steht ein dickes, fettes, schwarzes Motorrad. Und ein noch viel größerer, aber ebenso schwarzer Jeep. Von meinem lieben Herrn Nachbarn. Hm. Gut, also nachdem ich alles hinab geschleppt hatte, läutete ich an seiner Tür. Der wusste schon, ohne dass ich es in Worte fassen musste, was ich will. Woher auch immer? Schließlich hat er mich nicht beobachtet, wie ich die Säcke hinab in den Keller getragen habe. Oder doch? Egal. Kann mir doch egal sein. Ja, morgen würde er es tun. Braver Kerl.

Als ich dann die Tür zu meiner Wohnung öffnete, schällte schon das Telefon. Ich ging ran. Die Umzugsfirma. Ach, morgen würden sie es dann schon mal tun. Morgen, anstatt Freitag. Würde mir doch gewiss nix ausmachen, oder? Macht schon was aus, weil ich morgen endlich auf`s Arbeitsamt wollte. Und damit nicht da bin, um denen ihr Geld zu geben, das sie ja angeblich so dringend bräuchten, um den Müll überhaupt entsorgen zu können. Aber da habe ich mich selber ausgetrickst. Mit: „gehe ich eben erst am Freitag aufs Arbeitsamt.“ Ich schiebe das jetzt schon eine kleine Ewigkeit vor mir her, immer noch in der Hoffnung, dass irgendwo eine Arbeit herkommt, die mir diesen Gang erspart. Gut, tut sie nicht. Ich sehe es inzwischen ein. Na ja, und in dieser fiesen Aufschiebetaktik habe ich jetzt noch einen Tag rausgeschunden. Sinnloses Spiel. Selbstverarschung. Schimpft mich, ich hab`s verdient!

Aber wenn sie morgen kommen, dann muss morgen auch die Kellertür passierbar sein. Also ich gleich noch mal rüber den zum Nachbarn, der mir zwar freundlich die Tür öffnete, aber schon nicht mehr ganz so freundlich war, als ich ihm sagte, er müsse seinen Fuhrpark noch heute bei Seite räumen. Er tat es aber prompt. Braver Kerl – sagte ich schon? Ja, braver Kerl!

Währenddessen bekam ein anderer Nachbar mit, dass meine Wohnung frei wird. Hellhörig stürzte er sich auf mich. Wow, ja meine Wohnung. Die wäre doch Klasse. Habe einen Balkon. Die wolle er. Und schaute sich auch gleich begeistert meine Räuberhöhle an. Männer können Hundehaare auf dem Boden und ungemachte Betten so herrlich schön übersehen. Ja, er müsse mit seiner Frau sprechen. Aber – er wirkte begeistert. Begeistert auch bei dem Gedanken, mir meine Küche abzulösen. Und das Hochbett im dritten Zimmer, das man gut und gern als Kinderzimmer nutzen könnte, ja wahrscheinlich sogar sollte.

Er ging.

Ich atmete tief durch. Schwitzend. Stinkend.

War noch nicht richtig für mich, da klopfte es behutsam an die Tür. Ich öffnete sie und da stand sie. Die Frau Nachbarin. Mit tiefen Dekolleté und Brüsten, die so eng geschnallt waren, dass sie mir am liebsten gleich entgegen gesprungen wären. Geschminkt, parfümiert, blondiert. Und mit beneidenswert, schlank-gehungerter Figur. Aber nett. Ganz dem ersten Eindruck widersprechend – nett. Das Schlimme ist, ich find sie irgendwie sogar lieb. Und ich weiß, weiß von einer Kollegin, dass ihr Mann sie mindestens ein dreiviertel Jahr schändlich betrogen hat. Musst Dir vorstellen: diese Kollegin, ein kleines Ding von Anfang Zwanzig, erzählte damals von einer guten, engen Freundin. Die habe einen ach so tollen, attraktiven Kerl. Der wäre wohl noch verheiratet, habe wohl ein Kind. Aber egal. Für sie würde er sich scheiden lassen. Sie, diese Freundin meiner Kollegin, wolle er heiraten. Und er wolle mit ihr nach Merching ziehen. In die Wohnung, in der er jetzt seit gut zwei Jahren mit seiner Frau und dem Sohnemann lebt. Lustige Zufälle gibt`s, oder?

Also, sie stand in meiner Wohnung. Verliebte sich in mein Hochbett. Mochte meine Wohnung. Aber stellte rasch fest, hier könnte sie ihre Möbel nicht stellen. Kein Platz? Kein Platz! Meine Stube ist riesig. Riesengroß, wirklich jetzt! Fünfundzwanzig Quadratmeter mindestens! Aber gut, sie kann die Möbel nicht stellen? Sie will sie nicht stellen! Sie wird sie nicht stellen.

Mir aber vielleicht – soweit es in das Kinderzimmer ihres Sohnes passt – das Hochbett abkaufen! Für zweihundert Euro. Sie laberte, laberte und laberte. Wollte mich, trotz der Tatsache, dass sie meine Wohnung nicht nimmt, nicht mehr aus ihren Fittichen lassen.

Und jetzt ist Schluss. Jetzt schreit die Wanne. Die ich nicht nur aus entspannungstechnischen Gründen, sondern diesmal vor allen Dingen aus hygienischen Grünen benutzen werde.

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Hi Saalfelderin

Ah!! Frauen können so herrlich fies übereinander herfallen.

:) Markus

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