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Zillo

mein Mann kommt nicht mit der MS klar

19 posts in this topic

Hallo Ihr Lieben, ich bin seit 3 Jahren mit meinem Mann verheiratet seit fünf sind wir zusammen, nun geht es mir seit ein paar Monaten schlechter ( woran mein Mann nicht ganz unschuldig ist) und nun wird ihm alles mit mir zu viel. Er hat eine neue Arbeit und hat kaum noch Zeit für uns, das macht mich sehr traurig weil unsere Geschichte mal ganz romantisch angefangen hat und du erste Zeit alles so gut ausgesehen hat. Nach 12 Jahren wiedergefunden genau am selben Tag wie damals und dann geheiratet und erfahren das man das halbe Leben Nachbarn war.

Ja und jetzt dieses tiefe Loch. Er hat sich total verändert mir gegenüber(nicht zum Guten) und ich weiß nicht was ich tun soll. Ich habe noch Rheuma und Sakoidose dazu bekommen, kann aber laufen und bin noch total selbstständig nur schon Rentnerin.

Könnt Ihr mir bitte helfen

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Hallo Zillo,

die MS belastet leider nicht nur uns betroffenen, sondern meistens auch unseren Partner.

Mein Mann hatte zuerst auch sehr große Probleme damit, denn wer eine chronische Krankheit hat bekommt ja manchmal noch eine dazu, und da ich auch immer hier schreie hatte ich schon Colitis ulcerosa (chronisch-entzündlichen Darmerkrankung).

Nun noch eine dazu das war für meinem Mann zuerst auch nicht so leicht.

Bei uns hat es uns beiden sehr geholfen das mein Mann und ich sehr viel über die Krankheit geredet haben, und uns zusammen Informationen angesehen haben.

Sehr hilfreich war auch das wir gemeinsam zu Vorträgen oder anderen Veranstaltungen und zur Selbsthilfegruppe gegangen sind.

Da merkte er das es nicht nur ihm so ging, sondern noch ganz viele anderen.

Langsam wurde seine Einstellung dazu auch besser, aber es dauerte.

Es gibt doch auch Betroffenen Berater/innen

Das könnte euch beiden doch vielleicht auch helfen.

Die Adressen bekommt man bei der MS Beratungsstelle oder im Internet.

Versucht es doch einfach mal.

Liebe Grüße und viel Glück

Brigitte

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Hallo Zillo,

das hört sich nicht so toll an. Schade das es dir gerade nicht so gut geht!

Hast du mal mit deinem Mann gesprochen warum er sich dir gegenüber so verhält?

Vielleicht kann er dich nicht leiden sehen? Oder er hat das Gefühl das er als gesunder Partner immer nur rücksicht nehmen muss?

Da ich euch nicht kenne ist es schwer eine Meinung zu bilden.

Ich weis nur bei meinem Mann und mir ist es oft schwer für ihn immer rücksicht nehmen zu müssen er als Mensch hat auch wünsche und Bedürfnisse. Leider steht die ms auch oft im Mittelpunkt und wir müssen aufpassen das wir die Krankheit und die sorgen mal für ein paar Tage vergessen können.

Ich wünsche dir viel kraft und Erfolg!

LG Teelicht

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Danke für die Antworten ich schreibe bald mehr dazu gute Nacht ihr Lieben

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...wir kennen uns 30 jahre, seit 7 jahren hat sie ms, es geht gar nix mehr, ich sage gar nix,,,,,,

wenn man zusammenbleibt dann sollte der gesunde eine innerliche grenze setzen und nicht alles auf sich wirken lassen, der nicht gelebte sex ist wie eine nahrung die man nicht erhält, der gesunde partner verändert sich auch z.b. betrachtet man sich von außen mit diesem leid und landet dann beim psycho weil die berufswelt ja auch noch da ist...die wertigkeiten verschwinden und die soziale vereinsamung kommt. besser trennung sofort......................

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Hallo Zillo,

ich antworte erstmal auf Linoxxx' Meinung ...

Ich kann Linoxxx's Meinung nicht ganz teilen, sich sofort vom Partner zu trennen, denn mit der Krankheit der tausend Gesichter, kennt keiner dessen Ausgang. Es gibt Menschen die Jahrzehnte lang MS haben und keine Auffälligkeiten aufweisen. Alles andere wäre feige, sich nur auf Grund der Krankheit dagegen zu entscheiden.

Ausserdem bin ich der Meinung, dass man sich im Guten, wie im Schlechten bindet. Habe da vielleicht eine zu romantische Ansichtsweise, doch käme mir nie in Sinn, meinen schwerkranken Mann im Stich zu lassen und umgekehrt genau so wenig. Ich weiss auch Wovon ich rede, denn wir haben einen ALS-FALL in der Familie.

Klar ist es für den Partner nicht einfach in den schlimmen Fällen, dann muss er sich eben Hilfe holen, wo auch immer.

Wenn gar nichts mehr geht, ist mir schon klar, dass ich meinen Mann in gewissen Bereichen nicht halten könnte und bin mir auch bewusst, dass er sich eine Freundin zulegen würde. Na und? Ist sein Recht, wenn ich nichts mehr bieten könnte. Dass er aber als mein Lebenspartner erhalten bleibt und mir beiseite steht, dass ist das Wichtigste, nicht wahr?

Zu Dir Zillo,

Das tut mir leid zu lesen, was Dir gerade wiederfährt. Bin ein absoluter Fan von Happy-ends und Beziehungen die ein Leben halten oder besser gesagt, bin immer betrübt über gescheiterte Beziehungen zu lesen.

Ich sage dennoch immer wieder; es braucht zwei ...

Warum sollte Dein Mann an Deinem Zustand schuld sein? Wegen der Arbeit? Das darfst Du ihm wirklich nicht ankreiden. Er geht arbeiten und ist fleissig. Ich kenne kaum ein Mann der zu Hause der Frau Händchen halten würde, auch wenn er mehr Zeit hätte. Sei froh, dass er einer Arbeit nachgeht wo er sich h ablenken kann.

Traurig? Das darfst Du ein wenig sein, doch solltet Du es ihm nicht zeigen. Im Gegenteil, freue Dich auf ihn wenn er wieder nach Hause kommt. Mache es ihm einfacher, mit Deiner Krankheit zurecht zu kommen.

Ich denke einfach, es ist ihm nicht nur zuviel, oder dass er Angst vor der Zukunft hat, sondern dass auch Du nicht mehr die selbe Person bist wie früher. Verbittert? Traurig? Immer klagen? Hast Du noch kleine Momente für ihn, die ihn an die frühere Zillo erinnern?

Auf auf ... Musst auch einwenig daran arbeiten ...

Upps sehe grad ein alter Eintrag. .. Zillo wie sieht es heute aus?

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@ linoxxx

Man weiß doch, jede schwere Krankheit, so auch MS  bedeutet nun mal große Veränderungen – nicht nur im Leben desjenigen, der   direkt von der Krankheit betroffen ist, es ist meist auch eine Belastungsprobe für die Beziehung. Kommt es hier zur Trennung, deutet das darauf hin, dass der Zusammenhalt in der Beziehung wohl schon vorher gering war.

Laut einer Studie verlassen Männer ihre erkrankte Partnerin sechsmal häufiger als Frauen das im umgekehrten Fall tun. Das liegt möglicherweise daran, dass Männer weniger bereit sind, sich auf Veränderungen in der Partnerschaft einzustellen um die Belastungen einer Erkrankung mitzutragen.

 

Vielleicht würde euch das weiterbringen, wenn ihr euch an einen Ehe- oder Familientherapeuten wendet.

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@ Linoxxx

Glaubst Du, Deine Frau/Freundin hätte Dich verlassen, wenn es Dich erwischt hätte und nicht sie? Wie würdest Du Dich dabei fühlen? Das Prinzip "in guten wie in schlechten Zeiten" scheint Dir nicht viel zu bedeuten,oder (wie Scrat ja auch schon sagte)? Bist Du aus früheren Beziehungen auch immer gleich ausgestiegen, sobald es mal etwas unbequem wurde? Wenn Du diese Haltung nicht überdenkst, läufst Du wirklich Gefahr, irgendwann selber alleine dazustehen... Du bist vielleicht gesund, aber ein Autounfall o.ä. kann das in einer Sekunde ändern, würdest Du Dir dann nicht wünschen, dass Deine Partnerin zu Dir hält?

Nur weil Deine Partnerin MS hat, musst Du doch nicht vereinsamen, Du kannst doch wohl auch alleine vor die Tür gehen, oder? Zur Arbeit begleitet sie Dich ja auch nicht (hoffe ich zumindest  :) ), was hindert Dich also daran, Deine sozialen Kontakte zu pflegen?

Mach' ihr klar, dass Du ein soziales Umfeld brauchst, das wird sie sicher akzeptieren. Ihr seid ja keine siamesischen Zwillinge, diesen Zwang bei einigen Paaren, immer nur zusammen irgendwo auftauchen zu können, habe ich noch nie verstanden...

Wenn es ihr mit Eurer Beziehung ernst ist, wird sie verstehen, dass diese nur funktionieren kann, wenn Du auch auf deine Bedürfnisse achtest.

Und was den Sex angeht: Ich bitte Dich, Du bist doch keine 16 mehr, da wird sich doch wohl eine Lösung finden lassen. Du willst doch nicht ernsthaft Deine kranke Partnerin verlassen, weil Du was zu F*** brauchst? Es gibt andere Wege.

Für mich klingt das nach einem vorgeschobenen Grund. Hand auf's Herz: Wie stand es denn vor der MS um Eure Beziehung? Seid Ihr wirklich glücklich gewesen? Ich habe da den selben Verdacht wie Wer.

Wenn es in einer Beziehung einfach nicht funktioniert, wird es jeder verstehen, wenn man diese beendet. Da gibt es nichts gegen zu sagen. Nur muss man wirklich ehrlich zu sich sein. Schieb' nicht die MS vor, wenn es auch ohne sie nicht funktioniert hat. 

Sollte die MS der einzige Grund sein, solltest Du Dich wirklich mal ernsthaft fragen, wie es um Deine Beziehungsfähigkeit bestellt ist. Beziehungen, die nur aus Sonnenschein bestehen, gibt es nicht. Mit einer Beziehung übernimmt man immer auch Verantwortung. Wenn das nicht Dein Ding ist, dann belass' es doch künftig bei one-night-stands, denn einen solchen Partner hat keine Frau verdient, egal ob krank oder gesund.

Hol' Dir Hilfe! Egal, was jetzt der Grund für Deine Probleme ist, davor wegzulaufen ist auf Dauer keine Lösung! Sei es ein Therapeut, eine Selbsthilfegruppe, ganz egal, nur tu' was für Dich und für Euch! Eine Therapie kann ja auch ergeben, dass es mit Euch einfach nicht funktioniert, aber dann kann Deine Partnerin wenigstens mit intaktem Selbstwertgefühl aus Eurer Beziehung aussteigen und sich selber auch auf die Suche nach einem neuen Partner machen, denn dann war es Eure gemeinsame Entscheidung.

@ Zillo

Was Dir passiert ist, tut mir wirklich leid! Wie geht es Dir inzwischen? Schreib' doch mal, wie es Dir so ergangen ist. ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen und wünsche Dir das Allerbeste!

GLG Silver

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Laut einer Studie verlassen Männer ihre erkrankte Partnerin sechsmal häufiger als Frauen das im umgekehrten Fall tun. Das liegt möglicherweise daran, dass Männer weniger bereit sind, sich auf Veränderungen in der Partnerschaft einzustellen um die Belastungen einer Erkrankung mitzutragen.

Was auch immer diese Studien einem bringen soll. Okay, mann weiß, dass man nicht alleine mit dem Problem ist, aber ob das einem in der Situation hilft? Mir jedenfalls nicht. Mein Freund hat mich auch gerade verlassen. Ich will ihn unbedingt zurück, selbst wenn ich es nicht wirklich glaube, dass er mich nicht wegen der MS verlassen hat. So verrückt muss man auch mal sein. Aber wo sind wir Frauen oft. Aber meine Liebe ist einfach noch so groß, nicht erloschen, und ich glaube einfach nicht daran, dass bei ihm auch nichts mehr ist. Ich will es nochmal versuchen.......

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Hallo zusammen,

ich sehe, dass dieses Thema schon einige Zeit im Forum steht - scheint aber noch immer brandaktuell zu sein.

Ich habe seit ich 14 bin Migräne (die Anfälle sind mit den Jahren aber schwerer und häufiger geworden), und 1997 wurde MS diagnostiziert, zunächst remittierend, seit zwei Jahren progredient.

Mein Mann ignoriert beide Krankheiten komplett. Liege ich mit einem schweren Migräneanfall  für über 20 Stunden im dunklen Zimmer, heißt es: "Gibt es kein Essen?" "Hast du die Hunde noch nicht gefüttert?!" , und zeigen sich die MS-Symptome jetzt immer deutlicher, sagt er: "Das bildest du dir doch nur ein. Du hast ja gar nichts!" Auf meine Frage, ob die MRT-Aufnahmen ein Fake wären, sagt er: "Ich hab noch nie welche gesehen." (Logo, kommt ja nie mit ins Krankenhaus.) Die Cortison-Schubtherapie vor 3 Wochen  wäre "unnötig" und sicher "meine Idee" gewesen. (Ja, ganz sicher.)

Vorhin waren wir mit den Hunden spazieren und ich bin aufgrund der Gangunsicherheit gestürzt. Er schrie mich an: "Mann, pass doch auf und heb die Füße hoch!"

Ihr könnt euch vorstellen, dass dieses Verhalten für beide Krankheitsverläufe nicht gerade positiv ist. 

Was tun?

 

Liebe Grüsse 

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Hallo Zenta,

ganz ehrlich, dein Verhalten von deinem Mann geht gar nicht finde ich.

Mir fällt eigentlich nur Paartherapie ein. Wenn dein Mann das mitmachen würde. Du könntest ihn Prospekte oder Webseite zeigen, wo MS und Migräne  erklärt werden oder er ist mal bei einem Arztgespräch dabei.

Sonst würde mir nur ein radikaler Schnitt nämlich, die Trennung einfallen, aber das ist natürlich ein schwerer Schritt.

Beste Grüße

Plum

 

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Ich weiß bei diesem Thema nicht was schlimmer ist, die Erkrankung oder der Partner.

Stop, ich weiß es doch, ich würde mich für meine Erkrankung entscheiden, da weißte wenigstens wo Du dran bist....

Sorry, aber sonst fällt mir leider nix ein..

 

Gruß

Bad Brain...

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Hallo Zenta97,

erst einmal herzlich Willkommen!

Das liest sich gar nicht gut! Ich habe ähnliches durch. Bei der dmsg gibt es Sozialpädagogen, die 

auch in deine Familie kommen würden um deinen Mann zu informieren. Des weiteren gibt es eine Fühlstraße,

die man auch selbst mit eigenen Mittel herstellen kann. Du brauchst ein paar Arbeitshandschuhe besser noch 

ein paar Motorradhandschuhe,  ein Hemd, eine Nadel und Faden. Nun soll dein Mann die Handschuhe anziehen

und dann das Hemd auf und zu Knöpfen. Er kann auch Versuchen den Faden einzufädeln. Dieses sind schon

2 Übungen, wenn kein Gefühl in den Fingern ist. Bei dir wäre evtl. die Möglichkeit eine Matratze zu 3/4 aufblasen 

und dann darüber laufen. So kann man verschiedene Möglichkeiten ausprobieren. Vielleicht hilft das etwas.

Bei der dmsg gibt es auch viele Hefte und auch dort bekommt man Hilfe.

Dies ist erst mal genug für den Anfang. Evtl kann auch eine Selbsthilfegruppenleitung bei euch vorbei kommen, 

wie ich es bei meinen betroffenen vom Stammtisch machen würde.

Viel Kraft und wenn du Fragen hast nur zu.

Alles liebe  Moni

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Dein Mann ist ja wirklich übel drauf ..... Hat er auch Momente wo er anerkennt das du krank bist? Vielleicht in ruhigen Momenten? 

Mein Mann ist ja auch etwas "speziell" . Er sagt zwar immer das wir alles hinbekommen. Gibt es aber Momente wo etwas nicht geht reagiert er jedes mal extrem genervt und ungehalten. Außerdem hält er mir Vorträge drüber das für ihn MS kein Problem wäre weil er das ignorieren würde und eh nicht zum Arzt geht ... o.O  

Ich gehe mittlerweile schon bei Kleinigkeiten agressiv in die Diskusion und mache deutlich was mich stört. Damit dringe ich dann auch durch. 

Wenn dir die Ehe was bedeutet dann Kämpf für deine Interessen. Zwing ihn zu deinem Arzt und der soll ihm alles erklären. 

LG

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Erstmal, es tut mir sehr leid durch was du geht’s!

Leider sin manche Männer so, da schäme ich mich persönlich fremd für manche Männer.

Wart ihr schon mal bei einer Paar Therapie? Ihr müsst das klären denn es kann so nicht weitergehen.

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Liebe Mit-Betroffene,

ich möchte nicht speziell auf eine Mitbetroffene antworten, sondern das Thema grundsätzlich aufgreifen.

Dieses Thema hat >6.000 Aufrufe und einige hatten/haben den Mut, Ihre Erfahrungen zu berichten. Dieses Interesse zeigt mE, dass es sich um ein Grundthema bei MS handelt.

Eingangs möchte ich aber erst einmal all jene Parter/innen würdigen, die mit Ihren Partner/innen liebevoll und empathisch umgehen. 

Nun  aber zu jenen Männern und Frauen, die auf MS mit Ablehnung, verbaler oder gar körperlicher Gewalt (und damit strafrechtsrelevant) umgehen.

Um es vorweg zu nehmen: ich weiß nicht, warum dies geschieht. Ich kann Euch aber zwei Versionen der "Geschichte" erzählen und meine subjektiven Eindrücke dazu schildern.

Geschichte 1: meine Mutter als MS-Betroffene

Das Leben will es, dass MS in meiner Familie schon mit meiner Mutter Einzug gehalten hat. Dort musste ich die von mir angesprochene Variante erleben, dass die MS verdrängt, totgeschwiegen und mit verbalen Aufforderungen ("lauf vernünftig", "stell dich nicht so an") kommentiert wurde. Das war für mich als Kind schwer erträglich. Die Verdrängung gipfelte darin, dass der an sich seit langem notwendige Rollstuhl als Hilfsmittel bis heute verweigert wird. Es soll nicht sein, was nicht sein darf. Warum verhält sich ein Ehemann so?

Zur Klärung dieser Frage müsste man Psychologe sein und selbst dann gäbe es wohl keine letzte Gewißheit. Ich unterstelle meinem Vater keine Böswilligkeit. Er kann mit der Situation nicht umgehen. Schlimmer finde ich, dass er mit der Situation nicht umgehen will. Sprich, er hat nie Hilfe aufgesucht, um einen Schlüssel für das Schloss zu bekommen, um mit der MS seiner Frau umgehen zu können. Das werfe ich ihm vor.

Es mag sein, dass es für Partner schwierig ist, den Realtitätsschock zu verdauen, der darin besteht, dass der geliebte Mensch nicht mehr so sportlich, eloquent, sexy whatever ist. Und an der Stelle nützen auch (für Verheiratete) die berühmten Schwüre "in guten und in schlechten Tagen" nichts. Das, was in jungen Jahren durchaus ernsthaft, aber auch oftmals leicht über die Lippen geht, erfährt in der MS-Realität eine harte Probe.

Ich hätte meiner Frau keinen Vorwurf gemacht, wenn sie mir gesagt hätte, dass die Diagnose MS für sie zu hart ist. Das wäre zwar schrecklich, aber auch ehrlich gewesen. Das wäre weit besser gewesen als all das, was ich bei meinen Eltern erlebt habe, bzw. hier zu diesem Thema gelesen habe.

Die MS mag noch so sehr zuschlagen, doch eines sollte keine Frau/kein Mann erdulden: verbale Erniedrigungen, körperliche Demütigungen durch vorenthalten von Hilfsmitteln, Distanzieren in der Öffentlichkeit etc.

In diesem Fall mögen große Ängste vor dem Alleinleben aufkommen. Ich kann aber nur jedem/jeder raten: zieht die Reißleine und ggf. klare Konsequenzen!

Wie es ist, wenn "frau" zu lange in dieser unerträglichen Situation verbleibt, erlebe ich in meinem Elternhaus.

Geschichte 2: meine Frau und ich

Zur Schonung meiner Kräfte darf ich auf meinen Beitrag "Partnerschaft 2.0" verweisen, der sich in dieser Rubrik befindet.

Eine gute Zeit @all!

Christian

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Ich möchte mich auch zu diesem Thema äußern und hoffe, dass ich jetzt keinen Roman schreibe.

Ich hatte hier bei einem anderen Thema erwähnt, dass mein Mann und ich uns getrennt haben. Wir waren 25 Jahre zusammen. Es war eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Wir haben uns in allem sehr gut ergänzt und waren stets auf einer Wellenlänge. Nachdem ich 2008 die Diagnose MS bekam, änderte sich unser Zusammenleben. Mein Mann, stets hilfsbereit und jederzeit für jedermann da.. .immer hilfsbereit...immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte "anderer", reagierte sehr abweisend auf mein "Befinden". Nachdem ich nach der Diagnose aus dem Krankenhaus entlassen wurde, fuhr er mich nach Hause und sagt nur ich solle mich jetzt bloß nicht einigeln und kann froh sein, dass ich die Diagnose so schnell erhalten habe. Damit hab ich mich damals abgefunden, da ich durch die Fatigue und Konzentrationsstörungen gar nicht in der Lage war, darauf irgendwie zu reagieren. 

Das erste Jahr hat er sich, sobald es ihm irgendwie möglich war, jedes Wochenende "verdrückt". D.h., wir arbeiteten die ganze Woche und die Wochenenden war ich allein. Das Thema MS habe ich in den ersten Wochen und Monaten nur mal hin und wieder angesprochen, merkte aber sehr schnell, dass ich auf taube Ohren stoße. 

So ließ ich es und versuchte, all meine Fragen, Sorgen, Nöte mit mir selbst auszumachen. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass mein Mann mich einfach mal in den Arm nimmt und mir sagt, dass WIR das schon schaffen, dass ER für mich da ist und ich mir keine Sorgen machen brauche -egal was kommt, egal wie es kommt. 

So gingen die Jahre dahin und das Thema MS war bei uns zuhause kein Thema. Ich merkte, dass ich im Prinzip völlig allein damit bin. 

Im Jahre 2017 sind 9 Jahre vergangen seit der Diagnose und ich habe das erste Mal eine Reha deswegen gemacht. Mir war eigentlich klar, dass mein Mann mich dorthin fährt. Ich habe das für selbstverständlich gehalten. Aber als er dann nein sagte, war ich erstmal völlig perplex und hielt das zunächst für einen Witz. Aber das war keiner. Da die Reha-Klinik ca 1 Std. von uns entfernt war, bin ich dann eben selbst dahin gefahren. Netterweise hat mein Mann einen Abend vorher die Koffer in meinem Auto verstaut. 

Ich hatte 4 Wochen mal richtig Zeit zum Nachdenken in der Reha - die mir übrigens sehr sehr gut getan hat. Mir war klar, dass ich keinen verlässlichen Partner habe. Für andere war er immer da, war sehr emphatisch und aufmerksam. Stets hilfsbereit. Keiner wußte, dass es zuhause genau umgekehrt war.

Ich hatte mittlerweile Gangstörungen, konnte keine langen Strecken mehr gehen. Ataxie und Fatigue machten mir echt zu schaffen. In der Reha wurde mir ein Rollator als Hilfsmittel verordnet. Er gab mir echt Sicherheit beim Laufen und ich bin froh, dass ich ihn habe. 

In der Zeit der Reha wurde mir klar, dass ich so nicht weiterleben kann/möchte. Es vergingen allerdings noch einige Monate, bis es dann endgültig soweit war und ich meinem Mann mitteilte, dass ich die Trennung möchte.  Das war alles nicht einfach und man überlegt, reflektiert... will man 25 Jahre aufgeben? Es war keine leichte Entscheidung. 

Aber aufgrund der Reaktion meines Mannes war mir klar, ich hatte die richtige Entscheidung getroffen. Denn hätte ich es nicht gesagt, hätte er gesagt, dass er die Trennung möchte. Ich habe es zuerst ausgesprochen. Im Endeffekt hat mir mein Mann gesagt, dass ihm die MS egal ist und dass er immer das Bild eines "schwer kranken Menschen" vor Augen hat, wenn er MS hört. Mit vernünftigen Argumenten, dass dies nicht so ist, kam ich nicht weit. Er hatte "sein Bild der MS" im Kopf und wich keinen Millimeter davon ab.  Ich habe MS und ich werde ein schwerer Pflegefall. Das war und ist seine Meinung. Damit kann er nicht leben. 

Das wusste ich ja mittlerweile. Aber das er diese antiquierte Meinung vertritt, war mir völlig neu und hat mich sehr verletzt. Und das ich bzw. die MS ihm egal ist, hat mich noch tiefer verletzt. Es hat sehr weh getan zu erfahren, wie sich ein Mensch mit dem man viele Jahre zusammenlebt, entwickelt.  

Ich habe gedacht, wir wären ein gute Team und so leicht kann uns nichts umwerfen. Aber ich muss mir auch vorwerfen, dass ich so lange gewartet habe... Denn seit 2008 zog er sich immer mehr von mir zurück. Ich wollte es nicht sehen, wollte es nicht wahrhaben. Habe die Augen davor verschlossen - bis es einfach nicht mehr ging. 

Wir leben seit April 2018 getrennt. Zunächst im Haus getrennt, dann - nachdem das Haus verkauft war - jeder in einer eigenen Wohnung. Und seitdem geht es mir besser. Ich brauche mich vor mir selbst nicht zu rechtfertigen, warum ich dieses oder jenes heute nicht schaffe, muss nichts immer und immer wieder erklären...Das hat soviel Kraft gekostet in den letzten Jahren.

Jetzt ist es doch ein halber Roman geworden, aber ich merke gerade, dass es gut tut, dies einmal alles loszuwerden. 

Danke für´s lesen 

Melanie 

 

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Hallo Melanie,

ja, ihr ward echt lange zusamnen, gerade dafür, dass es dann doch so auseinander ging. Ich finde es schön zu lesen, dass Du Deine Entscheidung getroffen hast und es sich richtig anfühlt. Da es ja doch immer gut tut, gerade in schweren Zeiten jemanden an seiner Seite zu wissen, hoffe ich, dass Du ganz liebe und gute Freunde hast oder sogar noch mal jemanden kennenlernst.

LG

Mia

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