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Terry8

Umgang mit MS und Öffentlichkeit

48 posts in this topic

Hallo!

Wie geht ihr mit eurer MS um? Offen oder gar nichts sagen solange man keine Einschränkungen hat?

Ich habe hier im Forum schon viel darüber gelesen, auch über "schlechte" Reaktionen auf die Krankheit (verlorenen Freunde, Nachteile in verschiedenen Lebensbereichen: Job usw.) ....

Würdet ihr, die ihr offen damit umgegangen seid, es wieder so machen oder es lieber doch "verheimlichen"? (Wenn es ja einmal raus ist, kann mans nicht zurücknehmen)

Bei mir ist es so: entweder ich sage es nicht oder ich sage es, und dann weiß es jeder (nicht nur Freundeskreis, auch Bekanntenkreis, Arbeitgeber usw.) - mehr Auswahl gibt es bei mir nicht!

Viele sagen ja über verlorene Freunde/ Bekannte: "Sie waren es nicht Wert, wenn sie mich wegen der Krankheit meiden", aber ich glaube das ist nicht ganz so leicht, denn die Welt ist nicht immer schwarz oder weiß. Viele wissen vielleicht nicht, wie sie damit umgehen sollen und distanzieren sich oder ähnliches ...

Danke!

Lg, Teresa

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Hallo Teresa,

anfangs gab es keinen Grund für mich, jedem von der MS zu erzählen, da ich lange keine sichtbaren Einschränkungen hatte. Später dann sagte ich jedem dem ich davon erzählte (nur Familie und Freunden), wenn er/sie nicht wissen wie man damit umgeht, fragen, fragen, fragen und ich rede über alles.

Ich denke, dadurch dass ich recht locker mit der Krankheit umgegangen bin, habe ich keinen einzigen Freund/Familie verloren. Habe so wie so die beste Familie und Freunde.

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Hey ;)

ich hab es auch so gemacht wie WER?.

Familie und sehr gute Freunde habe ich ziemlich früh eingeweiht. Bei den guten Freunden hab ich mich nachmittags mit ihnen getroffen, wir haben uns ohne Zeitdruck zusammengesetzt. Dann habe ich von der Diagnose erzählt. Einmal die ganze Geschichte und die Leute fast überfahren mit den ganzen Informationen.

Ich habe auch immer gesagt, dass ich bei Fragen direkt angesprochen werden möchte und das sie sich nicht im Internet informieren sollen.

Ein paar Tage später habe ich die Leute dann nochmal angesprochen und gefragt wie es ihnen mit dem Gedanke, dass ich MS habe, geht.

Ganz wichtig ist, dass man zuerst für sich selbst die Akzeptanz der Krankheit erreicht hat, denn dann kann man den anderen selbst vorleben, dass die MS alles bedeuten kann, aber nichts passieren muss.

Auch ich habe durch die Ehrlichkeit niemanden verloren.

LG

Alex

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Hallo,

also ich kann garnicht sagen, wann ich es wem wieso und wie erzählt habe. Meine Familie war von Anfang an dabei, ich war ja noch minderjährig und damit wurde mir ja nichts erzählt, braucht ein Kind ja nicht zu wissen *lach*. Naja und ich pflege, weil man es mir, wenn mans nicht weiß, auch nicht ansieht, niemandem davon zu erzählen, außer er wird dadurch tangiert, dass ich halt manchmal nicht so einsatzfähig bin oder dass möglicherweise eine NW des Cops eintritt. D.h. Leuten mit denen ich wegfahre (z.B. zum LARP), denen habe ich es gesagt, damit sie falls z.B, ein Flush eintritt oder mich beim Spritzen sehen, nicht ausflippen. Leute mit denen ich mich nur mal abends treffe, die wissen es nicht. Und sehr sehr enge Freunde von denen ich mir Unterstützung emotionaler Art verspreche, denen sage ich es natürlich.

Arbeitgeber ist bei mir unnötig, da mein Vater auch mein Arbeitgeber ist.

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Hallo Teresa,

ich bin von Anfang an recht offen mit der Erkrankung umgegangen.

ich arbeite in einem Team mit acht Kollegen und zwei Chefs und bin vor zwei Jahren mit Verdacht auf Schlaganfall ins Krankenhaus gegangen. Die Sorge meiner Kollegen und Chefs war groß und ehrlich. Ich habe, als ich wieder zur Arbeit kam, erklärt, was MS ist und welche Defizite ich zeitweise habe (sprache und Wortfindungsstörungen). Ich habe das Team auch ermutigt, nachzufragen, wenn sie unsicher im Umgang mit meiner Erkrankung sind. Das hat sich super eingespielt, ich werde nicht in Watte gepackt, wir streiten auch - ganz normales Miteinderarbeiten - aber die Kollegen merken, wenn ich eine kleine Pause brauche.

Ansonsten ergibt sich das im täglichen Leben, mit wem man drüber redet, Familie und Freunde wissen natürlich Bescheid. Ich babe keine negativen Erfahrungen gemacht und wuensche dir das auch.

Liebe Gruesse,

Komet

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Hallöle!

Da ich wegen der MS und meiner Gehirnvenenthrombose seit ein paar Wochen einen SBA habe, "musste" ich es meinem Arbeitgeber sagen, auch wenn ich bis jetzt außer den immer tauben Fingerspitzen (von der Blutung) und den leichten Taubheitsschüben ("meine" MS) keine Einschränkungen habe. Aber die 5 Tage mehr Urlaub lass ich mir ja nicht durch die Lappen gehen :D

Ansonsten gehe ich offen damit um, bin in Facebookgruppen zu dem Thema, alle Kollegen wissen das, meine Familie natürlich sowieso und alle meine Freunde, wobei ich jetzt auch sagen muss, dass ich nie einen großen Freundeskreis oder Aktionsraum hatte, bedingt durch den Job im Einzelhandel. Von denen hat sich niemand von mir abgewandt, warum auch? Ist ja nicht so, dass ich die jetzt zweimal die Woche zum Popo abwischen antanzen lasse... oder dass das ganze ansteckend wäre....

Liebe Grüße

Sarah :)

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Hallo Teresa,

ich habe von Anfangan offen darüber gesprochen. Es gab die meisten die es verstanden haben. Einige können, wie Du sagtst nicht damit umgehen und wissen wenig über die Krankheit bescheid.

Die Reaktionen sind unterschiedlich, ( z.B. Famiele mehr , Bekannte haben teilweise Schwieigkeitten)

Die Chefs haben super reagiert.

Ich würde auf jeden Fall wieder offen darüber sprechenWenn man den " Gegenüber" kennt, merkt man an seinen Reaktionen ( Blicke, gesten u.s.w) wie er dazu steht.

Offene Gespräche sind wichtig.

Ich lebe mit der Diagnose und sie ist nicht ansteckend und ich bin trotz der Einschränkungen immer noch dieselbe.

LG. Sonnenschein2

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Ich bin von Anfang an relativ offen mit der Diagnose umgegangen. Meine damalige Stationsleitung war gleichzeitig ein guter Freund von mir. Wir haben die Ausbildung zusammen gemacht, haben gemeinsam über Jahre in einer WG gewohnt. Er hat mich so gut gekannt, er wusste immer direkt dass es mir nicht gut geht - auch wenn ich nichts sagte. Ich konnte es nicht verheimlichen, zumal ich nach Avonex regelmäßig am nächsten Tag nicht arbeitsfähig war. Spritzen am Wochenende ging auch nicht, da Wochenenddienst und fehlen dort noch schlimmer als sonst. Da ich ärztlicherseits aus dem Nachtdienst raus sollte musste ich die Karten auf den Tisch legen. Schnell kam er SBA und schwere Schübe mit bleibenden Auffälligkeiten, viele Krankenhausaufenthalte und Reha/AHB. Ich hätte nicht gewollt, dass spekuliert wird, was mit mir alles sein könnte...  Auch im Freundeskreis haben es alle relativ erfahren und ich habe mit der Offenheit nie Probleme gehabt. Ich habe keine Freunde verloren, die Freundschaften sind eher stärker geworden und wenn jemand mit dieser Diagnose nicht umgehen kann, dann ist es kein wirklicher Freund. Ich will nicht in Watte gepackt werden, nicht geschont werden, aber ich möchte so genommen werden wie ich bin - und wir machen das Beste daraus.

Gruß Anne

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ich habs gleich allen möglichen mitmenschen, mit denen man öfter zu tun hat, gesagt, ob sie es hören wollten oder nicht. die, welche doof reagiert haben, die sind halt so. was juckt es mich, ganz ehrlich.

aber sehr viele, auch welche, von denen ich es gar nicht erwartet hätte, haben supertoll reagiert, und wußten über ms mehr, als meine vorgesetzte mir ms fall in der familie'! hat mich verwundert und auch gefreut.

bin jetzt nicht wirklich negativ enttäuscht worden von meinem arbeitgeber, hatte mir allerdings mehr erhofft. ausser schönen worten kam da seither gar nichts! nicht, weder verständnis, noch rücksicht oder interesse. nun gut, auch damit kann ich leben.

es zu veheimlichen scheint mir zuanstrengend.

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Danke für die vielen Antworten!

Schwierig, diese Entscheidung zu treffen ....

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Ich bin ein offener Typ und habe es deshalb vielen gesagt.

Du solltest einfach auf dein Bauchgefühl hören. Letztlich ist Offenheit ein Vertrauensbeweis und das stärkt das persönliche Verhältnis zueinander.

LG

Alex

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Hallo Teresa,

hab grad Deinen Eintrag gelesen und muss Dir sagen, dass ich das so mache, dass ich es denen erzähle wo mir vorkommt das ist ok.

Manchmal ergibt es sich irgendwie (bei mir), dass man darauf zu sprechen kommt, bzw. in einem Gespräch ergibt es sich, dass ich von meiner MS erzähle.

Da gibt's verschiedene Reaktionen, bzw. manche frage was das ist.

Dass Du dadurch Freunde verloren hast tut mir leid und ich bin da ganz Deiner Meinung, dass es nicht nur schwarz weiss gibt, sondern die Leute vielleicht nicht wissen wie sie damit umgehen sollen.

Auf der anderen Seite denke ich mir, sie hätten ja fragen können anstatt mit Dir den Kontakt abzubrechen, wenns Freunde sind.

Ich hab MS seit ca. 3 Jahren und spritze täglich Copaxone und ich hab mich daran noch nicht gewöhnt und habs noch nicht (wäre ein Wunsch von mir) ganz akzeptieren können.

lg Elisabeth

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Hallo!

Ja, ich plane auch offen damit umzugehen .. Ich nehme mir noch etwas Zeit, um selber damit klarzukommen und in 2, 3 Monaten werde ich auch offen damit umgehen! Ich glaube das wird es mir einfacher machen - Ehrlichkeit ist immer am besten und so fühle ich mich, als müsste ich ein riesiges Geheimnis mit mir herumtragen und darauf aufpassen. Es ist anstrengend genug mit der MS klarzukommen und sie auch noch zu "vertuschen" kostet zu viel Kraft.

Liebe Elisabeth, ich habe keine Freunde dadurch verloren, ich las im Forum darüber. Ich habe es noch keinem gesagt.

Ich wünsche dir alles Gute!

Lg, Terry

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Hallo Teresa,

ich habe die Diagnose vor 4 Wochen erhalten. Mein Umfeld war schockiert aber auch sehr besorgt. Ich habe zur Zeit leider noch Einschränkungen und deshalb gehe ich offen damit um. Bisher hat eigentlich jeder positiv reagiert. Nur eine Freundin kann es nicht so zeigen. Braucht wohl noch ihre Zeit. Aber ich denke es ist wichtig, dass du erst mal damit klarkommst. Ich glaube mit der Zeit wird es auch leichter für Freunde und Arbeitskollegen. Ich denke du hast die richtige Einstellung dazu gefunden☺ lg

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Hi Teresa,

meinen Kollegen und Vorgesetzten habe ich es nicht gesagt, weil ich weiß wie dünn die Wände am Arbeitsplatz sind und wie schnell getuschelt wird. Außerdem will ich von meinen Kollegen nicht in Watte gepackt werden, was ich mir gut vorstellen könnte, dass sie das tun. Ich trenne Beruf und Privates. Da ist aber jeder anders.

Muss dazu sagen, dass ich keine sichtbaren Einschränkungen habe.

Meinen engsten Freunden habe ich es nach und nach erzählt, was recht unkompliziert war. Außer bei einer Freundin, da viel es mir besonders schwer, weil sie angehende Neurologin ist. Da hatte ich lange die Sorge, dass sie mich jetzt plötzlich anders behandelt oder anders ansieht, so wie ein Arzt eine Patientin ansieht, und hab mich lange nicht getraut es ihr zu sagen.

Ich denke, man sollte es sich schon gut überlegen, wem man es sagt. Aufjedenfall nichts überstürzen, besonders am Arbeitsplatz würde ich mir genau überlegen, wem ich es sage bzw. wer es denn wirklich wissen muss.

Viele Grüße

miamar

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Hallo miamar!

Ich stimme dir zu, man muss sich gut überlegen wem man was sagt.

Das Problem ist eben bei mir, dass ich noch nicht im Berufsleben bin, bin am Fertigwerden meines Studiums und wohne auf dem Land. Erzähle ich es Freunden, erfahren es auch potentielle Arbeitgeber. Noch verheimliche ich es, und der einzige Grund dafür ist der Job.

Ich würde gerne offen damit umgehen und glaube dass es mir das Ganze auch erleichtern würde, würde sicher Unterstützung von Freunden bekommen, müsste kein Geheimnis mit mir herumtragen und darauf aufpassen, ABER ich habe eben noch nicht Fuß gefasst in der Arbeitswelt und wie du schon gesagt hast, man muss sich gut überlegen, wer es weiß. Alle raten einem ab, es dem Arbeitgeber zu erzählen.

Ich habe keine Einschränkungen, gerade meinen 2. Schub hinter mir, bin ganz frisch mit der Diagnose.

(Vllt sollte ich auch noch hinzufügen dass ich im öffentlichen Bereich arbeiten werde, nicht in der Privatwirtschaft)

Hat jemand einen Rat für meine spezielle Situation?

Lg,

Terry

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Hallo Terry,

wenn du es deinen engsten Freunden sagst, dann sollte doch nichts passieren oder? Falls Tratsch-Tanten dabei sind die es nicht für sich behalten sollten, würde ich mich fragen, ob sie zu meinen engsten Freunden gehören.

Ich weiß, wie das auf dem Land zugehen kann. Da wird aus jeder Neuigkeit eine Sensation gemacht, besonders wenn es um Krankheiten geht. Ich bin ursprünglich auch vom Land. Dort habe ich ein paar Freunde aus meiner Schulzeit. Denen habe ich es nicht erzählt, weil ich nicht weiß, ob sie es für sich behalten können, schließlich kennt mich in meinem ehemaligem Dorf jeder (ganze Verwandtschaft ist dort) und ich will nicht, dass meine Eltern von irgendjemanden angesprochen werden. Aber diese Freunde sind nicht meine engsten Freunde.

Viele Grüße

miamar

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Ich habe die Einstellung, dass echte Freunde mit einer Diagnose umgehen können müssen.

Durch meine Erkrankung habe ich meine beste Freundin verloren. Mit allem habe ich gerechnet, aber nicht damit. Dass ausgerechnet eine promovierte, habilitierte Theologin so lebensfremd ist, dass die Freundschaft beendet wird aufgrund dessen, dass ich mich spritze, mich medikamentös antidepressiv behandeln lasse und so einem Junkie ähnele - Medikamenten- und Spritzenabhängig.

Ich habe ihre Reaktion nicht verstanden und dachte nach 10 Jahren würde ich sie wirklich kennen - aber so kann es kommen und aus meiner heutigen Sicht denke ich: gut dass ich den Kontakt abgebrochen habe. Ich habe damals noch das Gespräch und Verständnis für meine Situation bei ihr gesucht, aber das ich ein drogenabhängiger Junkie wäre, das lass ich mir nicht nachsagen.

So schwer wie es ist, aber in ernsten Situationen lernt man seine wahren Freunde kennen.

Anne

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Hallo!

@miamar: Du wohnst nicht mehr auf dem Land, aber das ist noch immer MEIN ZU HAUSE und wird es auch bleiben. Die Freunde sind meine Freunde! Und wenn du vom Land kommst, dann weißt du sicher auch, dass sich soetwas schnell verbreitet, a la "Sags bitte nicht weiter, ich sags nur dir" und dann steh ich einmal da und alle wissen Bescheid - aber nicht von mir!

Die Freunde gehen sicher nicht herum und sagens jedem weiter, aber den Eltern wirds mal sicher anvertraut und dann eventuell engen Freunden usw.

Da müsstest du doch ganz gut verstehen wie das ist! Und das ist dann sicher auch nicht böse gemeint oder sonst was!

@Anne: das tut mir leid, dass du diese Freundin verloren hast! Ist ja unglaublich was sich die geleistet hat und wie du sagst, dann lebst du besser ohne sie weiter ....

Ich glaube auch dass sich das dann zeigt, wer wahre Freunde sind!! Bin ganz deiner Meinung..

Mein Anliegen ist ja eben vorwiegend das Jobthema.

Wenn ich nicht am Land wohnen würde, würde ich mit dem Thema offen umgehen was meine Freunde betrifft, aber den Arbeitgeber nicht informieren.

Lg,

Terry

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@miamar: Du wohnst nicht mehr auf dem Land, aber das ist noch immer MEIN ZU HAUSE und wird es auch bleiben. Die Freunde sind meine Freunde! Und wenn du vom Land kommst, dann weißt du sicher auch, dass sich soetwas schnell verbreitet, a la "Sags bitte nicht weiter, ich sags nur dir" und dann steh ich einmal da und alle wissen Bescheid - aber nicht von mir!

Die Freunde gehen sicher nicht herum und sagens jedem weiter, aber den Eltern wirds mal sicher anvertraut und dann eventuell engen Freunden usw.

Da müsstest du doch ganz gut verstehen wie das ist! Und das ist dann sicher auch nicht böse gemeint oder sonst was!

 

Hi Terry,

ich versteh dich zu 100%. Und genau das war der Hauptgrund, warum ich weggezogen bin (nicht wegen der MS sondern wegen einer anderen Sache, mit der ich nicht offen sein konnte). Von einer Privatsphäre konnte ich auf dem Land nicht gerade sprechen. Man hat etwas ausgesprochen oder etwas getan, was nicht in das Schema anderer gepasst hat oder einfach nur Neu war, und schon wusste es jeder. Das wäre ja nicht weiter schlimm gewesen, wenn nicht diese Interpretationen, Wertungen und Hinzudichtungen dabei gewesen wären. Ich konnte mich noch nicht einmal meinem damals besten Freund anvertrauen, weil er es sofort weiter erzählt hat. Und auch wenn es nicht böse gemeint ist, wie du sagst, ja da muss ich dir recht geben, oft wird es nur innerhalb der Familie weitergetragen... aber das reicht, dass es der Nachbar und der übernächste Nachbar und der Arbeitgeber erfährt. Ich könnte unzählige Beispiele nennen.

Wenn ich noch auf dem Land leben würde und die Möglichkeit bestünde, dass mein Arbeitgeber davon erfährt, würde ich mich auch in einer Zwickmühle fühlen.

Ich denke es ist schwierig dir einen Rat zu geben. Ich persönlich bin durch meine Erfahrungen auf dem Land einfach sehr geradlinig geworden und trenne Privates von Beruflichem sehr und würde es, wenn ich noch in meiner Heimat leben würde, nur dann meinen Freunden sagen, wenn ich mit der Konsequenz leben könnte, dass es mein Arbeitgeber erfährt. Andererseits würde ich mich auch fragen, wie schlimm wäre es überhaupt, wenn der Arbeitgeber es erfährt? Wäre es ein Drama, würde ich benachteiligt oder wäre es vielleicht sogar einfacher für mich am Arbeitsplatz?

Wie du schon mehrmals gesagt hast, du möchtest gerne offen damit umgehen und der ehrliche Weg ist der bessere. Da bin ich ganz auf deiner Seite.

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Also ich bin von Anfang an offen damit umgegangen und würde es auch immer wieder so machen.

Man nimmt sich einfach selbst eine schwere Last von den Schultern wenn man nicht "Versteck" spielt.

Früher oder später kommt es eh raus... man wird beim Neurologen gesehen, man muß zur Reha, stellt einen Gleichstellungsantrag, ist oft krank, hat seine Einschränkungen, verplappert sich etc. etc.

Man ist einfach nicht mehr "sich selbst" wenn man ständig und überall irgendwelche Geschichten erzählen muß nur um die MS zu verheimlichen... das ist verschwendete Kraft die man anderweitig wesentlich sinnvoller einsetzen kann.

In der letzten Reha habe ich 3 Leute kennengelernt die oft darüber diskutiert haben wie sie vorgehen um die MS unter der Decke zu halten.... ich fand das krank.

In meinem Umfeld wissen alle Bescheid... ich bin gehe zwar nicht mit der Schelle durchs Dorf gegangen.. aber jeder der mich fragt bekommt eine ehrliche Antwort.

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Hallo Teresa,

ich hab von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Ich bin auch auf der Arbeit zusammengebrochen und wurde von Beginn an von meiner damaligen Pflegedienstleitung unterstützt. Ebenso sind die Kollegen sehr einfühlsam mit der Diagnose umgegangen. Wir waren ja selber in der Pflege und hatten auch MS´ler zu pflegen. Das einzige was mich verletzt hat war das ich nicht mehr in der Altenpflege und als Wohnbereichsleitung arbeiten durfte. Das war ein harter Schlag weil ich es so gerne gemacht hatte.

Problem war - wie erkläre ich es meinem Mann. Das war mir viel wichtiger. Er war ja nunmal dabei als der erste Verdacht gestellt wurde. Ich hab ihm sofort gesagt was passieren kann und hab ihm Zeit gegeben zum Nachdenken. Als ich wieder zu Hause war und drei Wochen später mit dem nächsten Schub im KH, da haben wir dann zusammen getrauert. Das war so wichtig für uns.

Wenn mich Leute heute fragen warum ich am Rollator gehe, sag ich das ich MS habe. Sie entschuldigen sich dann immer für die Frage. Ich sag dann immer, brauchen sich nicht entschuldigen.

Ich denke jeder entscheidet es für sich selber. Vielleicht ist es mir noch etwas leichter gefallen da ich das Hintergrundwissen habe und selber welche gepflegt hatte. Ich weiß es nicht. Sie hat mich auf jeden Fall stärker gemacht.

lg Nicole

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Hallo Terry,

ich hab schon schlechte ERfahrungen mit der sofortigen Offenheit gehabt, daher habe ich,solange ich keine Einschränkungen hatte und auch keine längeren Krankenhausaufenthalte,nicht drüber geredet. Warum auch? Aber nach meinem letzen Schub war ich in meiner Belastbarkeit eingeschränkt. Damit die Gerüchteküche nicht überkocht, bin ich dann ganz offen damit umgegangen. Seitdem sind Freunde und Kollegen auch total verständnisvoll, dass einige Sachen gar nicht gehen und manchmal auch schlechte Tage dabei sind.

Komm erst mal selbst damit klar. Familie und enge Freunde kannst Du einweihen. Du brauchst ja auch jemanden zum reden. Allen anderen kannst Du es erzählen, wenn Du selbst soweit bist.

Alles Gute

Disputa

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Hallo miamar! Wir verstehen uns ganz gut, hast mir in deinem letzten Beitrag aus der Seele gesprochen!

Ich werde noch eine Weile darüber nachdenken und erst dann eine Entscheidung treffen wenn ich 1000% dahinter stehe - das war und ist nach wie vor mein Plan!

Catweazle, genau das ist der Punkt! Es ist einfach anstrengend so ein großes Geheimnis mit sich herumzutragen ... aber trotzdem muss man abwägen, was denn am besten in der speziellen Situation ist ... danke für das Teilen deiner Erfahrungen!!

Nici und Disputa, auch euch danke! Ich lasse mir noch Zeit und entscheide dann ... Das braucht alles Zeit und so viel ist noch nicht vergangen ...

Liebe Grüße,

Terry

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Vielleicht ist die Offenheit auch abhängig davon, welche Therapie man macht und wie man sie verträgt. Anfangs habe ich 1mal wöchentlich Avonex gespritzt. Am Tag danach ging es mir immer so schlecht, dass ich nicht arbeiten konnte. Und wenn ich im Dienst war, haben alle gemerkt wie schlecht es mir ging und mich nach Hause geschickt. Wenn niemand von der Diagnose gewusst hätte, wäre sehr schnell aufgefallen, dass ich jeden Donnerstag krank bin - und Fragen wären vorprogrammiert gewesen. Spritzen am Wochenende ging auch nicht, da ich im Schichtdienst am Wochenende arbeiten musste, und dort das Fehlen noch schwerer zu kompensieren gewesen wäre.

Dadurch dass alle Bescheid wussten, ließ sich der Dienstplan so gestalten, dass ich am Tag nach der Spritze frei hatte oder krank sein durfte. Ging es mir gut, haben sich alle gefreut, dass der Tag aufgrund der guten Besetzung gut zu meistern war, fehlte ich war es kein Problem, denn der Dienstplan war passend geschrieben.

Ich habe mit meiner Offenheit im Dienst nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Meine Kollegen waren alle total nett und hilfsbereit, die oberen Stellen gaben mir eher das Gefühl mich loswerden zu wollen (christlicher Krankenhaus !) und sagten mir auch, dass ich unwirtschaftlich bin. Sie haben mir das Leben nicht immer leicht gemacht. Aber auch ohne Bekanntgabe der Diagnose wäre ich aufgrund häufiger, längerer Fehlzeiten durch KH, Reha, AHB oder ambulanter Therapie zu Gesprächen gebeten worden. Ich glaube nicht, dass man dann viel anders mit mir umgegangen wäre, es hätte nur zu vermehrten Spekulationen und Getratsche geführt. Das Gute daran ist, dass mich meine Diagnose darin gestärkt hat, für meine Rechte zu kämpfen - auch wenn es manchmal sehr anstrengend sein kann!

Gruß Anne

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