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Die Welt mit dem Rad erkunden

Alles begann bei der Reha im Abschlussgespräch mit der Ärztin, die Bianca Rieker empfahl, sich sportlich zu betätigen. Es endete auf einer Outdoor-Messe, wo sich die lebensfrohe Frau anstatt Laufschuhe ein Pedelec kaufte.

Völlig ungeübt legte sie seitdem mit ihrem Fahrrad weite Strecken von der Donauquelle nach Wien (967 km) und vom Bodensee nach Bremerhaven (1457 km) zurück. Wie sie auf die Idee kam, solche großen Touren zu fahren und wie gut sich das Radeln auf ihre Kondition und Beweglichkeit auswirkt, erzählt sie uns in einem Interview.

Frau Rieker, wann haben Sie die Diagnose MS erhalten und wie äußert sich die Krankheit bei Ihnen?

Die Diagnose erhielt ich vor genau zehn Jahren, zwei Tage nach meinem 31. Geburtstag. Mittlerweile lebe ich ganz gut damit, aber die ersten sieben Jahre waren ziemlich heftig. Ich hatte einen Schub nach dem anderen und die typischen Symptome wie Taubheitsgefühle, Lähmungen oder Kribbeln. Zum Glück ging das meiste wieder weg. Jetzt habe ich nur noch einen kleinen Zeh, der Spastiken hat. Der quält mich zwar ab und zu einmal, aber ansonsten geht es mir ziemlich gut.

Sind Sie schon vor Ihrer Diagnose viel Rad gefahren oder wie kamen Sie dazu?

Ich habe eigentlich nie groß etwas Sportliches gemacht, muss ich gestehen. Zum Fahrradfahren bin ich erst letztes Jahr gekommen. Nachdem mir meine Ärztin in der Reha geraten hatte, endlich etwas zu tun, habe ich damit angefangen, jeden Tag ungefähr acht Kilometer zu laufen. Ich musste dann aber merken, dass das mit meinem Zeh ziemlich schmerzhaft ist und einfach nicht geht. Auf einer Outdoor-Messe wollte ich mir eigentlich gute Laufschuhe kaufen, mitgenommen habe ich schließlich ein Pedelec. Das ist eine Art E-Bike, bei dem der Fahrer bei Bedarf eine Unterstützung zuschalten kann.

Wie entstand die Idee, eine so große Tour zu machen?

Ursprünglich wollte ich mit meinem Rad nach Spanien fliegen und einen Teil des Jakobswegs fahren. Das ging aber leider nicht, weil die Flugzeuge damals keine Fahrradakkus mitnehmen durften. Also habe ich mir eine andere Strecke gesucht und bin im letzten Jahr völlig ungeübt in 11 Tagen von Donaueschingen nach Wien gefahren. Das hat mir solchen Spaß gemacht, dass ich jetzt nur noch Fahrrad fahre. Seitdem fahre ich fast ausschließlich mit dem Rad.

Von wo aus sind Sie dieses Jahr gestartet und wo wollten Sie hin?

Dieses Jahr bin ich direkt vor meiner Haustür in Meckenbeuren, das liegt am Bodensee, gestartet. Mein Ziel war, dem Rheinradweg folgend, Hamburg. Ich habe drei Tage Pause eingelegt – ansonsten bin ich immer ziemlich zügig gestrampelt. Im Schnitt saß ich 5 ½ Stunden am Tag auf dem Rad. Leider musste ich aus privaten Gründen meine Tour in Bremerhaven abbrechen, aber ich werde sie auf jeden Fall zu Ende fahren. Am 14.Juli fahre ich mit dem Zug ich zurück nach Bremerhaven und fahre das letzte Stück nach Hamburg.

Und wo haben Sie übernachtet während der Tour? Haben Sie dann einfach abends irgendwo angehalten und haben sich ein Hotelzimmer genommen?

Ich habe mich am Couchsurfing orientiert – allerdings suchte ich meine Übernachtungsmöglichkeiten nicht über Portale, sondern über Facebook. In den Gruppen, in denen ich bin, habe ich einfach geschrieben, dass ich auf der Strecke von Donaueschingen nach Wien/ Hamburg unterwegs bin und dann gefragt, wer mir ein Sofa zum Schlafen anbieten kann. Dieses Jahr habe ich das auch so gemacht. Ich hatte 21 Stationen, 9 meiner Gastgeber waren Leute mit MS. Deshalb nenne ich die diesjährige Tour auch meine „MS-Tour“.

Bleiben Sie mit den Leuten, bei denen Sie übernachtet haben, weiterhin in Kontakt?

Ich bin mit allen noch, in Kontakt. Es hat auch jeder eine Postkarte aus Bremerhaven bekommen. Und wenn ich in Hamburg ankomme, bekommt jeder noch einmal eine.

Merken Sie schon eine Verbesserung Ihrer Kondition oder Beweglichkeit?

Absolut. Konditionsmäßig hatte ich die ganze Tour über keine Probleme. Die Leute waren immer überrascht, wenn ich nach acht Stunden Unterwegssein topfit angekommen bin. Auch die FatigueTypisches MS-Symptom: Es zeichnet sich durch sehr schnelle Ermüdbarkeit sowie körperliche und geistige Erschöpfbarkeit des Betroffenen aus. war fast komplett weg. Ein-, zweimal habe ich schon gedacht, dass ich gleich einschlafe. Dann habe ich eine Pause gemacht und mich auf eine Wiese gelegt. Aber so wie zu Hause, wo ich oft k.o. bin und viele Pausen brauche, war es auf der Tour nicht.

Gab es einen Moment, in dem Sie die Tour abbrechen wollten?

Es hat zwar von den 21 Tagen, an denen ich gefahren bin, bestimmt 12 Tage geregnet, gestürmt, gehagelt und sogar einmal geschneit, aber ich habe nie daran gedacht aufzugeben. Wettertechnisch und konditionsmäßig kam es für mich nie infrage die Tour abzubrechen.

Was würden Sie anderen MS-Betroffenen mit auf den Weg geben?

Jeder sollte sich ausprobieren und in kleinen Schritten anfangen. Es muss nicht immer die 50 Kilometer Fahrradtour sein, es reichen auch fünf. Und es ist doch schon ein Erfolg, wenn man morgens nicht mit dem Auto zum Bäcker fährt, sondern mit dem Fahrrad. Nach meiner Tour habe ich mir einmal überlegt: Warum mache ich das überhaupt? Sicherlich wollte ich mir zum einen beweisen, dass ich das schaffe. Zum anderen will ich aber auch Menschen zeigen: MS heißt nicht, dass man nichts mehr kann, nichts mehr tun soll. Wenn man will, dann schafft man solche Sachen!

Gibt es Pläne für nächstes Jahr?

Ich plane nächstes Jahr die Ostsee zu umradeln. Das wird ein wenig heftiger, denn das sind so an die 8.000 km. Das werde ich dann womöglich auf 3 Jahre verteilen. Falls jemand einen Schlafplatz frei hat oder eine kleine Strecke mitradeln möchte, kann sich gern melden.

Frau Rieker, vielen Dank für das nette Gespräch.


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