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Saalfelderin

meine Geschichte

185 posts in this topic

Waren gestern und vorgestern Abend unterwegs. Der erste Abend spontan. Mit zwei alten Freunden, auf einem Weinfest. Endlich mal draußen, wir haben es sehr genossen.

Bissel alkoholisiert habe ich meinen lieben Stephan heute Nacht sicherheitshalber mal auf dem Sofa schlafen lassen, auf dem er sich des Nächtens geparkt hatte. Und bekam den Sturz nicht mit. Er hat sich irgendwie das Knie verletzt. Das Knie seines vermeintlich stärkeren Beins.

Nun kann er nicht auftreten, mit dem rechten Bein. Linkes Bein ohnehin nur schwer koordinieren. Das bedeutet: Mann ist völlig bewegungsunfähig. Selbst der Gang auf Toilette ist für ihn im Augenblick nicht zu bewältigen.

Sicher nur geprellt. Denken wir beide. Denn es ist nicht sonderlich angeschwollen, kaum blau. Aber dennoch, ... -

Heute Nachmittag, in ziemlich genau einer halben Stunde, sind wir auf eine Familienfeier eingeladen. Wir hatten fest zugesagt, weil wir ja schon auf der letzten nicht gewesen sind. Aber nun?

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Muss mich entschuldigen. Durch das Betätigen der F5-Taste zum Aktualisieren der Ansicht, trägt es meinen Eintrag immer doppelt ein. Doof. Hab es erst jetzt mitbekommen. Werde es zu vermeiden wissen.

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Nun waren wir im Krankenhaus. Und es kam raus, was zu erwarten war. Eine Prellung. Es handelt sich um eine fiese Prellung seines rechten Knies. Nicht mehr und nicht weniger. Erleichert, fast schon gutgelaunt, fuhren wir nach Hause. Und der Parkplatz war - trotz geführten Gespräch - wieder besetzt. Zugeparkt. Mein Gott, da hätte das erste Mal mir sogar der Arsch platzen können. Die Frau Vermieterin wusste, dass wir wegen Stephan ins Krankenhaus gefahren sind. Wegen seinem Knie. Und sie weiß, dass er neulich schon gestürzt ist. Warum kann sie ihrer saudämlichen Tochter nicht sagen, dass sie ihr Auto doch entweder ein Stück weiter vorfahren , so dass wir uns dahinter stellen können, oder es ganz und gar auf die Straße stellen soll. Nun stellten wir also unser Auto auf die Straße und torgelten über das holbrige Kopfsteinpflaster schwankend und fast schon wieder fallend, nach Hause.

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Heute ist der längste Tag des Jahres. Ab jetzt wird es jeden Tag ein bißchen eher dunkel. Und wenn wir mal kurz rechnen, ist es nur noch ein halbes Jahr hin, bis wir wieder Weihnachten feiern. All diese Gedanken finde ich momentan nicht allzu behaglich. Hat für mein Empfinden der Sommer ja noch noch nicht mal richtig angefangen.

Ich wünsche mir gerade laue Abende auf dem Balkon. Ich wünsche mir gerade, mit meiner Hundefrau an den Main zu fahren und sie schwimmen zu lassen, bis sie nicht mehr kann. Und ich hoffe auf den Urlaub, dass ich ihn im August bekommen werde. Wir alle zusammen nach Füssen fahren, in das Hotel, in dem Stephan und ich uns kennengelernt haben. Ich möchte mit ihm auf den See schauen, Wein trinken, mich romantisch an ihn kuscheln. Ich möchte auf dem Wasserbett ruhen, nah an seinem Körper. Ich möchte Massagen und Dampfbäder genießen.

Doch jetzt ist erstmal hier und jetzt. Schwerfällig robbt Stephan an meine Seite, legt seinen Kopf auf meinen Schoß und wirkt ermattet. Irgendwie war der Tag ja auch anstrengend, oder aufregend. Ja, aufregend. Und das macht doch auch müde, oder?

Meine Hundefrau war heute das geduldigste und empfindsamste Wesen der Welt. Sie hat sein Leiden mitbekommen. Ihn mit großen Augen und fürsorglichen Blick angeschaut. Nicht darauf gedrängt, raus zu müssen. Sie war ständig da und hat trotzdem genügend Raum zum vorsichtigen Laufen gelassen. Sie ist ein wunderbares Tier.

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Bin zum Arzt. Hab für Stephan seinen Krankenschein geholt. Ging ganz einfach. Krankenhausbrief hin, Krankenschein zurück. Und er brauchte keinen Meter laufen. Schön für ihn. Oder auch nicht. Er igelt sich ganz schön ein. Auf seinem Sofa, unter der Decke, mag er die Nase nicht mal aus der Balkontür strecken.

Ich hingegen habe meine Hundefrau geschnappt und bin mit ihr zum Schloss gefahren. Dem Alzenauer Schloss. Und hatte Glück. Zwischen all den dunklen Wolken war mal ein sonniges Fleckchen für uns. Sie sprang, sie schwamm, sie freute sich. Und ich atmete mal ganz tief durch. War schön.

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Er hat seine eine Woche Krankscheibung - die er wegen der Prellung des Knies erwirkt hat - um eine Woche verlängert. Nicht wegen dem Knie, nee ganz sicher nicht. Eher, weil er diese sich gönnen mag. Und eher, weil er merkt, dass er - mit oder ohne Knieprellung - schrecklich wacklig auf den Beinen ist. Als er heute beim Hausarzt war, hat er sich von dem einen Gehstock verschreiben lassen. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich das Ding heute am Stubenstisch lehnen sah. Das ist für mich das Zeichen, dass er eindeutig merkt, dass es schlechter wird. Das Ding ist irgendwie fast entgüldiger, als ein Rollstuhl.

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Habe Stephan hinab in den Hof geschickt. Ein paar soziale Kontakte, ich hielt es für richtig. Nun sitz ich hier allein, und es fühlt sich gar nicht mehr richtig an. Ich fühle mich allein, ganz allein. Meine Backe schmerzt. Am liebsten wäre ich auch unter Menschen, aber nicht da unten. Nicht schon wieder Alkohol in rauen Mengen und dummes Gerede. Und nicht die Vermieterin. Ich mag sie nicht sehen. Ich habe meine letzte Chance genutzt. Das lukrative Angebot und sie konnte doch nicht nein sagen. Sagte sie auch nicht, bisher nicht. Aber ihr Schweigen, das sie vielleicht schon Stephan gegenüber gebrochen hat, erscheint mir wie das endgültige NEIN. Ich spüre es. Vielleicht rede ich es mir nur ein. Dann aber richtig! Jedenfalls kommen die Tränen. Ich möchte mich anlehnen. Ich möchte weinen. Ich bräuchte es Stephan nur zu sagen. Letzendlich bräuchte ich nur auf den Balkon treten, zu ihm rufen und bitten, er möge kurz hoch kommen. Dann könnte ich mein Kopf an seine Schulter lehnen, und heulen. Doch wäre es dann besser?

Es ist Sommer. Heiß und schön und ich hatte noch gar nix davon. Entweder mein Rumpf spielt verrückt, oder ich lasse mir Zähne ziehen, oder die Hormone ziehen in die Schlacht gegen mich. Und wenn es das nicht ist, dann ist es Stephan, der die Hitze absolut nicht verträgt und inzwischen zum Stock greift. Nicht nur ab und zu, sondern bei jeder Strecke. Ich will es nicht beschreien, aber immer größer wird meine Angst, dass sein Neurologe recht hat und die MS chronisch geworden ist. Was immer das auch für uns heißen möge, was auch immer in den nächsten Monaten passieren würde. Was auch immer der Dr. Gold-Ikone in Bochum anrichten könnte. Was auch immer jetzt richtig wäre. Ich weiß es nicht. Mir schmerzt meine Backe, mein Bauch. Meine Tränen drücken hinterm Augapfel und wollen raus. Und ich weiß gar nicht, was ich in meinem Alleinsein gerade tun soll. Scheiße!

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Nun ist es Abend.

Daniel hat Big Brother gewonnen. Nun denkt nicht, dass ich das schaue. Mein Vater (BEAMTER!) schaut es. Und wenn man einen Vater hat, der sowas guckt, dann schaut man es bei ihm ab und zu auch. Und bei diesem ab und zu findet man sogar "einen Liebling". Und dieser hat gewonnen. Zu meiner Freude. Und - auch wenn wir sonst nie einer Meinung sind - sogar zu Freude meines Vaters. Gewonnen. Und egal.

Susann, meine beste Freundin, hat mir geschrieben. BESTE FREUNDIN! Ja, das ist sie. Denn die Zeit und ihre Zuneigung, ihre Aufrichtigkeit, ihre Kritikfähigkeit (nix, was bei erstem Disput auseinander geht!!!), unsere Nähe, das Gefühl zwischen uns - all das hat es bewiesen. Und dazu stehe ich. Gott, bin ich froh!

Nun muss ich langsam ins Bett. Um morgen früh wach zu sein und morgen vormittag auf Arbeit meine Frau zu stehen. Ich liebe die Welt. Ich liebe die Entscheidung, die ich getroffen habe, ich liebe mein Leben. Auch wenn es manchmal nicht so klingt (der Mensch neigt dazu, negative Dinge zu benennen, und Positive nur als gegeben hinzunehmen und somit nicht zu erwähnen!). Ich bin glücklich. Ich liebe und lebe.

die Saalfelderin

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Dieser 'Tag war toll. Denn es ist geschehen, was ich mir gewünscht habe. Stephan und ich, wir sind auf das Alzenauer Stadtfest gegangen. Weitaus nicht so lang und ausgeprägt, wie "normal". Aber wir waren. Auf dem kleinen Mittelaltermarkt und ein Radler trinken. Das habe ich mehr genossen, als wenn ich alles, und das mehrere Stunden lang erkundet hätte. Denn das heute Nachmittag, das haben WIR erlebt.

Heute im Tatort habe ich ein wunderbares Zitat aufgenommen, das mir wirklich, wirklich gut gefällt und dass wie die Faust aufs Auge auf Stephan passt:

"Wenn man einen besonderen Menschen möchte, muss man akzeptieren, dass er besonders ist!" Das kann ich absolut unterschreiben ...

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Lieber Saalfelderin,

Ich moechte dir nur hoffnung geben. Das Ding, der Gehstock (auch mein eigenen Rollstuhl) sind nur Werkzeug. Genau wie du ein paar shuh anziehst gut zum laufen. (Entschuldig mein Deutsch weill ich englanderin bin). Ich bin selbst 54. Seit 15 Jahre Primar Chron MS. War 28 Jahr verheiratet (2 erwachsene kinder in USA) geschieden seit paar Jahre. Jetzt bin ich mit ein super Mann der klar kommt mit mir, mein MS und dem rollstuhl und wir nehmen jeden Tag wie es ist. Manchmal denke ich, es ist mehr hart fuer die die gesund sind. Wie du geschrieben hast am anfang in 2008 hat mich beruehrt. Echte Liebe kan alles schaffen.

Netty

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