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„Ich habe MS… na und?!“

Wir vom Aktiv mit MS Serviceteam freuen uns, wenn Sie, liebe Leser, uns Ihre Geschichten einsenden, damit wir auf www.aktiv-mit-ms.de darüber berichten können. Norbert Gallena hat seit fünf Jahren MS, doch das hält ihn nicht davon ab, seinem Hobby, dem Modellfliegen, mit Leidenschaft nachzugehen. Mit einem Autorenbeitrag berichtet er in diesem Monat darüber:

„Im zarten Alter von sechs Jahren bastelte ich mein erstes Modellflugzeug. Damals noch freifliegend ohne Fernsteuerung. Die Flugeigenschaften eher schlecht als recht, hielten mich aber nicht davon ab, seit dieser Zeit dem Hobby Modellfliegen intensiv zu frönen. Es gipfelte in der Teilnahme an der Europameisterschaft 1987 und im Jahr 2000 an der Weltmeisterschaft. Dann ging ich es etwas ruhiger an und betrieb das Hobby nur noch ‚just for fun‘.

Horst aus Köln, der 1987 unser Mannschaftsführer war, rief mich eines Tages an und erzählte, dass die ganze Kölner Clique immer im Sommer zum Hangsegelfliegen ins Zillertal fährt und ob ich Lust hätte mitzukommen. Das war 2007. Seitdem machen wir diesen Modellfliegerurlaub einmal jedes Jahr im Alpengasthof Tannenalm.

Zum Hintergrund: Einige Modellfliegerpiloten brachten den Wirt des Alpengasthofes Tannenalm auf ca. 1. 300 Meter Höhe und wunderschön an einem Hang mit herrlichen Aufwinden gelegen, auf die Idee „Modellfliegerurlaub“ anzubieten. Er ließ sich beraten, was er alles an Infrastruktur braucht: Werkstatt, Ladestationen, Frequenzorganisation, ja sogar mehrere Abschussrampen am Berg für ganz große Modelle. Dann veröffentlichte er in unserer Fachzeitschrift eine kleine Anzeige. Seitdem ist der Gasthof das ganze Jahr hauptsächlich von Modellfliegern ausgebucht. Helmut, der Wirt, ist ein wahrer Tausendsassa. Er hat etliche Rinder und Schweine, schlachtet selber, ist in der Küche zugange, hat seine Landwirtschaft, kümmert sich sehr persönlich um die Gäste und nimmt sich noch die Zeit selber Flugmodelle zu steuern.

Vor fünf Jahren bekam ich die Diagnose MS. Zum Jahreswechsel 2012/2013 hatte ich einen schweren Schub, so dass ich zeitweise sogar einen Rollstuhl benutzen musste. Für Juli war wieder „Tannenalm“ angesagt. Das war für mich eine sehr starke Motivation, bis dahin wieder einigermaßen fit zu sein, denn das wollte ich mir schließlich auf keinen Fall entgehen lassen. Im Juli war es dann so weit. Horst kam aus Köln, machte wie immer bei mir in Würzburg Zwischenstation und am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Österreich, diesmal Rollator mit im Gepäck. Von den Wirtsleuten wurden wir wie immer herzlich begrüßt. Sie wussten schon von meiner Krankheit und Behinderung und gaben mir deshalb ein Zimmer, das ich leicht über wenige Treppenstufen erreichen konnte. Der Rollator erwies sich schließlich sogar als recht praktisch zum Transport von Flugmodellen, Werkzeug und der Fernsteuerung, wenn es täglich früh von der Werkstatt an den Hang ging. Die Hilfsbereitschaft der anderen Fliegerkollegen war vorbildlich. Da ich beim Steuern des Modells schlecht stehen konnte, brachte mir sofort einer einen Stuhl. Wenn das Modell etwas abseits gelandet war, ging sofort ein anderer das Modell für mich zurück holen. Die traumhafte Landschaft, das gute Essen und die tolle Gesellschaft mit Gleichgesinnten machten es einfach, die Krankheit für diese Zeit fast zu vergessen. Wir hatten unheimlich viel Spaß, es wurde viel gelacht und Witze gemacht, aber auch ernsthafte Fachgespräche geführt.

An einem Tag, es war wieder „Hammerthermik“, wollte jeder möglichst schnell sein Modell in die Luft bringen. Etwa zehn Modelle kreisten in der Luft, als es passierte. Mein Modell stieß frontal mit einem anderen Modell in der Luft zusammen. Das Ergebnis: Beide Totalschaden! Nachdem der erste Schock überwunden war und die Kollegen für mich die Trümmer aufgesammelt hatten, unterhielt ich mich mit meinem „Unfallgegner“. Es stellte sich heraus, dass er der Landesvorsitzende des Luftsportverbandes Mecklenburg/Vorpommern ist. Nach dem Abendessen setzten wir uns zusammen und er regelte alles Versicherungstechnische online mit Hilfe seines Laptops.

Am nächsten Tag ging es mit der Fliegerei wieder weiter, schließlich hatte ich noch drei weitere Modelle im Kofferraum. Diesmal etwas vorsichtiger. Wenn mehr als fünf Modelle in der Luft waren, blieb mein Modell sicherheitshalber am Boden. Die Woche verging im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug und der Abreisetag Sonntag war gekommen. Alle Modelle, bzw. was davon übrig geblieben war, wurden eingepackt, wir verabschiedeten uns herzlich und heimwärts ging es.

Ich freue mich schon auf den nächsten Modellfliegerurlaub.

Übrigens: Das Zusammenbauen der Modelle schult die MotorikAls Motorik werden die vom Gehirn gesteuerten Bewegungsvorgänge bezeichnet. Bewegungsmuster werden im Kortex (Großhirn) entworfen und werden über das Rückenmark sowie die peripheren Nerven zum Muskel weitergeleitet. und das Fliegenlassen trainiert die Reaktion, die Koordination und das Sehvermögen.

Ich habe zwar MS, aber sage: Na und! Ich lasse mich davon nicht unterkriegen. Ich bin nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt. Im Verein habe ich stets viel Unterstützung bekommen und das stärkt natürlich auch. Ich wollte nie Mitleid haben und wenn ich Hilfe brauche, dann frage ich danach. Ansonsten möchte ich ganz normales Leben führen.“


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