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Der Leistungsfähigkeit des Körpers vertrauen

Von Kindheit an spielte für Tamara Neuburger Sport eine wichtige Rolle im Leben. Und das hat sich durch die Diagnose MS auch nicht geändert. Für die 40-Jährige ist der Sport Geschenk, Erfüllung, Herausforderung und Therapie zugleich. Wir haben mit der sportlich aktiven Frau aus Boden gesprochen.

Frau Neuburger, wie äußerte sich die MS zu Beginn bei Ihnen?

Die MS äußerte sich bei mir 2002 durch Missempfindungen. Ich fuhr gerade Rennrad und hatte ein komisches Gefühl in den Oberschenkeln. Die Kraft war aber noch voll da. Ich dachte erst, es wäre ein vorangegangener Wespenstich. Nach unzähligen Untersuchungen (mehrere KernspintomographieDie Kernspintomographie (= Magnetresonanztomographie, MRT) ist ein Bild gebendes Diagnoseverfahren, das durch die Einbringung des Betroffenen in Magnetfelder verschiedene Strukturen des Körpers sehr konstrastintensiv und differenziert darstellen kann. Die Methode macht sich den unterschiedlichen Wassergehalt der verschiedenen Gewebe zu Nutze. Durch die MRT ist der Betroffene keiner Strahlenbelastung ausgesetzt., LumbalpunktionEntnahme von Liquor. Mittels einer Spezialkanüle wird in Höhe der mittleren Lendenwirbelsäule (unterhalb des Rückenmarkendes) eingestochen und eine geringe Menge Liquor aus dem Liquorraum rund um das Rückenmark entnommen. Eine Verletzung des Rückenmarkes ist fast ausgeschlossen, da dieses deutlich oberhalb der Einstichstelle endet.) wurde dann MS diagnostiziert.

Die Diagnose hat Sie aber nicht davon abgehalten, weiterhin Sport zu treiben?

Ich wollte die Diagnose nicht wahrhaben. Bei den zahlreichen Konsultationen verschiedener Ärzte wurde mir von einem Professor in einer MS-Klinik sogar dazu geraten, ein halbes Jahr auf den Sport zu verzichten. Damals trainierte ich pro Woche 9 Stunden. Die sportliche Pause habe ich dann genau eine Woche durchgehalten und mir dann gesagt: Ich mach jetzt einfach mit dem Sport weiter. Und das hat dann auch ganz gut geklappt – bis ich 2007 einen heftigen Schub hatte.

2012 bin ich dann aufgrund des mehrfachen Nachfragens meines Trainers dem Team Triathlon Dreikirchen beigetreten. Zuerst dachte ich: „Oh nein mit der Diagnose geht das nicht und dass ich doch viel zu schlecht dafür sei, Triathlon gezielter in einem Verein zu praktizieren.“ Doch genau das hat mich weitergebracht und es macht mir sehr viel Spaß dort. Mittlerweile bin ich neben der Trainertätigkeit in unserem Kindertriathlonteam auch noch Abteilungsleiterin. 

Im letzten Jahr hatte ich wieder einen Schub. Daraufhin hat mich mein Neurologe sehr lange krankgeschrieben. Ich war über 5 Wochen aus dem Verkehr gezogen. Da ich aber nun mal ein rastloser Mensch bin, hab ich den Arzt gefragt, was ich tun soll. Und er sagte mir, ich soll all das tun, was mir gut tut. Damals hatte ich gerade ein neues Triathlonrad und mein Trainer sagte dann auch: ‚Geh einfach Radfahren‘. Ich habe mir den Kopf dann sozusagen frei gefahren und mich dabei intensiv mit der MS und meinem Leben auseinandergesetzt.

Sie sind MS-Betroffene und machen Triathlon?

Ja, das geht. 2000 habe ich meinen ersten Triathlon gefinisht. Bis 2012 waren es aber immer nur Sprintdistanzen, die ich in Angriff genommen habe (200 m Schwimmen, 20 km Rad fahren, 5 km Laufen). Mehr traute ich mich nicht. Letztes Jahr habe ich dann sogar bei einem Triathlon in Köln die Distanz von einem halben Ironman in Angriff genommen. Das kam daher, dass mein Trainer meinte, dass ich aufgrund meines intensiven Radtrainings endlich mal eine olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Rad fahren, 10 km Laufen) absolvieren soll. Ich meldete mich also bei einem Triathlon in der Pfalz an und der hat richtig gut geklappt. Mein Trainer meinte danach, dass ich stolz auf mich sein kann, weil es die härteste olympische Distanz sei, die es in Rheinland-Pfalz gibt. Und dann meinte er weiter, da ich jetzt schon so viel erreicht habe, könnte ich jetzt auch den halben Ironman in Angriff nehmen: 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21 km Laufen. Das habe ich dann auch getan und alles zusammen in 6:01 Stunden bewältigt.

Haben Sie eine Lebenseinstellung, die Sie zu solchen Höchstleistungen animiert?

Ich will mich selbst anstrengen! Das habe ich ein bisschen von meiner Oma geerbt – dass man sich selbst anstrengen und nicht hängen lassen soll. Gut, ich habe auch Tiefpunkte, die hat jeder! Jedoch muss man versuchen, da selbst wieder rauszukommen. Ich bin positiv eingestellt. Ich habe Durchhaltevermögen und bin ein extrem aktiver Mensch. Ich handwerkle auch gerne, arbeite im Garten und male auch. Dafür investiere ich auch viel Zeit.

Hilft Ihnen diese Einstellung auch beim Umgang mit der MS?

Ich denke schon. Auf jeden Fall helfen da aber auch Gespräche mit Freunden, der Familie, Bekannten und teilweise Ärzten, die mich unterstützen. Dass Betroffene wenig über die Krankheit sprechen, liegt auch daran, dass sich unheimlich schwer vermitteln lässt, was bei der MS los ist.

Gibt es etwas, das Sie anderen MS-Betroffenen mit auf den Weg geben wollen?

Es ist unglaublich wichtig, sich sportlich zu betätigen – vor allem Kraft- und Koordinationstraining. Eine gesunde Ernährung spielt da natürlich auch mit rein. Da ich selbst Trainerin bin und als Lehrerin auch Sport unterrichte, weiß ich, wie sich das Ganze auf das Gleichgewicht und die MotorikAls Motorik werden die vom Gehirn gesteuerten Bewegungsvorgänge bezeichnet. Bewegungsmuster werden im Kortex (Großhirn) entworfen und werden über das Rückenmark sowie die peripheren Nerven zum Muskel weitergeleitet. ausübt. Sport ist eine Methode, um sich immer wieder selbst herauszufordern, Spaß zu haben und nicht hängen zu lassen.

Was würden Sie anderen MS-Betroffenen für Sportarten empfehlen?

Auf jeden Fall Sportarten, die die Kraft und Ausdauer schulen. Und wenn jemand wie ich SensibilitätsstörungenEmpfindungsstörungen hat, ist Schwimmen total angenehm. Diese Störungen lassen sich – so habe ich es empfunden – im Wasser einfach mal abstellen! Ansonsten einfach auch raus an die frische Luft gehen, sich bewegen und Sonne zu tanken.

Sehr wichtig ist aber auch, das Ruhen nicht zu vergessen: Ich mache zum Beispiel täglich ein kurzes Mittagsnickerchen von 10 Minuten. Danach bin ich wieder fit.

Liebe Frau Neuburger, haben Sie vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel sportlichen Erfolg!


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