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Diäten für Menschen mit MS

Ein stetig diskutiertes Thema, das viele MS-Betroffene brennend interessiert, ist die Frage, ob es spezifische Diäten gibt, die für Menschen mit MS besonders zu empfehlen sind oder die gar die Progression der MS positiv zu beeinflussen bzw. Symptome verbessern können. Hierzu existieren viele Studien, die ein eindeutiges Ergebnis schuldig bleiben. Zu dem Thema "Diäten bei MS" existiert eine Unmenge an Literatur – von für den Laien kaum verständlichen wissenschaftlichen Abhandlungen bis hin zu unseriösen Versprechungen, die dann gerne direkt an "unschlagbare Angebote" mit Direktbestellung geknüpft sind. Sicher erscheint wohl so viel: Es handelt sich um eine Frage, auf die es derzeit keine einfache Antwort gibt.

Zusammenhang zwischen Ernährung und MS

Interessantes gab es beispielsweise schon 2002 aus Dänemark zu berichten, wo eine multidisziplinäre Arbeitsgruppe in den MS-Zentren in Ry und Haslev eine MS-Diät entwickelte. Diese Arbeitsgruppe recherchierte dazu in einer Datenbank Studien, die einen Zusammenhang zwischen MS und Ernährung und den Auswirkungen von Diäten auf das Fortschreiten der MS herstellten. Die Idee: Die MS-Diät beruht auf einem ganz einfachen Prinzip, der Körper verwertet aus dieser Diät Elemente, die die Immunreaktion entweder verstärken oder unterdrücken. Ein großes Augenmerk wurde dabei auf ein ausgeglichenes Verhältnis der sogenannten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren und auf Antioxidantien – die insbesondere über frisches Obst und Gemüse aufgenommen werden – gelegt.

Ungesättigte Fettsäuren und Antioxidantien

Heute sind gerade diese ungesättigten Fettsäuren und auch die Antioxidantien in aller Munde. Doch wie ist die Sicht der Wissenschaft?

Es gibt zwar eine sehr große Anzahl von Studienergebnissen zu den erwähnten und auch zu anderen Substanzen – angefangen von Laborversuchen mit Zellen über Tierversuche bis hin zu klinischen Studien mit Menschen. Allerdings waren die genauen Bedingungen und Fragestellungen dieser Studien oftmals nicht geeignet, um letztendlich eine klare Schlussfolgerung zu ziehen. Insbesondere für Menschen mit MS stehen keine eindeutigen Daten zur Verfügung.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel vom Januar 2007, in dem italienische Wissenschaftler eine große Zahl klinischer Studien mit MS-Betroffenen, die eine spezielle Diät oder Nahrungsergänzungen erhalten hatten, auswerten. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Cochrane-Review, benannt nach einer großen wissenschaftlichen Datenbank. Das Urteil der Wissenschaftler fiel eher vernichtend aus: Ein großer Teil der Studien wies deutliche Qualitätsmängel auf. Insgesamt konnte für mehrfach ungesättigte Fettsäuren kein positiver Effekt gefunden werden, aber auch kein Hinweis auf eine erhöhte Toxizität durch die Einnahme. Von den Studien, bei denen Vitamine eingenommen wurden, erreichte keine die Qualitätsanforderungen, um überhaupt in die Auswertung zu kommen.

Gesunde Ernährung bei MS 

Bedeutet dies also, dass viele MS-Betroffene unnötige Energie in eine gesunde Ernährung stecken, Fisch, Obst oder Gemüse auf den Tisch bringen, obwohl sie auch ohne ein Augenmerk auf eine ausgeglichene Ernährung genauso gut davon kämen?

Das wäre sicher die falsche Folgerung. Die hier zitierten – wie auch andere – Untersuchungen zeigen nur, dass derzeit aus streng wissenschaftlichem Blickwinkel keine eindeutige Empfehlung für eine spezifische MS-Diät oder einen Zusatz bestimmter Nährstoffe zur Diät gegeben werden kann. Ein Grund dafür ist, dass bisher noch nicht lange genug und nicht genau genug untersucht wurde, wie sich verschiedene Diäten oder Nahrungszusätze auswirken. Dagegen sollte man nicht vergessen, dass es viele Einzeluntersuchungen gibt, die darauf hinweisen, dass bestimmte Vitamine, Fettsäuren und Spurenelemente einen günstigen Effekt auf die Gesundheit haben können.

Die Bedeutung von Vitamin D

Zu den "verdächtigen" Wohltätern zählt auch das Vitamin D, ein in Zusammenhang mit der MS mittlerweile häufig diskutiertes Vitamin. Die Beobachtung, dass die MS in sonnigen Ländern selten ist, brachte früh die Vermutung auf, Vitamin D könnte ein entscheidender Faktor dabei sein. Denn durch UV-Strahlung entsteht in unserem Körper das für den Stoffwechsel notwendige Vitamin aus seinem Vorläufer, der vom Organismus hergestellt wird. Aber auch durch eine geeignete Diät, z. B. durch fischreiche Kost, kann ein hoher Vitamin D-Spiegel erreicht werden, was die geringe Häufigkeit der MS in Norwegen erklären könnte.

Ein weiteres Beispiel aus der schier endlos erscheinenden Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen: Kürzlich berichtete eine kanadische Forschergruppe von der Beobachtung, dass eine zusätzliche Gabe der sogenannten langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren – die ja auch die dänischen MS-Spezialisten als wichtig ansehen – bei Kindern einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklung bestimmter Zellen des ImmunsystemDas Immunsystem ist ein komplexes System von Zellen und Zellfunktionen in einem Lebewesen. Es dient der Abwehr von fremden Substanzen und Krankheitserregern. haben kann4. Diese Fettsäuren sind übrigens in einem ganz bestimmten Mengenverhältnis und hochkonzentriert in der Muttermilch vorhanden. Auch wenn die hier beobachteten Veränderungen des Immunsystems in keinem Falle eine Aussage über das tatsächliche Befinden erlauben, so zeigt diese Untersuchung doch einen deutlichen und sehr spezifischen Einfluss dieser Nährstoffe auf molekulare Vorgänge im menschlichen Körper.


Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass Menschen mit MS auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten sollten.



Quellen:

  • Farinotti M, Simi S, Di Pietrantonj C, McDowell N, Brait L, Lupo D, Filippini G. Dietary interventions for multiple sclerosis. Cochrane Database Syst Rev. 2007 (1): CD004192.

  • Kampman MT, Brustad M. Vitamin D: a candidate for the environmental effect in multiple sclerosis – observations from Norway. Neuroepidemiology. 2008; 30: 140-146. Epub 2008 Apr 2.

  • Mazurak VC, Lien V, Field CJ, Goruk SD, Pramuk K, Clandinin MT. Long-chain polyunsaturated fat supplementation in children with low docosahexaenoic acid intakes alters immune phenotypes compared with placebo. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2008 May; 46(5): 570-579.


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