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Malkurzinkognito

Alzheimer-Disposition bei Papa... Was mache ich nun damit?

5 posts in this topic

Hallo in die Runde,

 

zunächst bitte ich um Entschuldigung, denn ich bin hier schon länger unter anderem Namen angemeldet. Nun habe ich mich als "Malkurzinkognito" neu angemeldet, denn meiner Familie ist es schon verschweigenswert genug, dass ich MS habe. Nun ist bei meinem Vater (77) eine Disposition für Alzheimer festgestellt worden. Sonst schreibe ich hier sehr offen, möchte aber bei diesem Thema gerne vermeiden, dass Rückschlüsse gezogen werden könnten. Deshalb heute Malinkognito... Danke für euer Verständnis...

 

 

Schon seit Jahren bemerken meine Geschwister und ich bei unserem Vater deutliche Veränderungen im Wesen, im Verhalten und bei Gedächtnisleistungen (Kurzzeitgedächtnis).

 

Nach jahrelangem (!!!) Ringen und vielen Tränen von allen Seiten hat er sich auf eine Diagnostik eingelassen. Meine Mutter hatte beschlossen, dass sie das Ergebnis nicht gesagt bekommen wollen, hat sich aber Wochen später doch ans Telefon gesetzt.

 

Laut meiner Mutter hat der Arzt von einer  "Disposition für Alzheimer" gesprochen und gesagt, noch sei es kein Alzheimer. Den Arztbrief habe ich nicht zu sehen bekommen, aber ich erlebe meinen Vater und kann nicht verstehen, dass da nichts weiter sein soll!!!!

 

Wenn ich über Alzheimer und seine Warnzeichen / Vorstufen lese (auf der RehaCare habe ich mich mit Infomaterial eingedeckt und bin am Infostand ins Gespräch gekommen), bin ich erschrocken, so viel wiederzuerkennen. Meine deutlich älteren Geschwister sind näher dran, haben auch Großmutter noch erlebt und erkennen Pallelen. 

 

Die Situation macht mich gerade ziemlich fertig, denn ich sehe, dass so viele Dinge (einschl. Vorsorgvollmachten, Versicherungen, Testament) ungenügend geregelt sind. Hat früher ja alles der Papa gemacht... Meine Mutter ist völlig überfordert, fühlt sich durch jedes Unterstütungsangebot bevormundet und vergräbt sich in Gartenarbeit oder Shopping. Sie weint viel, gleichzeitig wertet sie jeden Tag, an dem ihr Mann mal nicht vergisst, dass kein Essig auf den Salat soll oder wo sie hingefahren ist oder wer gerade angerufen hat oder dass eine Bekannte kürzlich verwitwet ist usw. als strahlendes Zeichen dafür, dass eigentlich alles  in Ordnung ist. Aber das ist es nicht...

 

Was mache ich nun damit?

 

Ich arbeite Vollzeit, hoffe jeden Tag, dass die MS ruhig bleibt und habe Angst um den mittlerweile doch eher trügerischen Familienfrieden, der eigentlich mehr einem Pulverfass gleicht. Spätestens beim Thema Erbe / bei Geld können selbst die stärksten Bande ganz schnell zerfallen. Und wie es momentan aussieht, wird Papa, auf den / über den so git wie alles läuft, nichts mehr anständig auf die Reihe kriegen. Und meine Mutter musste sich nie um was kümmern und hat es auch nicht gemacht. Was ja bequem. Jetzt kokelt es vor sich hin, irgendwann wird es brennen und dann kann es sein, dass niemand einen Feuerlöscher hat oder weiß, wie er bedient wird.   

 

AHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

 

 

Meine Neurologin werde ich natürlich ansprechen. Sollte / kann ich testen lassen, ob ich auch diese Disposition für Alzheimer habe? Bringt das was?

 

Danke fürs "zulesen" -

 

M-in-ko

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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,Ich hatte am Sonntag ein Gespräch mit einer guten Kollegin, unter Freiberuflern schon so etwas wie eine Freundin. Nachdem ich so'n bisschen von mir preisgegeben habe, erzählte sie mir, dass sie letztlich bei einem Allgemeinarzt war, da sie eine Demenzerkrankung bzw. Alzheimer befürchtet.  Der dritte(!) hat dann ihre Befürchtung ernst genommen und Tests gemacht. Er konnte sie dann beruhigen.

Ihre Mutter hat keine Demenzerkrankung und ihr Vater ist in jungen Jahren verstorben. Sie meinte aber, sie wäre vergesslich geworden und ihr würden manchmal Worte nicht einfallen. Als Dolmetscherin natürlich nicht so prickelnd.

 

Was ich damit sagen will, ist, dass es vermutlich ganz normal ist, wenn man sich bei Vorkommnissen oder Ereignissen im näheren Umfeld solche Gedanken macht. Wenn es dich beruhigt, lasse dich testen. Meiner Kollegin hat es erst einmal geholfen, dass sie weiß, dass es derzeit keine entsprechenden Anzeichen gibt.

 

Ansonsten, zur Familie: Einsicht braucht Zeit. Manchmal stellt sich auch eine Teil-Einsicht ein, mit der man sich dann zufrieden geben muss. Ich habe meine Eltern jahrelang belatschert, damit sie endlich die Vollmachten/Betreuung/Patientenverfügung regeln. Mein Vater hat das dann gerade noch ein halbes Jahr vor seinem Tod hinbekommen. Ausschlaggebend war dabei (leider) der Schlaganfall meiner Mutter.

 

Grüße,

weltoffen

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Hallo,

 

also dein vater ist 77 und wenn jetzt eine disposition festgestellt wurde, würde ich dem nicht allzuviel wert beimessen. was anderes wäre es, wenn er jünger wäre. es gibt wohl eine genetisch bedingte alzheimer form, die aber nur wenige haben.

 

wenn ich gestern die beiträge in hart aber fair richtig verstanden habe, ist es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, alzheimer vor dem tod un einer möglichen autopsie überhaupt zu diagnostizieren.

 

ich würde euch raten, eine patientenverfügung zu machen, solange er noch möglichst klar ist und weiß, was er unterschreibt. ist das nicht mehr der fall, wird es rechtlich schwierig.

 

mein vorheriger chef hat noch ende 50 erste anzeichen gehabt. zunächst hieß es "parkinson". aber keiner hat das geglaubt, er hat zig mal der gleiche gefragt, alles vergessen und saß nur noch mit abwesendem gesichtsausdruck in sitzungen. sein sohn ist übrigens neurologe.   hat aber zwei jahre gedauert, bis man offiziell sagte: alzheimer! und er vom amt zurückgetreten ist (lokalpolitiker). in dem film mit chr. hörbiger habe ich vieles von ihm wieder erkannt

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:( :( :(

 

Vielen Dank für eure Antworten....

 

Der Arztbrief liegt vor...  Nix "Disposition" und auch nicht "noch kein Alzheimer".

 

Sondern "frühe Form der Alzheimer-Erkrankung"!!!

 

Scheiß auf diesen feigen Arzt am Tefefon, der uns mit "Disposition für, aber noch kein Alzheimer" das beschissene Gefühl gegeben hat, dass unsere Wahrnehmung völlig daneben ist und wir einfach so mit Situationen klarkommen müssen wie die, dass der Papa die Mama zum Frisör fährt, nur mal eben einen Kaffee trinken und sie dann wieder abholen kommen will - sie aber dann beim Frisör vergisst, wieder nach Hause fährt und nicht weiß, wo seine Frau so lange bleibt!

 

Die Diagnose ist scheiße und ich habe selbst schon 100000 mal darüber nachgedacht, ob es nicht besser gewesen wäre, dass es bei mir bei der Diagnose "Sehnerventzündung" geblieben wäre. Statt dessen schloss wie ja wie bei vielen hier auch eine lange Reihe von Tests an, die schließlich im Ergebnis "Multiple Sklerose" mündeten. Aber eigentlich ist es ja auch eine Chance, einiges dafür zu tun, dass es zumindest einigermaßen gut bleibt. Alzheimer ist auch nicht heilbar, aber man kann sich das Leben doch in mancherlei Hinsicht bequemer gestalten, einige Medikamente können verzögern, was nicht aufzuhalten ist usw.

 

Das Schwerste wird für meine Mutter sein, es überhaupt erstmal zu akzeptieren. Und Unterstützung zuzulassen. Nach meiner MS-Diagnose wollte ich alles wissen, habe alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe usw. Das werde ich jetzt auch zum Thema Alzheimer tun. Meiner Mutter habe ich gesagt, dass ich schon einige Unterlagen von der RehaCare-Messe mitgebracht habe und sie ihr gebe, wenn sie bereit dazu ist. Mal schauen, was das soweit sein wird.

 

Was aber nicht leider nicht mit "lass dir soviel Zeit, wie du brauchst" erledigt werden kann, sind Dinge wie Testament, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung. Irgendwann wird Papa sich zu diesen wichtigen Dingen nicht mehr angemessen äußern können, vielleicht irgendwann keine Unterschrift mehr leisten können oder dürfen.

 

Wie ist da ein kluges Herangehen möglich? Ich bin ja auch nah dran und es nimmt mich emotional schon sehr mit...

 

Danke fürs "zulesen" -

M-in-ko

 

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Hallo!

 

Ich denke, ich würde nicht so lange bei meinen Eltern warten bis sie denn dazu bereit sind sich mit dem Thema zu befassen.

Ich denke da immer an uns. Wer hat uns denn gefragt, ob uns das Thema MS angenehm ist oder nicht? Wir mußten auch Entscheidungen treffen, zwecks Therapie usw. Denn schließlich wollen wir ja auch niemanden in der Familie zur Last werden.

Deine Eltern müssen jetzt zügig rechtliche Dinge klären, im Interesse deines Vaters und auch in deinem Interesse.

Ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig das ist. Gerade die eigenen Eltern lassen sich nicht gerne etwas von ihren Kindern sagen. Aber sie müssen sich auch mal in deine Lage versetzen, "Wie sollst Du denn nachher gewisse Probleme lösen wenn Du nicht einen Fahrplan bekommen hast, wie Du dich verhalten sollst"?

Versuche Ihnen das klar zu machen. Wenn sie das nicht verstehen, dann mußt Du es so laufen lassen, Du kannst es nicht ändern.

Ich wünsche Dir viel Kraft.

Alles Gute Mares

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