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Saalfelderin

meine Geschichte

185 posts in this topic

Ich weiß nicht, ob ich es schreiben bzw. wie ich es beschreiben soll. Ob der mir zur Verfügung stehende Wortschatz ausreicht, um die langweilige Gegend und die öde Handlung an sich halbwegs imposant darstellen zu können. Es war ein Gegend, dörflicher als dörflich. Eine Gegend, in der es zwei Friseuläden im Ort (und diese sogar direkt an der Hauptstraße) gibt, aber keiner der Leute auf der Straße ausschauen, als hätten sie auch nur einen von diesen von innen gesehen. Gestylte Frisuren hätten wahrscheinlich auch schlecht zu Kittelschürzen und Gummistiefeln gepasst, die die Bürger der Ortschaften dieser Gegend zum Großteil trugen. Eine Gegend, in der Plakate hängen, die zu „Bauer-sucht-Frau-Scheunen“-Parties einladen. „Das haste gesehen“, fragt Stephan skeptisch. Ich sollte ihn fragen, wie man es hätte übersehen können, wenn doch vor jedem zweiten Haus ein solches Plakat für diese Partnerschaftsvermittlungsveranstaltung warb (wie viele Menschen werden hier in dieser einsamen Gegen eigentlich Single sein?)

Ich möchte an dieser Stelle die halbe Stunde überspringen, an der wir trotz Navigationssystem ziellos durch die Pampa irrten. Weil hier Straßen nur Feldwege waren. Auf denen – Gott lob - irgendeine zuverlässige Menschenseele die darauf gefallenen Bäume sorgfältig zersägt und an den Wegrand gelegt hatte. Sonst - hätten die Sturmschäden noch gelegen, wo der Wind sie hingepustet hat - wären wir irgendwo stehengeblieben und nicht weitergekommen. Auf diesem Weg. Links Abhang. Recht riesengroßer, unbefahrbarer Steilhang.

Eine Situation entstand, die in dieser trostlosen Gegend sicherlich nur alle fünf Jahre so zu trägt. Uns kam, auf genau dieser Feldweg-Hochgebirgs-Straße, ein Fahrzeug entgegen. So wenige Menschen, wie auf dieser Straße überhaupt fahren können, entwickelte ich rasch meine eigene Wahrscheinlichkeitstheorie, die besagte: mit SEHR HOHER Wahrscheinlichkeit war dies der Mann, der durch sein beherztes Zersägen des umgefallenen Baums, uns überhaupt ein Weiterfahren auf diesem Weg ermöglicht hatte. Dadurch war ich ihn so wohlgesonnen, dass ich sofort bereitwillig das Auto zum Stehen brachte, um ihn halbwegs mühefreie Weiterfahrt zu ermöglichen.

Aber vielleicht hatte ich mich auch getäuscht?

Vielleicht wurde der Baum auch von dem Eigentümer des Mofas zersägt? Schließlich wohnt dieser ja auch am Ende der Hochgebirgs-Feldweg-Straße-Ding. Sicherlich wird er auch ab und zu das kleine Dorf verlassen wollen und dann vielleicht diesen Weg passieren. Ein alter Trecker auf seinem Hof verstärkt den Verdacht und die Möglichkeit, dass vielleicht doch er der gute Engel gewesen ist, der uns freie Fahrt beschert hat.

So trostlos wie die Gegend war, so trostlos stand auch das kleine blaue Mofa auf dem Hof. Seelenlos. In mir weckte es keinen Reiz. In mir weckte es vielleicht noch die Idee, es auf den nächstgelegenen Schrottplatz zu chauffieren. Es erinnerte mich irgendwie an meinen chaotischen Keller und seinen unnützen Inhalt, den ich letzte Woche für vierhundert Euro habe entsorgen lassen. Ja, da hätte das kleine Blaue gut rein gepasst. Aber das, was ich zu sehen nicht in der Lage war, das entdeckte Stephan sofort in ihm. Und kaufte es für einen Preis, für den ich mir schönste und teuerste Markenklamotten hätte kaufen können (wenn ich sie denn wollte).

Der geldgierige Bauer erklärte sich doch sofort bereit, uns morgen das Gerät direkt auf den Hof zu stellen. Extra für uns, obwohl er sowieso in Alzenau zu tun habe, berechnete er nochmal zehn Euro mehr. Und dann wird es seinen Platz finden. Im Stall, da wo andere Artgenossen schon auf ihn warten. Stall? Oh nein. Ich möchte in meiner poetischen Wortwahl die Werkstatt nicht zum Stall degradieren. Also, morgen kommt es dann in die Werkstatt. Basta! „Auf Lager gestellt“, mein Stephan stolz. Denn er ist guter Dinge, dass er es schon bald gewinnbringend weiterverkaufen wird! Aber ich denke, dass bis dahin noch genügend Zeit vergehen wird, dass das Mofa eine freundschaftliche, wenn nicht sogar familiäre Bindung zu seinen Artgenossen aufbauen wird. Hoffentlich entdecke ich nicht noch die Seele in dem Fahrzeug, nicht dass es den Hof gar nicht mehr verläßt.

***Eure Saalfelderin

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ERWISCHT!

Ich liebe das Schreiben!

Bin geehrt, dass sich jemand auf die Suche nach

meinen BEITRÄGEN macht! *schmunzel*

Bis bald

*** die Saalfelderin

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Mit Migrän von gestern befiel auch heute meinen Körper, trat ich meine Reise nach Alzenau an.

Geniales Wetter. Plustemperaturen. Ich konnte fahren. Ich trat den Cougar, der zielstrebig vorwärts eilte. Die Autobahn war frei. Zweihundert verkündete stolz mein Tacho. Yes! Neuer Streckenrekord, ich komme!

Dachte ich. Bis, ja bis ich auf die A3 kam. Sofort auf der Autobahnauffahrt begrüßte mich ein fetter Stau. In dem ich weit über eine Stunde meines Lebens verbrachte. In einer Baustelle, die noch keine Baustelle ist. Wahrscheinlich nur gesperrt wurde, damit die Bauarbeiten pünktlich am Montagmorgen beginnen können. Auf einer Autobahn zu stehen, die man eigentlich befahren könnten, wenn sie nicht gesperrt wäre – wo glatte, freie Autobahnspuren einen regelrecht anlachen - das macht einen Stau doppelt so schlimm.

Während dem Stehen auf dem Standstreifen (die einzige Fahrspur, die nicht gesperrt war!) überlegte ich mir, was besser ist. Das Schneegestöber der letzten Wochenenden oder dieser dämliche Stau. Der Stau, der immer dann entsteht, wenn schönes Wetter ist. Ein ungeschriebenes Gesetz sozusagen. Wenn schönes Wetter, dann gibt es garantiert Stau.

Ich hatte genügend Zeit zum Überlegen. Wahrscheinlich ist die Theorie gar nicht so weit hergeholt, stellte ich für mich fest. Schönes Wetter ermutigt Baustellen zu eröffnen. Baustellen erzeugen Stau. Stau macht die Nerven kaputt. Ruiniert deswegen schönes Wetter die Nerven? Sollte man als Autofahrer, als Langstreckenautofahrer, auf schlechtes Wetter hoffen? Nö! Bedenke man doch, wie wenig seiner Lebenszeit man trotz Langstreckenfahrten auf der Straße verbringt, sollte man sich doch auf und über schönes Wetter freuen, und nicht schlechtes herbeisehnen. (Über was man so alles nachdenken kann, wenn man steht, wo man steht!)

Bin nach knapp fünf Stunden Fahrt angekommen. Mein Kopf dröhnt immer noch. Aber der restliche Körper, und vor allen Dingen meine Seele, ist - von jetzt auf gleich - glücklich und zufrieden. Denn ich bin daheim!

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Hallo Saalfelderin

ich verstehe nicht ganz - was willst du eigentlich wem erzählen?

Ich gehe vielleicht von einer falschen Voraussetzung aus: Du erzählst die Geschichte eines Partners mit MS. Nicht? Wenn aber auf einem Umschlag -Krimi- steht, dann habe ich eine Erwartungshaltung. Und in einer Dokumentation möchte ich auch nicht, so schön das manchmal ist, über Fantasie lesen. Deine Geschichte beginnt als Lovestory. Tja, .. Wann kommt dein Happy End?

Angehenden Autoren wird in Schreib-Ratgebern empfohlen, Öffentlichkeit zu üben. Benutzt du dieses Forum für diesen Zweck? Wenn ja, dann schluckst du sicher meine Kritik, denn du möchtest ein Profi werden. Verstehe mich nicht falsch. Mir gefallen einige Stellen in deinem Text.

Woran die meisten mit Schreiblust scheitern, ist das Fehlen von Plot, Prämisse, Umgang mit Genre, usw. Die lästigen Pflicht-Hausaufgaben halt. Das weißt du schon.

nicht böse sein. Ich mag deine Texte.

:) Markus

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Wir haben sie gefunden Unsere kleine schnuckelige Zweizimmerwohnung mit großen Balkon. Sie ist so fantastisch, toll geschnitten. Mit ganz großem Balkon.

Das Witzige ist, dass Dachgeschoss-Wohnung (von der ich stets träume) mit deiner Wohnung im maximal ersten Stockwerk (die Stephan benötigt) kompatibel ist. Balkon und Einbauküche sind das Sahnehäubchen auf dem Ganzen!

Wir ziehen in ein einstöckiges Haus.

Erster Stock = unterm Dach. Und einfach wunderschön.

Ab ersten April! *jubel-jubel-freu*

Ich freue mich auf unsere Zukunft!

@Markus: danke für Deine Kritik. Gut, wichtig und hilfreich. Vielleicht, ja ganz sicher, verfehle ich dann und wann das eigentliche Thema. Aber, und das ist für mich der Grund, ich werde gelesen. Angeschrieben. Beglückwünscht. Und gebeten, weiterzuschreiben. Genau hier!

Warum ich HIER? Weil ich denke, dass es Hoffnung gibt. Wie es laufen kann! Stephan ... er hätte nie daran geglaubt, dass es in seinem Leben die große Liebe geben kann. Nie gedacht, dass die vielen Facetten der MS in einer Beziehung Akzeptanz finden. Nicht nur Akzeptanz, sondern eben LIEBE. Ganz und gar wie er mit ihr ist, wird er geliebt.

Das hat jeder verdient. Und das schreibe ich hier. Darum schreibe ich hier!

Ich danke Dir!

Das ist hier ein wunderbares Forum. Bin hier schon ganz tollen Menschen begegnet und habe selbst schon viele Fragen beantwortet bekommen.

@ALLE: ein schönes Wochenende. Genießt den endlich beginnenden Frühling!

Bis bald!

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Ein herrlich sonniger Tag steht in den Startlöchern. Früh aufgestanden aber doch ausgeschlafen, freue ich mich auf all das, was heute kommt. Wir fahren nachher nach Aschaffenburg. Um Umzugskartons zu besorgen, die benötigte Garage unter Dach und Fach zu bringen und unseren Mietvertrag zu unterzeichnen. Aber nicht nur deshalb. Ich mag die Stadt, die hat soviel mit Augsburg gemeinsam. Und irgendwann in den nächsten Wochen schnappe ich mir meinen Hund und erkunde die Stadt. Gasse für Gasse. Es ist mit Stephan natürlich so nicht möglich. Aber dafür werden er und ich im Sommer mit seinem wunderbaren Cabrio über die Landstraßen fahren. Und darauf freue ich mich mindestens genauso.

Alles bestens!

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Hallo Saalfelderin,

also, da könnte ich ja platzen, wenn ich soetwas lese: Rollstuhl zu hundert Prozent. Und das ganze mündet in den unausweichlichen Tod durch MS!! 2008!!! Wo leben diese Menschen denn???

Ach so, jetzt stolper ich schon wieder einfach so in eine Seite rein. Wird vielleicht doch Zeit, mich ein klein wenig vorzustellen. Habe überhaupt keine Ahnung von solchen Seiten, Chats oder wie sich das nennt, habe noch nie bei so etwas mitgeredet und kenne die Spielregeln gar nicht. Doch wenn ich da so einiges lese, kann ich nicht mehr anders und muß mich einschalten. Und weiß gar nicht, ob ich so eine Seite wieder finde. Na, egal,ich schweife wieder ab, meine Spezialität.

Also, Rollstuhl und unausweichlicher Tod. Ja, sterben werden wir alle, ist doch klar.

Bei mir wurde 1978 eine MS festgestellt, ich habe viele Höhen und Tiefen und Symptome und Einschränkungen und Beschwerden und Beschwernisse dieser Krankheit mit-und durcherlebt. Ich sitze nicht im Rollstuhl, ich lebe noch, habe eine Wohnung ii der zweiten Etage, kein Auto und gehe überall im Ort hin zu Fuß. Kein Mensch, außer veilleicht erfahrene Physiotherapeuten(oh oh oh), merkt mir irgendetwas ungewölhnliches an. Und erst seit 18.Februar 2009 spritze ich Copaxone, habe seit vielen, vielen Jahren gegen MS gar nichts mehr hgenommen, es brauchte nicht sein. Auch das kann MS sein. Und die geringen Beschwerden, die in den letzten Jahren auftauchten, na, die werden jetzt aufgehalten. Soviel dazu.

Es ist so schön, wenn ich hier auf der Seite immer wieder auf so positive, lebensbejahende Beiträge stoße, infach herrlich!

Heute war ich im Wald den Frühling suchen. Obwohl trüb und Matsch und nass, ich wollte, musst eunbedingt raus und fand blühende Buschwindröschen und Lerchensporn und erste grüne Blättchen und singend Vögel, schöön.

Für Dich, Euch und alle die es lesen viele Frühlingsgrüße und -gefühle! ;-)

Momoken

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Hallo Momoken!

Wie schön, Deinen herzerfrischenden, vor Optimismus sprühenden Beitrag zu lesen!

Ich traue mich manchmal gar nicht, laut zu sagen, dass es mir mit und trotz MS supergut geht, abgesehen von kleinen Wehwehchen, die aber auch vielleicht was mit Alter zu tun haben können und über die andere Leute ohne MS auch gelegentlich "klagen".

Ich erwarte jetzt sehnlichst besseres Wetter, damit das Rad fahren und Garten beackern wieder mehr Spaß macht.

Deinen Frühlingsgrüßen an Dich und alle anderen schließe ich mich uneingeschränkt an!

Monika

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Hallo Saalfelderin, Monika und alle anderen,

ich "zäume das Pferd oft von Hinten auf" so auch in diesem Forum. Habe heute mal die Beiträge hier gelesen. Gehöre ich dazwischen?

Liebe Saalfelderin, wie geht denn Deine Geschichte weiter? Klar, Du hast jetzt alle Hände voll zu tun, Umzug, neues Leben und solche Sachen. Ich hoffe doch, Du hast irgendwann wieder Zeit und Deine Geschichte geht noch weiter, also hier im Forum.

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn ich es ändere. Ich weiß aber, dass ich es ändern muss, damit es besser werden kann."

Den Satz aus einem Deiner Beiträge habe ich mir rausgeschrieben, der ist wirklich als Lebensmotto super!

Es wird immer mehr und mehr Frühling, hier blühen die Schlehen schon. Frühlingsgrüße an alle.

Momoken

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Der Weg des Wege erledigen führte uns in die Innenstadt Dort, wo heute diese Demo stattfindet. „Eine Region steht auf“, Demonstranten mit roten Kappen, roten Fahnen und roten Trillerpfeifen. Musik. Eine Live-Band. Rockig, bluesig, genau wie es mir gefiel. Es zog mich hin, ich wollte. Doch das ging natürlich nicht. Wohin das Auto denn stellen? Wie mit Stephan durch diese Menschenmasse hindurch schlängeln? Wie? Aber da kam der Blitzgedanke. Da vorn an der Ecke, da ist doch eine Eisdiele. Und wie ich gesehen habe, waren da auch noch ein paar Plätze frei. „Das geht nicht, wie soll ich denn ..., und wohin das Auto, nee einfach parken geht nicht, hier ist überall Polizei!“ Ich war enttäuscht und umso erfreuter, als er doch einen Parkplatz ausfindig machte und die -zig Meter mit mir Richtung Demo trottete. Juchuuu! Am liebsten hätte ich ihn gezogen, um schneller voran zu kommen. Das aber geht natürlich nicht. Ungeduldig wie ich bin, fiel mir das natürlich am schwersten. Immer die Angst im Nacken, das jetzt gespielte Lied könnte das letzte und wir damit einfach zu spät dran sein. Aber wir waren nicht zu spät. Die sangen, ich hatte Scheiß-gute-Laune. Und freute mich jetzt darauf, dass wir uns Biergarten des Eiscafes setzten würden und dem ganzen Treiben zuschauen könnten. Angekommen sahen wir, dass die Stühle nass waren. Klar, hatte ja geregnet. Sicherlich würde mir eine der Bedienungen ein Tuch geben, damit ich den Stuhl abwischen könnte. Sicherlich. Erst auf dem zweiten Blick erkannte ich, dass sie nicht nur nicht abgetrocknet waren, sondern dass sie an den Tisch gekettet keine Möglichkeit zum Hinsetzen gaben. Also ich rein. Rein in das Eiscafe. Fragen: „Könnten Sie draußen die Stühle aufschließen...?“ Ein Mann. Klein, karger, wahrscheinlich Italiener. Inhaber des Ladens. Vermutete ich. Als Antwort bellte er mir etwas entgegen, das ich nicht verstehen konnte. Es klang wie ein starker japanischer Akzent. Japanischer Akzent bei einem scheinbar italienischen Wirt, das konnte nicht passen? Ich war gerade dabei, Miteid zu entwickeln, denn ganz sicher hatte der Kerl eine massive Sprachbehinderung, da schrie er mich an: „Sprechen Sie kein Deutsch, oder was – häääh?“ Erschrocken brachte ich in dieser Situation nix als ein schuldbewusstes „Doch!“ heraus „Na dann hören Sie – ich habe keine Zeit! Verstehen Sie, ich habe keine Zeit! Setzen Sie sich doch hier rein!“ Drin ist aber keine Demo, die es zu beobachten gab, hätte ich ihm gern entgegen geschmettert und ihn dann auch gleich noch gefragt, was er mir als spannende Alternative zu dem bunten Treiben da draußen bieten könnte. Mit seiner unfreundlichen Fresse jedenfalls könne er mich nicht überzeugen. Ich beließ es beim Denken, ich sprach es nicht aus. Wütend ging ich hinaus zu Stephan, der zwischen all den Menschen kaum noch Halt zum Stehen fand. Hand in Hand torgelten wir zu einem kürzlich eröffneten Bistro. Das war leer, zumindest draußen saß keiner. Wir setzten uns. Hier klang die Musik nicht mehr nach Musik, sondern nur noch nach dumpfen Dröhnen. Zuviele Ecken und Häuser hatten den Schall zu oft gebrochen. Eine Bedienung kam nicht. Nix und niemand. Ich überlegte nochmal – einen kurzen Moment lang – aufzustehen und wenigstens für ein paar Minuten hinüber zu flitzen. Zur Bühne. Und etwas vom Live-Musik-Flair abzubekommen. Aber ich ließ es. Meine Laune war dahin und die meines Liebsten auch. Jetzt liegt er auf seinem Bett, still und irgendwie todtraurig.

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Das dämliche an den Samstag, das kam erst gestern zu Tage. Der Neurologe – sein Neurologe – der hat uns am Samstag auf jener Demo wanken gesehen. Und eine Verschlechterung des Laufbilds diagnostiziert. Ganz ohne Schub. Oh Jesus. Cortison 3 x 1000. Und das ab jetzt alle vier Monate.

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ohje.... das tut mir leid für euch! Ich hoffe das es dann aber vielleicht besser wird! meine gehprobleme sind zum glück alle nach 6 tagen mit 1000 vom kortison weg gegangen! aber damit auch leider meine figur! ich drück euch die daumen

lg coco

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Geschwitzt und gerackert haben wir heute. Stephan und ich. Die alte Wohnung auseinandernehmen. Kisten und Kartons packen, Müll in Müllsäcke stopfen und so weiter. Wie ein eingespieltes Team arbeiteten wir Hand in Hand. Kein Nöhlen, kein Meckern, kein Zicken.

Am Freitag ist Umzug und dann, dann bin ich endgültig in Alzenau! Juchuuu

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Hi - bin bisher nur "Leserin" Deiner Beiträge gewesen.

Ein ganz freundschaftlicher Tip: achte bitte schon drauf, dass sich Dein Stephan auch noch ein bisschen schont. Weil du geschrieben hast "geschwitzt und gerackert haben wir".

Wenn ich das richtig verstanden habe, hat er ja gerade Cortison-Infusionen hinter sich. Vielleicht hab ichs auch falsch verstanden. Ich bin selbst "unter Cortison-Infusionen" umgezogen, weils auch nicht anders ging, aber im Nachhinein bin ich doppelt abgeschmiert. Man übernimmt sich leicht.

Viel Glück für den Umzug,

Heidi

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Hallo Heidi, hallo Forum-User,

aufgrund des Umzugs hat er die Infusionen von verschoben. Von vergangenen Mittwoch auf diesen Montag. Nein, ich überfordere ihn gewiss nicht. Viele, viele Pausen machen wir. Gönnen wir ihm. Und alles SCHWERE übernehme selbstredend ich. Alles andere geht nicht, alles andere darf nicht sein.

Sagen wir mal, er "freut" sich schon fast auf das Cortison, weil er weiß, dass er es gut, sehr gut verträgt. Es ihm hilft. Er sei dann ziemlich aufgedreht und müsse gebremst werden. Um eben dann nicht "abzuschmieren".

Ich danke Dir, Heidi, für Deinen liebgemeinten Tipp. Für mich ist es das erste Mal. Das erste Mal, dass ich eine solche Therapie miterlebe. Bin nervös. "Brauchst DU nicht", versichert er mir. Aber bin ich halt trotzdem.

DAUMENDRÜCKEN, ja?!

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Hallo Maro,

Santarolli hat recht. Und ein Happy End kann es doch gar nicht geben, bei dieser Geschichte.

Happy hoffentlich oft, doch End?? Das Leben geht doch weiter. Also auch diese Geschichte.

Ich lese die "Saalfelder Geschichte" ganz gerne mal.

Gruß Momoken

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Kleinste Dinge können für uns manchmal ganz schön schwer sein. Also die Baustelle vor der Tür. Da ist die ganze Straße gesperrt und natürlich verdammt eng - dabei ham die noch net mal so richtig angefangen. Auf dem Hof, der zu diesem Grundstück gehört, sind zwei Stellplätze. Eigentlich drei. Und wenn man ordentlich parkt, sogar vier. Aber das Problem, einer davon ist chronisch belagert mit dem Fahrzeug des verstorbenen Mannes unserer Vermieterin. Die anderen Beide liegen hintereinander. Das heißt, parkt man vorn, und der zweite Parkplatz ist belegt, muss das zweite Auto erst fortfahren, damit das erste wieder fahren kann.

Heute Mittag, nach seinem Feierabend, kam Stephan nach Hause. Parkplatz Nr. zwei war belegt (vom Fahrzeug der Tochter von Frau Vermieterin), die Straße weitestgehend gesperrt. Und nun? Stephan, der nicht mehr als zwanzig Meter am Stück laufen kann, und bei heißem Wetter nicht mal so richtig das, kam natürlich ins Stocken.

Glücklicheweise bekam er diesmal einen Parkplatz. Traf die Tochter an, die zu ihm meinte, sie habe das Auto gleich mal vorne dran gestellt, weil sie ja ohnehin gleich wieder fortfahren würde. Hätte sie das Auto auf Parkplatz Nr. 1 gestellt, hätte sie ihn gleich wieder bitten müssen, auszuparken um sie rauszulassen. Deshalb ..., für ihn eine Katastrophe, so banal das auch klingen mag. Die Vermieterin kam gleich hinzu und belehrte Stephan, dass ab sofort nicht mehr unseren beide Autos auf den Hof stehen dürfen. Das haben wir bisher auch nur einmal gemacht. Ein einziges Mal, obwohl uns anfänglich versprochen würde, wir könnten beide Autos auf den Hof stellen. Ja anfänglich, das war auch die Rede davon, dass die Baustelle erst im kommenden Jahr entsteht. Das hat uns nicht weiter geschockt, denn kommendes Jahr wollten wir längst im Elternhaus wohnen. Stephans Mutter hat damals schon gemeint, dass die Baustelle dieses Jahr geplant ist. Aber in unserer damaligen Euphorie waren wir auf beiden Ohren taub. Und nun haben wir den Zonk.

Rückwärts, also vom Elternhaus zurück, bin ich heute Abend gelaufen. Stephan die zwei Kilometer, nach einem arbeitsreichen Nachmittag, gefahren. Und wieder stand ein Auto auf dem Hof. Das vom Trunkenbold-Nachbarn und Bruder der Vermieterin. Er hat sein Auto auch immer auf die Straße gestellt. Da diese aber nun gesperrt ist, wählt er auch den Hof. Sicher ist sicher. Er stellt sich mit seinem Riesenkarren auf Parkplatz Nr. 2. Parkplatz Nr. 1 ist damit frei. Aber egal, der Nachbar verläßt ohnehin früher das Haus, als Stephan. Das würde bedeuten, morgen früh oder heute Abend noch hätten wir umrangieren müssen. Um das zu vermeiden, hat sich der Nachbar gleich hintendran gestellt. Und Stephan suchte einen Parkplatz auf der Straße. Diesmal - das zweite Mal des Tages - hatte er verdammtes Glück. Und Pech zugleich. Denn er stürzte. Stürzte auf den Weg vom Auto ins Haus. Ich war ja nicht dabei, um ihn zu halten. Denn ich war zu diesem Zeitpunkt ja noch mit dem Hund unterwegs.

Stephan ist verzweifelt. Das kleine Problem Baustelle mutiert zu einem Riesenmonster. "Wir müssen mit ihr reden!" meine ich einfühlsam. Hallo, sie hat uns versprochen, dass wir beide Autos parken können. Aber zumindest seins muss er immer stellen können. Immer. Sie sieht doch, dass er extrem gehbehindert ist. "Mit ihr kann man nicht reden!", entgegnete er traurig. Das habe er schon bemerkt. Au weia.

Er spricht davon, eine neue Wohnung zu suchen. Natürlich - innerlich fast jubelnd - liegt das ja auch irgendwie in meinem Sinne. Eine neue Wohnung bedeutet, dass man einen zweiten Hund nehmen kann. Also, vorausgesetzt, der neue Vermieter hat nix dagegen. Und ich würde sicherlich keinen auswählen, der etwas dagehen hat. Aber auch der anderen Seite ist es völliger Blödsinn, wegen der Baustelle oder einem unerfüllten Bully-Wunsch solch einen Schritt zu gehen. Zumal die Wohnung ein absoluter Traum ist. Aber auf der anderen Seite....?

Stephan ist voll Deprie. Ich kann mich in ihn reindenken, aber noch nicht ganz reinfühlen. Ich denke, dass sich da immer ein Weg zeigt. Aber für ihn bedeutet die Situation im Ernstfall, nicht nach Hause kommen zu können. Wenn alles zugeparkt bzw. gesperrt ist.

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Hey Saalfelderin

na? Und wie geht es dir? Lange warst du weg. Hab dich schon gesucht. Dein Stephan hat keinen Behi-Parkausweis, nicht? 20 Meter ist an sich ein Grund dafür.

Behi-Uneinsicht der Vermietern? Also - Leute gibts. Nicht zu fassen. Vielleicht können sie das Problem nicht richtig einschätzen. Wenn ihr sonst mit ihnen klar kommt, redet mal. Ich erlebe es oft, dass sogar Freunde meine MS-Geh-Grenze ignorieren. Nicht hängen lassen.

:)

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Hi Saalfelderin,

schön dass du mal wieder da bist! habe deine Beiträge schon etwas vermisst.

Die Parksituation scheint etwas verzwickt zu sein, da hilft nur reden!

LG Susa

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Natürlich ist die einzige Lösung für gestern genanntes Problem das direkte Gespräch mit Frau Vermieterin. Sicherlich unterschätzt sie die Situation, in der sich Stephan befindet. Und das Parkplatzgerangel hat mehr mit Gedankenlosigkeit, als mit Boshaftigkeit zu tun. Sicherlich. Am Wochenende werden wir sie ansprechen,

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Natürlich ist die einzige Lösung für gestern genanntes Problem das direkte Gespräch mit Frau Vermieterin. Sicherlich unterschätzt sie die Situation, in der sich Stephan befindet. Und das Parkplatzgerangel hat mehr mit Gedankenlosigkeit, als mit Boshaftigkeit zu tun. Sicherlich. Am Wochenende werden wir sie ansprechen,

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Waren gestern und vorgestern Abend unterwegs. Der erste Abend spontan. Mit zwei alten Freunden, auf einem Weinfest. Endlich mal draußen, wir haben es sehr genossen.

Bissel alkoholisiert habe ich meinen lieben Stephan heute Nacht sicherheitshalber mal auf dem Sofa schlafen lassen, auf dem er sich des Nächtens geparkt hatte. Und bekam den Sturz nicht mit. Er hat sich irgendwie das Knie verletzt. Das Knie seines vermeintlich stärkeren Beins.

Nun kann er nicht auftreten, mit dem rechten Bein. Linkes Bein ohnehin nur schwer koordinieren. Das bedeutet: Mann ist völlig bewegungsunfähig. Selbst der Gang auf Toilette ist für ihn im Augenblick nicht zu bewältigen.

Sicher nur geprellt. Denken wir beide. Denn es ist nicht sonderlich angeschwollen, kaum blau. Aber dennoch, ... -

Heute Nachmittag, in ziemlich genau einer halben Stunde, sind wir auf eine Familienfeier eingeladen. Wir hatten fest zugesagt, weil wir ja schon auf der letzten nicht gewesen sind. Aber nun?

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