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Den Verlauf der MS vorhersagen

Den Verlauf der MS vorhersagen
STOCKHOLM (Biermann) – Zu den belastendsten Faktoren der Multiplen Sklerose (MS) zählt die Ungewissheit über ihren Verlauf. Ein Bluttest könnte künftig möglicherweise helfen, vorherzusagen, bei welchen Betroffenen die MS im Laufe des nächsten Jahres wahrscheinlich voranschreiten wird.

Bei einer Krankheit wie der MS, die so unvorhersehbar ist und von Mensch zu Mensch so stark variiert, könnte ein einfach durchzuführender Bluttest sehr wertvoll sein, zumal die Behandlung im frühesten Stadium der Krankheit am wirksamsten ist, erklärt der Studienautor Dr. Ali Manouchehrinia vom Karolinska Institutet in Stockholm, Schweden.

Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Neurofilament-L (NfL) im Blut und dem weiteren Krankheitsverlauf. NfL ist ein Nervenprotein, das freigesetzt wird, wenn Nervenzellen absterben. Es kann dann im Blut nachgewiesen werden.

An der Studie nahmen 4385 Personen mit MS und 1026 Personen teil, die hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar waren, aber keine MS hatten. Bei allen Teilnehmern wurde die NfL-Konzentration im Blut bestimmt. Die Teilnehmer mit MS wurden weiter beobachtet, um zu sehen, bei wem sich die Symptome im Laufe des folgenden Jahres verschlechterte und welche Behinderungsgrade (EDSSDie EDSS (Expanded Disability Status Scale), auch als Kurtzke-Skalasiehe EDSS bekannt, ist eine Skala zur Erfassung von neurologischen Ausfällen. Dabei werden die Stufen 0-10 unterschieden: Die Stufe 0 entspricht keiner Behinderung. Es werden insbesondere die Gehfähigkeit sowie acht weitere Funktionssysteme bewertet, z.B. bedeutet EDSS 2.0 leichte Behinderung in einem funktionellen System, EDSS 4.0 gehfähig ohne  Hilfe und Ruhepause für mindestens 500m und während 12 Stunden aktiv trotz relativ schwerer Behinderung. EDSS 6.0 bedeutet gehfähig für etwa 100m mit einseitiger oder zeitweiliger Unterstützung (Gehhilfe). Auf Stufe 9 ist der Betroffene hingegen vollständig pflegebedürftig. 10 bedeutet Tod durch MS. Eine detaillierte Übersicht zum EDSS finden Sie auf der Seite der DMSG.-Werte von 3, 4 oder 6) erreicht wurden oder ob eine Progression zur sekundär progredienten MS (SPMS) erfolgte.

Studienteilnehmer mit MS hatten mit 11,4 Pikogramm pro Milliliter (Median) des Nervenproteins eine signifikant höhere NfL-Konzentration in ihrem Blut als die Kontrollpersonen (Median 7,5 pg/ml).

Außerdem zeigte sich, dass bei MS-Betroffenen mit hohen NfL-Spiegeln die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Behinderung im nächsten Jahr verschlechterte, um 40 bis 70 Prozent höher war als bei MS-Betroffenen mit niedrigeren NfL-Spiegeln. Dieser Zusammenhang berücksichtigte auch andere Faktoren, die das Risiko einer voranschreitenden Behinderung beeinflussen können, beispielsweise die Schubrate und die Krankheitsdauer.

Bei Studienteilnehmern mit hohen Proteinkonzentrationen war es ebenfalls um etwa 50 Prozent wahrscheinlicher, dass sie einen dauerhaften EDSS-Wert von 3 oder 4 entwickelten. Im Gegensatz dazu war der Zusammenhang zwischen hohen NfL-Werten und dem Risiko, einen anhaltenden EDSS-Wert von 6,0 zu erreichen oder eine SPMS zu entwickeln, nicht durchgängig signifikant.

Gemäß den Aussagen der Forscher deuten die Ergebnisse darauf hin, dass erhöhte Werte dieser ProteineEiweiße, die zu einem frühen Zeitpunkt im MS-Verlauf gemessen wurden, uns helfen können, die Entwicklung der MS vorherzusagen und zu überwachen, wie die Behandlung wirkt, sagte Manouchehrinia. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass weitere Forschungsarbeiten erforderlich sind, bevor das NfL routinemäßig als prognostischer Biomarker genutzt werden kann.

Einschränkungen der Studie bestehen nach Angaben der Autoren jedoch darin, dass der Spiegel des Nervenproteins zwischen den Studienteilnehmern mit MS und den Kontrollpersonen erheblich variierte und sich sogar überschnitt. Darüber hinaus sei es wahrscheinlich, dass derNfL-Spiegel auch von anderen Faktoren beeinflusst werde, die in der Studie nicht berücksichtigt wurden.

Quelle: Manouchehrinia A,et al. Plasma neurofilament lightlevels are associated with risk of disability in multiple sclerosis. Neurology. 2020;94(23):e2457-e2467


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