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Cannabis als Medizin: Große Chance, aber längst nicht die Regel

FRANKFURT (Biermann)– Mit dem 2017 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften hat der Gesetzgeber die Möglichkeiten zur Verschreibung von Cannabisarzneimitteln erweitert. Bis zu einer Regelversorgung mit Cannabis ist es Experten zufolge aber noch ein weiter Weg.

Sei man im Vorfeld des Gesetzeserlasses von rund 2.000 Betroffenen ausgegangen, seien es mittlerweile vermutlich mehr als 40.000 Menschen, die Cannabis als Medizinprodukt nutzen, schätzt Prof. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS). Etwa 15.000 Versicherte erhalten eine Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Weitere 15.000 bis 30.000 Patienten nutzen einer Schätzung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente (IACM) zufolge Privatrezepte mit oder ohne Kostenerstattung.

Als äußerst ungewöhnlich, für Betroffene und Ärzte jedoch vorteilhaft bewertet Stöver die Tatsache, dass im sogenannten Cannabisgesetz keine Indikationsbereiche festgelegt wurden. Dies vergrößert seiner Ansicht nach den Handlungsspielraum aller Akteure. 

„Cannabis ist in Deutschland leider noch kein Medikament wie jedes andere. Mit dem ‚Cannabis-als-Medizin-Gesetz' wurden jedoch sehr gute rechtliche Voraussetzungen geschaffen", sagte Stöver. Deutschland stehe mit dem Gesetz bei diesem Thema weltweit an der Spitze – zumindest auf dem Papier sei die gesetzliche Neuregelung der Therapie mit Cannabis-Medikamenten beispiellos. Das Besondere an der gesetzlichen Regelung ist seiner Ansicht nach die Möglichkeit einer Verschreibung durch jede Ärztin/jeden Arzt in Deutschland in Kombination mit dem Anspruch auf eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen.

„In Deutschland könnten mehr als eine Millionen Menschen von einer Therapie mit Cannabis profitieren", schätzt der Sozialwissenschaftler. „Ein zentrales Problem aber ist, dass in den meisten Fällen weder die Betroffenen noch die Ärztinnen und Ärzte wissen, dass Cannabis als Medizin helfen könnte. Die Wissenslücke in der Ärzteschaft ist ein Flaschenhals beim Einsatz von Cannabis in Deutschland.“ Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte lehnten eine Behandlung mit Cannabis ab, weil sie diesem skeptisch gegenüberstehen, verunsichert sind oder die bürokratischen Hürden fürchten, erklärte Stöver.

Dabei seien „gerade für chronisch kranke Menschen, die über viele Jahre Medikamente einnehmen müssen, die vergleichsweise geringen Nebenwirkungen von Cannabis ein Gewinn an Lebensqualität“, betont der Suchtforscher.


Quelle

Frankfurt University of Applied Sciences, 14.06.2019 


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