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Aus der Ferne Hunden ein neues Zuhause vermitteln

In den USA landen pro Jahr etwa 8 Millionen Tiere im Tierheim – circa 4 Millionen davon werden eingeschläfert, wenn sie nicht innerhalb von 72 Stunden vermittelt werden. Simone R., die 2012 an Multipler Sklerose erkrankt ist, hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Tiere vor dem Einschläfern zu retten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Hunde in den USA vor dem Einschläfern zu retten?

Es begann eigentlich mit meinem eigenen Hund, den ich einem Züchter abgekauft habe. Er entsprach nicht den Vorstellungen des Züchters und sollte getötet werden.

Dann ging es damit weiter, dass ich mir einen Facebook-Account zulegte, weil alle Welt über Facebook sprach. Und dadurch bin ich auf eine amerikanische Seite von Menschen gestoßen, die Hunde retten. Und da habe ich einfach ein paar Leute angeschrieben, was genau sie da machen. Bis dahin kannte ich diese Situation in den USA gar nicht.

Wie ist denn die Situation in den USA?

Es gibt dort sehr viele herrenlose Hunde und Katzen. Diese werden von der Organisation „Animal Control“ eingefangen und ins Tierheim gebracht. In den USA gibt es zwei Arten von Tierheimen: Zum einen die „No Kill“-Tierheime, die meist nur die Tiere annehmen, die sie für vermittelbar halten, und auch nur, wenn sie nicht überfüllt sind. Und zum andern gibt es die sogenannten „Kill“-Tierheime – die alle Tiere einschläfern, wenn sie nicht innerhalb von ein paar Tagen vermittelt werden. Für diese Tierheime macht es keinen Unterschied, ob sie vermitteln oder einschläfern, denn sie bekommen auch für jedes getötete Tier Geld von den Firmen, die diese dann abholen und weiterverwerten.

Wie ging es mit Ihrem Rettungsvorhaben weiter?

Ich habe dann über Facebook mitgemacht und Freunde gefunden. Und irgendwann wollte ich einen Hund retten, der so wie mein eigener aussah. Durch ein paar Kontakte habe ich jemanden in Kanada gefunden, der ihn haben wollte.

Für die Rettungsaktion muss man jemanden in den USA kennen, der den Hund aus dem Tierheim holt. Es gibt die Rettungsorganisation „Animal Rescue“, die spezielle Verträge mit den Tierheimen hat und die Tiere dann abholen darf. Mir wurde dann eine Person von der Rettungsorganisation genannt, die den Hund aus dem Tierheim holen könnte. Ich habe sie per E-Mail angeschrieben und sie hat mir auch geholfen.

Und irgendwie ging das dann nahtlos weiter und wir haben täglich über Skype und Facebook kommuniziert. Dadurch ist eine sehr enge Freundschaft entstanden – sie ist meine beste Freundin geworden.

Fliegen Sie auch selbst in die USA, um die Tiere zu retten?

Ja, im Oktober 2012 flog ich das erste Mal in die Staaten und seitdem sechsmal. Beim ersten Besuch in den USA habe ich selbst gleich zwei Hunde adoptiert, die jetzt bei meiner Freundin in Kalifornien leben. Allein schon deshalb muss ich zweimal im Jahr dahin, dass die Hunde mich mal wiedersehen.

Jetzt im April folgt Flug Nummer sieben. Da geht es wieder nach Kalifornien, weil wir da ein großes Event haben – eine Modenschau mit unseren Hunden. Letztes Jahr fragte uns eine Modedesignerin, ob sie unsere Rescue-Hunde für eine Show buchen könnte. Am Anfang dachten wir, dass die Models mit unseren Hunden über den Laufsteg laufen sollten. Aber nein, es ist angedacht, dass unsere Vierbeiner Hundemode präsentieren – wie beispielsweise Halsbänder und Leinen. Die Besucher können dann auch gleich mit den Hunden Kontakt aufnehmen und Adoptionspapiere ausfüllen. Zudem werden Spenden gesammelt, die dann der Rescue-Stiftung zukommen.

Wie können Sie von Deutschland aus für die Rettungsorganisation aktiv sein?

Wenn ich in Deutschland bin, kümmere ich mich um unsere Website, die sich gerade im Aufbau befindet. In verschiedenen Portalen listen wir unsere Hunde auf, die bereit sind für ein neues Zuhause – das geht alles über E-Mail und ich beantworte alle Anfragen. Ich sende ihnen dann einen Adoptionsantrag, die sie ausfüllen können, wenn sie an einem Hund interessiert sind. Und wenn sie alles ausgefüllt zurückschicken, dann nimmt meine Freundin in den USA Kontakt zu ihnen auf und organisiert ein Treffen – gemeinsam mit dem Hund.

2013 haben wir unsere eigene Rescue-Organisation gegründet: Recycled Love Dog Rescue. Wir sind jetzt dabei, den Status als Charity-Organisation zu erwirken. Damit können wir dann Spendenquittungen ausstellen.

Und meinen ganzen Urlaub, den ich hier von der Firma aus habe, verbringe ich in den USA und helfe meiner besten Freundin mit den Hunden.

Wie viele Hunde haben Sie aktuell in Ihrem Rescue-Programm?

Aktuell haben wir 29 Hunde in unserem Programm. Da sind aber auch Welpen dabei. Wir sterilisieren, kastrieren und impfen die Hunde. Welpen erhalten sogar drei Impfungen. Sie bekommen auch Mikrochips, für den Fall, dass sie einmal weglaufen. So können sie leicht(er) wiedergefunden werden. Das bezahlen wir von der Adoptionsgebühr bzw. von unserem eigenen Geld. Dafür arbeite ich 40 Stunden die Woche. Unsere Arbeit können wir auch nur leisten, weil es Pflegefamilien gibt, die die geretteten Hunde aufnehmen bis diese ein neues Zuhause gefunden haben.

Sie haben einen 40-Stunden-Job. Wann finden Sie die Zeit, die Tiere zu vermitteln?

Abends nach der Arbeit und am Wochenende widme ich mich der Rettungsgeschichte – also jeden Tag. Wenn ich von der Arbeit gegen 18 Uhr nach Hause komme, lege ich mich für zwei bis drei Stunden hin und mache ein Nickerchen. Danach setze ich mich an meinen Computer und beantworte 10 bis 20 E-Mails. Ich arbeite dann meistens bis circa 1 Uhr nachts. Um 6 Uhr stehe ich dann wieder auf und gehe zur Arbeit.

Das klingt bei Ihnen nach einem Fulltime-Job. Merken Sie eigentlich die MS dabei?

Ganz ehrlich? Ich habe keine Zeit für die MS! Das Ganze fing ja damit an, dass ich an einem Samstag zum Augenarzt ging, weil ich auf einem Auge nichts mehr sehen konnte. Danach kam ich direkt ins Krankenhaus. Dann wurden einige Tests durchgeführt und nach einer Woche erhielt ich dann die Diagnose MS. Ich habe den Arzt angeschaut und gesagt: „Ich habe einen Flieger, der geht bald nach Kalifornien – gibt es damit ein Problem? Alles andere interessiert mich gerade nicht.“ Ich stelle die MS nicht in den Vordergrund.

Gibt es ein Motto, das Sie gern anderen Betroffenen mit auf den Weg geben möchten?

Ich habe einmal einen sehr guten Tipp bekommen: „Halte dich von allem fern, was dich runterzieht!“ Das ist natürlich nicht immer möglich – aber man kann es versuchen. Und es funktioniert. Das Motto hat mir wahnsinnig geholfen.

Wir danken Ihnen für das Interview und hoffen, dass Sie weiterhin vielen Hunden ein schönes Zuhause vermitteln können.

Weitere Informationen zu der Rettungsorganisation Recycled Love Dog Rescue gibt es hier:

www.recycledlovedogrescue.org www.facebook.com/RecycledLoVeDoGRescue


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