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Bewegungs- und Gedankenspielraum bei MS erweitern Alexander-Technik: Die Kunst der Veränderung

Katrin Kluge war 23 als sie die Diagnose MS erhielt. Obwohl man ihr kaum Hoffnungen machte, dass sie jemals in diesem Beruf würde arbeiten können, setzte sie ihre Schauspielausbildung fort. Auf der Suche nach Unterstützung entdeckte sie die Alexander-Technik für sich.

Wenn wir aufhören, das Falsche zu tun, geschieht das Richtige von selbst

Alexander-Technik zählt zu den sogenannten „Body-Mind-Techniken“. Diese Methoden setzen auf das enge Zusammenspiel mentaler und körperlicher Prozesse, anstatt auf die gezielte Stärkung einzelner Muskelgruppen. Durch eine erhöhte Körperwahrnehmung lernt man mit der Alexander-Technik überflüssige Anspannungen und Kraftanstrengungen sein zu lassen.

„Wenn wir aufhören, das Falsche zu tun, geschieht das Richtige von selbst“, beschrieb der „Erfinder“ der Methode, Frederick Matthias Alexander, vor über 100 Jahren seine Entdeckung. Der australische Schauspieler drohte seine Stimme zu verlieren. Weil kein Arzt ihm helfen konnte, forschte er selbst und fand heraus, dass unbewusste Körperhaltungen – zum Beispiel das Zusammenziehen seiner Fußsohlen – mit der Überanstrengung seines Stimmapparats zusammenhingen. Im Laufe von ungefähr 10 Jahren entwickelte er aus intensivster Selbstbeobachtung ein Verfahren, durch die man unbewusste Körperreaktionen und Verhaltensmuster aufspüren und verändern lernt.

Das Nervensystem zur Ruhe kommen lassen

Wie kann diese Methode bei MS helfen? „Die Alexander-Technik ist eine Anleitung zu lernen, was uns gut tut“, sagt Katrin Kluge. „Das gilt natürlich grundsätzlich erst einmal für jeden. Aber aus eigener Erfahrung und durch die Arbeit mit vielen MS-Betroffenen habe ich erlebt, dass das für Menschen mit MS besonders wichtig sein kann.“ Sie selbst hat durch die Alexander-Technik gelernt Pausen einzulegen – im Alltag und im Denken. „Ich erkläre mir das so, dass es darum geht, sein Nervensystem zur Ruhe kommen zu lassen“, sagt sie. „Ich lerne, meine Energie sinnvoll einzusetzen. Ich bin in einem besseren Kontakt zu mir. Ich kann die Dinge besser so annehmen, wie sie sind“, berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Ein Stück Bewegungsfreiheit zurückgewinnen

Ganz konkret kann die Alexander-Technik Menschen mit MS helfen, ein Stück Bewegungsfreiheit zurückzugewinnen. Eine Schülerin, die mit MS lebt, berichtet von den wohltuenden Erfahrungen durch Katrin Kluges Unterricht: "Da ich schon diverse Entspannungsverfahren und Körperwahrnehmungsübungen kennengelernt hatte, war ich sehr überrascht, welch großen Eindruck die Einzelstunde auf mich gemacht hat. Ich habe mich nach der Stunde im Spiegel angeschaut und der Unterschied zu vorher war deutlich zu sehen: ich stand gerade und aufrecht und konnte viel sicherer gehen als üblich."

Hinter solchen Fortschritten steckt eine regelmäßige Beschäftigung mit der Alexander-Technik und die Bereitschaft, Veränderungen zuzulassen. „Letztlich ist es auch eine Typfrage, ob ein MS-Betroffener von der Alexander-Technik profitiert“, betont sie. Die „Alexander-Technik ist keine Therapie, sondern eine pädagogische Methode, mit deren Hilfe wir die Kunst der Veränderung lernen können.“

Das sollten Sie über die Alexander-Technik wissen:

 

  • Bei der Alexander-Technik lernt man, belastende – meist unbewusste – Bewegungs- und Verhaltensmuster durch bewusstes Innehalten zu durchbrechen. Dies geschieht in drei Stufen: Erst gilt es, urteilsfrei wahrzunehmen, was der Körper tut (z.B. Wie verhält sich der Kopf beim Aufstehen von einem Stuhl?) Zweitens lernt man dann, vor einem Impuls – in dem Fall vor dem Aufstehen – innezuhalten und sich dann gedankliche Anweisungen zu geben (z B. „Ich lasse meinen Hals frei, damit sich mein Kopf nach oben und vorne ausrichten kann.“).

  • Die Alexander-Technik wird vorwiegend in Einzelstunden unterrichtet. Bis man die Technik selbst im Alltag anwenden kann, sind meistens 20 bis 30 Unterrichtsstunden nötig. Die Kosten für eine Stunde Einzelunterricht betragen zwischen 40 und 60 Euro, an denen sich die Krankenkassen bislang noch nicht beteiligen.

  • Über die positiven Wirkungen von der Alexander-Technik bei MS gibt es zurzeit keine wissenschaftlichen Belege. Eine klinische Studie bescheinigt ihre Wirksamkeit bei chronischen Rückenleiden (www.bmj.com/content/337/bmj.a884). Eine andere zeigt Hinweise auf positive Effekte bei der Behandlung von Morbus Parkinson. (cre.sagepub.com/content/16/7/695.abstract)

  • Eine/n qualifizierte/n Alexander-Technik-Lehrer/in finden Sie über den Alexander-Technik-Verband Deutschland e.V. Zurzeit sind hier rund 370 Lehrerinnen und Lehrer registriert.

Manche Volkshochschulen oder andere Einrichtungen bieten einführende Gruppenkurse zur Alexander-Technik an – eine preisgünstige Möglichkeit, für sich selbst auszuprobieren, ob einem die Methode liegt.

Weiterführende Links

 

Alexander-Technik-Verband Deutschland e.V. www.alexander-technik.org
 

Weiterführende Literatur

  

  • F. M. Alexander: Der Gebrauch des Selbst. Die bewusste Steuerung des Gebrauchs im Bezug auf Diagnose, Funktionieren und Reaktionskontrolle. Karger, 2001

  • Wilfred Barlow: Die Alexander-Technik, Gesundheit und Lebensqualität durch richtigen Gebrauch des Körpers. Kösel, 1983 (antiquarisch)

  • Glen Park: Alexander-Technik. Die Kunst der Veränderung. Grundlagen, Anwendung, Weiterentwicklung. Junfermann, 1994 (antiquarisch)

 

 

 

 


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