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luk

Mein Vater und die MS

15 posts in this topic

Hey liebe MS-Community,

ich verfasse dieses Thema in der Hoffnung ihr könnt mir ein bisschen helfen bzw. habt ein paar Ratschläge parat.

Zu mir: Ich bin 16 Jahre alt und gehe im Moment in die 10. Klasse eines Gymnasiums.

Schwer zu sagen wo ich anfangen soll, ich entschuldige mich schon mal im Voraus dafür, dass dieser Text vielleicht etwas unstrukturiert sein könnte oder für euch unverständlich. Falls etwas unklar ist, fragt bitte nach! Das was hier folgt sind ehrlich gesagt die gestrichenen Tage in meinem Leben, die ich teilweise vergessen wollte und deshalb nur noch ferne Erinnerungen sind, die ich niemandem sonst überhaupt erzählt habe. Wie auch immer, ich denke ich fange erstmal mit der Vorgeschichte an. 

Nun, im Jahre 2011 starb der Bruder meines Vaters ziemlich unerwartet Mitte 50. Meinen Dad nahm das ziemlich mit, da seine Schwester (auch ungefähr Mitte 50) erst ein Jahr zuvor durch ein Aneurysma körperlich ziemlich eingeschränkt wurde. Ich, damals mit meinen 11, 12 Jahren realisierte das natürlich noch nicht so wirklich. Naja, es war mir natürlich schon alles bewusst, aber da dies alles mich nicht wirklich persönlich betraf war es mir (denke ich jetzt im Nachhinein) relativ egal. Denkt jetzt nicht ich wäre ein herzloser Mensch, ich war einfach schon immer ziemlich rational. 

Zu dieser Zeit fing mein Vater an zu trinken. Für mich ist es immer noch unverständlich wie Alkohol Probleme lösen oder wegspülen kann, aber egal. Es war am Anfang nicht wirklich schlimm, aus einem Feierabendbier wurden eben zwei. Dann aber drei, vier, fünf... 

Um das klar zu stellen, er war zu dieser Zeit nicht komplett besoffen, und das war er damals vor mir eigentlich auch nie. Selbst jetzt ist er immer fürsorglich für mich. Wenn ich Geld brauche kann ich zu ihm kommen usw....

Ich weiß nicht mehr ob es im Jahre 2011 oder 2012 war, jedoch verlor er zu dieser Zeit auch noch seinen Job. Ob durch den Alkohol ausgelöst oder nicht kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich indirekt durch den Alkohol.

Meine Mutter trank abends schon seit ich denken kann ziemlich viel. Aber wirklich immer nur abends wenn sie von der Arbeit kam. Unter tags kam das nie in Frage, da sie ja auch arbeiten musste etc. Unter tags war sie auch wirklich ganz normal drauf, das merkte man ihr nicht an. Ich konnte auch ganz normal mit ihr reden. Mir war das zu dieser Zeit noch nicht so ganz klar, ich fragte mich damals eigentlich nur des öfteren warum sie sich abends immer so komisch benimmt. Klar, ich wusste ja auch noch nicht ein mal wirklich was Alkohol anstellt.

Soweit ich weiß fing dann im Jahre 2012 der Stress zwischen meinen Eltern an. Meine Mutter fing an meinen Vater abends (damit meine ich jeden Abend) in ihrem Rausch bis aufs letzte fertig zu machen. Sie beschimpfte ihn, denunzierte ihn weil er seinen Job verlor usw. Und das wirklich jeden Abend. Mich traf es dabei auch des öfteren. (Versager, Nichtsnutz... sind noch die harmloseren Dinge die mein Vater und ich uns anhören mussten) Klar, dass er dann selbst anfing  noch öfter zur Flasche zu greifen.

Natürlich wusste aber niemand davon. Nicht, dass mein Vater trinkt. Nicht, dass meine Mutter trinkt.

Soweit die Situation vor der MS-Diagnose. Ihr sehr, das ist schon ohne die MS recht kompliziert...

Im Jahre 2012/2013 bekam mein Vater dann die MS-Diagnose gestellt. Ich weiß nicht mehr genau ob dem irgendein Ereignis voraus ging, durch das die MS entdeckt wurde oder nicht. Soweit ich weiß ging es meinem Vater durch die berufliche Situation und die familiäre einfach generell schlecht.

Die Diagnose riss ihn natürlich in ein noch tieferes Loch. Für mich war das nicht so schlimm, ich machte mich die Tage darauf wirklich schlau und laß mich ein. Ich persönlich kam dann zu der Erkenntnis: Alles halb so schlimm. Das werden wir schon packen. Meine Mutter irgendwie der selben Meinung.

Er dagegen schien so tief in diesem Loch, er informierte sich nicht einmal und tat dies glaube ich bis heute nicht.

Damals ging es ihm jedoch weitaus besser als heute. Er war noch komplett klar im Kopf, eigentlich trotz verlorenem Job voll im Leben.

Der Stress mit meiner Mutter hörte natürlich nicht auf, ich stand immer nur daneben und konnte im Grunde genommen nichts tun. Wenn ich meine Mutter nüchtern darauf ansprach, was sie gestern Abend schon wieder angerichtet hatte blockte sie direkt ab. 

Die Jahre vergingen so bis heute und logischerweise verschlimmerte sich die Situation durch das ignorante Nichtstun immer mehr. Jetzt ist es eben so, dass meine Mutter zwar immer noch trinkt, ich sie aber soweit habe, dass sie uns weitestgehend in Ruhe lässt. Sie ist also halbwegs unter Kontrolle.

Das größte Problem ist also im Moment mein Vater. Er sitzt seit Monaten nur vor dem Fernseher, hat gar keinen richtigen Schlafrhythmus mehr, trinkt wenn er aufsteht sein erstes Bier und so geht das den lieben langen Tag. Meine Mutter hat ihren Wein immer nur Zuhause getrunken, aber seit einiger Zeit geht mein Vater auch in unserer Stadt (eine nicht wirklich große, so spricht sich alles relativ schnell herum) in Kneipen und trinkt dort öfters etwas zu viel. Dies ging schon so weit, dass vor meinen Freunden etwas ziemlich peinliches passierte. Das war dann auch so der Punkt an dem ich selbst sagte, spätestens jetzt muss etwas geändert werden. Leider von meiner Seite aus ohne Erfolg.

Zu seinem Neurologen geht er unregelmäßig, bis vor einiger Zeit war er noch beim Psychiater, nach ca. 10 Sitzungen vernachlässigte er diese Termine aber auch. Zur Physio geht er leider auch nur unregelmäßig. Seine Depressionen machen das Ganze auch nicht gerade besser.

Ich weiß nicht, wie aus einem früher so intelligenten Mann so ein Häufchen Elend werden kann und bin so langsam mit meinem Latein am Ende. Ich habe ihm so oft versucht klar zu machen, dass die Welt durch MS nicht untergeht und generell, auch wenn vieles bei uns scheiße läuft, es immer einen Ausweg gibt. Wie ihr euch wohl denken könnt ohne Erfolg. 

Ich habe vor kurzem wieder mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass es mir auch so vor kommt, als würde er immer noch nicht mit seiner Krankheit klar kommen, es nicht akzeptieren. Er meinte dann nur, dass ich Recht habe und das schon viele sagten. 

Was soll ich dazu noch sagen?!

Ich glaube auch, er fängt so langsam an in einer Traumwelt zu leben. Er verleugnet immer mehr sich selbst und seine Taten (dass er betrunken Auto fährt, und noch vieles mehr...). Manchmal glaube ich auch, eigentlich will er an dieser Situation gar nichts ändern. Vielleicht gefällt sie ihm ja... Nunja so dumm es klingt.

Ich habe keine Ahnung mehr, was ich tun kann und soll. Eigentlich ist es ja auch nicht meine Aufgabe meine Eltern zu betreuen, aber wenn das so weitergeht hat das wahrscheinlich auch Folgen für mein weiteres Leben, und das würde ich gerne so gut es geht verhindern. 

Ich hoffe ich habe das alles halbwegs verständlich rüber gebracht. Sicherlich habe ich noch die Hälfte vergessen. Wie gesagt, wenn was unklar ist fragt bitte einfach nach!

Nun würde ich gerne eure Meinung dazu hören. Habt ihr irgendwelche Ideen was ich tun kann?

LG

Luk

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Hallo Luk,

es tut mir leid, was du durchmachst, aber ich habe das Gefühl du suchst hier an der falschen Stelle. Mir scheint die MS nur ein unterstützender Faktor zu sein. Das Problem deines Vaters heißt Alkohol! Er ist scheinbar hochgradig abhängig und dagegen sollte er etwas tun. Allerdings weiß ich nicht, ob du hier bessere Tipps bekommen als im Internet. Sinnvoller wäre da ein Forum für Suchtprobleme aufzusuchen.

Einen kleinen Tipp habe ich noch: Sag deinem Vater nicht, MS ist doch garnicht schlimm. Sowas will man nicht hören als MSler.

Liebe Grüße

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Hallo Luk,

da kommt mit Sicherheit ganz viel zusammen und auch vermutlich mehrere Erkrankungen.

Alkoholismus, Depressionen und die MS. Das sind alles nicht nur schnell mal ein Schnupfen und auch Krankheiten, wo man Hilfe von außen braucht. Und das ist eine Verantwortung, die nicht bei dir liegen.

Da ich nicht weiß, in welchem Sozialen Umfeld du sonst lebt, kann ich jetzt nur mal nur so Brainstormingmässig schreiben, was in Frage kommen könnte.

- Verwandte, zu denen du einen guten Draht hast

- Suchtstellen, wo du dich auch annonym erkundigen kannst, was du machen kannst

- Der Pfarrer, falls du dazu ein Beziehung hast

- Ein Vertrauenslehrer/Schulpsychologe

- der Therapeut, wo dein Vater in Behandlung ist

- Das Jugendamt

- Sorgentelefon

Das ist jetzt, was mir so spontan einfällt. Klar, manche dieser Anlaufstellen haben bestimmt eine hohe Hemmschwelle. Aber es ist wichtig, dass du Hilfe kriegst. Und du bist nicht für das Verantworlich, was deine Eltern machen.

LG

Schnecke

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Hallo LUK,

nicht schön zu lesen...

Ich kann mich an dieser Stelle nur Famous anschließen! Mein Opa hatte auch ein Alkoholproblem und er nahm jeden Grund zum Trinken dankbar an. :-(

Dein Vater muss erst mal davon weg...alles weitere kann dann folgen..aber er muss es auch wollen...am Besten zusammen mit deiner Mutter..

LG Travelbug

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Hallo Luk,

das ist wirklich eine geballte Ladung.

Mach Dir keine Vorwürfe, daß Du als Kind nicht die ganze Tragweite von Todesfällen und Erkrankungen erfassen konntest. Du bist nicht dafür verantwortlich.

Es ist verständlich, daß Du Dir einen anderen Umgang mit Deinen Eltern wünschst. Leider müssen Veränderungen und auch der Willen dazu wirklich von ihnen ausgehen. Vernunft und Logik lösen nicht alles, Gefühlschaos schon mal gar nicht.

Damit schließe ich mich auch den Beiträgen vor mir an, vor allem dem von Schnecke. Du brauchst jemande "Reelles", jemanden mit dem Du direkt sprechen kannst.

Alles Gute für Dich.

Ganz liebe Grüße KarU

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Hallo Luk,

aus Erfahrung weiß ich, dass du gar nicht helfen kannst. Wenn ich so lese 10 Klasse Gymnasium, dein Alter und dieser Text. Hut ab!

Geh zum Jugendamt, evtl. Familie, Freunde und bitte um Hilfe. Mache es auch nicht anonym! Mache es dringlich. Stehe zu deinem Leben, du hast es dir wirklich nicht ausgesucht. Also kein Spieß-Ruten laufen, es wissen so und so alle. Es sollten sich eher alle die schämen, die dir nicht schon lange hilfreich zur Seite gestanden haben. Sprich Schule, Nachbarn etc.. Lasse dir dein Leben nicht weiter zerstören. mache es deinen Eltern vor. Suche Hilfe im Außen. Gleich Morgen!

Ganz viel Kraft wünscht dir

Catherine

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Wow, vielen Dank schon mal für die ganzen Antworten!

Ich habe mir die Beiträge durchgelesen und einfach mal eine Stunde darüber nachgedacht, und bei vielem denke ich, dass ihr wirklich Recht habt.

ich denke ich werde definitiv auch noch auf euren Rat hin in einem anderen Forum (Alkohol) ein Thema verfassen. Werde mich in nächster Zeit da auch mal informieren.

Es ist eben komisch. Er entschuldigt vieles alltägliches mit seiner MS. Ist ja auch erstmal in Ordnung. Nur sind das ja auch Dinge, die man trainieren kann. Aber drei Jahre lang einfach gar nichts zu tun und dann rumzujammern, das geht nicht in meinen Kopf.... Von nichts kommt ja bekanntlich nichts. Irgendwann muss einem doch ein Licht aufgehen, irgendwann ist man doch an einem Punkt angelangt an dem man selbst sagt, "Scheiße, ja ich muss jetzt unbedingt etwas ändern." Ich habe ja wie gesagt schon oft versucht ihm sowas klar zu machen, aber ich weiß eben nie genau wo ansetzen. Beim Alkohol, bei der MS etc., aber ich denke ihr habt Recht, dass der Alkohol vorerst das größte Problem ist. Achja, übrigens weiß ich nicht mal genau ob seine Neurologin (und damals der Psychologe) von seinem Alkoholkonsum weiß...

Zu meinem sozialen Umfeld, einige meiner Verwandten wissen von all dem, natürlich nicht so detailliert , ich kann auch gerne zu ihnen kommen wenn es mir zu viel wird. Jedoch löst sowas das Problem ja auch nicht wirklich, zumal ich mit der Situation zur Zeit ja halbwegs klar komme. Ist natürlich nicht schön so zu leben, aber ich es gibt meiner Meinung nach weitaus schlimmeres....

Vor einiger Zeit ging es mir jedoch nicht ganz so gut, was auch zwei meiner Lehrer bemerkten, die ich dann einweihte. Für mich ist es halt immer ziemlich komisch darüber offen zu reden, im Endeffekt können sie ja genau so wenig tun wie ich. Sie legten mir auch ans Herz mit unserer Schulsozialarbeiterin zu reden, mich ans Jugendamt zu wenden etc. Von allen kommt halt immer das Selbe, das ist ein bisschen das frustrierende daran. Wie gesagt, wenn ich jetzt zB. zu Verwandten ziehen würde oder so löst das mein Problem an sich ja nicht.

Und dann ist da eben noch die Hemmschwelle, ich habe schon oft überlegt endlich noch mal mit meinen Lehrern zu reden (bzw. Sozialarbeiterin), aber wenn ich mir dann wieder vor Augen führe, dass die mir eh alle das Selbe erzählen und ich da genau so schlau wie zuvor rauskomme, lasse ich es dann doch wieder bleiben. Ist vielleicht etwas naiv so zu denken mit meinen 16 Jahren, ich weiß...

Es tut gut mir hier ein bisschen was von der Seele zu schreiben, wahrscheinlich wäre ein Psychiater oder so für mich wirklich das Beste. Nicht weil ich möglicherweise einen Knax hab, sondern wirklich einfach um mir all das mal von der Seele reden zu können. Freunde kommen für mich bei solchen Themen nie so wirklich in Frage, da sie ja eh von vornherein auf meiner Seite stehen, Da kommen meiner Meinung nach keine guten Ratschläge zustande.

Eine vielleicht etwas dumme Frage, aber wie wende ich mich denn an einen Psychiater? Muss ich da zu meinem Hausarzt und dem das alles auch noch predigen oder wie läuft das ab?

Zu dem was meine Eltern tun offen zu stehen ist eben auch wieder etwas schwierig. Aber ich denke das wird auch wirklich der Beste weg sein und so werde ich in nächster Zeit auch handeln.

Wirklich noch ein Mal von Herzen danke an euch alle für die Antworten! 

LG

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Hallo Luk,

du musst nicht zwingend zu deinem Hausarzt um zu einem Psychiater oder Psychologen zu gehen, wir haben schließlich freie Arztwahl in Deutschland und Überweisungen benötigt man auch nicht mehr. Es kann aber sinnvoll sein, sich mit dem Hausarzt zu beraten, weil der dir vielleicht jemanden empfehlen kann. Und wenn er dich überweist, bekommt er auch einen Bericht von dem anderen Arzt, so dass du zwei Personen hättest, mit denen du dich beraten kannst.

Ich würde es aber davon abhängig machen, wie gut du dich mit dem Hausarzt fühlst und ob du ihm vertraust usw. Wenn es dich zu sehr quält, alles noch mal doppelt zu erzählen, dann solltest du direkt zu einem Facharzt gehen.

Und keine Sorge, nur weil man zu einem Psychiater geht heißt da nicht, dass man einen Knax o.ä. hat. Viele hier im Forum holen sich Hilfe bei Psychiatern und Psychotherapeuten.

Alles Gute für dich!

LG Ursi

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Hallo Luk,

es tut mir sehr leid, was Dir widerfährt. Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, wie es ist, wenn man sich bereits als Jugendlicher um die eigenen Eltern kümmern muss.

Viele Leute werden Dir sagen, dass es nicht in Deiner Verantwortung liegt, Dich um Deine Eltern zu kümmern. Damit haben sie recht, ich weiß aber auch, dass es fast unmöglich ist, dieses Gefühl abzulegen. Du kannst aber einen Weg aus diesem Paradoxon finden. Du musst Deine Rolle und Dein Verhalten in dieser Konstellation neu definieren.

Ganz wichtig ist: Du musst zuerst Dir selbst helfen, nur dann kannst Du Deinen Eltern helfen. Wenn Du Deinen Eltern helfen willst, musst Du jetzt bestimmte Entscheidungen treffen und Wege gehen, die nicht einfach und nicht schmerzfrei sind. 

Wenn Du jetzt so weitermachst wie bisher, wird sich nichts ändern. Du handelst im besten Glauben, dass Du Deinen Eltern hilfst, wenn Du sie so wie bislang unterstützt. Das ist ehrenhaft, führt aber leider nur dazu, dass der aktuelle Status aufrecht erhalten wird, und das willst Du nicht und das hilft auch Deinen Eltern nicht langfristig.

Du brauchst Unterstützung von aussen, anders geht es nicht. Und zwar auf zwei Ebenen: das eine ist die Ebene Deiner Gesundheit, und das andere ist die Ebene der Gesundheit Deiner Eltern, und damit verbunden auch eine Änderung der Alltagssituation.

Dafür musst Du Dir jetzt ein Team zusammenstellen. Auch dabei gibt es Unterstützung und Hilfe.

Rede zunächst mit Deinem Hausarzt und gebe diesem einen detaillierten Bericht über Deine Situation. Dieser kann Dich dann weiter an andere Ärzte überweisen. Natürlich kannst Du auch direkt zu einem Psychiater/Psychologen gehen, aber das ist meist mit größeren Schwierigkeiten verbunden. Hausärzte haben Kontakte und können für Dich einige "Fäden ziehen", damit Du schnell einen Termin bekommst.

Zum anderen musst Du Dich mit Ämtern in Verbindung setzen, dabei kann Dir der Schulsozialdienst helfen. (Mit Lehrern reden brauchst Du nicht weiter, die können Dich nur an entsprechende Stellen weiterleiten.) Der Sozialdienst hat Adressen und Telefonnummern von Stellen, an die Du Dich wenden kannst (und an die Du Dich wenden musst). Das kann auch die Caritas oder Pro Familia sein.

Ziel dieser Schritte ist folgendes: Du musst aus dieser Situation raus, und Deine Eltern brauchen Hilfe, die Du ihnen nicht geben kannst. Ämter haben z.B. auch soziale Dienste, die Betreuer / Berater vermitteln können, es muss nicht dazu kommen, dass man Dich aus der Familie nimmt. Ich sage das, weil ich weiß, dass viele Jugendliche davor am meisten Angst haben.

Wenn Deinen Eltern klar wird, wie ernst es Dir ist, werden sie vielleicht umdenken. Tun sie dies nicht, werden Deine Betreuer und Unterstützer ihnen dabei helfen, es zu begreifen.

Solange Du das Verhalten Deiner Eltern weiter "deckst", unterstützt Du ihr Verhalten indirekt, ohne das zu wollen. Es klingt ja aber zumindest so, dass Du noch einen gewissen Zugang zu Deinen Eltern hast, das erleichtert die Sache. Wenn Du Dir Hilfe holst, wirst Du auch merken, dass dies auch eine Erleichterung für Deine Eltern sein kann. Wenn sie wissen, dass es auch noch andere Menschen gibt, die sich um Dich kümmern, fällt es ihnen vielleicht auch leichter, die nötigen Schritte ( z.B. Entzugsklinik) zu gehen.

Du musst verstehen, dass Du ihnen damit kein Unrecht tust und sie nicht verrätst!!!

Du holst Hilfe!!!

Kluges Handeln schließt auch immer mit ein, zu erkennen, wann man alleine nicht mehr klarkommt. Diese Erkenntnis hast Du schon gewonnen (und das ist bereits ein erster wichtiger und richtiger Schritt!), jetzt musst Du "nur noch" die Konsequenzen daraus ziehen.

Das ist sehr schwer, das weiß ich. Aber frage Dich: Was ist die Alternative? Was passiert in 3 Jahren, wenn sich jetzt nichts ändert? Du musst an Dich denken. Du musst Deine Schule machen können. Du musst Dein Abi machen können. Du hilfst Deiner Familie nicht, wenn Du Dich aufgibst. Du hilfst Deiner Familie bestmöglich, wenn Du auf dein Wohl achtest. Niemandem ist geholfen, wenn Du auch noch "schlapp machst", und das wirst Du irgendwann, wenn Du Dir jetzt keine Hilfe holst.

Ich glaube, dass Du das in Deinem Herzen schon weißt, und das ist sehr gut so. Jetzt geh' die nötigen Schritte. Und sag' Dir dabei immer wieder, dass Du Deine Familie nicht verrätst, sondern rettest.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute!!!

GLG Silver

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Hallo Luk,

Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich.

Dein Vater für seins,

Deine Mutter für ihres

und Du für Deins!! Und nur für Deins. Nicht für das Deiner Eltern.

Für Dein Alter klingst Du enorm erwachsen, Hut ab. Aber bei der Geschichte leider kein Wunder.

Trotzdem bist Du halt noch seeehr jung und brauchst selber Hilfe. Wo Du die bekommst, haben genug andere schon geschrieben.

Vielleicht bekommen Deine Eltern ja einen Ruck, wenn sie sehen, dass Du für Dich Dein Leben in die Hand nimmst

Bei allem Verständnis und aller Hochachtung vor Dir muss ich allerdings schon sagen, dass mich einige Deiner Aussagen über MS schon arg zwiebeln.... Sachen, die man ändern kann.... von nichts kommt nichts... das zeigt mir, wie sehr Du Dich auch in diese Krankheitsgeschichte verstrickt hast. Ich glaub, Du hast eine ganz schöne Wut darauf. Auf diese Krankheit.

Meiner Meinung nach ist der Alkohol das größere Problem. Und da kann ich leider mitreden, meine Mutter hat mir damit auch das Leben in meiner Jugend zur Hölle gemacht.

Solange Du einem Alkoholiker... und Du hast ja sogar zwei davon da sitzen!... hilfst, wird er sich nicht rühren, um selber etwas zu ändern. Er muss erst so richtig in der Kacke sitzen.

Sorry, wenn ich das so sage.

Vielleicht kannst Du Kraft daraus ziehen, wenn Du weisst, dass Du ihnen am meisten hilfst, wenn Du ihnen nicht mehr hilfst.

Ich wünsche Dir viel Kraft!

LG mocridh

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Hallo Luk,

lasse es erst einmal gut sein mit noch einem Forum. Kümmere dich um dich selber, Forum für Angehörige von Alkoholkranken, das kommt später.

Weißt du, wenn du schreibst "die sagen ja so wie so alle das Selbe", ist es dann nicht Zeit, dich auf zumachen und genau diesen Weg zu gehen???  

Der folgende Satz von der/dem  Vorschreiber/in sagt alles:

Vielleicht kannst Du Kraft daraus ziehen, wenn Du weißt, dass Du ihnen am meisten hilfst, wenn Du ihnen nicht mehr hilfst.

Kann ich nur ganz laut zustimmen. Höre auf gegen Windmühlen zu kämpfen! Den Kampf verlierst du.

Mir ist noch eingefallen, wo du erst einmal alles hast. Nimm alle Kraft zusammen und rufe beim "Kinder Jugend Hilfeverein" an. Den gibt es in jeder Stadt oder in einer in der Nähe. Die nehmen dich an die Hand und das brauchst. Bei uns hier koordinieren die auch einen "Familienrat".

Frage wenn du nicht weiter kommst.

Alles Liebe

Catherine

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Ich wollte dir nur sagen, das du ein toller Junge bist .

Du musst deine Eltern sehr lieben 

Geh zum Jugendamt ,die werden dir helfen .

Du darfst dich selbst nicht überfordern.

Deine Eltern werden dir ,eines TAGES dafür danken, auch wenn sie das heute noch nicht einsehen.

Mein Vater war auch schwerer Alkoholiker ,der hat meine Mama und die Kinder geschlagen.

ICH WÜNSCH DIR VOM GANZEN HERZEN VIEL KRAFT

UND DENK BITTE AUCH AN DICH  :rolleyes: OKEY

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Hallo Luk,

ich nenne meine Familie gerne „Seifenoperfamilie“. Irgendwo müssen Seifenopern ja ihren Stoff herbekommen. Leicht macht es einem die Familie manchmal wirklich nicht.

Mein Tipp wäre, dass du dir einen Hausarzt (Allgemeinarzt) deines Vertrauens suchst. Denn zu deren Aufgaben gehört, dass du mit diesen Alltagssorgen besprechen kannst und sie dich entsprechend beraten und weiter verweisen können. Zumindest findest du dort Gehör und sie achten auf dich.

Zum Alkohol: Ich habe lange Jahre in der Gastronomie gearbeitet, in Läden mit vielen und teils den gleichen Stammkunden. Bei einigen habe ich mich schon gefragt, wann hört das „Genießerbier“ auf und wann fängt die Sucht an? Die Frage lässt sich einfach nicht beantworten. Manch einer hat eine eingebaute Grenze, d.h. man hat in den letzten Wochen so viel getrunken, dass es einem selbst zu viel ist. Andere fragen sich selbst/Freunde, wie viel man denn eigentlich so trinkt. Das hatte schon spannende Ergebnisse wie deutlichen Gewichtsverlust und weniger verquollenes Aussehen.

Jemand, der jeden Abend Alkohol trinkt, erinnert mich an einen Raucher. Regelmäßig ist Zeit für eine Kippe/ein Bier, der Griff zum Genussmittel wird ganz automatisch. Wenn man dann noch weniger zu tun hat (arbeitslos), greift man öfter zu dem, was einen Kick gibt (beim Rauchen ist der Kick übrigens ganz ähnlich wie bei Zuckerkonsum). Dann hat dein Vater seine Tagesstruktur verloren, weil die Arbeit weggefallen ist usw. Nörgeleien deiner Mutter helfen dann wenig, und so kommt eins zum anderen.

Natürlich ist er für seine Handlungen verantwortlich, aber irgendwie ist er auch so darein gerutscht. Um aus seinem Loch wieder heraus krabbeln zu können, muss er erst einmal einsehen, dass er in einem drin steckt. Und Einsicht ist das Schwierigste an der ganzen Sache. Vorwürfe bringen nicht viel, lediglich Abwehrverhalten; dann eher positive Anreize setzen oder positives Verhalten verstärken/loben, aber das ist schon fast was für Spezialisten.

Ich drücke dir die Daumen, es sind ja immerhin deine Eltern, und wünsche dir starke Nerven für die Zukunft. Wenn du deine Sorgen loswerden willst, bist du hier gerne gesehen.

Viele Grüße,

weltoffen

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Hallo Luk,

es gibt in meinen Augen "nur" eines, was Du wirklich must. Du must Dich in Sicherheit bringen und Dir professionelle Hilfe suchen! Und dazu wird es auch von Nöten sein, dass Du das kranke System deiner Eltern nicht weiter stützt.

Es ist für mich absolut beruhigend, wie viel Sach- und Fachverständiger Rat hier für Dich zusammen gekommen ist und dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht, das ich aus vielen Jahren Erfahrung als Ergotherapeut in der Psychiatrie sagen kann, dass in keinem anderen Bereich unserer Klinik so viel gelogen und betrogen wird, wie in der Sucht.

Du hast mit deinen 16 Jahren einen Reifestand erreichen müssen, den Du jetzt in aller erster Linie für dich selber nutzen kannst und darfst.

Ich wünsche Dir von Herzen alle nur erdenkliche Kraft und Ausdauer - Volker 

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