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Jael

Wenig Mitlgefühl für die Zipperlein anderer Menschen

15 posts in this topic

Hallo Leute,

letztens hatte ich einen heftigen Streit mit meiner Schwester, die sich in meinem Beisein stundenlang über eine Lappalie beschwert hat, obwohl sie weiß, dass ich MS habe. 

Kennt ihr das? Jemand klagt über seine hartnäckige Erkältung, einen Muskelkater, angeknacksten Knöchel oder ein ähnliches Kinkerlitzchen. 

Mir fällt es in solchen Situationen nun mal extrem schwer, Mitleid aufzubringen. Wenn ich schlecht drauf bin, kann es passieren, dass mir ein "Deine Probleme möchte ich gerne haben" über die Lippen rutscht.

Bin ich deswegen gefühlskalt? 

Ich fühle mich oft schlecht, weil mir dann in den Sinn kommt, dass Leid relativ ist. Für den einen Menschen ist eine kleine Grippe schon schlimm, während ein anderer eine MS locker wegsteckt. 

Meine Schwester sagte mir gestern, ich solle mich nicht so wichtig nehmen und meine Krankheit nicht ständig mit denen anderer Menschen vergleichen. Es ist ja nicht so, dass ich das Leid gepachtet hätte. 

Andererseits denke ich: Ist es nicht taktlos, im Beisein eines MS-Kranken über seine harmlosen Besenreiser zu klagen? 

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Hi Jael,

Auf der einen Seite kann ich dich verstehen aber auf der anderen Seite;

Waren wir nicht vor der Diagnose genau so?

Haben uns über Dinge aufgeregt die uns heute (praktisch über Nacht)

Banal verkommen?

Wie lange hast du MS? Bzw seid wann weist du es und deine Familie?

LG

Sprengo

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Guten Morgen Jael,

In der Zeit nach meiner Diagnose ging es mir genauso.

Vor allem meine Kollegen haben sich immer über irgendwelche Kleinigkeiten aufgeregt und ich saß dabei und habe mich gefragt: was habt ihr für Probleme? Seit doch froh, dass es nur sowas ist. Relaxt und genießt, dass es nur so was kleines ist, das geht auf jedem Fall wieder vorbei. Ich bin mein Leben lang krank und weiß nicht, was noch passieren wird.

Mittlerweile (habe die Diagnose jetzt 2 Jahre) sehe ich das aber auch wieder lockerer. Ich denke, es gehört für uns zu dem Verarbeitungsprozess hinzu, auch wieder die "Kleinigkeiten" zu sehen und das Leid (auch wenn es in unseren Augen banal ist) der Anderen zu respektieren und akzeptieren.

Gruß Meike

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Hallo Jael,

nein, gefühlskalt nicht. Nur einfach noch sehr schwer mit sich selbst beschäftigt. Damit schließe ich mich Blueprint und Sprengo an.

Irgendwann ist man wieder so weit und kann mit den kleinen "Wehwehchen" mitleiden und ist froh, sich mit "Nichtigkeiten" auseinandersetzen zu können: Welchen Streß die Freundin der Tochter mit ihrer Hochzeit hat, welche Schulkameradin der Enkelin grad Ärger macht, überlegen, was man einer erkälteten Freundin Gutes tun kann.

:kopfhoch:

GlG KarU

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Hallo Jael,

Mitleid sollst du wahrscheinlich auch gar nicht aufbringen, denn Mitleid bedeutet doch „mit-leiden“. Und das wollen die Meisten nicht haben, nur etwas Mitgefühl. Und ich bin der Meinung, die Fähigkeit zum Mitgefühl hast du durchaus - nur die Bereitschaft dafür fehlt dir.

 

Wir wollen doch alle eigentlich nur das Gleiche: Respekt, Sicherheit, Glück und inneren Frieden spüren. Wir wollen uns gut fühlen. Wir wollen alle Freude erleben und Schmerz vermeiden.

 

Alle haben wir  doch auch alle unsre Schwächen, niemand von uns ist perfekt – die anderen nicht – und wir auch nicht.

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Wir MSler wollen doch auch mit unserer Krankheit von anderen angehört und respektiert werden. Natürlich bei uns ist die Krankheit, wie viele andere auch, chronisch. Für andere ist der gebrochene Fuß oder seine von Erkältung verstopfte Nase in dem Augenblick wichtig.

Da finde ich den Vorschlag von Karu gut zu fragen was man dem anderen Gutes tun kann gut. Im Gegenzug könnte man dann vielleicht so einen kleinen Handel machen. Nämlich wenn die Erkältung ausgestanden ist könnte der andere dir ja ein wenig Gutes tun.

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Ich schließe mich den Andern an.

Wir sind zwar chronisch krank, aber es gibt schlimmeres.

Ich habe letztes Jahr in der Reha ein junge Frau (Mutter zweier Kinder) kennengelernt mit einem Hirntumor inoperabel und auch nicht mit Chemo oder Bestrahlungen behandelbar. Die wäre sicherlich froh "nur MS" zu haben.

Trotz MS sind wir nicht die ärmsten und bedauernswertesten Menschen auf der Welt.

Wir sollten es jedem zu gestehen auch über "kleine Zipperlein" zu jammern.

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Klar gibt es Schlimmeres.

Ich weiß seit einem halben Jahr, dass ich MS habe und eigentlich habe ich gedacht, ich hätte alles schon längst verarbeitet und akzeptiert. Aber anscheinend habe ich noch einen langen Weg vor mir  :( 

Andererseits ist es aber so, dass ich im Beisein eines Krebskranken nicht über meine MS jammern würde.

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Hallo Jael,

Deine Diagnose ist zwar nicht mehr ganz so frisch, aber es ist eben auch kein Schnupfen, der eben mal vorüber geht.

Da hat man eine Weile dran zu knabbern. Hab Geduld mit Dir.

Die MS hat halt einige unsichtbare Symptome, die von anderen nicht wahrgenommen werden (können). Fatigue, Gleichgewichtsstörungen, SNE, Gefühlsstörungen - solche Sachen, haben im Prinzip keine Auswirkung auf unser Erscheinungsbild. Wir wirken zuweilen gesund. Da kann dann nicht jeder nachvollziehen, wieso wir krank sein sollen...

:kopfhoch:

GlG KarU

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Hallo Jael,

ja kenne ich... hier geht es mir sehr oft so :D. Auch hier jammern viele gerne ausgiebig über ihre Wehwechen und ich denke mir oft, wenn du 90% der Zeit, die du in das Jammern investierst, für dein Leben nutzen würdest. ginge es dir vermutlich besser bzw. du hättest auch noch etwas anderes zu erzählen, als wo es dich zwackt, welches Gliedmaß täubelt oder wann dir schwindelig war.

Was will ich damit sagen? Niemand hat das Leid gepachtet... weder ich als lange erkrankte MSlerin über 10 Jahre), noch der Krebskranke von um die Ecke oder eben deine Schwester mit ihren Besenreisern... auch du nicht. Für jeden ist das eigene Paket, dass er/sie tragen muss, das schwerste und das ist auch genau richtig so. Wir sind nunmal Egoisten, das liegt in unserer Natur... ist aber nicht schlimm. Dennoch lebt unsere Gesellschaft von antrainiertem Verhalten, dazu gehört auch, dass wir Mitleid/Mitgefühl empfinden. Wenn uns z.B. die Diagnose MS aus der Bahn wirft, dann kann es passieren, dass solch antrainiertes Verhalten abhanden kommt...

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..... jo wir msler sind egoisten. die "gesunden" oder "hypöchonder" aber auch!

von daher spiegle ich das verhalten der "normalos" genauso!

"no mercy for anyone!"

jo, 3 jahre ms! das ist meine aktuelle perspektive.

und doch helfe ich wenn bspw. ein älterer mensch spontan

eine helfende hand braucht.

man.......

jeder weiß am end ist man für alles selbst verantwortlich....

"tue keinem was gutes, dann passiert dir auch nix böses!"

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ach ja!
mit dieser einstellung hab ich es geschafft mich sozial komplett zu
isolieren......

Wohl nicht ratsam!
 

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Hallo !

Also das mit dem isolieren hat sich bei mir von selbst ergeben. Als ich noch gut gehen konnte, hab ich auch am Sportplatz mitgeholfen. Da war es selbstverständlich das man Kontakte pflegt und man für die Arbeit wichtig ist.

Ich hab zwar keine Gehhilfen, aber meine Füße sind nach 500 m fertig.

Jetzt ist es so, das mein Mann zum Fußball mit den Kids alleine geht (für mich ist nicht einmal Platz um zu sitzen) oder wir fahren ab und zu essen oder zu meiner Mama.

Meine Freundinnen hab ich vor gut 10 Jahren verloren. Mit dem Satz "Was sollen wir denn mit ihr, die spricht ja nicht mal normal!"  Ich hab zwar viel aufgeholt - aber meine "Freundinnen" sind trotzdem weg.

Lg Karin 

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Ich finde das man trotzdem Mitgefühl für andere Menschen haben sollte. Auch wenn Ihre " kleinen Probleme " in unseren Augen vielleicht banal erscheinen so sind sie doch für sie in ihrem GesundheitsZustand eine Krise. Was wir haben ist schlimm. Aber es gibt uns nicht das Recht zu glauben das es für andere Menschen nicht schlimm ist, an einer für uns lächerlich Erscheinenden Erkrankung zu leiden die wieder fort geht.

Nur wenn wir lernen auch anderen Mitgefühl zu zeigen und nicht nur unsere Krankheit in den Mittelpunkt zu stellen, wird man sehen wie gut der Umkreis mit unserer Krankheit umgeht. Es hilft wirklich :)

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Guest

Hallo, ich kenne diese Gefühle. Oft kann ich Beschwerden meiner eigenen Tochter nicht wahrnehmen, mach nicht so rum. Gleichzeitig fühle ich mich sehr schlecht, wenn sie mein Leiden ignoriert. Ich werde schon kritisiert, wenn ich es ab und zu versuche, meine Schwierigkeiten zu formulieren. Keiner will zuhören, ich habe starke Schmerzen und ...Wieso hilft keiner, wieso bin ich allein?  Sehr komisch. Gibt es wirklich keine andere Wahl? Ich habe PPMS, kein zugelassenes Medikament, kein Schmerzmittel für Körper und Seele. Ich schreie leise nach Hilfe. Ich wünsche dir trotzdem von Herzen, dass du oft wie möglich lachen kennst und am Leben teilnimmst.

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