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Dem Schreiben verschrieben

Schriftsteller werden: Das war schon immer der Traum von Steven Ulrich-Auth, 30 Jahre. Die Diagnose MS, die er im März 2010 erhielt, hat daran nichts geändert. Allerdings hat sie seinen Lebensstil entscheidend geprägt, das Schreiben immer stärker in den Mittelpunkt gerückt.

Denn es ist gerade das Schreiben, das ihm hilft, die Diagnose, seine Situation, seine Gefühle und Gedanken, aber auch den Alltag zu bewältigen. Für www.aktiv-mit-ms.de haben wir ein Interview mit dem jungen Schriftsteller geführt.

Welchen Stellenwert hat Schreiben für Sie?

Schreiben bedeutet für mich in erster Linie Freiheit. Weil ich mich dabei völlig öffnen, meine persönlichsten Gedanken und Gefühle ausleben und meinen Phantasien freien Lauf lassen kann. Und zwar ohne mich dafür vor irgendjemandem rechtfertigen zu müssen. Das bedeutet mir sehr viel und ist sicher auch ein Grund dafür, warum ich in erster Linie für mich selbst schreibe. Beim Schreiben erschaffe ich mir ganze Welten, lebe in ihnen oder lasse mich einfach nur treiben.

Inwiefern hat die Diagnose MS den Stellenwert des Schreibens, Ihre Themenwahl und Ihren Stil beeinflusst?

Ich habe bereits vor der Diagnose MS Gedichte und Geschichten geschrieben und versucht, als freier Schriftsteller Lesungen zu organisieren. Nebenher habe ich studiert. Mein damaliger Lebensstil lässt sich am ehesten mit dem Wort „Bohemien“ umschreiben: Sehr ungesund, mit jeder Menge Partys, Alkohol und Zigaretten. Das lag auch daran, dass ich in dieser Zeit manisch-depressiv war, was ich aber damals noch nicht wusste.

Bereits vor der Diagnose hatte ich den Entschluss gefasst, mich ganz dem Schreiben zu widmen und das Studium aufzugeben. Dann kam die Diagnose. Nachdem ich mich einigermaßen sortiert, eine Auszeit genommen und vorübergehend zu meinen Eltern zurück aufs Land gezogen war, habe ich diesen Entschluss in die Tat umgesetzt, und mich ganz darauf konzentriert.

Natürlich hat die Diagnose die Themen meiner Gedichte und meinen Stil beeinflusst. Sie hat mich dazu gebracht, mich stärker zu reflektieren. Meine Gedichte sind ab diesem Zeitpunkt introspektiver geworden. Das wurde sicher auch dadurch verstärkt, dass ich mich nach dem Umzug nicht mehr auf Freunde stützen konnte. Im Vordergrund standen dann die Themen Natur und Familie – und Liebe. Nach der Diagnose habe ich viel Zeit in der Natur verbracht, nach dem Umzug sogar meine Freundin kennengelernt. Durch den Tod meiner Großeltern spielte das Thema Alter und Tod eine Zeitlang eine große Rolle – sowohl in meinen Gedichten als auch in meinen Kurzgeschichten. Inzwischen beschäftige ich mich in meinen Gedichten mit dem ganzen Leben und natürlich mit meiner inneren Welt.

Wäre es ein Traum, Ihre Gedichte veröffentlichen zu lassen?

Ja, auf jeden Fall! Da mein Schreiben sehr offen angelegt und nicht auf ein Genre fokussiert ist, gehe ich auch davon aus, dass es für (fast) jeden Lyrik-Interessierten etwas bietet. Egal, ob dessen Vorliebe  Science Fiction, Fantasy, Psychothriller oder Geschichten „abseits“ des Alltags sind.Momentan arbeite ich übrigens bereits an einer Eigenpublikation auf Create Space.

Was waren Ihre ersten Gedanken und Befürchtungen, als Sie von der MS erfahren haben?

Das hört sich jetzt vielleicht seltsam an, aber als der Professor mir damals die Diagnose mitteilte – MS und manische Depression – da war mein erstes Gefühl Erleichterung. Erleichterung, weil ich nun endlich die Bestätigung dafür hatte, dass etwas mit meinem Kopf nicht stimmt. Denn dieses Gefühl hat mich seit meinem zwanzigsten Lebensjahr begleitet! Danach kam eine gewisse Ratlosigkeit. Viele Fragen stürzten auf mich ein: Wie wird sich die MS auf mein Leben auswirken? Was wird aus meinen Zukunftsplänen?

Zum Glück habe ich damals sehr schnell Hilfe und Unterstützung bekommen, von Ärzten, von Freunden und ganz besonders von meiner Familie. Das hat mir neue Perspektiven eröffnet.

Wie haben Sie die Diagnose Ihrer Familie und Ihren Freunden mitgeteilt und wie haben sie reagiert?

Meiner Familie habe ich es einfach erzählt. Sie hat mit sehr viel Verständnis reagiert – nicht zuletzt auch, weil wir bereits einige Betroffene in der Familie haben, wie z. B. meinen Vater. Ihn hat die Diagnose nicht überrascht, da er es schon seit Längerem vermutet hatte.

Im Freundeskreis war es schwieriger, auch wenn alle prinzipiell sehr verständnisvoll waren. Das lag daran, dass ich ihnen erklären musste, was es bedeutet, MS zu haben. Dabei musste ich das für mich ja erst selbst noch herausfinden (und das hat eine Weile gedauert!). Außerdem taten sie sich schwer, die Einschränkungen, die sich für mich aus der Diagnose ergaben, zu akzeptieren. Das fand ich interessant, denn ich selbst hatte damit kein Problem!

Wie sieht Ihr Leben jetzt aus?

Ich schreibe, jobbe im Bioladen, betreibe Kampfsport, treffe mich mit Freunden, höre Musik und lese viel. Also alles Dinge, die andere auch machen. Ich versuche, der MS nicht unnötig viel Raum in meinem Leben zu geben. Aber wenn ich mich mit ihr auseinandersetze, zum Beispiel bei der täglichen Injektion meines MS-Medikamentes, Arztbesuchen etc., dann tue ich das sehr bewusst, indem ich mir vor Augen führe, warum ich das tue und was ich mir davon erhoffe.

Haben Sie einen Tipp für andere MS-Betroffene, wie es sich mit der MS leben lässt?

Man sollte die MS zwar ernst, aber nicht zu ernst nehmen. Die Diagnose führt schließlich nicht zwingend zu einem von Leid geprägten Leben. Man kann sich mit ihr gut arrangieren und sie in das eigene Leben integrieren. Außerdem sollte man daran denken, dass es sich bei der MS um eine der am besten erforschten Krankheiten handelt. Es gibt ständig neue Erkenntnisse, die neuen Anlass zur Hoffnung geben.  


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