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Bremst Krafttraining die Gehirnatrophie bei MS?

Bremst Krafttraining die Gehirnatrophie bei MS?
Ein deutsch-dänisches Forscherteam fand in einer Studie Hinweise darauf, dass Krafttraining die Nervenzellen bei MS schützen kann oder sogar zur Bildung neuer Nervenzellen führen kann.

AARHUS/HAMBURG (Biermann) – Mit zunehmendem Alter schrumpft das Volumen des menschlichen Gehirns. Frühere Studien haben gezeigt, dass Krafttraining diese altersbedingte Hirnatrophie bremsen kann. Ein Team von deutschen und dänischen Wissenschaftlern hat nun untersucht, ob dieser Effekt auch bei Multipler Sklerose (MS) wirksam werden kann. Denn im Vergleich zu Nicht-Betroffenen ist der Verlust von Hirnsubstanz bei Menschen mit MS verstärkt/rascher. 

Dafür ließen die Forscher 18 Studienteilnehmer mit schubförmig-remittierender MS und leichter bis mittelschwerer Beeinträchtigung (EDSSDie EDSS (Expanded Disability Status Scale), auch als Kurtzke-Skalasiehe EDSS bekannt, ist eine Skala zur Erfassung von neurologischen Ausfällen. Dabei werden die Stufen 0-10 unterschieden: Die Stufe 0 entspricht keiner Behinderung. Es werden insbesondere die Gehfähigkeit sowie acht weitere Funktionssysteme bewertet, z.B. bedeutet EDSS 2.0 leichte Behinderung in einem funktionellen System, EDSS 4.0 gehfähig ohne  Hilfe und Ruhepause für mindestens 500m und während 12 Stunden aktiv trotz relativ schwerer Behinderung. EDSS 6.0 bedeutet gehfähig für etwa 100m mit einseitiger oder zeitweiliger Unterstützung (Gehhilfe). Auf Stufe 9 ist der Betroffene hingegen vollständig pflegebedürftig. 10 bedeutet Tod durch MS. Eine detaillierte Übersicht zum EDSS finden Sie auf der Seite der DMSG. 2-4) 24 Wochen lang zweimal wöchentlich ein Krafttraining absolvieren. 17 Studienteilnehmer mit vergleichbarer MS-Ausprägung, die lediglich ihr normales Alltagspensum an Bewegung absolvierten, dienten als Kontrollgruppe. Zielparameter der Untersuchung waren der Behinderungsgrad und verschiedene Marker in der Bildgebung wie die Zahl der Läsionen, das gesamte Hirnvolumen, der prozentuale Anteil der Volumenänderung, das Ausmaß der Hirnatrophie und die Dicke der Hirnrinde.

Dabei zeigte sich, dass das Training keine Auswirkungen auf den Behinderungsgrad (EDSS), die Läsionslast und das gesamte Hirnvolumen zu haben scheint. Allerdings konnten die Forscher in der Trainingsgruppe leichte bis deutliche Unterschiede hinsichtlich der Hirnatrophie und der Dicke der Hirnrinde zugunsten des Krafttrainings feststellen. Die beobachteten Veränderungen wurden noch deutlicher, wenn die Wissenschaftler die relativen Veränderungen der Dicke der Hirnrinde in vier Hirnregionen verglichen.

Dies sei ein Anhaltspunkt dafür, dass Krafttraining bei schubförmig-remittierender MS möglicherweise neuroprotektiv oder neuroregenerativ wirke, also die Nervenzellen schütze oder sogar zur Bildung neuer Nervenzellen führe, schlussfolgern die Autoren.

Quelle: Mult Scler, 1. Juli 2017; doi: 10.1177/1352458517722645



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