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Eine Tätowierung mit besonderer Bedeutung

Seit 2008 lebt Manuel Trepte mit der MS-Diagnose. Bemerkt hat er die Multiple Sklerose in seinem rechten Bein, welches seine fehlerfreie Funktion eingestellt hatte.

"In diesem Bein hatte ich ein weiches Knie und habe gehinkt – kurzum, es hat nicht mehr richtig funktioniert", erinnert sich der 33-Jährige.

Aber Manuel Trepte lässt sich davon nicht einschüchtern. Auch wenn ihm die Diagnose anfangs einen Schock versetzt hat, nimmt er sein Leben mit MS aktiv in die Hand. Dank der medikamentösen MS-Therapie und Physiotherapie kann er heute sagen: "Ich fühle mich blendend". Um dieses Gefühl zu versinnbildlichen, hat er sich die Strukturformel von seinem MS-Medikament auf die rechte Wade tätowieren lassen. Das COPAKTIV Service-Team hat ein spannendes Interview mit ihm geführt.

Sie haben sich die Strukturformel von einem Multiple Sklerose Medikament tätowieren lassen. Ist die Idee zur Tätowierung nicht auch ein bisschen verrückt gewesen?

Ich war schon länger auf der Suche nach einem weiteren Motiv für eine Tätowierung. Ich wollte etwas, das für mich eine tiefere Bedeutung hat. Und da habe ich bei einer guten Bekannten ein Tattoo gesehen, das mich zum Nachdenken gebracht hat: Sie hat sich die Strukturformeln von Serotonin und Dopamin als Sinnbild des Wohlfühlens tätowieren lassen. Da hat bei mir gleich mein kreativer Gedankenmotor eingesetzt und ich bin schließlich auf die Formel für mein Multiple-Sklerose-Medikament gekommen.

Wie haben Sie die Formel für das MS-Medikament herausgefunden?

Ich habe das Medikament gegoogelt und bin dadurch auf den Wirkstoff gestoßen. Aus Wikipedia ging dann die Summenformel C25H45N5O13 hervor, die ich durch weitere Nachforschungen anhand unterschiedlicher Quellen verifizieren konnte. Zu dieser recherchierte ich mir dann eine Strukturformel. Ich überprüfte diese zunächst durch Online-Quellen. Um auch wirklich auf Nummer sicher gehen zu können, habe ich die angeglichene Form einem Chemiker, einem Nanostrukturwissenschaftler und zuletzt einem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Fachbereiches Chemie der Universität Kassel, an der ich in einem anderen Fachbereich tätig bin, vorgelegt, um diese zu überprüfen. Das Ergebnis war einstimmig: Die Strukturformel spiegelt die Summenformel von dem Multiple-Sklerose-Medikament korrekt wider.

Die Strukturformel bildet nur die einzelnen Bestandteile ab, die sich dann zu einer Peptidkette vereinigen. Diese ist nicht zu beschaffen oder herzuleiten, da das Pharmaunternehmen die Peptidkette und deren genauen Aufbau geheim halten wird. Aber für mein Vorhaben reichten mir ja schon die Bestandteile von meinem MS-Medikament und die Bedeutung, die für mich dahinter steht.

Und dann ging es mit der Strukturformel zum Tätowierer?

Ich habe mich mit meinem Tätowierer, der ein langjähriger Freund von mir ist, abgestimmt und dann ging es auch schon los. Am 10.02.2012 ist das Tattoo mit dem Abbild von meinem Multiple-Sklerose-Medikament entstanden – und das Ergebnis lässt sich sehen! Ich habe es auf die rechte Wade stechen lassen, denn so macht es vor dem Hintergrund meiner Geschichte und der MS-Diagnose noch mehr Sinn.

Wie haben Ihre Freunde und Familie auf das Tattoo reagiert?

Ich habe mir natürlich im Vorfeld deren Meinungen eingeholt. Die Idee wurde aber von allen sehr positiv begrüßt – die kannten natürlich den Hintergrund. Für die Wundheilung bin ich direkt nach der Tätowierung am Lehrstuhl mit hochgekrempelten Hosen rumgelaufen und natürlich drauf angesprochen worden.

Was haben Sie auf die Frage geantwortet, was das auf Ihrem Bein ist?

(lacht) Ich schwindle gerne in Bezug auf die Bedeutung des Motivs und variiere mit meinen Antworten. Anfangs war meine favorisierte Antwort. "Currywurst-Pommes". Aber es hat sich momentan eine andere Antwort durchgesetzt: "Raketentreibstoff". Da blickt man dann schon mal in sehr verdatterte Gesichter und der Schwindel ist nicht ganz so offenkundig wie bei Currywurst-Pommes. Je nachdem, wie nah mir die/der Fragende steht, löse ich das wieder auf. Ansonsten lasse ich das einfach so stehen und freue mich über die verblüfften Gesichter.

Wie bewahren Sie sich Ihre Lebensfreude mit der MS-Diagnose?

Mir haben ganz besonders meine Freundin und meine Eltern sowie meine Freunde geholfen und mich unterstützt. Ich habe mich damit abgefunden, ich muss ja damit leben – auch wenn das direkt nach der MS-Diagnose natürlich niederschmetternd war. Aber es nützt nichts, die Nerven zu verlieren und in Selbstmitleid zu verfallen. Es muss weitergehen und man muss das Beste aus der Situation machen.

Was würden Sie anderen Menschen mit Multiple Sklerose mit auf den Weg geben?

Keine Panik zu bekommen. Natürlich ist es schwierig, die MS-Diagnose zu akzeptieren und mit der Multiple Sklerose zu leben. Aber man sollte nicht in Depression oder Panik verfallen. Man sollte jeden Tag aktiv gestalten und das Bestmögliche daraus machen. Ich versuche, mir jeden Tag etwas Gutes zu tun. Die regelmäßige Physiotherapie ist für mich beispielsweise ein prima Ausgleich. Mein Therapeut ist mir mittlerweile ein guter Freund geworden.


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