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Ein außergewöhnliches Tomatenprojekt aus Aschersleben

Tomate ist nicht gleich Tomate – niemand weiß das so gut wie Gisela Ewe. Die Ascherslebenerin, die 2006 die Diagnose MS erhielt, baut seit einigen Jahren Tomaten aus aller Welt an, darunter auch echte Raritäten. 2011 waren es 56 Sorten, im Jahr 2012 gut 100, im Jahr 2013 schließlich knapp 200. In diesem Jahr wollen Gisela Ewe und ihre Helfer die 300er-Marke knacken.

Angesteckt: Ascherleben im Tomatenfieber

Sie sind rot, weiß, schwarz, violett, groß oder klein, rund oder oval – und tragen so ungewöhnliche Namen wie Chocolate Cherry, Black Russian, Blue Berry oder White Tomesol. Einige von ihnen sind echte Raritäten. So konnten bei Gisela Ewe auch schon blaue Tomaten bewundert werden, gleichwohl Tomaten, die nicht größer sind als kleine Johannisbeeren, oder auch Tomatenriesen, wie die ungarische Sorte De Berao Giant, die Früchte trägt, die bis zu einem Kilogramm schwer werden können.

Angesteckt mit ihrem Tomatenfieber hat die Ascherslebenerin bereits nicht nur den heimischen Regionalverband der Kleingärtner, der ihr jedes Jahr für die Aussaat ein Gartenstück als Schaugarten zur Verfügung stellt, sondern auch den einen oder anderen Tomatenliebhaber aus ganz Deutschland. „Auch in diesem Jahr konnten wir wieder zahlreiche Gäste zu unserem Tomatentag 2014 begrüßen“, erzählt Gisela Ewe stolz. Der Tomatentag ist inzwischen in Aschersleben zur Tradition geworden: Jedes Jahr im August öffnet der Kleingartenverein die Pforten und lädt Interessierte dazu ein, seltene Tomatensorten zu bestaunen und zu probieren.

Gesammelt: Tomatensamen aus aller Welt

In Gisela Ewes Sammlung finden sich einheimische wie internationale Sorten. Bei einem Besuch auf dem Landwirtschaftstag vor einigen Jahren hatte die unwahrscheinliche Vielfalt an Farben, Formen und Geschmack der dort ausgestellten roten Früchte die passionierte Gärtnerin so sehr begeistert, dass sie bald selbst anfing, immer mehr Zeit für die Recherche nach neuen Sorten aufzuwenden. Heute bereichern ihre Sammlung Tomatenpflanzen aus Frankreich, Kuba, Argentinien, Russland, Taiwan, Polen oder der Ukraine.

„Ich habe viele Tomatensamen geschenkt bekommen – von Freunden, die diese aus dem Urlaub mitgebracht haben, oder von anderen Tomatenliebhabern“, erklärt Gisela Ewe ihre Vielfalt. Die Samen bringt die Ascherslebenerin jedes Jahr im März gemeinsam mit ihrem Mann und einem befreundeten Hobbygärtner in die Erde. Nach den Eisheiligen werden sie dann im Kleingartenverein ausgepflanzt. Diese Arbeit muss Ewe, die sich als MS-Betroffene weniger gut mit schwerer Gartenarbeit befassen kann, allerdings nicht alleine stemmen: Mitarbeiter der Ökologischen Sanierungs- und Entwicklungsgesellschaft (Öseg) bereiten den Garten vor und übernehmen die Pflege. Das Ernteergebnis wird vollständig der Tafel gespendet.

Trainiert: Gartenarbeit als Ergotherapie

„Ohne meinen Mann könnte ich diesem Hobby niemals nachgehen“, gibt Gisela Ewe gerne zu. „Ich kann mit meinen Händen arbeiten – und zwar am besten am Tisch. Also bringt mein Mann mir alles, was ich brauche, dorthin. Und da mein Hobby viel Zeit in Anspruch nimmt, muss ich ihm dankbar sein für seine Geduld.“

Als studierte Argrarwissenschaftlerin war Ewe jahrelang in der Landwirtschaft beschäftigt. Seit 1991 arbeitete sie in der Medizintechnik und leitete bis zu ihrer Rente 2001 ein Sanitätsfachgeschäft. Die Arbeit mit den Pflanzen tue ihr gut, sagt die 68-Jährige. Sie sei besser als jede Ergotherapie – auch wenn sie zugeben muss, mittlerweile deutlich weniger im Garten zu machen als früher.

Zuversichtlich: Ich lebe mit der MS, die MS aber nicht mit mir

Anderen MS-Betroffenen rät Ewe, die MS nicht zu nah an sich herankommen zu lassen. „Ich lebe mit der MS, die MS aber nicht mit mir“, lautet ihr Motto. Sobald sie Nervenschmerzen empfindet, lenkt sie sich ab, indem sie sich an den Computer setzt, E-Mails schreibt, an ihrem Buch weiterarbeitet oder mit anderen Tomatenliebhabern in ganz Deutschland in Kontakt tritt. Ihr grundsätzlicher Rat: zu Menschen Kontakt halten, Freundschaften pflegen und sich trotz der MS ruhig etwas zutrauen – vielleicht sogar ein etwas ungewöhnliches Hobby beginnen. So wie sie. Und zwar mit Leidenschaft.


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